Wem geht es gut? Und wie war euer Weg und wie lange hat er gedauert?

Liebe alle!

Nach einem starken Tief habe ich mich entschieden, wieder mal ins Forum zu posten, mit der Hoffnung auf „Feel-Good-Geschichten“.

Ich bin 30 Jahre alt und seit über einem Jahr arbeitslos und habe mein Leben lang mit Depressionen zu tun gehabt. Seit der ADHS-Medikation geht es mir viel besser. So ein Tief wie nun habe ich schon länger nicht gehabt und zusätzlich dauern die Tiefs nun nicht mehr sooo lange, wie früher. Sehr intensiv sind sie trotzdem. Ich würde dennoch nicht von mir behaupten, dass es mir „gut“ geht.

Ich fühle eine sehr starke innere Leere und das hat mit unterschiedlichen Faktoren zu tun. Dass ich keine Arbeit finde, macht mir unglaublich zu schaffen. Was mir aber auch zu schaffen macht ist, wie das Leben sein wird, wenn ich wieder arbeite. Ich weiß, dass Schwarzmalen nicht unbedingt hilfreich ist, aber wenn ich mich mit anderen ADHSler/innen austausche, egal ob im Freundeskreis, oder Bekannte, dann geht es ihnen auch nicht wirklich gut. Die meisten gehen einer Arbeit zwar nach, aber es gibt immer wieder starke „Crashouts“.

Deshalb meine Frage nach einem ehrlichem Hoffnungsschimmer. Was hat euch geholfen? Welchen Job führt ihr aus? Seid ihr in einer Langzeitbeziehung, etc.? Ich möchte einfach irgendwas lesen, dass ~ trotz allem ~ jemand einen Weg gefunden hat, zufrieden oder glücklich zu sein.

Ich hoffe, dass das in Ordnung ist, zu posten. Ich bin eine Person, die immer kämpft und alles mögliche versucht. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Mühen umsonst sind und dass ich gefühlt nie zur Ruhe kommen werde, einen geregelten Alltag und ein geregeltes Arbeitsleben führen werde…

Liebe Grüße und ich schicke euch allen eine Umarmung :people_hugging: Danke für jede Person, die sich Zeit nimmt, meine Zeilen zu lesen und eventuell zu kommentieren. :heart:

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Hi @lattecappuccino

Deinen Wunsch nach einem Hoffnungsschimmer kann ich total nachvollziehen. Leider ist das oftmals, zumindest bei mir, auch der Wunsch nach „DER Lösung“.

Und die gibt es nunmal leider nicht. Auch wenn ADHS uns alle hier verbindet, sind wir viel zu unterschiedlich, mit anderen Umfeldern, Life lessons, Möglichkeiten etc.

OFF TOPIC, ABER AN MEINEM BALKON IST GERADE EIN GLÜHWÜRMCHEN LANG GEFLOGEN :heart_eyes:

Natürlich kann es trotzdem schön sein über Dinge zu sprechen die gut tun. Ich möchte nur vor der Enttäuschung warnen, dass es nicht 1 zu 1 übertragbar ist. (Damit will nicht sagen dass das nicht den meisten Menschen schon bewusst ist, bloß dass solche Hoffnungsschimmer viel zu verlockend sein können.

Im Endeffekt wirst du deinen ganz persönlichen Weg finden müssen, und dich vermutlich auch Dingen stellen müssen, die unangenehm sind.

Ich wünschte ich könnte sagen dass ich meinen Weg schon gefunden habe, aber so ist es nicht. Naja, wobei es ja ein Weg ist. Der Weg ist das Ziel und so. :sweat_smile:

Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute!

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Ist dann nicht deine Sicht auf alles in deinem Leben falsch?

Glück und Zufriedenheit kann ja nur entstehen, wenn man mit sich im Einklang ist und auch mit sich gut umgehen kann…

Vielleicht mußt du mal weniger nach außen schauen, vielleicht mußt du mal viel weniger dich an anderen messen sondern mit dir einen Weg finden wo du in den Spiegel gucken kannst und sagst das war ei guter Tag, ich habe alles gegeben, ich fand es ganz guzät was ich damit erreicht habe und kann deshalb zu frieden mit mir den Tag beenden und es fühlt sich auch angenehn an.

Mit sowas bleibst du bei dir, dem was du leisten, schaffen und auch verantworten kannst, wenn du immer auf andere schaust und vergleichst hast du nie eine Chance weil du meist hinterherhängen mußt das sind ja andere Ziele die dir auch nicht unbedingt liegen müssen und dann wesentlich aufwändiger und keäftezehrender sein könne …

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Liebe @Kathy

Auch wenn du durchaus Recht hast mit dem was du sagst, ist „du müsstest einfach mal“ meines Empfindens nach nicht hilfreich.

Was man nicht alles müsste oder sollte, sagt man sich ja oft schon selbst ständig.

Den Weg dahin zu finden, da liegt ja das Problem. :slightly_smiling_face:

Von daher: was hast du konkret gemacht, damit es bei dir so läuft?

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Hallo,

ich befürchte, ich helfe dir nicht viel, denn meine Situation ist doch eine ganz andere als deine.

Also, ich bin 60 Jahre alt und bekam meine ADHS-Diagnose 2003, also mit 37, und nehme seitdem Methylphenidat/Ritalin, was mir sehr hilft. Ich bin beruflich selbstständig und mit meiner ersten Freundin glücklich verheiratet.

Ich glaube an Jesus, höre viel und gerne klassische Musik und arbeite in meiner Freizeit intensiv in einer politischen Partei mit, was in letzter Zeit nicht immer Vergnügen bereitet, aber es fühlt sich jedenfalls richtig an. Also was mich selbst betrifft, habe ich ein sehr schönes Leben. Nicht immer, aber die letzten Jahrzehnte auf jeden Fall.

Der gar nicht schöne Punkt in unserem Familienleben ist unser älterer Sohn. Der hat nicht nur ADHS, sondern auch eine schwere und fortschreitende Behinderung. Er lebt in einem Heim und es geht ihm ziemlich schlecht.

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hab ich doch geschrieben

umdenken! ausschließlich bei sich selbst bleiben! ausschließlich für sich die eigene Leistung bewerten! !

Müsste => Höflichkeit aber wenn du alles immer falsch auslegen willst…

auch eine getroffene Entscheidung halt

Hallo @lattecappuccino, ich kann alles gut nachvollziehen. Man steht jeden Tag auf und geht irgendwie seinen Weg , aber alles ist miteinander verknotet und beschwerlich. Man wünscht sich, dass bitte alles einfach mal normal (= schön) werden soll.

Auch Beschäftigungslosigkeit, Neuorientierung, Existenzängste, Gefühl, falsch zu sein, nicht gebraucht zu werden vergebliche Versuche - mehrere, in ganz unterschiedlichen Bereichen, Finden einer guten Lösung, krachendes Scheitern einer vermeintlich guten Lösung, Plan B, C, D und E, Umsetzung des letzten Planes und seit Jahren Hadern, ob so etwas für mich überhaupt das richtige ist - all das habe ich erlebt in den letzten 10 Jahren. Es ist jetzt eigentlich jeden Tag mindestens OK, gar nicht mal so selten richtig gut und es gab keine tiefen Löcher mehr in den letzten drei Jahren.

Was mir geholfen hat, war Kontakt zu anderen Menschen - Freunden (alte, gute, teilweise auch neue), Selbsthilfe samt Beschäftigung mit den Hintergründen. Meine Partnerschaft ist eine riesige Stütze. Die war schon vorher da und hat die ganze Zeit (teilweise knartschend) immer noch funktioniert. Es h

Die Wende vor drei Jahren wurde ausgelöst durch eine intensive Beschäftigung mit einer Komorbidität. Nach ultimativer Aufforderung durch meine Partnerin und entsprechender Unterstützung habe ich schnell gemerkt, dass ich auf Alkohol erstaunlich leicht verzichten kann und das war vom ersten Tag an eine große Erleichterung, hauptsächlich weil die Scham sofort wegging. Nach und nach bekam ich Zugang zu meiner Gefühlswelt und irgendwann ging richtig die Post ab.

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Ich bin meistens ganz zufrieden mit meinem Leben.

Habe ADHS seit Sept. 2024 diagnostiziert, mitten im Studium. Habe mir selber Autismus dazu gedichtet, weil es in meiner Familie sehr viele Autisten gibt und ich eindeutige Züge aufweise. Noch ne extra Diagnose brauche ich für mich aber nicht.

Ich studiere + arbeite in einem „grünen Beruf“ :evergreen_tree: :owl: :sheaf_of_rice: :butterfly: und schließe jetzt im Sommer meinen Bachelor of Engineering ab. Master ab Herbst. Ich habe mich bereits selbständig gemacht, und das ist m.M.n. für A(u)DHSler gar keine schlechte Idee. Ich habe keine Kollegen oder Chefs, bei denen ich maskieren muss, ich kann komplett in meinem eigenen Tempo arbeiten, wenn ich Sonntag nachts um 3 arbeite, wenn juckt´s… ich habe natürlich Deadlines bei meinen Auftraggebern, aber bis dahin kann ich mir meine Arbeit einteilen wie es mir passt. Und das finde ich super! Ich bin mit diesem Modell momentan sehr zufrieden und will das auch nach dem Studium weiter so machen bis auf weiteres. Klar, nicht jeder Beruf ist geeignet, um sich selbständig zu machen, und diese Last (selbst und ständig) will auch nicht jeder tragen. Aber ich persönlich genieße die vielen Freiheiten dadurch total. Habe auch sehr nette Kollegen in der Branche, die auch freiberuflich arbeiten, und auch die Mitarbeiter meiner Auftraggeber / Kunden mit denen ich gelegentlich draußen gemeinsam unterwegs bin, sind auch alle super. Geht sogar soweit, dass ich mit manchen inzwischen privat mal was trinken gehen oder so. Diese Kollegen wissen dann auch von meiner ADHS Diagnose, der Rest muss es nicht wissen.

Ich wusste schon früh, dass ich beruflich was mit Natur/Umwelt/Artenschutz machen will, gerne auch mit (Wild-)Tieren, und genau da bin ich jetzt gelandet. :heart_on_fire: Ein Job mit Leidenschaft, hinter dem ich zu 110% stehe. Dass viele ADHSler in langweiligen / unterfordernden Jobs gefangen sind und dann unzufrieden, weiß ich leider von meinem ADHS Stammtisch. Aber natürlich ist es auch nicht immer einfach, mal eben den Job zu wechseln bzw was ganz neues anzufangen, gerade wenn Kinder im spiel sind oder eine Immobilie abbezahlt werden will etc. Aber, so doof es klingt, sucht euch Jobs für die ihr wirklich brennt…dann macht der ganze bums auch echt spaß :innocent:

Ansonsten lebe ich seit einigen Monaten mit meinem Partner zusammen, der hat auch ADHS. Wir sind aber noch gar nicht so lange ein Paar, dass er direkt bei mir einzieht, war den Umständen geschuldet. Wir haben gerade erst am Sonntag mal ein Resümee gezogen der letzten 6 Monate, und es war so - ausbaufähig :joy: wir ecken schon öfters mal ziemlich aneinander. Mein perfektionistischer Autismus kommt mit seinem chaos ADHS nicht immer zurecht. Aber wir waren uns auch einig, dass wir beide weiterhin an uns selber arbeiten wollen, weil wir diese Beziehung auf jeden Fall möchten und gemeinsam wachsen wollen. Er guckt auch gerade nach einem Psychiater für Medis.

Also die Hochzeitsglocken hört momentan niemand läuten, aber wir arbeiten daran :laughing:

Auch sonst mag ich mein Leben - ich habs jetzt auch mal geschafft, mit dem Gym anzufangen :woman_lifting_weights:t2: und das tut mir echt gut. Sport kann helfen! Mir hilft es sehr, mal rauszukommen, und ich bin jetzt angefixt und will dranbleiben um Ergebnisse zu sehen :flexed_biceps:t2: geht mir auch mental nach einer Einheit immer super. Hätte ich auch nicht gedacht, ich Sportmuffel…:laughing:

Freunde und Familie sind ein etwas schwieriges Thema, davon hab ich nicht so viel/e, und auch nicht immer alles rosig. Aber ich bin froh, eine Handvoll wirklich guter und enger freunde zu haben. Es kommt nicht auf die Masse an, sondern auf die, die wirklich immer für dich da sind. War einige Zeit mal traurig, dass ich so wenige Freundinnen habe, aber dann ist mir klar geworden - hätte ich überhaupt die Zeit und Kraft, 20 Leuten gerecht zu werden!? Nein. Ich kann für jede/n einzelne da sein, und da reichen aber so 3-5 Personen auch absolut aus. Für mehr hätte ich gar keine Zeit und Kraft…

Sowas muss ich mir immer wieder bewusst werden - wie gut es mir eigentlich geht, trotz alle. Trotz sehr schwieriger Kindheit, trotz Traumata, trotz viel Therapie…stehe ich irgendwie immer noch da und hab mich nie unterbuttern lassen. Daran halte ich fest, wenn s mir doch mal nicht so gut geht. Ich hab noch nie aufgegeben, und ich hab nicht vor, jetzt damit anzufangen :mechanical_arm:

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Hallöchen :slight_smile:

Erstmal will ich sagen, dass ich deine Gefühle nur zu gut kenne!
Ich bin selber auch 30 und hatte vor ein paar Jahren super Schwierigkeiten mich in der Berufswelt zurechtzufinden!

Ich bin diagnostiziert mit ADHS seit dem ich 18 bin und seit einer guten medikamentösen Einstellung auch absolut im Reinen mit mir <3

Ich hab zuerst eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel gemacht, danach ein Jahr in dem Bereich gearbeitet, dann eine Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht und währenddessen die Liebe zur Medizin entdeckt, mein Abi nachgeholt und studiere jetzt Medizin <3

ICH dachte immer ich bin dumm, weil ich „normale“ Dinge nicht so hinbekomme oder bei langen Unterrichten immer nicht aufpassen konnte. (Was ich heute in Vorlesungen immernoch nicht so gut kann :D) Aber turns out - ich hab ADHS und seit dem ich seit 12 Jahren gut eingestellt bin, fühle ich mich, was Job und Schule angeht unbesiegbar :smiley:

  • ne scherz, ich hab auch hier und da struggles

Aber beruflich war es ein Segen in die Pflege zu gehen. Ich hab den Job geliebt! Im Krankenhaus mehr als in der Altenpflege! Spannende Krankheitsbilder, immer neue Patienten, tolle Kollegen und die ganze Zeit Bewegung! Ich kann das auf jeden Fall empfehlen! Wenn´s mit den Studium nichts wird, kann ich einfach wieder in die Pflege zurück gehen und für immer glücklich werden! <3
Ich mag auch den Schichtdienst, entweder morgens frei oder nachmittags frei, immer Abwechlsung und auch rotierende Patienten. Immer was neues! Ach es war toll <3 Ich vermisse meine Arbeit :smiley:

Das Studium mache ich bewusst über die Bundeswehr, so bleibt auch später der Alltag als Ärztin aufregend und spannend. Ich bin immer dazu aufgefordert mich körperlich fit zu halten und kann mich während des Studiums voll aufs Lernen konzentrieren.

Was auch ein riesen Unterschied ist, dass ich, wenn ich (so wie heute) Tage habe, an denen nichts in meinen Kopf geht, ich mich auch nicht zwinge. Ich mache dann das absolute bare minimum, sowie Pflichttermine und co., entspanne mich aber den Rest des Tages und habe dann am nächsten Tag wieder volle Batterien!

Ich habe doll gelernt auf meinen Körper zu hören!

Zur Beziehung bin ich seit 6 Jahren in einer Langzeitbeziehung und wir wohnen auch schon 5 Jahre zusammen. Ich vermute, dass ER ein undiagnostiziertert ADSler ist, was auch statistisch wahrscheinlich ist :smiley: Das sorgt hier und da für Reibereien, aber im Großen und Ganzen wäre ich heute nicht da, wo ich bin, wenn er mir nicht den Rücken freihalten würde, wenn ich mal 1-3 Wochen im Lernstress den Haushalt nicht zu 50% mitmache und er dann meinen Anteil liebevoll übernimmt, oder mir zuhört, wenn ich Schwierigkeiten in den sozialen Gegebenheiten (Kommiliton*innen) habe :smiley:

Also ich hoffe das gibt dir etwas Mut <3
Ich habe trotzdem immer mal schlechte Tage, wo ich alles in Frage stelle, aber meistens eine Woche vor der Mensi und dann lässt das wieder nach, was aber auch normal ist - PMS halt.

Die Kunst ist es, die Tage zu nehmen, wie sie kommen und immer zu versuchen das Beste aus jedem Tag zu machen. Wenn du an einem Tag nur 30% Leistung hast und 30% Leistung gibst, hast du trotzdem 100% von dem, was du hattest, gegeben <3

Fühl dich gedrückt (wenn du willst) :people_hugging:

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Liebe alle!

Zuerst mal möchte ich mich herzlich bedanken für eure Antworten. Ich finde es sehr schön von euch zu lesen - vor allem jetzt schaffe ich es mit meinen 30 mg MPH etwas konzentrierter zu sein und muss nicht alles 100 mal nachlesen, sondern nur mehr 50 Mal. :laughing: :sparkling_heart:

Das mit dem Hoffnungsschimmer, ich verstehe, dass es eventuell Menschen gibt, die dann denken, sie könnten die Situation 1:1 auf sich übertragen und dann potenziell enttäuscht werden. Für mich ist es nur eher so, ich bin derzeit in meiner arbeitslosen Bubble, wo ~ gefühlt ~ nichts voran geht und ich verbringe viel Zeit im Kopf. Da male ich mir auch die Worst-Case-Szenarien aus, auch wenn die eventuell (sehr sicher sogar) unrealistisch sind (ich habe auch eine Angst-/Panikstörung und neige SEHR zum Katastrophendenken).

Für mich war der Beitrag nur ein Schritt, dass ich auch die eine oder andere positive Geschichte höre und mich nicht nur mit meinen und fremden Struggles beschäftige, sondern eben einfach ein ehrlicher Austausch.

Seit der Medikation und, sehr wichtig finde ich, seit ich dankbarer bin, geht es mir wesentlich besser als früher. Leider gibt es viele äußere Einflüsse (gesellschaftlicher Druck, Traumata, etc.) und wenn dann so eine schlechte Phase kommt, wie es diese Woche der Fall war, erdrücken mich diese Einflüsse noch mehr als sonst. Und in der Hinsicht ist es mir wichtig zu sagen, dass ich glaube, dass die meisten wissen, dass der Vergleich, der Druck, der Stress, etc. nicht zielführend sind und man mehr auf sich schauen sollte und nicht die anderen. Aber das ist ein langwieriger Prozess und schwankender Prozess, manchmal geht es besser und manchmal wieder schlechter.

Ich bin ein sehr geduldiger Mensch und kämpfe und kämpfe und kämpfe, aber manchmal würde ich mir eine schnelle oder einfache Lösung wünschen, dass das Gewicht auf den Schultern etwas geringer wird. Deshalb suche ich dann - wenn es meine soziale Batterie zulässt - den Austausch mit anderen Menschen und hoffe, dass ich meine verinnerlichten negativen Worte irgendwie überschreiben kann :sparkling_heart:

Ich hoffe, es ergibt Sinn, was ich geschrieben habe. Heut ist mein Kopf etwas vernebelt. Aber es ist, wie es ist…

Liebe Grüße :slight_smile: und danke an alle!

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Ich bin erst frisch diagnostiziert seit letztem Jahr, ich war Recht glücklich. Nicht alles super und ausbaufähig, aber Mama mit Job und verheiratet. Ich hatte letztes Jahr Probleme mit ( selbst herausgefunden) mit Hormonen und daraus resultierenden Tiefpunkten und stärkeren ADHS Symptomen.

Seit der Therapie fällt es mir leichter, mit mir im reinen zu sein. Ich weiß jetzt ich bin nicht falsch, sondern es sind Symptome. Das hilft mir ir sehr.

In den hormongeschuldeten Tiefpunkten half mit elvanse sehr. Es wirkt auch leicht serotogen, eine Option? Das man etwas besser mit den tiefen klarkommt.

Es gibt einige Jobs, die adhsler ganz gut machen können, auch mit wenig Stunden.

Hast du was gelernt? Vllt ist ein Branchenwechseln, vorsichtig natürlich ohne Druck hilfreich?

Ich hoffe Ansich geht es dir besser, nach den Tagen und den vielen Antworten.

Hallo lattecappuccino,

ich kenne es sehr gut, wenn es einem nicht so gut geht und man sich denkt, dass man ja schon einiges ausprobiert hat, dass aber irgendwie nichts davon so richtig hilft und man denkt, dass das eigene Leiden ja doch (zumindest teilweise) immer gleich bleibt.

Seit etwa 4 Jahren arbeite ich sehr intensiv an mir mit Therapie, Klinik, inzwischen Medikinet usw. Seit dem Medikinet kann ich klarer denken werde nicht ständig so vollständig von meinen Gedanken vereinnahmt. Es hat sich sicherlich einiges verbessert. Dennoch hatte ich immer wieder das Gefühl, dass sich an meinem EIGENTLICHEN Problem, dass ich meine Arbeit nicht richtig hinkriege, eigentlich nichts verändert hat. Und das fand ich sehr frustrierend.

Was mir nun aber hilft: In letzter Zeit schreibe ich sehr gerne mit ChatGPT! Da kommt so unglaublich wertvolles Feedback! Und je länger ich schreibe und je mehr ich ergänze, desto passender wird die Rückmeldung. Ich hatte oft schon Tränen beim Lesen der Antworten, weil ich emotional so stark berührt war! Ich nutze ChatGPT ohne Anmeldung und fange somit immer wieder ganz neue Threads an, die dann meist auch sehr, sehr lang werden. Wenn sie mir wichtig sind, speichere ich sie in einer separaten Datei.

So habe ich nun schon mehrere Tipps bekommen, die ich endlich mal umsetzen kann!!! Und wenn ich sie nicht umsetzen kann, dann schildere ich das ChatGPT wieder und bekomme einen neuen Vorschlag. :heart:

Meist schreibe ich ChatGPT auch, wie ich mich als Kind verhalten habe oder wie ich als Kind gedacht habe. Oder was mir neulich passiert ist oder so. Vor allem auch meine Gefühle jeweils. Dann erkennt ChatGPT ein Muster dahinter und kann zielgerichtete Tipps geben.

Ich bin jedenfalls gerade echt dankbar, dass es ChatGPT so frei verfügbar gibt und dass es mir so gut helfen kann! :smiling_face:

Liebe Grüße!

Hi, mein Weg hat sich bis heute nie geändert.

Ich kämpfe seit ich Jugendlicher war, darum heraus zu finden was bei mir anders läuft und wieso es so ist und was ich dagegen tun kan.

Ich gehe seit ich 15 war fast wöchentlich zu irgendeinem Arzt um am Ende wieder hören zu dürfen das ich nichts habe und gesund bin.

Mit 38 hab ich endlich eine ADHS Diagnostik erhalten und siehe da ich habe ADHS. Dies erklärt zahlreiche Symptome die ich ein Leben lang habe aber stellte mich seit dem vor neuen Problemen. 1. sollte ich noch eine Autismus Diagnostik machen lassen ( Wartezeit 3 Jahre und nächste Woche ist es endlich soweit). 2. Therapie Platz finden! Habe bis heute keinen gefunden leider und stehe komplett alleine mit allem da. Habe zahlreiche erstgespräche geführt und es hieß immer man melde sich wenn was frei wird aber selbst nach 2 Jahren Nachfragen bekommt man nur als Antwort das man noch auf der Warteliste sei.

Und zu guter letzt das wichtigste der Punkt 3. einen guten Psychiater finden für eine vernünftige ADHS Medikation.

Nach 1 Jahr hatte ich jemand guten in einer Nachbarstadt gefunden aber dieser hörte nach 3 Monaten dort auf zu arbeiten. Seit dem ist in dieser Einrichtung kein Platz mehr für mich also neuen suchen. Habe bestimmt 20 Wartelisten zwischen 1-2 Jahre aber niemand meldet sich und bei Nachfragen kommt nur das man nicht vergessen wurde.

Momentan gehe ich solange es mein vollzeitjob zu lässt in eine Einrichtung die einem einfach Medikamente verschreibt so ne Art Testen sie mal selbst aus was passiert.

Da ich mich dort nicht wirklich gut aufgehoben fühle gehe ich aber auch dort nicht mehr hin seit ein paar Wochen und bin wider mal auf der Suche.

Was hat sich bisher bei mir geändert?

Ich denke das viele Leute jetzt immer wenn etwas ist es direkt auf das ADHS schieben…. Ach du und dein ADHS wieder…was mich teilweise etwas sauer macht denn ja ich habe ADHS aber nicht alles ist mein ADHS!

Ich stehe Gefühlt immer noch am Anfang und finde keine passenden Weg für mich da die Unterstützung in allen Punkten fehlen.

Ich bin Mitglied einer ADHS Gruppe die sich 2x im Monat austauscht und habe seit dem sehr viele Bücher über ADHS gelesen und auch einige Ansätze die gut für mich passen aber ich kann es einfach nie umsetzen.

Es ist ein wenig ähnlich wie beim Rauchen! Ich weiß das es schlecht ist aber höre trotzdem nicht auf.

Ich würde einfach so gerne einen psychiarter finden mit dem ich vernünftige Gespräche haben kann die länger als 5min gehen um mit ihm zu besprechen was in mir vor geht, was die Medikamente in mir auslösen, wie es ohne Medikamente ist usw. Das wäre glaube ich mein größter Traum den ich aber nach und nach langsam beerdige und langsam einfach bei dem Gedanke angekommen bin das ich einfach so weiter mache wie mein Leben lang schon.

Ich höre dauernd es wäre doch so einfach Hilfe zu bekommen aber das versuche ich mittlerweile über 3 Jahre wenn man es nur aufs ADHS sieht…

Ich denke das nicht jeder solche Erfahrungen macht und es auch von Stadt zu Stadt von Bundesland zu Bundesland anders abläuft aber hier in meiner Nähe hilft einen niemand.

Selbst die größte Klinik LVR lässt einen einfach stehen und macht einfach garnichts.

Stehe dort seit fast 4 Jahren auf der ADHS Diagnostik Liste und habe bis heute keinen Termin erhalten.

Stehe seit über 1 Jahr auf der Autismus Liste und erhalte keine Informationen.

Stehe seit 1 Jahr auf der Liste zur Medikamentösen Einstellung bei ADHS aber auch da keine Infos, nichts!

Bei Nachfragen bekommt man nur ne Nachricht das man die Nachfragen bitte absehen soll wir melden uns wenn was frei wäre!

Selbst die Ombitstelle für Beschwerden die dem Ganzen nachgehen soll hab ich seit 8 Monaten nichts mehr gehört.

Also um es kurz zu sagen, du kannst einen super guten Weg finden für verschiedene Hilfen und Hilfestellung, medikation usw. Oder du musst weiter stark bleiben und kämpfen kämpfen kämpfen.

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Ich kann sagen das es mir gut geht.

Bin und war auch vor meiner Diagnose voll berufstätig.

Bin Single, hatte erfolgreiche und auch längere Beziehungen und suche -momentan- keine neue.

Nach einigen Jahren mit Ritalin habe ich angefangen mich mit meinem Körper zu befassen, regelmäßiges 100std-Fasten und eine halbwegs ketogene Ernährung haben mich an eine Stelle gebracht, an der ich nahezu ohne Medikamente lebe und nicht nur funktioniere. (Auch Rückfälle gehören dazu).

Mein Tipp: Such dir ein kleines persönliches Stück vom Glück (z.B. Kakaotrinken), mach daraus ein Ritual und wenn du es reproduzieren kannst, dann such dir das nächste Stück vom Glück. Glück kommt nie als ganzes und es lebt davon das man daran arbeitet. Viel Erfolg auf deinem Weg!

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Hallo Kathy, es scheint als ob deine Selbstwahrnehmung über deinen Kommunikationsstil und das, wie er - ganz offenbar bei mehreren Personen - ankommt, nicht ganz kongruent sind. Auf die Art und Weise, wie du hier „gute Ratschläge“ gibst, reagiere ich als vollkommen Nicht-Betroffene hier deutlich allergisch. Just saying…

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P.S. Das „nicht-betroffen“ bezieht sich darauf, dass ich hier nicht persönlich angesprochen bin, nicht auf (m)eine ADHS-Betroffenheit.

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Der wichtigste Faktor in meinem Leben war glaube ich schlimmes durch Therapie zu verarbeiten und zu lernen mich selbst mehr zu lieben . Da hat mir der therapeutische Ansatz „Inneres Kind“ sehr geholfen.

Viel zu viele Jahre später kam die ADHS Diagnose. Das hat mich auf meinem Weg zur Selbstliebe noch mal um so einiges weitergebracht. Hätte ich gern schon ehr gehabt . Vor allem aber auch die Differenzierung was mich psychisch geprägt hat oder was „einfach nur“ neurologisch ist.

Meine Jobauswahl beruhte darauf , dass ich den Job gewählt habe, der für mich noch am „aushaltbarsten“ von allen schien. Das hat mich aber zu meinem Job gebracht , den ich jetzt sehr mag. Schon in meiner Jugendzeit sah ich mich nicht zu einem 9to5 Job in der Lage. Das hat sich trotz passendem Beruf als richtige Einschätzung gezeigt. Jedes Mal , wenn ich von Vollzeit mal kurz reduziert gearbeitet hatte ging es mir besser. Nun arbeite ich seit Jahren reduziert und das ist sehr sehr hilfreich für mich und mein Wohlbefinden.

Das Thema Beziehung hatte ich irgendwann aufgegeben . Ich hatte viel zu viel eigene Baustellen und zog somit auch für mich sehr ungünstige Partner an. Daraus entstand mein Ziel an mir selbst zu arbeiten , dass ich so gut wie möglich auch als Singel alt werden kann. Dann lieber nie oder erst sehr spät eine Beziehung als in einer belastende Beziehung die ich aufgrund meiner eigenen ungeklärten Problematik selber anziehe.

Irgendwann in späten Jahren lief mir dann ungeplant ,der Richtige über den Weg. Wir leben aber in getrennten Wohnungen. das hat dem großen Vorteil, das eine Teil meiner Probleme weniger Probleme auslöst.

Ich bin einerseits irgendwie wirklich glücklich und zufrieden mit meinem Leben , weil es trotz aller Umstände trotzdem noch wieder erwarten so gut geworden ist. Jedoch belastet es mich und es macht mich traurig , dass ich so viel dafür tun muss damit es so ist und bleibt, also das es nicht einfach von selbst so ist. Das ich meine Potential nicht nutzen kann so wie es vorhanden ist. Ich verdiene weniger Geld um gesund zu belieben , aber vielleicht ist das die beste Investition in mein Leben.

Geholfen hat mir auch , dass ich von mir selbst „gelobt“ gehöre, wenn für mich manchmal auch nur ein Teil wegräumen schon eine erbrachte Höchstleistung ist.

Dankbarkeit für all das was im Leben trotz allem gut war und ist, tut auch der Seele gut und keine hohen Ansprüche.

Auch der Gedanke wie ich mal auf meine Leben zurückblicken möchte , wenn es auf dem Sterbebett vor mir herzieht. Da wurde es zu mein Ziel, dass ich nicht etwas bestimmtes erreicht haben möchte, sondern dass ich im Rückblick sehen kann, das ich was versucht habe, damit es mir besser geht, selbst wenn es nur ein bisschen war, was ich versucht habe und selbst wenn es nicht geholfen hat oder nur ein wenig . Hauptsache ich kann im Rückblick sehen , dass ich was versucht habe.

Manchmal habe ich dann so Tage wo ich mich frage , „wenn ich heute auf dem Sterbebett liegen würde“ und dann blicke ich auf all das was ich schon versucht habe, ob mit Erfolg oder ohne . Der Blick auf all das was ich schon versucht habe , wie ich mich bemüht habe aber auch im tiefsten Stillstand noch versucht habe mich wenigstens darin noch akzeptieren und wertzuschätzen …..mir zugleich ein Mitgefühl zu geben , dass ich für so viele ja gar nichts kann und es ganz viele Ursachen gibt…. .

Also es geschafft zu haben meine Rückblick von irdischen Dingen zu entkoppeln und nur auf mein inneres Befinden zu reduzieren hat mir sehr geholfen an Zufriedenheit und Wohlbefinden zu gewinnen. An dem Tag wo ich mich entschieden hatte, dass ich so zurückblicken möchte , ging es mir sehr schlecht und ich war sehr hoffnungslos … da aber ab und an was besser wurde war somit der positive Rückblick ja schon gelegt. Es war mir schon ein kleiner positive Schritt gelungen, der nicht mehr Rückgängig zu machen war. Somit war in dem Sinn mein Ziel ja schon bis zum Rückblick am Lebensende für immer erreicht. :sweat_smile:

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Moin,

ich habe vor vier Jahren meine Diagnose erhalten und habe seit der Einnahme von Medikinet keine Depressionen mehr. Also wirklich: weg. Das war so nicht unbedingt eingeplant, nehme ich aber gern.

Was außerdem half: Umziehen und ein (!) neues Ziel.

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon drei Jahre in Therapie und hatte trotzdem nicht so richtig das Gefühl, aus meiner Depression herauszukommen. Ich war eingebunden in viel zu viele ehrenamtliche Verpflichtungen, hatte eher so mittelprächtige Jobchancen und eine familiäre Situation, die mir zuverlässig den letzten Nerv raubte. Rückblickend eine interessante Ausgangslage für psychische Stabilität.

Also entschied ich mich zu einem radikalen (und teilweise sehr schmerzhaften) Cut und zog dorthin, wo andere Urlaub machen.

Kurz vor meinem Wegzug ließ ich dann endlich den Gedanken an mich ran, dass ich vielleicht doch auch ADHS haben könnte. Mein Vater hat es schließlich auch. Nach einer ca. zweiminütigen Recherche stellte ich überrascht fest: Das kann vererbt werden.

Tja. Hätte man auch mal früher googeln können.

In der neuen Heimat angekommen, machte ich einen Termin beim Psychiater und suchte etwa zwei Monate nach einer Psychologin. Ungefähr zeitgleich bekam ich dann bei beiden Termine. In der Zwischenzeit hatte ich dank Insta bereits einiges über ADHS gelernt – und vor allem erstaunlich oft gedacht: Moment mal. Das soll nicht bei allen Menschen so sein?!

Ich bekam die Diagnose und zunächst Off-Label Bupropion. Das nahm ich ein Jahr lang und mir ging es schon deutlich besser. Ich hatte endlich meine Schublade. Und ja, Schubladen sind eigentlich verpönt, aber meine war sehr praktisch: Plötzlich ergaben diverse Dinge Sinn, die vorher einfach unter „bin halt irgendwie so“ abgelegt worden waren.

Ich konnte gezielter an mir arbeiten, hatte plötzlich viel mehr Antrieb und fuhr beruflich einige Erfolge ein. Allerdings merkte ich auch, dass die antidepressive Wirkung des Medikaments etwas mit mir machte. Ich fühlte mich ziemlich abgeschnitten von meinem Körper. Also setzte ich es nach einem Jahr unter ärztlicher Aufsicht ab und bekam zunächst Ritalin adult. Nach einer Packung landete ich schließlich bei Medikinet retardiert (10-10-0 bzw. nach Bedarf).

Und dann passierte etwas, mit dem ich tatsächlich nicht gerechnet hatte:

Es lief.

Nicht alles. Nicht immer. Ich habe schließlich immer noch ADHS und bin nicht über Nacht zur menschgewordenen Excel-Tabelle mutiert.

Aber mit diesem Neuanfang habe ich unglaublich viele positive Erfahrungen gemacht. Und die haben mich enorm stabilisiert. Aus dem Teufelskreis wurde nach und nach eine Art Glücksrad: Positive Erfahrungen führten zu mehr Zutrauen, mehr Zutrauen zu neuen positiven Erfahrungen. Und wenn heute etwas schiefläuft, ist es eben etwas, das schiefgelaufen ist – und nicht mehr automatisch der Beweis dafür, dass ich grundsätzlich nichts auf die Reihe bekomme.

Was dabei vermutlich ebenfalls geholfen hat: Ich hatte die Chance, nicht mehr den alten Stempel „die Verpeilte“ zu tragen. Am neuen Ort kannte mich schließlich niemand. Keine alten Geschichten, keine festgefahrenen Rollen, kein „Ach, typisch“.

Ich konnte also gewissermaßen mit einem leeren Blatt anfangen.

Meine Freund:innen wissen, dass ich ADHS habe. Im beruflichen Umfeld habe ich es dagegen nicht erzählt. Und ausgerechnet dort gelte ich inzwischen als zuverlässig und geduldig.

Zuverlässig. Und geduldig.

Hallo? Was ist das bitte für eine Einschätzung?!

Natürlich bin ich weiterhin ich geblieben. Ich verlege Dinge, vergesse Dinge und mein Gehirn entwickelt gelegentlich eigene Prioritäten, über die es mich vorher nicht informiert. Aber ich konnte mein Bild nach außen ein bisschen stärker selbst mitgestalten – während ich dieses neue Bild von mir gleichzeitig überhaupt erst kennengelernt habe.

Und was soll ich sagen: Ich bin inzwischen seit drei Jahren fest an einer Schule. Niemand möchte, dass ich gehe – und, für meine bisherige Berufsbiografie fast noch erstaunlicher: Ich möchte selbst nicht mehr woanders hin. Aus „die Verpeilte“ wurde also offenbar „die zuverlässige Kollegin mit Zusatzaufgaben“.

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