Wenn das Kind wütend ist

Hallo,

ich bin neu hier, habe schon einiges durchgelesen, was mir geholfen hat. Vielleicht hat auch jemand Tipps für uns.

Ich bzw. wir haben einen Sohn (bald 9) mit ADHS und Störung im Sozialverhalten. Wenn er wütend ist, wird er handgreiflich, beschimpft, droht, Türen knallen. Mittlerweile weiß ich nicht, ob er sich nicht steuern kann oder nicht will. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er absichtlich übertreibt.

Wir haben schon einiges an Beratungen und Therapien durch, es heißt immer nur „Grenzen setzen“, wie sagt keiner. Die Therapeutin meint „Medienverbot zieht immer“ - nein, macht es nicht. Erklärungen bringen auch kaum was.

Also wie genau kann ich erklären, Grenzen setzen, etc. damit er lernt / versteht, dass es so nicht geht?

Medikamentös wird er seit 2 Monaten eingestellt. Die Wirkung ist da, aber nicht optimal, die Ausraster sind seltener, aber immer noch da.

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hallo @grübeln und willkommen bei uns im Forum.
Ich kann dir nicht sagen, ob dein Sohn es absichtlich macht oder nicht, ich kenne ihn ja nicht. Ich kann dir nur sagen, dass ich als Kind auch oft meinen Bruder angeschrien habe wenn ich sauer war und das konnte ich dann auch nicht steuern (wurde aber erst mit 25 diagnostiziert).

Aber vielleicht können dir @Falschparker oder @Nono da weiter helfen?

Liebe Grüße und schönen Sonntag
Daydreamer

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Hallo und herzlich Willkommen @grübeln. :grinning:
@Quitte hat ja schon wertvolle Tipps genannt.

Ich denke auch, das Verbote ohne zu wissen, warum Dein Kind wütend wurde, kontaproduktiv wirken.

Ich würde wie von @Quitte bereits beschrieben, in einem ruhigen Moment, das Gespräch suchen.

Dein Kind merkt dann, das Dir sein Ausbruch nicht egal ist, das Du Dich für seine Probleme interressierst und fühlt sich ernst genommen.

Dies stärkt eure Bindung, schafft ein Vertrauensverhältnis, so das man gemeinsam daran arbeiten kann und in Zukunft, vielleicht schon früher merkt was „Auslöser“, oder „Trigger“ bei Deinem Kind, aber eventuell auch Dir selbst sind, man dann schon sensibilisiert ist, und Quasi vorausschauend reagieren kann.

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Danke euch.

Warum - da gibt es viele Gründe:
Im Bus drängeln Kinder.
In der Schule machen Kinder Geräusche,
er ist überreizt und fühlt sich provoziert/angegriffen.

Zuhause ist es unterschiedlich, heute passt ihm alles nicht, alle sind schuld, eins kommt zu dem anderen und dann knallt es.
Wir haben auch mit Elvanse angefangen, außer Appetitlosigkeit sehe ich noch keine Wirkung, müssen jetzt eine Woche irgendwie schaffen und dann erhöhen. Mache mir schon Sorgen wegen der Schule und Überreizung.

Hallo @grübeln und herzlich Willkommen!

Ich kann Dir nur von meiner, undiagnostizierten, Kindheit berichten. Ich bin männlich und 48 Jahre alt.
Als Kind war ich eher ruhig, ängstlich und verträumt. Als die Pupertät begann, veränderte sich auch das Verhältnis zu meinem Vater, er wurde immer cholerischer. Dadurch erwachte in mir ein unkontrollierbares Aggressionspotential, ich war wie im Rausch und wollte es gar nicht. Ich trat mein Bett zusammen, zerstörte Türen im Haus, schlug mit der bloßen Faust durch ein Doppelglasfenster, usw. Ich war wie im Wahn, musste unbedingt Druck abbauen um nicht gefühlt verrückt zu werden. Das begann bei mir ungefähr mit 11 oder 12 und wurde immer heftiger, es war furchtbar zu Hause! Ich tat das auch nicht mit Absicht, im Gegenteil, mit 14-15 begann ich meinen Vater zu bitten, ruhig zu bleiben, man könne doch über alles reden, aber er brüllte mich nur an. Irgendwann stand ich, im vollen Bewußtsein, mit dem Küchenmesser vor ihm, ab da wurde mir klar, an welchem Punkt ich bin. Er aber auch…
Zum Glück hatte ich noch so viel Restkontrolle, um das Messer wieder wegzulegen und es kam wie es kommen musste: diesen Wahnsinn konnte ich nur noch mit Drogen und Alkohol betäuben.
Ich möchte Dir da keine Angst für die Zukunft Deines Sohnes machen, bitte verstehe mich nicht falsch.
Aber in meinem Haushalt waren auf einmal nur Wut, Trauer, Verzweiflung, Aggression und Gewalt und das seit frühster Kindheit. Ich weiß nicht, wie oft ich mir Verständnis, Liebe, Gespräche und Aufmerksamkeit gewünscht hatte, erfüllt wurde es nie. Niemand hatte sich dafür interessiert wie es in der Schule läuft, mit den Freunden, welche Ängste und Sorgen ich hatte, ich war immer nur der kleine Junge, der alles noch schlimmer machte.
Offene und ruhige Gespräche können die Welt des kleinen Mannes verändern!
@Quitte s Ansatz finde ich toll, das ist das, was ich mir gewünscht hätte!

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@Quitte
Danke für die ausführliche Antwort.

An ASS habe ich auch schon gedacht. Die Frage ist, was würde uns die Diagnose bringen.

In der Schule wird er schon aus den Pausen rausgenommen, auf dem Hinweg nehmen wir den späteren (nicht so vollen Bus) auf dem Rückweg gehen wir manchmal zu Fuß. Irgendwie versteht er es selber anscheinend (noch) nicht, will mittendrin sein und dann wird es zu viel.

@MaSc
Du hast genau das aufgeschrieben, was sich in meinem Kopf abspielt: Angst vor so einer Zukunft. :unamused:
Wir sprechen ja mit ihm und fragen, bekommen leider keine Antworten. Entweder ist alles gut oder er weiß es nicht.

Manchmal sieht es auch hier danach aus (wie im Wahn)

Zum Verständnis: Druck von den famulieren Verhältnissen oder „innere“ Druck wegen ADHS?

@Quitte @grübeln

Ich bin ja Mischtypus, habe beide Anteile, also ADS und ADHS und kenne Quittes Aussagen nur zu gut, bis zur Medikamenteneinstellung ging es mir im vollen Programm so.
Aus meiner Kindheits- und Jugenderfahrung entwickelten sich bei mir Störungen, die mir das Leben fast nicht aushaltbar gemacht haben. Mit 18 wollte ich mich das erste Mal umbringen, Schnitt durch die Pulsadern, ich hielt den seelischen Druck nicht mehr aus, das Wissen das ich nur mit Betäubungsmitteln überlebensfähig bin, es war die Hölle. Diese Reizüberflutung ohne weggedröhnt zu sein, ich kam damit nicht klar, ich versuchte mehrfach wegzukommen, nahm Ersatzmedikation, meist Benzos oder Rohypnol…ein Teufelszeug. Damit wird man zum seelischen Abfall, nur noch eine Hülle, ich war zu nichts mehr fähig.
Als Kind hatte ich zu Hause einfach nur noch Angst vor dem lauten Brüllen und der täglichen Gewalt, ich wollte das nie und nur noch weg, einfach weg, wenn es sein musste, auch aus dem Leben. Denken Kinder schon so früh über Selbstmord nach? Ich weiß es nicht…
Als Teenie ging ich in den Überlebensmodus, ließ Druck ab, wo es nur ging, alles war mir zu viel, jeder wollte irgendwas von mir…was ich nicht bieten konnte. Ich habe getobt was das Zeug hielt, unkontrollierbar, auch und gerade von mir selbst, hatte meinem Vater mehrfach gedroht, ihn umzubringen, falls meiner Mutter was passiert. Heute weiß ich es besser, heute weiß ich, das sie zu Hause die Fäden in der Hand hielt und mein Vater nur die Marionette war. Sie brachte ihn gegen mich auf, indem sie ihn wegstieß und mich ganz nah ran holte…er wurde eifersüchtig auf mich. Vertauschte Rollen, narzistischer Mißbrauch im Elternhaus, traumatisierte Eltern durch ihre eigenen Geschichten…als Erwachsener, der sich intensiv mit diesen Themen befasst, weiß man natürlich anders Bescheid…aber für den Bub und den Teenie von damals kommen diese Erkenntnisse viel zu spät, das Kind ist schon längst in den Brunnen gefallen!
Mein Vater bereut heute vieles, hat sich komplett verändert, ich habe ihm verziehen, wir haben ein gutes Verhältnis. Mein Mutter ist für mich gestorben, möchte sich nicht ändern, ist in ihrer Welt geblieben, ihre Entscheidung, ich habe sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen.

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Das war auch meine Reaktion, wenn meine Mutter mich fragte: nix is, Mutter, alles gut! Aber gar nichts war gut, ich hatte nur nicht das Gefühl, das ich sie wirklich interessierte und vertraut habe ich ihr auch nicht.
Zu viel war zu Hause vorgefallen, zu ungeschützt wurde ich alleine gelassen. Eltern, die einen bedingslos lieben, gehen nicht so mit einem um, das spürt schon das kleine Kind, ganz früh, da bin ich mir sicher.
Schau mal, wo bei euch der Hund begraben liegen sein könnte, warum blockt der Junge so? Ist tatsächlich alles zu Hause so, das es sich für ihn wie ein „Safe Place“ anfühlen kann? Diese Sicherheit ist gerade für neurodiverse Kinder so dermaßen überlebenswichtig, da geht nichts drüber. Wenn zu Hause alles soweit gut ist, natürlich gibt es in jeder Familie Baustellen, dass ist mMn die halbe Miete!
Meine Buchempfehlung:

Natürlich für Erwachsene, aber durch das lesen versteht man, was Kinder brauchen.
Ich nehme es für mich immer wieder zur Hand.
Weiterhin gehe ich zur Verhaltenstherapie, was natürlich auch schon im Kindesalter möglich ist.

Ich schätze, sowohl als auch. In meinem Fall haben die familiären Verhältnisse ganz klar das ADS getriggert und später in eine ADHS-Region geschoben.
Mein Therapeut unterscheidet das recht anschaulich in eine biologische und in eine anerzogene ADxS:
-biologisch…das Kind kommt mit dieser Störung im vollen Umfang zur Welt, ein wohlwollendes Elternhaus kann das abfangen, bzw. reduzieren.
-anerzogen…die Störung ist zwar da, aber schlummernd. Verhältnisse, die destruktiv sind, bringen das Rad zum laufen. Wenn das kindliche Urvertrauen nicht geschaffen wird, wird sich die Störung immer mehr durchsetzen.

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Ja und Nein, ein klares Jein! Auf der einen Seite muss er Dampf ablassen, kann es nicht kontrollieren. Auf der anderen Seite ist es eine Verzweiflung, denn diese Attacken sind ja auch für ihn furchtbar anstrengend und unterbewusst übertreibt er, um euch zu signalisieren, das er sich hilflos fühlt. So ging es mir zumindest, wobei Ersteres viel stärker ausgeprägt war. Wirkt er müde nach seinen „Ausbrüchen“ oder macht er einfach im Spielzimmer sein Ding weiter? Ich weiß noch, das ich mich damals schon so gefühlt habe wie heute, die Energie war wie von einem Staubsauger aufgesogen.

Magst du da vielleicht etwas ausführlicher werden? Ich finde Verbote unangebracht, Grenzen setzen ja, sogar deutlich und mehrfach, aber nur in der Ruhe. In der Eskalation hört er Dich/Euch nicht, da bin ich mir sicher. Mir ging es immer so und das ist auch heute nicht anders, wenn ich am Rad drehe, dann aber richtig. Ich sage immer, das ist wie wenn ich meinem Zwillingsbruder beim eskalieren zuschaue und nichts machen kann. Ich weiß das es nicht richtig ist, aber habe vollkommen die Kontrolle verloren…hinterher kommt die große Reue.
Erst ein ADHS-Medikament gab mir diese Selbstkontrolle, ich kann meine Wut einregulieren, denn sie ballert zum ersten Mal in meinem Leben nicht wie der blanke Terror durch meine Hirnwindungen.

Was bekommt er, in welcher Dosis? Machst Du die Wirkung nur an den selteneren Ausrastern fest oder was fällt Dir sonst noch auf, sowohl positiv, wie auch negativ? ADxS ist meist eine vererbte Krankheit…haben Dein Mann oder Du Verhaltensauffälligkeiten in diese oder ähnliche Richtung? Kommt einer von euch oder vielleicht auch ihr beide sehr schnell, zu schnell an die eigenen Grenzen, wenn Junior das rote Moped auspackt?
Bitte verstehe hiervon nichts als Vorwurf, um helfen zu können, braucht es eine gewisse Transparenz, nichts weiter. Hier zu fragen, ist für mich ein weiterer Schritt, den eine verzweifelte Mutter unternimmt, ich ziehe meinen Hut davor…das haben meine Eltern nie auf die Reihe bekommen, sie waren zu sehr mit sich beschäftigt.

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Die Antwort wird wohl länger ausfallen :blush:.
Das Buch kenne ich und habe ich durchgelesen. Mehr später, wenn der Sohn eingeschlafen ist.

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@MaSc
Es fällt mir jetzt schwer alles über uns aufzuschreiben. Gibt es hier einen geschlossenen Bereich?

Der Mitgliederbereich ist für Gäste und neue Mitglieder unter 5 Beiträgen nicht ersichtlich.

https://adhs-forum.adxs.org/c/mitgliederbereich-nichtoeffentliches-forum/10

Per PN geht auch, dann unterhalten wir uns aber alleine weiter, ich denke gerade die Mitglieder mit ADxS-Kids können Dir mehr helfen.

Ich mache es jetzt und hoffe ein Stück weiter zu kommen:
Bei dem Sohn haben die Auffälligkeiten mit gut einem Jahr angefangen. Im Kindergarten immer wieder handgreiflich gewesen. Vor der Einschulung waren wir zur Diagnostik, es hieß, Er hat nicht, wie sollen zur Erziehungsberatung und Elternkurs. Also sind wir dahin. Erziehungsberatung hat uns den Tipp mit der Psychotherapie gegeben. Mit 7 wurde die Verhaltenstherapie angefangen. Probleme blieben weiterhin. Zuhause wurde ruhiger, in der Schule schlimmer. Im Sommer 21 ist er zum ersten Mal in der Schule ausgerastet und hat selber gesagt „ so schlimm wie noch nie“
Wir sind wieder zum Psychiater, es wurde Diagnostik gemacht und ADHS festgestellt. Wir haben gleich Medikamenten zugestimmt. Bis es so weit war, war unser Sohn nur noch ein Nervenbündel.

Angefangen mit Medikinet
10-15-20 mg
Schon am ersten Tag war er deutlich entspannter und ausgeglichener, hat einfach mehrere Stunden gespielt. Bei 15 mg lief es 1,5 Wochen wunderbar, dann gab es wieder kleinere Konflikte, als ob die Wirkung nachgelassen hätte.
Bei 20 mg hat er Ausschlag bekommen, also sind wir zurück auf 15.
die Wirkung war deutlich, er konnte Aufgaben erledigen, hat besser mitgemacht, weniger Widerstand, insgesamt bessere Stimmung. Am Nachmittag Rebount (2 Stunden am Tag waren hin)
Mit der zweiten Gabe hat es nicht geklappt, weil er sehr aufgedreht nach Hause kam, konnte sich zum Essen nicht hinsetzen.

Dann wurde Kinecteen ausprobiert. Das ging gar nicht, er war so mies drauf, motzig, unzufrieden, aggressiv.

Jetzt ist elvanse dran. Er ist erst um 23:30 Uhr eingeschlafen :frowning: das ist ja auch kein Zustand auf Dauer.

Ich schreibe einen Teil als PN

Seit wann nimmt er das Elvanse? 20mg? Bei mir dauerte es ca. 2 Wochen, dann war es mit dem Schlafen wieder ok. Essen zu oder nach der Kapsel ist wichtig, es lässt das Medikament sanfter einwirken. Und wenn nach 90min. die Wirkung einsetzt, bekomme ich wieder Hunger, muss eine Kleinigkeit essen, das Hirn fängt an am Blutzuckerspiegel anzuzapfen, das ist normal bei den Stimulanzien. ADxSler haben einen anderen Blutzuckerverbrauch und die Medis gleichen das aus, ganz simpel ausgedrückt. Ohne ausreichend Nahrung wird man mit den Medikamenten etwas ballaballa im Kopf, weil das Hirn unterversorgt wird. Die Nahrung sollte auch nicht zu viel Zucker enthalten, das ist auch nicht gut für den ADxSler, Fruchtzucker zählt da ebenfalls mit rein. Seit meiner Diagnose versuche ich mich an die Vorgaben für Erwachsene bezüglich der maximalen Tageszuckermenge zu halten, seitdem ist es viel ruhiger und ausgeglichener in den Gedankengängen.

Ja, haben gestern mit 20 mg angefangen, Sollen bis 40 steigern.
Essen will er unter Medikamenten überhaupt nicht, selbst Süßigkeiten bleiben liegen, die er ohne Medikamente permanent essen könnte.

Bei Medikinet hat er zumindest ab 16 Uhr gegessen, jetzt ist ganz schwierig

Hallo Grübeln,

der Arme und ihr Armen!

Nein er weiß nicht warum er so ist, er ist seinen Gefühlen ausgeliefert. Ich kenne das von mir selbst und auch von meinen Söhnen, mein Kleiner ist auch 9.

Ich hätte eher mit Methylphenidat weitergemacht. Die Retardkapseln sind teils tückisch, gerade Medikinet und Kinecteen/Concerta. Am besten zu kalkulieren ist unretardiertes Methylphenidat - aber nur theoretisch, es würde erfordern dass er in der Schule nachnimmt. Vielleicht am Gutmütigsten ist Ritalin LA, da ist auch die Frühstücksfrage egal.

Wichtig ist bei diesen Medikamenten, nicht zu spät nachzunehmen, um Lücken zu vermeiden. Die Dosis muss gar nicht so hoch sein, aber Lücken sind doof. Wenn euer Junge aufgedreht nach Hause kommt, ist es eigentlich schon zu spät.

Vielleicht wird es mit Elvanse gut. Leider sind die 10-er Schritte ziemlich groß. Mein Sohn nimmt das unretardierte Amfetamin (Attentin), das wirkt länger als Methylphenidat, aber über den ganzen Schultag wirkt es leider auch nicht, er müsste nach allerspätestens 5 Stunden nachnehmen um keine Lücke zu haben.

Ich selbst nehme morgens eine Kapsel Medikinet, mittags (spätestens nach viereinhalb Stunden) eine Kapsel Ritalin und am frühen Abend noch etwas unretardiertes Methylphenidat.

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Ich habe als Erwachsener mit 10mg angefangen, habe die Kapsel geöffnet und geteilt. Erwachsene fangen ja eigentlich mit 30mg an, da bin ich selbst jetzt nach Wochen der Einnahme noch leicht überdosiert.
Deshalb bin ich mal bei den 20mg geblieben.
Letztes Jahr fing ich an Medikinet adult retard zu nehmen, die Schlafschwierigkeiten waren da bei mir noch heftiger wie beim Elvanse, wahrscheinlich weil es mein erstes ADHS Medikament war.
Auch ich hatte mit der Nahrungsaufnahme zu kämpfen, aber das regulierte sich schnell wieder ein. Nach einem halben Jahr Medikinet entschied ich auf Elvanse zu wechseln, da das „H“ im ADxS bei mir eine ganz große Rolle spielt, hat mich das Medikinet nach einer Weile zu sehr antriebsgesteigert, das Elvanse wirkt eher beruhigend, dafür schiebt es nicht so an.
Bei beiden Medikamenten hatte ich anfänglich überhaupt keine Lust mehr auf süß, eher auf deftig, das regulierte sich aber auch schnell wieder ein.
Also das mit dem Schlafen würde ich 2-3 Tage beobachten, dann sollte es besser werden, ansonsten ist er mMn überdosiert. Ein gutes Frühstück eventuell vor der Einnahme, dann ist schonmal für ein Fundament gesorgt, nach spätestens einer Woche sollte aber das mit dem Essen wieder funktionieren. Achtung: das Hungergefühl wird schon etwas unterdrückt. Wir Erwachsenen wissen eben, das wir Essen müssen und kennen da auch ungefähr unsere Uhrzeiten. Ein Kind sagt dir aber: nö, ich hab keinen Hunger und übergeht das Essen einfach, besonders wenn in der Schule niemand darauf achtet. Zwingen ist natürlich blöd, die nächste Mißstimmung dadurch vorprogrammiert, auch da ist viel Geduld und Verständnis, bzw. Aufklärung nötig. Die Kleinen sind keine Dummerchen, wenn man denen sagt: hör mal, durch die Tabletten spürst du deinen Körper und den Hunger nicht mehr so, aber das ist ganz wichtig, weil das Essen eben auch da ist um dein Hirn zu versorgen, usw., die verstehen das schon. Ich spüre zwar den Hunger nicht gleich, aber ich weiß, dass das was im Kopf abgeht von daher kommt, weil ich schon seit Stunden nichts mehr gegessen habe. Das Problem ist, das es sich sehr ähnlich anfühlt, wie wenn die Tablette oder Kapsel seine Wirkung verliert oder man unterdosiert ist, aber das darf man nicht verwechseln. Manche sagen: oh, mir geht es nicht gut, ich glaube ich muss die Dosis erhöhen und achten dabei gar nicht auf ausreichende Ernährung. Zu wenig Schlaf wirkt sich ebenfalls sehr ähnlich aus. Wenn ich mit Medikinet nicht auf 6 Stunden Schlaf gekommen bin und habe dann am Tag darauf meine Kapseln genommen…der Tag war dann immer sportlich, um es mal sanft zu formulieren…Matschbirne durch Schlafmangel vorprogrammiert.
Kennt jeder Erwachsene, auch ohne ADxS: 3 Stunden geschlafen, dann 5 Kaffee rein, um beim Meeting fit zu sein und sich dann wundern, warum man sich fühlt wie an einer Planierraupe angedockt zu haben. Dann den ganzen Tag nichts essen und der liebevoll geplante Abend mit dem Partner endet im Fiasko.
Das kann auch das beste Medikament der Welt nicht glattbügeln, ohne ausreichend Schlaf und gesunde (!) Nahrung geht nichts!