WhatsApp: Der Fluch der ständigen Erreichbarkeit

Ich denke, ich bin nicht allein mit diesem Problem.

Thema ist WhatsApp. Ich bin eine absolute Niete im Kontakthalten. Wobei wir ja im ständigen Kontakt stehen, was ich oft als unpraktisch sehe. Entweder ich antworte wirklich zeitnah oder ich vergesse es, nehme mir die Antwort später vor, vergesse erneut und bin dann überfordert und fühle mich dämlich und als schlechter Mensch.

Ich weiß nicht wie es nun „richten“ soll. Ich glaube, ich werde wie ein Zombie wirken. Erstanden von den Toten.

Nun habe ich seit 1 Woche einem Freund nicht geantwortet. Auf den 1 Tag kommt es nun auch nicht mehr an. So tun, als ob nichts gewesen wäre, geht mit meinem Gewissen nicht. Ich will mich aber auch nicht ständig entschuldigen.

Irgendwelche Ideen, wie ich nun antworten soll? :see_no_evil:

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Ich bin jetzt 42 und habe eigentlich nur noch FreundInnen, die das kennen und können.

Ich kann jemandem 5 Monate nicht antworten (natürlich nicht Mama oder der Chefin oder der besten Freundin) und dann das Gespräch ganz vertraut weiterführen. Wer das nicht kann, der wird mit mir unglücklich.

Ich würde wahrscheinlich sowas schreiben wie „Sorry fürs späte Melden, du weißt ja, wie es ist/ wie ich bin, wie geht’s dir/ der Katze/ der Omma“ oder mal generell ansprechen, dass das bei mir selten persönlich gemeint ist, wenn ich abtauche. Dann braucht man sich auch nicht jedesmal erklären.
„It’s because of who I am as a person!“

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Ich kenne das Feeling das du beschreibst.

Nach einer Woche, reicht eigentlich ein : Hey wie geht’s so? Was läuft?
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Egal ob du dich mit jemandem treffen willst oder nicht , weil grad keine Zeit, die Anmerkung: [Wäre fein wenn wir uns mal wieder auf 'nen Kaffee [Bier, Schwätzchen, etc.] treffen könnten. ] Zeigt ja schon das du nicht desinteressiert bist.

ProTipp: Einfach in den Einstellungen die „Gesehen“ Meldungen abstellen. Dann kann dir niemand vorhalten du hättest dir ja schon angeschaut und dann ignoriert.

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Bei mir hat sich letztens ein Freund Wochen später auf eine WhatsApp gemeldet mit: „Du schreibst immer soviel.“
Tja, ich hab ihn trotzdem sehr gern. Von nun an bekommt er immer 10 WhatsApp nacheinander, die nur aus einem Satz bestehen :raising_hand_woman:t2:

Zur Zeit stehe ich an dem Punkt, an dem ich mir überlege, ob und wie ich mich „outen“ soll oder muss. Ich merke auch, dass es mir einfacher fällt, wenn ich Entschuldigungen weglassen kann oder wenn mich andere Personen „anpingen“ und meine Aufmerksamkeit „abholen“, allerdings müssen sie das so können, ohne bei mir Stress auszulösen.

Schwierig. Weiss noch nicht, ob, was, wie und bei wem alles ich das tun könnte oder sollte. Aber irgendwie muss ich das klären. Auch dieses „was sag ich jetzt nach 30 Jahren ohne Kontakt der Schulkollegin, die seit gestern ein paar Tische hinter mir im Büro einen Tisch bezogen hat?“ macht mich nämlich ganz fertig. Smaltalk-Zeug… Wie ich es hasse! Ich freu mich eigentlich, sie zu sehen, und gleichzeitig erzeugt die Situation einen Stress, der mich grad fertig macht. Ihr da einfach eine Bedienungsanleitung für Menschen mit ADxS in die Hand zu drücken wär halt cool…

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Ich tipp ja eh alles am PC: SMS, WhatsApp, Threema, Signal… Aber die Gesprächspartner können tatächlich nicht damit umgehen, dass Short Messages…

Ach, egal.

Im engen Freundeskreis habe ich mich „geoutet“. Da gibts kein Problem.

Im Bekanntenkreis wissen das einige wenige, gerade Personen bei Personen die psychische Erkrankungen/Probleme haben. Da ist das Verständnis eher da. (Narzissten ausgenommen, wobei ich die aus meinem frei wählbaren Umfeld entfernt habe).

Familie… die Eltern wissen es. Wobei man es den Eltern nicht immer alles sagen muss. Ein Thema für sich.

Beim engen Freundeskreis und Eltern antworte ich tatsächlich zeitnah. Hat wohl was mit der Bedeutung der Personen für mich zu tun. Alles andere sind Bekannte (heute oftmals als „Freunde“ interpretiert).

Eigentlich sind Leute, die man nie bis selten sieht, nur „Brieffreunde“.

Arbeitskollegen sind für mich nur Arbeitskollegen, da fühle ich mich nur während der Arbeitszeit zu etwas verpflichtet. Nein, das sind keine Freunde oder Familie, auch wenn Firmen einem das gerne vermitteln damit man ein schlechtes Gewissen hat, rechtzeitig Feierabend zu machen. In der Freizeit kann mir da grundsätzlich jeder den Buckel runter rutschen. Ausnahmen gibts da zwar, aber es braucht da echt Zeit bis sich da neben der Sympathie auch Vertrauen aufbaut.

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Bei mir ist das ganz einfach gewesen. Ich habe nur Beziehungen zu Menschen, denen ich mich nahe fühle. Sie haben während der letzten Jahre mit mir gemeinsam gelitten. Und sich mit mir über die Diagnose + Erleichterung gefreut. Deshalb brauchte es hier kein „outing“.

Eine Freundin habe ich verloren, weil sie mit ADHS nicht umgehen kann (und weil ich mich mit Medikamenten für die Gesellschaft aufputsche). Da stellt sich die Frage, ob sie mir wirklich Freundin war. Ich bin ein wenig traurig, aber auch befreit.

Mein Arbeitsumfeld ist sehr positiv. Meine Arbeit und Wesen ist geschätzt und ich bin fest angestellt. Deshalb habe ich meinem Chef und engen Kollegen Bescheid gesagt. Die müssen nämlich abfangen, wenn ich Phasen habe in denen ich nicht stressbelastbar bin. Dann brauche ich mir nichts ausdenken, sondern kann es ihnen erklären. Ich arbeite für meinen Chef schon fast 20 Jahre und er mag direkte Menschen.

Mein Sohn ist deutlich beeinträchtigt. Deshalb hilft es ihm, wenn ich anderen erklären kann, wie sich ADHS auswirken kann. Seht, ich hab das gleiche wie er. Fragen?

Ich weiß aber, dass ich in einer besonderen Situation bin, die nicht für alle gilt, vor allem nicht im beruflichen Umfeld. So bin ich und so ist mein Weg. Und der ist nicht auf jeden übertragbar.

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Oh, das tut mir Leid. Aber es ist oft besser großzügig auszusortieren, vor allem wenn sich nach einiger Zeit „Freundschaft“ der Nebel lichtet.