Hallo Zusammen!
Mich beschäftigt ein bestimmtes Thema schon sehr lange. Das ist meine Kaufsucht. Ich habe lange vermieden es mit diesem Wort zu benennen, weil „soooo schlimm“ ist es ja nicht.
Man stellt sich eine Person mit Kaufsucht eher vor wie jemand mit 20.000€ Schulden. Jemand der diverse Mahnungen die Woche bekommt und mehrere Kreditkarten besitzt. Und so(!) schlimm war es bei mir nunmal eben nicht…
Bei mir schlich es sich ganz langsam ein. Aus heutiger Sicht mit dem Moment an dem ich aufgehört habe Zigaretten zu rauchen 2017. Irgendwie fehlte mir etwas und da ich jetzt mehr Geld zur Verfügung hatte, kaufte ich mir dann statt eine Schachtel Zigaretten etwas anderes. Anfangs Bücher, Manga, Videospiele etc…
Ich hatte einen ganz passablen Job im Verkauf, wohne in einer WG und kam so ganz gut über die Runden. Ich hatte keine Geldprobleme. Dass man in dem Alter von 20 Jahren aber besser sparen sollte, statt sein Geld für „Krams“ auszugeben, sagte mir natürlich keiner. Und dass es nicht normal ist jeden Monat 200-300€ für „Krams“ auszugeben sagte mir auch keiner. Ich lebte nach dem Motto „Ich kann mir nunmal keinen Wunsch ausschlagen!“
Irgendwann wurden die Ansprüche größer, ich machte meinen Führerschein (Für den ich einen Kredit aufnehmen musste, weil ich es allein nicht hinbekam das Geld dafür an die Seite zu legen), Kaufte einen Gebrauchtwagen (auf die selbe Weise) und mit den neuen Möglichkeiten der Mobilität stiegen auch die Fixkosten und natürlich auch die Anschaffungen.
2019 veränderte ich mich beruflich und hatte wieder mehr Geld zur Verfügung, also auch keinen Druck an meinen bedenklichem Hobbys etwas zu ändern.
Sparen war aber natürlich trotzdem nicht drin.
Ganz im Gegenteil, ich lebte von Gehalt zu Gehalt. Teilweise mit den neuen Angeboten von „Buy now Pay later“ - irgenwann schlich sich ein monatliches Dispo von 400-500€ ein und die offenen Rechnungen von großen Onlinekaufhäusern waren da nicht mit inbegriffen.
Nach der zweiten Ausbildung und einem sehr guten stabilem Gehalt, fingen kritische Fragen von Außerhalb an, wie ich mir das alles leisten könne und ob ich denn für die Zukunft nicht sparen will etc. Ich tat es immer ab mit den Worten „Man lebt nur einmal“ und „Geld ist später nichts wert“ … Heute kann ich mir dabei nur an den Kopf fassen und ich schäme mich auch ein bisschen dafür.
Aber so viel zudem, wie es so weit kam.
Der Wendepunkt kam dann 2024, als ich eine plötzliche Autorechnung von 2000€ bezahlen musste und ich da bereits mein Dispo schon massiv ausgeschöpft hatte und aufgrund einer weiteren beruflichen Veränderung (Studium) mein Gehalt wirklich auf die notwendigsten Fixkosten gesunken war.
Ich stand plötzlich vor einem riesen Schuldenberg ohne Aussicht auf die Möglichkeit das abzubezahlen, auch wenn es erstmal nach nicht viel aussah, war es für mich ein Vermögen.
Aber heute haben wir 2026 und ich möchte erzählen, wie ich es geschafft habe, heute zu sagen ich hab die Kaufsucht zu 90% besiegt!
Mein erster Spruch war es, das Problem anzuerkennen und mir Hilfe zu suchen. Ich hab mich als erstes an meine Mama gewendet. Ihr mein Problem erzählt und zum ersten Mal gesagt wie schlimm es wirklich ist. Sie hatte es schon hier und da mitbekommen, das meine Anschaffungen oft nicht nachvollziehbar waren oder die Menge schon auffällig war.
Sie hat mir den ersten Anstoß gegeben und, wofür ich bis heute dankbar bin, trotz eigener Verpflichtungen alle meine offenen Rechnungen bezahlt. Dafür musste ich ihr versprechen mein Dispo bei der Bank zu kündigen, damit zumindest keine neuen Schulden mehr entstehen. Und wir haben einen Plan aufgestellt, wie ich das Geld bei ihr abzahlen kann. Ich habe mir dann erneut therapeutische Hilfe gesucht und bin wieder regelmäßig zur Gesprächstherapie gegangen.
Anfangs war es schwierig für mich. Ich musste mir eingestehen, dass das Kaufen mein Dopaminhahn war. Allein einfach nur auf Websites neue Dinge anschauen hat mir schon Glücksgefühle bereitet.
Seit 2025 habe ich aber ein ganz striktes Budgetkonzept für mich entwickelt und das geht folgendermaßen:
Mit der Apple Notizen App (so einfach wie möglich) schreibe ich alle Fixkosten für den Monat auf, wie eine Checkliste und harke ab, was vom Konto abgezogen wurde. So habe ich immer einen Überblick, was im Laufe des Monats noch abgezogen wird und wie viel ich noch zur Verfügung habe.
Ich kalkuliere da auch die variablen Ausgaben mit ein, also Geburtstagsgeschenke für Familie und Freunde, Urlaubsreisen etc. Dafür gebe ich mir dann ein Limit und versuche darunter zu bleiben.
Bspw: 100€ Bewegungsgeld für ein Urlaubswochenende in den Niederlanden oder fürs Festival.
Darüberhinaus gebe ich mir jeden Monat 100€ Taschengeld für Ausgaben, die materiell sind, aber nicht notwendig. Videospiele, Deko, DM-Shopping etc.
Alles weitere wird nicht gekauft. Ich versuche um die 400€ im Monat zu sparen für größere Reisen, als Notnagel oder im Moment für meine Zahnbehandlung.
Der Rest bleibt auf dem Konto und wird nicht angerührt. Keine unnötigen Ausgaben mehr, die nicht überlebensnotwendig sind.
Wobei ich aber keine Abstriche mache ist Essengehen mit Freund’innen oder Aktivitäten z.B. Kino, Lasertech etc. Weil ich finde für Unternehmungen mit Freund‘innen sollte man kein Limit machen ![]()
Dann gibt es ja den klassischen Hobby-Hyperfokus. Da ist meine neue Regel zuerst gebraucht kaufen und wenn es dann kaputt ist oder „aufgebraucht“ ist, hab ich mir das Recht verdient es neu anzuschaffen. Aber meistens hält mein Interesse nicht lang genug, dass ich einen Nachteil vom Gebrauchten entdecke.
Das hat mit zuletzt bei Inlinern sehr gut geholfen. Ich habe 1A K2 Inliner auf Ebay gekauft, die neu 200€ gekostet hätten, das war im April - und ich fahre heute immernoch 1-2 mal die Woche 10-20km damit! Die waren super in Schuss und ich hab nur 30€ gezahlt!
So das waren so meine ersten Wege in den verantwortungsvollen Umgang mit Geld! Ich hab noch einige andere Strategien, aber die schreib ich mal so nach und nach unter dieses Thema, weil ich denke es betrifft doch einige mehrere und es ist nichts wofür man sich schämen sollte!
Ich hab mich deswegen auch sehr viel mit Minimalismus auseinander gesetzt und viel aussortiert und verkauft, das hat auch dafür gesorgt, dass ich nicht mehr so viel neues kaufe, weil ich es dann ja wieder ausmisten muss irgendwann und ich beim Verkaufen auch viel Geld verloren habe im Vergleich zu dem, was ich für die Sachen jeweils ausgegeben habe.
Soviel zu mir ![]()
Wenn ihr das Thema kennt, auch noch gute Tipps habt, oder euch was von der Seele schreiben wollt, freu ich mich über einen Kommentar!
Liebste Grüße an alle
-Friedha ![]()