Hi zusammen 
ich bin seit ein paar Wochen offiziell mit ADHS diagnostiziert. Die Diagnostik war bei mir eigentlich ziemlich eindeutig, trotzdem fällt es mir gerade erstaunlich schwer, die Diagnose wirklich anzunehmen. Ich habe irgendwie ständig dieses Imposter-Gefühl und denke mir, dass ich die Diagnose vielleicht gar nicht „verdient“ habe bzw. dass ich vielleicht doch kein ADHS habe 
Ich nehme jetzt seit zwei Wochen Elvanse und wollte deshalb mal meine Erfahrungen teilen und gleichzeitig fragen, ob sich jemand darin wiedererkennt.
Ich habe mit 20 mg angefangen. Am ersten Tag hatte ich ziemlich schnell nach der Einnahme dieses total entspannte, ruhige Gefühl. Mein Kopf fühlte sich irgendwie leiser an und ich hatte gleichzeitig das Gefühl, Geräusche differenzierter, aber teilweise auch intensiver wahrzunehmen.
Die ersten 2–3 Tage waren allerdings eher unangenehm. Ich wurde nachmittags/abends ziemlich müde und schläfrig und hatte Kopfschmerzen. Allerdings habe ich zeitgleich von heute auf morgen aufgehört, Koffein zu trinken und außerdem weniger gegessen, deshalb kann ich natürlich überhaupt nicht sagen, was davon jetzt Elvanse war. Danach haben sich die Nebenwirkungen aber ziemlich schnell gelegt. In den letzten zwei Wochen hatte ich nur noch einmal Kopfschmerzen und dieses starke Nachmittagstief war auch weg.
Was ich unter 20 mg positiv bemerkt habe:
- Beim Einkaufen konnte ich mich irgendwie besser konzentrieren und Entscheidungen treffen.
- Ich habe das Gefühl, meine Gefühle besser regulieren zu können.
- Vor allem bei sozialen Situationen empfinde ich Aussagen von anderen nicht mehr sofort als so extrem beschämend oder schuldbehaftet. Ich kann Dinge irgendwie neutraler betrachten, ohne dass das Gefühl mich komplett überrollt.
- Insgesamt hatte ich das Gefühl, etwas mehr Abstand zwischen Reiz und Reaktion zu haben.
Blutdruck und Puls waren bei mir übrigens unauffällig. Ich habe mittlerweile auch wieder Kaffee getrunken und hatte damit keine Probleme.
Seit Freitag nehme ich jetzt 30 mg. Der erste Tag war wieder ähnlich wie am Anfang, total tiefenentspannt und ruhig. Seitdem fühlt es sich allerdings deutlich anders an. Ich fühle mich teilweise ziemlich getrieben und habe gefühlt 5000 Ideen gleichzeitig und den Tatendrang, alle davon sofort umzusetzen
Das ist einerseits irgendwie cool, andererseits auch ziemlich anstrengend. Ich habe schon das Gefühl, dass ich mich besser auf eine Sache konzentrieren kann, aber ich kann mir noch nicht unbedingt aussuchen, auf welche
Mein Gehirn denkt dann z. B. „Oh, das ist interessant!“ und plötzlich verbringe ich zwei Stunden damit, obwohl das eigentlich überhaupt nicht das war, was gerade anstand.
Ich weiß jetzt noch nicht, ob ich dieses Gefühl gut finde oder ob 30 mg vielleicht einfach etwas zu aktivierend für mich sind. Ich nehme die Dosis ja auch erst seit vier Tagen.
Was mich aber eigentlich am meisten beschäftigt, ist dieses Imposter Gefühl. Ich hatte vor der Einnahme irgendwie die Vorstellung, dass man bei ADHS unter Elvanse total ruhig und ausgeglichen wird und plötzlich einen komplett „normalen“ Kopf hat. Und weil ich mich jetzt teilweise eher aktiviert, motiviert und ideenreich fühle, kommt bei mir direkt der Gedanke:
„Okay, vielleicht habe ich einfach gar kein ADHS und nehme gerade einfach Amphetamine und habe einen kleinen Drogentrip.“ 
Rational weiß ich natürlich, dass das Quatsch ist und dass die Wirkung von Stimulanzien kein diagnostischer Test für ADHS ist. Aber emotional bekomme ich diesen Gedanken trotzdem nicht so richtig los. Gerade weil die Diagnostik bei mir eigentlich eindeutig war, irritiert es mich total, dass ich die Diagnose trotzdem immer wieder infrage stelle.
Ich kann auch gerade noch schwer auseinanderhalten, was Medikament ist, was vielleicht einfach normale Schwankungen sind und was mit meinem Zyklus zusammenhängt. Ich bin gerade ungefähr eine Woche vor meiner Periode. Seit zwei Tagen habe ich außerdem das Gefühl, deutlich mehr an meiner E-Zigarette zu rauchen, wobei ich natürlich auch da nicht weiß, ob das mit Elvanse zusammenhängt.
Mich würde deshalb echt interessieren, wie das bei euch war, gerade am Anfang mit Elvanse.
Wie hat sich Elvanse bei euch mit ADHS angefühlt? War dieses „ruhiger und leiser im Kopf“ bei euch tatsächlich so deutlich? Oder gab es auch eher diese aktivierte, getriebene Phase mit tausend Ideen? Und kennt jemand dieses Gefühl, die eigene ADHS Diagnose trotz eigentlich eindeutiger Diagnostik nicht richtig annehmen zu können?
Ich würde mich wirklich über Erfahrungen freuen!