Wirkung von Medikinet nachgelassen?

Ich würds auch einfach mal ausprobieren, angefangen bei 2.5mg, vielleicht reicht das ja schon.

Bei uns hat „nachlegen“ jeweils nicht geholfen, wenn der Rebound schon da war. Aber da reagiert ja jeder anders.

Hallo zusammen,

ich bin echt am verzweifeln.

Heute hat mein Sohn zum Frühstück 10 mg retard bekommen. 30 Min. später beim Gehen nochmal 5 mg.

Als er heim kam war er zu meiner Freude eigentlich ganz gut drauf. Dann erzählte er beim Mittagessen, dass die Tabletten immer nach der Pause nicht mehr wirken. Angeblich sei das schon immer so gewesen. Heute auch.

Als wir mit den Hausaufgaben beginnen wollten kam es genau so, wie zuletzt unter Medikation: er weinte, konnte kaum ruhig sitzen… keinen klaren Gedanken fassen. Nicht mal mehr einfache Wörter schreiben. Also habe ich ihm 2,5 unretadiert gegeben.

Ich habe es noch eine Halbe Stunde versucht und dann wieder mal abgebrochen. Seit dem liegt er im abgedunkelten Zimmer im Bett und ist zu nichts zu bewegen. Er ist tottraurig…

Ich habe das Gefühl, die Wirkung der Tabletten ist noch schlimmer als je zuvor. Aber ohne geht es auch nicht…

Wir sind auch gerade wieder am Rumprobieren und bei uns wirkt die Nachmittagsdosis nicht, da sie wahrscheinlich zu spät eingenommen wird (unser Sohn nimmt morgens unretardiertes). Deshalb wäre es bei manchen Kindern wohl sinnvoll wirklich noch VOR dem Rebound nachzulegen.

Wir haben die stark hyperaktive Form und das Retardprodukt von Medikinet hat bei ihm auch auf die Stimmung gedrückt. Pünktlich eine Stunde nach Einnahme war er sehr ruhig und hat einen traurigen Eindruck gemacht, deshalb haben wir es dann wieder gelassen. Gewirkt hat es auch nicht länger als 4 Stunden.

Ach ja: Geräuschempfindlichkeit ist hier auch unter der Einnahme der Fall.

Ich an eurer Stelle würde entweder nochmal versuchen frühzeitig nachzulegen (VOR dem Rebound) oder einen Wechsel zb auf Concerta/Kinecteen etc.

Bekommst du denn Rückmeldung von der Lehrkraft?

Verschiedene Gedanken:

  1. es darf Dir nicht unangenehm sein den Arzt um Hilfe zu bitten. Und zwar am Besten eilig (nicht beim Kontrolltermkn), faktuel und eindringlich. Und zwar ohne etwas zu fordern, sondern indem Du genau schilderst was wie funktioniert und dass die Medikation so nicht zufriedenstellend ist.
  2. Wenn Dein Sohn morgens 15mg retardiert bekommt, was 2x 7,5mg unretardiert entspricht, und die Nachmittagsgabe nach Ende der Wirkzeit vom Vormittag erfolgt, kann ich mir nicht vorstellen, dass 2,5 oder 5 reichen. Im Endeffekt gibst Du ihm eine neue Gabe. Wahrscheinlich sind dann 7,5mg unret. notwendig
  3. Das leichte Frühstück kann tatsächlich eine Ursache sein, und zwar dass die Retardierung nicht wirkt sondern er 15mg auf einen Schlag aufnimmt- das würde die kurze Wirkzeit bis zur Pause erklären. Ist es denn realistisch, dass er was proteinhaltigeres isst? Wenn nicht, unbedingt beim Arzt angeben, dass ist quasi ein Auschlusskriterium für Medikinet ret.
  4. Die Reaktion bei den Hausis kann total losgelöst von der Medikation auch rein emotional sein. Ewig an Hausaufgaben zu sitzen, die man öde und/oder schwierig findet, ist nicht lustig - und wird mit Klasse zu Klasse herausfordernder. Vielleicht würde es Dir helfen, mal zu beobachten wie er die Hausis an einem Samstag oder Sonntagmorgen erledigt, wenn Du sicher sein kannst, dass die Medikamente wirken.
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Ich danke Euch für Eure Gedanken.

Zum Thema Frühstück:

Ich war bislang eigentlich immer der Meinung, das Frühstück ist ok für die Einnahme der Medikamente. Er isst ca. 2 - 3 Schüsseln Haferflocken, mit Nüssen, Honig und Milch… Oder ist das nicht geeignet?

Rebound vorbeugen:

Die Sache mit dem rechtzeitigen Einnehmen VOR dem Rebound finde ich schwierig. Möglich wäre evtl. noch, die zweite Dosis in der Pause einzunehmen. Das wäre um 10:15 - 10:45 Uhr. Aber ist das dann nicht zu früh, wenn er um 7 Uhr die erste Dosis nimmt? Und müsste er dann wieder viel essen? Eine Scheibe Brot könnte er vielleicht runterwürgen… reicht das? Darf man solche Medikamente einem Grundschüler überhaupt mit in die Schule geben? Er geht sicher verantwortungsvoll damit um, aber ich weiß nicht, wie das auf Lehrer wirkt…

Mittagsdosis:

Wenn also der Rebound mittags dann schon im Gange ist, ist es dann überhaupt klug ihm nochmal was zu geben für die Hausaufgabenzeit?

Wenn mittags mind. 7,5 unretadiert nötig wären, um eine Wirkung zu haben, dann hat er ja spät nachmittags wieder einen Rebound oder?

Fazit:

Ich würde es schon nochmal versuchen mit dem Medikinet, bevor wir wieder von vorne mit etwas anderem anfangen. Wir sind ja im Grunde auch erst am Anfang.

Aber ich bin mittlerweile so verunsichert, dass ich garnichtmehr weiß, wie ich weitermachen soll.

  1. Ziel: Herausfinden, welche Dosisstärke funktioniert und wie lange hält die Wirkung an

  2. Woran erkenne ich überhaupt, ob es tatsächlich ein Rebound ist oder andere Einflüsse eine Rolle spielen?

    Das ist als Aussenstehender natürlich schwer einzuschätzen. Dafür würde sich ein Wochenende anbieten, wo man vielleicht in Abständen von 2-3h nach der Einnahme mit dem Kind in einer ruhigen Situation gemeinsam checkt, wie es sich gerade und im Laufe des Tages gefühlt hat. Dabei aber vielleicht nicht jede Kleinigkeit bewerten, sondern ein Gesamtbild bekommen. Das vielleicht sogar in einer Art Tagebuch festhalten und zum nächsten Termin mit dem Behandler mitnehmen.

  3. Die Galenik und Pharmakokinetik verstehen lernen.

    Nicht-retardiertes MPH kann zwar ein Bedarfsmedikament sein. Das heißt aber nicht, dass ich es dem Kind nach Bedarf / in dem Moment gebe, wo mir als Elternteil auffällt, dass gerade etwas nicht so gut läuft.

    Es geht viel mehr darum, die optimale therapeutische Dosis herauszufinden und dann entsprechend zeitlich abgestimmt für einen möglichst glatten Wirkspiegel ohne krasse Wirkspitzen zu sorgen.

    Eine zu stark schwankende Hirn-Chemie sorgt genau für‘s Gegenteil. Ebenso ein deutlich unterstimuliertes, wie auch ein deutlich überstimuliertes Hirn.

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Hallo liebe Forengemeinschaft,

ich habe mich getraut unseren Arzt anzurufen. Die Probleme mit dem Medikinet habe ich ihm geschildert. Ich vermute leider, dass er sich mit der Thematik nicht wirklich auskennt. Sein Ansatz war, die Dosis zu reduzieren auf 10 mg retadiert morgens und Nachmittags 10 mg unretadiert. Er hat nichts von Rebound gesagt oder, dass Medikinet in mehreren Dosen eingenommen werden sollte. Nächster Telefontermin Ende Januar…

Naja, jetzt möchte ich einfach selbst ein wenig herumprobieren und sehen, ob wir eine vernünftige Lösung finden. Wenn nicht, würde ich ihn um ein anderes Präparat bitten.

Jedenfalls habe ich die Dosis meines Sohnes tatsächlich erst mal reduziert auf 10 mg retadiert. Diese gebe ich zeitversetzt. 5 mg und 30 Min. später nochmal 5 mg.

Dies habe ich auch heute (Samstag) so gemacht, um zu schauen, wie er sich so verhält. Um 8 bekam er 5 mg retard, um 8:20 Uhr nochmal 5 mg retard. Dazu ein gutes Frühstück.

Um 9 begannen wir mit den Hausaufgaben. Da war er nicht sehr konzentriert, was sich dann aber im Laufe der Zeit etwas besserte. Allerdings sagte er selbst, die Konzentration wäre mit 15 mg immer besser gewesen.

Um 11:30 Uhr gings dann schlagartig los mit Genörgel, “alles ist blöd”, “ich bekomme nichts auf die Reihe”. Er wollte sich anziehen, um raus zu gehen, die Jacke passte nicht, die Schuhe waren zu eng, die Mütze zu dick, usw. Also schon auffällig schlecht gelaunt. Selber sagte er dann, so ginge es ihm in der Schule dann auch immer.

Ca. 2 Std. später gings wieder.

Jetzt überlege ich, ob das schon der Rebound sein kann. Dann hätte er ja nur eine Wirkung von 3 Std. Kann das sein? Oder ist das nur die zeitversetzte Wirkung von den Kügelchen der Retardkapsel? Also ich meine, die zweite “Zündung” von der Kapsel (ich hoffe ihr wisst, was ich meine)

Ich werde es morgen einfach nochmal genauso machen, um zu sehen, ob es auch da wieder um die gleiche Zeit losgeht oder?

Nur ein kurzer Gedanke: vielleicht ist es Hunger (was nicht gleichbedeutend mit Appetit sein muss)?

Unter Medikation kann ja der Kalorienverbrauch (oder wars der Glucoseverbrauch, jedenfalls sozusagen die “Verbrennung”) erhöht sein und auch ohne diesen Zusatzeffekt kann nach 3h schon wieder Hunger kommen.

Vielleicht morgen mal probieren, ihm nach ca. 2,5 h was zu Essen zu geben? Vielleicht nicht reine Süßigkeiten, aber wenn er keinen Appetit auf Deftiges hätte, da MPH ja durchaus den Appetit vermindern kann, vielleicht ein Marmeladebrot oder so?

Oder etwas extrem sättigendes zum Frühstück, also z.B. zwei Eier mit Buttetbrot o.ä.

Alles Gute!

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