Wohin mit Aggression?

Hallo zusammen,

bei dem Thema ist der Zusammenhang zu ADXS nicht so direkt, aber vielleicht habt ihr damit trotzdem Erfahrung und Ideen zum Umgang, die ihr teilen möchtet.
Ich merke in den letzten beiden Jahren, dass ich unterschwellig fast immer gereizt bin und mittlerweile auch bei Kleinigkeiten sehr wütend werde. Gleichzeitig kann ich das nicht nach außen lassen, da ich Angst vor den Reaktionen meiner Mitmenschen habe. Stattdessen richte ich die Wut gegen mich selbst. Oft nur in Gedanken aber zunehmend auch körperlich. Die Wut ist irgendwie immer da, ich bin nie wirklich ruhig. Ich glaube, dass es daran liegt, dass ich sie nicht rauslasse und sie sich so immer weiter anstaut.

Ich würde gern etwas dagegen tun, aber weiss nicht, wie. Eine Idee ist, an einen verlassenen Ort zu gehen, zu schreien und etwas kaputt zu machen. Ich glaub, das könnte mir gut tun. Aber überall, wo ich es versuchen wollte, sind Leute unterwegs. Sogar spät abends und früh morgens. Das muss wohl an Corona liegen, sonst ist draussen nicht so viel los… :frowning: Und wenn jemand in der Nähe ist, trau ich mich nicht. Aber das darf so nicht weiter gehen, ich habe das Gefühl, zu platzen.

Kennt ihr solche Gefühle?
Wie geht ihr damit um?

Ich habe das Problem, Aggression zu Rationalisieren und Abzuspalten. Dabei ist es so wichtig, die Zeitnah rauszulassen.
Hast du ein Auto?
Da kann man auf der Autobahn richtig schreien ihne dass es jemand merkt.
Oder ein Box-Sack ?

Bei mir ist es so, dass ich mir dabei so gekünstelt vorkomme, auf Befehl wütend zu sein.

1 „Gefällt mir“

Ja, das kenne ich sehr gut.

Es ist besser geworden seit dem ich den Grund erkannt und aus meinem Leben verbannt habe. Es war nicht nur die Adxs.

Aggression rauszulassen hilft leider temporär, du muss tatsächlich erkennen woher diese ursprünglich kommt.
Bist du in Therapie?

P.S. Du hast auch Zwänge, oder habe ich es missverstanden? Diese tragen ebenfalls viel bei, besonders gegen sich selbst.

Wirkt hier die Medikation nicht ?

Bei mir Jein.
Medis behandeln Symptome, nicht die Ursache.

Was meinem mindset recht gut geholfen hat war ein Buch „Wut ist ein Geschenk“ von Arun Ghandi, das ist der Neffe von mahatma Ghandi.
Das hörbuch fand ich gut und auch die Sprecher stimme.

Alles zu rationalisieren ist auch bei mir ein Problem. Das führt dazu, dass ich meine Gefühle allgemein nicht gut wahrnehmen kann.
Bei der Wut ist es allerdings so, dass ich mittlerweile Angst davor habe, sie nicht mehr kontrollieren zu können und an jemandem auszulassen, im schlimmsten Fall körperlich.
Meine Taktik, wenn jemand mich provoziert (bzw. ich mich provoziert fühle) ist daher zur Zeit, mich schnellstmöglich aus der Situation zu entfernen, bevor was passieren kann. Auf Dauer nicht wirklich hilfreich.

Ne, ich fahre nicht Auto, ansonsten wäre das bestimmt eine gute Möglichkeit.
Mir wurde letztens vorgeschlagen, unter Wasser zu schreien. Habe das noch nicht ausprobiert, weil ich nicht weiss, wo/wie ich das machen könnte. Badewanne hab ich nicht. Habt ihr das mal gemacht? Könnten das die Nachbarn hören?

Gestern habe ich mein Sofa (Sitzmöbel und Box-Sack-Ersatz) verprügelt, das hat ein bisschen geholfen. Das war eine der seltenen Situationen, wo ich zu Hause diese Wut hatte und direkt auslassen konnte. Aber leider passiert das eher, wenn ich irgendwo unterwegs bin. Besonders in den Öffis, wenn mich die lauten Geräusche fertig machen. Oder wenn mich Fremde blöd anmachen. Wenn ich danach wieder zu Hause/allein bin, schaffe ich es fast nie, diese Wut des Moments wieder nachzuspüren, um sie raus zu lassen. Dann fühle ich mich total stumpf.

In Therapie bin ich so „jein“. Habe noch 4 Sitzungen bei meinem Thera, die ich machen könnte, danach ist das Kontingent endgültig verbraucht. Aber weiss nicht, ob ich hin gehe, da wir schon lange nicht weiter kommen bzw. es eher schlimmer wird. Was aber nicht an ihm liegt, da ich ursprünglich wegen eines anderen Themas zu ihm kam, wobei er mir sehr geholfen hat und das jetzt nahezu vollständig ok ist.
Medikamente nehme ich nicht. Würde da auch nicht heran kommen, da ich keine_n Psychiater_in finde in der Nähe. Alle haben Aufnahmestop oder sind nicht zu erreichen.

Warum ich schnell wütend werde? Das hat bestimmt zu einem großen Teil mit dem andauernden Gefühl der Ablehnung durch Andere zu tun, die ich schon mein Leben lang kenne. Und mit häufigen Erfahrungen von Sexualisierung/Fetischisierung in den letzten paar Jahren. Wenn es ganz schlimm ist, habe ich das Gefühl, dass alle Menschen potentielle Feinde sind, vor denen ich mich schützen muss. Dann bin ich wohl überempfindlich.

Klingt das dann nicht eher nach einer im Grunde nachvollziehbaren Überreizung? Wenn Du Dich ohne Medis den ganzen Reizen im ÖPNV stellen musst, noch dazu bei schlechten Vorerfahrungen und blöden Anmachen… Das wäre für viele von uns extrem heftig. Wie soll Dir Dein Körper denn sonst vermitteln, dass das gerade zu viel ist? Weil Du mehr wahrnimmst und mehr Gepäck aus schlechtem Vorerleben mit Dir rumschleppst, ist das für Dich eine größere Herausforderung als für den neurotypischen Kerl im Sitz nebenan.

Wenn es solche Auslöser gibt, wäre dann nicht vielleicht eher Ohropax oder Kopfhörer mit Deiner Lieblingsmusik etwas? Vielleicht ein Duftöl in der Maske? Oder alles in der Umgebung in einer bestimmten Farben aufzählen? Ein beruhigendes Gespräch mit jemandem anfangen?

Solche Tricks wie Matratzenverprügeln, alte Handtücher oder Telefonbücher zerreißen, im Wald schreien, Gummiband am Handgelenk schnipsen und sich dabei „Stopp“ sagen, usw. verbinde ich jetzt eher mit länger angestauten oder aufgeschaukelten Emotionen, für die sich vielleicht auch kein konkreter Aufhänger feststellen lässt.

Vielleicht kannst Du Dir in solchen Situationen vorstellen, dass einer von uns mit Dir in Bus oder Bahn ist und gerade diese Wut empfindet? Da würde Dir bestimmt ein guter Dialog einfallen, um uns runterzuholen.

Diese Unterversorgung ist echt schlimm. Für meine Diagnose musste ich meinen „Suchradius“ immer weiter vergrößern bis ich in 60km Entfernung einen Neurologen fand, der einen Termin innerhalb von Wochen und nicht Jahren oder Monaten anbieten konnte. Zur Weiterbehandlung bin ich dann bei einem Neurologen hier in der Stadt untergekommen.

ich hatte von MPH massive aggressionsprobleme, vor allem wenn die wirkkurve am höchsten war oder beim rebound. das war extrem… hab es absetzen müssen u.a aus diesem grund…
falls du keine medikamente nimmst, dann hilft viel bewegung/spazieren/sport. anstrengende tätgkeiten, wie einkäufe schleppen… dann bin ich abends viel entspannter…
ein tag ohne bewegung ? dann schlafe ich nachts nicht ein…

das mit dem ständig und wegen jedem kleinkram gereizt sein, habe ich auch vermehrt in den letzten jahren. wer weiss, ob das sich das adhs im alter verschlimmert. ich befürchte so langsam, dass dies der fall ist. deine wut muss aber raus. nach aussen… und man darf sich selber nicht so unter druck setzen… das ist das größte problem.
ich gehe zb gerne an den see… fast täglich, und geniesse es wenn keine menschen dort sind… vllt. wäre das was für dich… ein see… ein wald?

Das Gereiztsein kenne ich auch, aber nur noch spätabends wenn die MPH-Wirkung weg ist. Durch MPH kann ich wunderbar ausgeglichen sein.

Ich bin neu hier, zuerst mal Entschuldigung wenn ich einfach hier reinplatze. Es geht mir schon sehr lange nicht gut, ich bin keine Corona-Leugnerin, trotzdem bin ich aber auch ein kritischer Mensch, und wenn Fehler gemacht werden, dann sollte man dazu auch seine Meinung sagen dürfen, ohne gleich als Spinnerin abgestempelt zu werden. Ich halte mich an die Regeln usw., sogar sehr diszipliniert, aber trotzdem finde ich, das manche Dinge, anders oder besser laufen könnten. Aber egal, darüber will ich jetzt wirklich nicht diskutieren, und auch nicht dazu anregen. Aber zum Thema Aggression ist es in meinem Fall schon so, das ich vermehrt, seit Ausbruch der Pandemie und den damit verbundenen Lebenseinschränkungen, die ich einhalte, aber eben darunter leide. Ich spüre natürlich des öfteren unterschwellig eine Wut in mir brodeln, obwohl ich glaube das das derzeit auch bei Menschen ohne Adhs der Fall ist. Aber bei Adhs ist ja diese Impulsschwäche das eigentliche Problem, und die habe ich, gebe ich offen zu. Naja und manchmal stauen sich dann eben die Gefühle auf, kann jeder der ein bisschen emphatisch ist erkennen, wie es am brodeln ist, am gären, und dann manchmal nur noch 1 Tropfen fehlt um das Fass zum überlaufen zu bringen. Gott sei Dank hilft mir bis jetzt der Sport dabei meine aufgestauten Aggressionen abzubauen. Aber nicht immer spielt das Wetter mit, und dann muss ich mich manchmal echt schwer beherrschen das ich nicht explodiere, ein Sch*** Gefühl.