WURS-k Interpretation der Frage 10 "leicht zu irritieren"

Hallo miteinander, als Neuzugang im Forum noch ohne Diagnose sitze ich vor dem WURS-k-Fragebogen, von dem ich schon weiß, dass er mir nicht weiterhelfen wird. (Entweder hatte ich als Kind ADHS verdeckt oder ich habe etwas anderes. Eine bipolare Störung wurde diagnostiziert und ist mit Medikamentierung Bupropion+Lithium - nun aber ohne Alkohol - seit einigen Monaten praktisch symptomfrei.) Trotzdem bin ich entschlossen ran an den Fragebogen, habe des Öfteren die Ankreuzmöglichkeit „kommt drauf an“ vermisst und irgendwie 24 der 25 Fragen bewältigt.

Mich irritiert nur noch die Frage 10: „Als Kind im Alter von 8-10 war ich leicht zu irritieren?“ Gegenfrage: Ist nicht jedes Kind in dem Alter leicht zu irritieren? Kann hier jemand eine Interpretationshilfe geben?

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Hallo :slight_smile:

Mein Therapeut hat zu sagen gepflegt, dass man nicht so viel interpretieren soll, sondern einfach ankreuzen, was man als erstes denkt. Ich hab nämlich auch so ziemlich alles hinterfragt und kaputt gedacht :joy:

Beispiel die Frage, ob ich mich häufig als Kind verletzt habe.
„Verletzen sich nicht alle Kinder häufig??“

Hab dann mal im Umkreis gefragt. Ist gar nicht so. Niemand musste so oft genäht werden, wie ich. Für mich war das eben so normal. Ich kannte es nicht anders.

Es kommt halt auf die Häufigkeit an.
Aber zerdenk dir darüber nicht den Kopf sondern kreuze an, was DU als erstes fühlst.

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Hi @Dosierungshilfe und herzlich willkommen! :adxs_wink:

Keine Interpretationshilfe - ich fand die Frage genauso irritierend. :clown_face:
Weiß gar nicht, was ich da angekreuzt habe, müsste ich nachschauen.

Vielleicht ?
hast du als Kind oft irgendwo gesessen und „Hä???“ gedacht ?

Aber letztendlich ist ja wichtig was du meinst, weil unsere Interpretationen können ja ganz anders sein.

Ansonsten schreib dahinter , dass dich die Frage irritieret :wink:

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Hab ich schon. :wink:

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Also aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, es ist bei ADHS subjektiv für den Betroffenen immer so eine Sache „Was ist viel, was ist wenig?“

Ich habe mal ein Video von einem Psychologen gesehen, der meinte, dass ihm in seiner Praxis vor allem bei ADHSlern die stark an RSD leiden, aufgefallen ist, dass sich diese extrem schwer tun sich selbst richtig einzuschätzen.

Ich kann heute sagen, dass es bei mir immer so war, dass unterbewusst immer auch die Frage eine Rolle spielte, „Wie darf ich überhaupt sein?“.
Ich wusste ja da ist etwas und da muss ich etwas ankreuzen, aber wieviel wusste ich nicht.

Auch bei anderen Psychologischen Fragebögen, kam einmal raus, dass ich evtl an etwas Zwanghaften leiden könnte. War natürlich nicht so, aber zu der Zeit, ist eben was passiert wo ich mir sagte Nein so lasse ich nicht mehr mit mir umgehen und das merke ich mir auch für die Zukunft.

Dann kommt noch dazu, dass man mit ADHS sehr oft alles was außenrum ist, in die Beantwortung der Frage mteinbezieht. Manche Fragen konnte ich ohne Hilfe nicht interpretieren um sie durch reines Ankreuzen beantworten zu können.
Was ist aber wenn und dann ist das und das oder so und so. Es hatte immer alles Einfluss in meinem Kopf.

Ich denke dass auch viele andere die Erfahrung gemacht haben, dass sie nach geraumer Zeit mit dem Bewusstsein, dass sie ADHS haben und sich damit auseinandergesetzt haben, die Fragebögen für die Diagnostik noch viel stärker Richtung ADHS beantworten, als noch bei der Diagnostik.
Ohne dass man aktiv Fragen stärker in eine bestimmte Richtung beantworten müsste, weil so muss das ja sein, weil ich habe ja ADHS.
Denn man versteht erst mit der Zeit was alles bei ADHS überhaupt eine Rolle spielt und wie die Symptome überhaupt mit Komorbitäten und lebenslangem Masking aussehen können.

Deshalb ist es auch absoluter Quatsch eine ADHS Diagnostik rein von den Fragebögen abhängig zu machen. Weder für eine positive, noch für eine negative Diagnose und schon gleich garnicht von Zeugnissen. Deren Aussagekraft sich ja auch ausschließlich darauf beschränkt, ob etwas drin steht. Wenn nichts drin steht, sagt das auch absolut nichts aus im Hinblick auf die Frage ADHS ja oder nein.

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Man könnte es so interpretieren, dass es herausfordernd war, wenn Dinge (plötzlich) anders gelaufen sind, als angenommen.
Z.B. Du denkst (als Kind) Papa holt dich ab, aber es kommt Mama; du wolltest die gelbe Hose anziehen, aber die ist in der Waschmaschine und musst nun die rote nehmen; du dachtest es gibt Nudeln, aber dann stehen Pfannkuchen aufm Tisch (das könnte natürlich auch zu großer Freude führen :wink: ; du sollst heute noch duschen gehen, aber das hat dir vorher niemand gesagt; normalerweise läuft etwas so ab und dann doch anders; Erwachsener A sagt so und Erwachsener B ganz anders;…,

Wenn solche Situationen ein Kind ‚meistens’ sehr fordern oder überfordern würde ich das als „leicht zu irritieren“ bezeichnen. Natürlich kann sowas bei allen Kindern mal zu Irritationen oder Wutanfällen führen - vor allem wenn müde und/oder hungrig. Kommt dann wahrscheinlich auf die Häufigkeit und Intensität an, wie bei den meisten Fragen. Weiß auch nicht, ob meine Beispiele nachvollziehbar sind, gibt bestimmt viele andere… Und das ist auch nur meine Interpretation - was wirklich gemeint ist :woman_shrugging:

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Wenn in der Psychologie fachlich von Irritierbarkeit die Rede ist, ist damit weniger eine inhaltliche Verwirrung gemeint, sondern wie leicht der Mensch sich emotional in eine negative Richtung „aus dem Tritt bringen“ lässt. Das sollte vielleicht wirklich verständlicher formuliert werden, sofern diese Deutung gemeint ist. Davon gehe ich aus, weil emotionale Dysregulation bei Kindern mit ADHS in dem Alter ein wichtiges Thema ist.

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Das Thema gibt es z.B. auch im Zusammenhang mit Forschung mit Babys, wie leicht sie weinen oder zu beruhigen sind, und ethnische Unterschiede der Irritierbarkeit. Afrikanische Babys seien demnach leichter zu irritieren als asiatische.

Mir fällt erst in letzter Zeit zunehmend auf wie sehr das für mich eine Rolle spielt.
Mir fällt es schwer, wenn nicht zuletzt soziale Regeln die ich irgendwann in meinen Wertekompass übernommen habe, einfach völlig ignoriert oder plötzlich fallen gelassen werden.
(Noch schlimmer wenn das durch ein und die selbe Person passiert)
Ich denke, dass dadurch meine soziale Angststörung schon sehr früh entstanden ist.
Also nicht, dass meine Eltern völlig voneinander abweichende Werte vorgelebt hätten.
Eher, dass ich nie wirklich wusste, durch meine eigene Neurodivergentz, was ist jetzt das von außen gesellschaftlich erwartete richtige Verhalten, da meine eigene Wahrnehmung ja oft so anders war, als von meinem Umfeld und es mir wahnsinnige Schwierigkeiten machte, dass ich diese Diskrepanz oft nicht auflösen konnte.

@tamaracha Kulturelle Unterschiede können bei der Diagnostik eine große Rolle spielen, im Hinblick auf, was an Verhalten, ist viel und was wenig. Natürlich auch wie stark jemand gewisses Verhalten maskiert, weil man, je nach dem mehr oder weniger stark, eine auf dem Deckel bekommen hatte, wenn das eigene Verhalten nicht dem kulturell erwünschten/eingefordertem Verhalten entspricht.

Natürlich gibt es da auch teilweise stärkere Unterschiede bzgl. dem Geschlecht welches Verhalten erwünscht ist. Das man aber auch oft selbst nach außen lebt und von sich selbst aber auch von anderen einfordert. Das ist nicht zu unterschätzen. Da werden auch oft von Menschen die selbst darunter leiden, diese Maßstäbe auf andere übertragen und eingefordert.

(Das Tallest Poppy Syndrom ist real.)

Ich meinte auch nicht direkt eine inhaltliche Verwirrung, sondern die Schwierigkeit sich in solchen Fällen ‚umzuorientieren‘ oder anzupassen. Was dann eben zu heftigeren Abwehrreaktionen, Wut, Unsicherheit, etc. führt. Vielleicht wie sehr einen so etwas (emotional) ‚aus der Bahn wirft‘ oder ob man da eher gelassen drauf reagieren kann.
Oder wie meintest du es? Habs vielleicht auch noch nicht so gut verstanden…

Danke für Eure tiefgehenden Antworten! Das…

…war einer der Treffer. Ich wurde von (ganz kleinen) Misserfolgen leicht aus dem Konzept gebracht und fing dann leicht an zu weinen. Das hat es sogar ins Zeugnis geschafft. :blush: Und wurde mir kurz darauf erfolgreich abtrainiert.

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Doch, genau diese emotionale Reaktion ist damit gemeint. Widersprüchliche Anweisungen wären nur eine von vielen Arten, das auszulösen. Es geht da schon drum, ob ein Kind sich bei dieser Art von kleinen Tiefschlägen schnell wieder fangen und einregulieren kann, oder ob es in länger anhaltende negative Stimmungen wie Wut, Verzweiflung, Trauer usw. umschlägt und nicht mehr so leicht von selbst zurückfindet.

Ich habe kein ADHS und bei mir als Kind in dem Alter war es z.B. so, dass ich mich relativ leicht wieder einpegeln konnte. Ich konnte zwar sehr empfindsam reagieren, aber so richtig ein „aus der Bahn werfen“ mit Eskalation war das eigentlich nicht. Glaub im Kindergarten hatte ich einmal die Geschichte gehört, wo Jesus den Aussätzigen heilt, und wo der Aussätzige vor der Heilung ein so einsames Leben führen muss. Da hab ich richtig intensiv geweint. Aber es war eben so, dass ich als Kind immer auch wieder gut zu meiner Mitte gefunden hatte, auch bei Rückschlägen. Dieses „wieder zurückfinden“ ist für Kinder mit ADHS oft schwierig und belastend.

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Klingt danach, als ob man im Extremfall eine Art Erlernte Hilflosigkeit entwickeln kann und dann resigniert. Nach dem Motto: „Ich kann es ja doch nicht einschätzen, die Leute sind sich ja selber nicht einig, sch…ß auf Moral!“ Das ist mir besonders bei Menschen mit ASS manchmal schon subtil aufgefallen. Mich strengt geringe Integrität auch an, aber eher aus Enttäuschung über die Wetterwendischkeit. Integrität und Beständigkeit sind für mich einfach Werte von sich aus.

Diese Resignation habe ich hingegen durch meine Blindheit mit visuellen Vorlieben. Jeder meint was anderes, welche Farben man tragen soll, was wozu passt und was nicht, was ein modisches No-Go wäre und was nicht … Zu all dem kann ich mir nur eine grobe Theorie stricken, der immer tausend Ausnahmen entgegengehalten werden können. Die wenigsten Leute konnten mir als Kind klar kommunizieren, was vielleicht wirklich ein optisches Verbrechen mit Handlungsbedarf ist und was Kritik auf hohem Niveau. Kaum jemand kann das vernünftig priorisieren und das hatte mich als Jugendliche sozial extrem unsicher gemacht.

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Wunderbar @Dosierungshilfe, dann kriegst du ein paar weitere Punkte für den Fragebogen zusammen. :wink:

so fragebögen sind oftmals sehr „schwammig“ formuliert, geht zumindest mir so, jetzt kann man pragmatisch antworten ohne zu viel zu überdenken oder man schreibt anmerkungen an die fragen selbst dran. mir hilft meist beides. :slightly_smiling_face: :+1:

"Deshalb ist es auch absoluter Quatsch eine ADHS Diagnostik rein von den Fragebögen abhängig zu machen. Weder für eine positive, noch für eine negative Diagnose und schon gleich garnicht von Zeugnissen. "

Die Zeugnisse ja, in einer ersten Begutachtung, die mir von der Ärztin auch vorenthalten wurde, stand, dass AD(H)S nicht in Frage kommt, da ich in der Schule nicht so auffällig war. Noten, waren okay usw. Dass ich das nur aufgrund von viel Support und später stundenlangem lernen doch noch gut hinbekommen haben wurde nicht weiter beleuchtet.

Same Old Story…