Zusätzliche Medikation bei 7 jährigen?

Hallo,

ich habe lange nach einem Forum gesucht und hoffe, dass ich hier Austausch und Tipps/Erfahrungen sammeln kann.

Ich bin wirklich sehr verzweifelt und freue mich über jeden Kommentar!

Nun zu uns:

Ich bin 33, verheiratet und habe zwei Söhne (7 und 2). Der Große hat mit 6 Jahren die Diagnose ADHS bekommen und wird seitdem mit Medikinet behandelt. Er verträgt es sehr gut und profitiert unglaublich sehr davon! Wir hatten wahnsinnige Bedenken und Angst vor der Medikation, aber jetzt sind wir so froh, dass es sie gibt und er sie nimmt.

Anfang hatte er ein unretardiertes Präparat, aber nach der Einschulung wurde auf Retard gewechselt.

Nun zum eigentlichen Problem:

Die Nachmittag nach dem Wirkungszeitraum sind teilweise absoluter Horror. Die Symptome wie Wutausbrüche, Impulsivität, Unkonzentriertheit und das Sprunghafte sind wahnsinnig ausgeprägt. Er bekommt für sein Vereinssport und die Ergotherapie eine zusätzliche unretardierte Tabeltte. Mittlerweile sind mein Mann und ich der Meinung, dass er sie jeden Nachmittag nehmen sollte. Das Familienleben leidet sehr und auch möchte ich nicht, dass sein Sozialleben negativ auf sein Verhalten reagiert.

In der Schule ist alles okay (er geht aktuell nicht in die Mittagsbetreuung), aber er kann den ein oder anderen Spielplatzbesuch sprengen und zu Hause ist es wirklich alles andere als schön.

Gibt es hier jemand, bei dem es auch so ist und verabreicht ihr da noch eine zweite Dosis fest jeden Tag?

Es macht mich wirklich wahnsinnig traurig, dass unser Alltag so bescheiden läuft und kann mir Abend die eine oder andere Träne nicht verdrücken…

Ja unbedingt eine zweite Dosis, und zwar retardiert, nicht unretardiert! Unser 10-jähriger nimmt inzwischen morgens Concerta und mittags Medikinet retardiert. Der Nachmittag, Familie, Freunde, Hobbys, das ist alles auch wichtig, nicht nur die Schule!

PS: Üblicherweise ist die zweite Dosis etwas tiefer als die erste, und damit auch der Rebound danach etwas schwächer.

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Wie klappt das bei euch dann mit dem Essen? Unser Sohn ist eher zart und das Gewicht auch oft Thema in der KJP Praxis. Er ist leider wirklich ein ‚Picky-Eater‘ und man merkt unter dem Retard dann Probleme wenn es ums Mittagessen geht.

Er bekommt vor der Schule Medikinet Retard 20 und nachmittags dann Medikinet 10.

Er isst mittags nicht viel, aber holt das dann abends nach. Und oft isst er noch eine Portion Haferflocken mit Milch vor dem schlafen.

Wie verläuft denn der späte Nachmittag und Abend, wenn die Dosis Medikinet 10mg (nicht-retardiert) vom Nachmittag aufhört zu wirken?

Geht es dann ähnlich drunter und drüber, wie ursprünglich mit den 20mg Medikinet Retard, als er noch keine Wirkung verlängernde nicht-retardierte Dosis bekam, oder funktioniert das so den Rest des Tages?


  • 20mg Medikinet Retard / Adult (Freisetzung: 50 / 50)
    • 10mg rasch über den Magen
    • 10mg zeitlich verzögert über den Darmtrakt

Speziell bei Medikinet Retard / Adult wird die verzögert freisetzende Komponente in der Kapsel über einen pH-abhängigen Überzug gesteuert.

Dieser Überzug löst sich ab einem bestimmten pH-Wert auf, der im Normalfall erst ab Dünndarm erreicht würde und wodurch dann die zweiten 50% Wirkstoff freigesetzt werden.

Aufgrund dieser pH-abhängigen Beschichtung ist die Mahlzeit vor der Einnahme der Kapsel zwingend notwendig, da der Magenbrei quasi verhindern soll, dass die zweiten 50% zu früh im Darmtrakt ankommen und sich dort zu früh beginnen aufzulösen.

Das gilt aktuell nur für Medikinet Retard/Adult.

Ritalin LA/Adult, Equasym, Kinecteen, Concerta etc. (und Generika anderer Hersteller) verwenden ein nicht-pH-sensitives Coating → keine Mahlzeit vor der Einnahme notwendig.


20mg Medikinet Retard / Adult entspricht also in etwa der zweimaligen Gabe von 10mg Medikinet, als würde man sie zeitlich ~3h versetzt einnehmen.

10mg Medikinet entspricht also dem ersten freisetzenden Anteil von 20mg Medikinet Retard.


Zu erwarten wäre ein therapeutisches Wirkende beim nicht-retardierten Präparat daher bereits nach etwa 3 bis maximal 4 Stunden, da es hier keinen verzögert freisetzenden Wirkstoff Anteil gibt.

Das Wirkende kommt entsprechend recht abrupt, während der frühe Abend wahrscheinlich noch nicht erreicht sein dürfte.


Daher die Frage, wie nach der Dosis Medikinet 10mg der Rest des Tages / Abends verläuft :slight_smile:


Wenn es aktuell so funktioniert - alles gut.

Falls nicht, hilft das obige vielleicht zum Verständnis und könnte beim nächsten Arztbesuch als Basis dienen - sollte das Problem eine nicht ausreichende Tagesabdeckung sein.

Vielen Dank für deine umfangreiche Antwort :smiling_face:

Es klappt tatsächlich gut. Natürlich wird es abends wieder etwas ‚wilder‘, aber kein Vergleich zu einem Nachmittag/Abend ohne die 10mg unretardiert.

Er bekommt morgen sein Frühstück und dann die Kapsel. Für Sport und Ergo bekommt er gegen 14:30 Uhr dann die 10mg unretardiert. Da hat er dann auch noch mal gegessen und in der Schule nimmt auch er auch noch ein wenig aus der Brotbox zu sich.

Das klappt dann tatsächlich auch gut.

Am Wochenende bekommt er nur unretardiert.

Ich werde definitiv mit der Ärztin Rücksprache halten und fragen, ob wir das jeden Tag mit den zwei Dosen beibehalten können.

Die Situation belastet uns alle sehr und wir wollen nicht, dass er so viel negatives erfährt. Immerhin kann er nicht für die Impulsivität.

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