Hallo,
also ich bin zunächst mit einem komischen Gefühl zu dem Termin gefahren, was denke ich auch verständlich ist. Ich habe den Diagnostiktermin dann direkt angesprochen und geäußert, dass dieser in meinen Augen nicht so super verlaufen ist. Ich habe meinem Therapeuten die Dinge geschildert, die mich gestört haben und er hat mich dann unterbrochen, weil er sich nicht alles merken kann und zu jedem einzelnen Punkt Stellung nehmen wollte.
Zum Punkt mit der ängstlich-vermeidenden PS sagte ich ihm, dass ich seine Aussage als widersprüchlich empfunden habe und es hätte mich verwirrt, dass er einerseits Fortschritte sieht und sich andererseits an der Diagnose von vor gefühlt 15 Jahren aufhängt. Er meinte, er würde zugeben, dass das Konzept von PS schwierig sei und viele damit unzufrieden seien bzw. der Begriff nicht richtig sei. Viele Patient*innen hätten damit ein Problem, wenn man ihnen sagt, dass sie eine PS haben. Da stimmte ich ihm zu. Kurz vorher habe ich zu meinem Therapeut gesagt, dass ich ein ängstlicher Typ bin und dies vermutlich auch immer bleiben werde, aber ich mich meinen Ängsten stelle und sich schon vieles verbessert hat. Er sieht das nicht so, dass ich immer ein ängstlicher Typ bleibe und meinte aber, dass sich die Ängste grundsätzlich durch viele meiner Lebensbereiche ziehen und das würde die ÄVPS ausmachen. Indem er mir das nochmal erklärt hat, konnte ich es besser verstehen und einordnen, auch wenn mich das Wort “vermeiden” stört. Mein Therapeut fügte hinzu, dass er meine Fortschritte gar nicht abstreitet, sondern ganz im Gegenteil. Vielleicht wäre das ein Missverständnis gewesen und er wüsste nicht, wie das entstanden ist.
Dann kamen wir auf die Diagnose ADHS zu sprechen. Mein Therapeut sagte, dass er nicht weiß, ob ich ADHS habe. Er würde die Auswertung noch nicht fertig haben und dann wiederholte er die Aussage vom Diagnostiktermin, dass dabei aber ADHS herauskommen wird. Was er dann sagte, fand ich schon wieder grenzwertig…nämlich, dass man einen Fragebogen im Grunde ausfüllen kann, wie man möchte. Würde er mir einen Fragebogen zu Persönlichkeitsstörungen geben, würde ich diesen dementsprechend ausfüllen und das gleiche würde für einen ADHS-Fragebogen gelten. Außerdem könne man sich eine Diagnose auch zu sehr wünschen und am Ende sei man dann enttäuscht. Daraufhin sagte ich ihm, dass ich mir ganz sicher keine meiner Diagnosen / Erkrankungen gewünscht habe und am liebsten nichts davon hätte. Er fügte hinzu, dass man bei psychischen Diagnosen nach irgendwelchen Stufen geht und in der Regel zuerst die zugrunde liegende behandelt. ADHS wäre nicht umsonst erst an neunter Stelle. Da weiß ich aber nicht, worauf er sich genau bezieht.
Danach ging es um das Medikament und er erwähnte nochmal, dass er Amphetamine für gefährlich hält. Sie würden jedes Gehirn leistungsfähiger machen, egal ob ADHS oder nicht. Amphetamine würden vor dem Hintergrund der Abhängigkeit dem Gehirn Dopamin zuführen und irgendwann könne es passieren, dass sich das Gehirn daran gewöhnt und mit der Zeit immer mehr braucht. Es könne aber auch passieren, dass das Gehirn irgendwann aufhört Dopamin herzustellen, wenn es von außen welches bekommt. Er meinte zwischendurch im Gesprächsverlauf noch, dass sich Menschen mit ADHS nicht auf eine Sache konzentrieren können und deswegen z.B. beim Lernen parallel oft Musik im Hintergrund läuft oder der Fernseher an ist. Dies könne man trainieren, indem man alle Reize um sich herum entfernt und solange in einer reizarmen Umgebung lernt, bis man sich gut auf die eine Sachen konzentrieren kann. Dann könne man nach und nach wieder Reize dazu nehmen. Ehrlich gesagt halte ich das für sehr fragwürdig, dass man dadurch lernt sich zu konzentrieren.
Abschließend sagte mein Therapeut, dass ich bis zum nächsten Termin schauen soll, ob noch Punkte offen sind und dann können wir beim nächsten Mal darüber reden. Und er sagte zum Abschied, dass es gut war, dass ich das angesprochen habe und es noch ein Fortschritt sei.
Werde mir bis zum nächsten Termin auf jeden Fall noch Fragen an ihn notieren, wie z.B. ob ich nicht beide Diagnosen (ÄVPS + ADHS) haben kann.