Zutiefst verunsichert worden bei der ADHS-Diagnostik

Hallo,

also ich bin zunächst mit einem komischen Gefühl zu dem Termin gefahren, was denke ich auch verständlich ist. Ich habe den Diagnostiktermin dann direkt angesprochen und geäußert, dass dieser in meinen Augen nicht so super verlaufen ist. Ich habe meinem Therapeuten die Dinge geschildert, die mich gestört haben und er hat mich dann unterbrochen, weil er sich nicht alles merken kann und zu jedem einzelnen Punkt Stellung nehmen wollte.

Zum Punkt mit der ängstlich-vermeidenden PS sagte ich ihm, dass ich seine Aussage als widersprüchlich empfunden habe und es hätte mich verwirrt, dass er einerseits Fortschritte sieht und sich andererseits an der Diagnose von vor gefühlt 15 Jahren aufhängt. Er meinte, er würde zugeben, dass das Konzept von PS schwierig sei und viele damit unzufrieden seien bzw. der Begriff nicht richtig sei. Viele Patient*innen hätten damit ein Problem, wenn man ihnen sagt, dass sie eine PS haben. Da stimmte ich ihm zu. Kurz vorher habe ich zu meinem Therapeut gesagt, dass ich ein ängstlicher Typ bin und dies vermutlich auch immer bleiben werde, aber ich mich meinen Ängsten stelle und sich schon vieles verbessert hat. Er sieht das nicht so, dass ich immer ein ängstlicher Typ bleibe und meinte aber, dass sich die Ängste grundsätzlich durch viele meiner Lebensbereiche ziehen und das würde die ÄVPS ausmachen. Indem er mir das nochmal erklärt hat, konnte ich es besser verstehen und einordnen, auch wenn mich das Wort “vermeiden” stört. Mein Therapeut fügte hinzu, dass er meine Fortschritte gar nicht abstreitet, sondern ganz im Gegenteil. Vielleicht wäre das ein Missverständnis gewesen und er wüsste nicht, wie das entstanden ist.

Dann kamen wir auf die Diagnose ADHS zu sprechen. Mein Therapeut sagte, dass er nicht weiß, ob ich ADHS habe. Er würde die Auswertung noch nicht fertig haben und dann wiederholte er die Aussage vom Diagnostiktermin, dass dabei aber ADHS herauskommen wird. Was er dann sagte, fand ich schon wieder grenzwertig…nämlich, dass man einen Fragebogen im Grunde ausfüllen kann, wie man möchte. Würde er mir einen Fragebogen zu Persönlichkeitsstörungen geben, würde ich diesen dementsprechend ausfüllen und das gleiche würde für einen ADHS-Fragebogen gelten. Außerdem könne man sich eine Diagnose auch zu sehr wünschen und am Ende sei man dann enttäuscht. Daraufhin sagte ich ihm, dass ich mir ganz sicher keine meiner Diagnosen / Erkrankungen gewünscht habe und am liebsten nichts davon hätte. Er fügte hinzu, dass man bei psychischen Diagnosen nach irgendwelchen Stufen geht und in der Regel zuerst die zugrunde liegende behandelt. ADHS wäre nicht umsonst erst an neunter Stelle. Da weiß ich aber nicht, worauf er sich genau bezieht.

Danach ging es um das Medikament und er erwähnte nochmal, dass er Amphetamine für gefährlich hält. Sie würden jedes Gehirn leistungsfähiger machen, egal ob ADHS oder nicht. Amphetamine würden vor dem Hintergrund der Abhängigkeit dem Gehirn Dopamin zuführen und irgendwann könne es passieren, dass sich das Gehirn daran gewöhnt und mit der Zeit immer mehr braucht. Es könne aber auch passieren, dass das Gehirn irgendwann aufhört Dopamin herzustellen, wenn es von außen welches bekommt. Er meinte zwischendurch im Gesprächsverlauf noch, dass sich Menschen mit ADHS nicht auf eine Sache konzentrieren können und deswegen z.B. beim Lernen parallel oft Musik im Hintergrund läuft oder der Fernseher an ist. Dies könne man trainieren, indem man alle Reize um sich herum entfernt und solange in einer reizarmen Umgebung lernt, bis man sich gut auf die eine Sachen konzentrieren kann. Dann könne man nach und nach wieder Reize dazu nehmen. Ehrlich gesagt halte ich das für sehr fragwürdig, dass man dadurch lernt sich zu konzentrieren.

Abschließend sagte mein Therapeut, dass ich bis zum nächsten Termin schauen soll, ob noch Punkte offen sind und dann können wir beim nächsten Mal darüber reden. Und er sagte zum Abschied, dass es gut war, dass ich das angesprochen habe und es noch ein Fortschritt sei.

Werde mir bis zum nächsten Termin auf jeden Fall noch Fragen an ihn notieren, wie z.B. ob ich nicht beide Diagnosen (ÄVPS + ADHS) haben kann.

Da hat er dann offenbart, dass er von ADHS erschreckend wenig weiß.

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Verdammt wenig …….Und von den Medikamenten auch.

@Charlymotte
Das er keine ADHS bei dir in den Gesprächen erkennt weil er dich ja nur dort erlebt liegt auch daran, dass wir in einem Einzelkontakt wo es sich nur um uns dreht und das dadurch in einer ruhigen Umgebung eben ADHS Symptome nicht so präsent sind. Zumal wir ja auch noch unser bestes geben und ADHS nicht freiem Lauf lassen.

Medizinische Fachleute ohne ADHS Expertise schließen deswegen bei mir auch ADHS aus.

Er kann eine Meinung zu den Medikamente haben, aber er ist letztendlich ja kein Mediziner .

Trotzdem scheint er ja für einen Dialog mit dir offen zu sein und will aus seiner Sicht nur dein Bestes.

Wenn er ADHS an 9ter Stelle sieht vergisst er dabei, dass evtl. Eine Medikation wiederum helfen könnte an den anderen Stellen zu arbeiten . Trotzdem hat er auch recht , weil eine Medikation bei bestimmten zusätzlichen Diagnosen gut im Blick behalten werden muss, weil es auch Kontrareaktionen geben kann.

Ich hatte einen Therapeuten mit ADHS Expertise und einen erfahrenen Psychiater und hatte selbst schon Therapiererfahrung. Mein Psychiater war sehr vorsichtig und wäre noch vorsichtiger gewesen , wenn dem nicht so gewesen wäre. Die Eindosierung hätte er sonst abgebrochen.

Wäre dein Therapeut dafür offen wenn du ihm Quellen geben würdest die seine Meinung über Medikamente verändern könnte. Meinung ist ja keine Wissen, oder aber er soll dir seine Quellen nennen. :wink:

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Neben ADHS kann man ungefähr noch alles andere haben.
Er könnte dich von allen Diagnosen heilen , aber ADHS würde überbleiben. ADHS kann man in dem Sinne nicht heilen.

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Puh das klingt einerseits nach einem gründlich arbeitenden Therapeuten, andererseits natürlich unbefriedigend, weil du ja nach wie vor nicht weißt, woran du bist. Und ich finde es merkwürdig, dass er immer betont, dass beim Fragebogen ADHS rauskommt, er aber nicht weiß, ob du es hast (hab ich richtig verstanden, oder?).

Hattest du in deiner Diagnostik bisher „nur“ den Fragebogen oder auch andere Dinge? Sorry, falls ich was überlesen hab, das passiert mir voll oft. Mein Therapeut hat zum Beispiel gesagt, dass er ohne Fremdanamnese und Computertestung die Diagnose nie stellen würde. Dazu Fragebögen, Zeugnisse usw…er ist sehr gründlich. Laut Test habe ich zum Beispiel auch noch Asperger, er gibt mir die Diagnose aber nicht (soweit ich verstanden hab), weil ich nicht alle Kriterien erfülle..Ich war als Kind übrigens auch ruhig, aber ich hab dauernd geweint, weil mir ständig alles zu viel war. Später bin ich dann dauernd aus dem Klassenzimmer gerannt oder hab permanent vor mich hingezittert und gezappelt.

Ich hab auch eine ÄVPS, hab ich eh schon geschrieben, aber ADHS tritt ja häufig zusammen mit weiteren Erkrankungen auf.

Wäre denn eine Zweitmeinung eine Option? Vielleicht ist er auch zu subjektiv und oft eignet sich der „Blick von außen“ besser.

Auf jeden Fall alles Gute weiterhin für dich!

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Also bei mir wurde mal ein psychologisches Gutachten gemacht und darin stand drin, das man bei mir davon ausgehen kann dass ich nachweisbar alles ehrlich beantwortet habe . Ich weiß aber nicht mehr genau wie sie es begründet haben . Also man kann das schon herausfinden ob jemand bewusst passend was ausfüllt was nicht der Wahrheit entspricht.
Du könntest ja auch mit ihm den Bogen durchgehen und deine Kreuze begründen und auf deine Alltag beziehen.

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hallo Charlotte!

danke für deinen offenen und ausführlichen Post! mir sind sehr viele wichtige Details aufgefallen, die meiner Meinung dafür spreche, dass wiederholt Fehler durch die Fachpersonen gemacht wurden.

  • KEINE Medikation VOR qualitativ hochwertigen Diagnostik! ich meine aber damit nicht, dass du nicht mehr nehmen sollst, das darf ich auch gar nicht. damit wollte ich auf den ersten Fehler des Arztes hinweisen: er verordnet dir ein BTM ohne einer gesicherten Dg. Geht nicht.

Hausarzt vorhanden? Das Thema ansprechen, evtl. gibt es einen anderen FA für Psychiatrie in deiner Gegend.

Lass dir unbedingt deine Akte von Psychiater drucken und schau rein, ob du alles soweit stimmig findest. Auch während einer laufenden Therapie darfst du eine Zweimeinung, bzw. psychoth. Sprechstunde woanders besuchen, um über deine Beobachtungen zu sprechen und eine neutrale Einschätzung einzuholen.

ADHS und vieles andere im Spektrum wird leider immer noch sehr häufig falsch interpretiert. Die Fachleute übersehen viel zu viel und haben zu wenig verpflichtende Fortbildugen zu dem Thema. Es lohnt sich auf jeden Fall nach jemanden anderen zu suchen, der sich darauf spezialisiert hat. Auch online Termin sind sowohl beim Arzt, als auch beim Th möglich. Evtl. hast du ein wenig Geld ‘auf hoher Kante’, falls du die Frage zügiger geklärt haben möchtest und bereit wärest auch was als Selbstzahlerin zu übernehmen. Kann manchmal nötig seit. Schau dir gründlich die Seiten der Fachleute an: manche schreiben gleich: Praxis für Neurodivergenz, sind evtl. selber weiblich. Es wird evtl. eine längere Suche sein, aber bleib dran. Es lohnt sich! Es gibt gute Ärzte und Therapeuten, man muss sie nur leider länger suchen. Lass dir in keinem Fall einreden, du seiest das Problem- nein. Das System ist kaputtgespart.

Alles Gute und viel Kraft bei der Suche! Lass gerne wissen, wie es sich entwickelt!

Gruß

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Hallo Anna,

ich glaube, du hast Charlotte falsch verstanden. Sie zweifelt nicht an ihrer ADHS, sie wird aktuell erfolgreich behandelt und wird daran auch nichts ändern.

Warum also sollte sie sich die Akte vom Psychiater ausdrucken lassen, eine Zweitmeinung einholen oder Ähnliches? Offensichtlich sieht der Psychiater die Diagnose als gesichert an, sonst würde er nicht seit Jahren Medikamente verordnen.

Es geht ihr um das Verhältnis zu ihrem Therapeuten, der ihre ADHS permanent herunterspielt.

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Ums mal so zu sagen, eine Störung kommt selten alleine. ADHS und andere haben oft Komorbiditäten. Dazu kann auch die ängstlich vermeindene Störungen auch gehören. Ich hatte/habe, eine Angststörung auf Grund dessen, weil ich sehr viele Fehler gemacht habe und ich dafür z.b. in meiner Ausbildung immer wieder ordentlich einen auf den Deckel bekommen habe. So wurde bei mir da eine richtige Angst draus etwas falsch zu machen und teilweise bekam ich auch richtige Panikattacken, wenn ich gemerkt habe, dass ich einen Fehler gemacht habe oder hab mit aller Macht versucht diese Fehler zu vertuschen. Das war aber nicht nur in der Ausbildung so, auch meine Mutter ist immer sehr streng damit gewesen, dass ich keine fehler machen durfte. Auch so bei banalen Sachen, wie Malen nach zahlen. Sie hat mich gleich angemault, dass ich das richtig machen soll, und nicht übermalen soll. Das macht was mit einem, wenn man immer wieder gesagt bekommt, dass man nichts falsch machen darf.

Mittlerweile ist es besser geworden, weil ich zum Beispiel jetzt einen Chef habe, der aus Fehlern keine große Sache macht und auch signalisiert, dass ich Fehler machen darf und ich schon seit 18 Jahren nicht mehr bei meinen Eltern wohne.

Will sagen, dass das eine das andere nicht ausschließt. ADHS ist unter anderem, dass man viele Fehler macht. Und unsere Gesellschaft sorgt dafür, dass man das nicht zeigen darf. Das Fehler Geld und Zeit kosten. Dass man einfach ein hoffnungsloser Fall ist, wenn man immer wieder sachen Falsch macht. Daraus entsteht dann z.b. eine Störung.

Es sagen einem nur wenige, dass das okay ist.

Aus ADHS können auch andere Störungen entstehen. Sozialphobien. Mein Bruder hat eine starke, die jetzt mit Medikinet eingestellt, aber tatsächlich auch besser wird. Sie geht nicht weg, aber sie wird leiser. Er beschreibt das so, dass er nicht mehr so stark das Gefühl hat, dass alle Leute schlechtes über ihn denken. Er begründet es damit, dass seine Gedanken sich nicht mehr so jagen.

Dann können auch Depressionen auftreten, Borderline, alle möglichen Suchterkrankungen, Phobien, Lernstörungen, wie Lese-Rechtschreibschwäche (hab ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch, wurde aber nie getestet) und ASS. All das kann neben ADHS ebenso auftreten. Oder bei einer anderen Störung kann auch ADHS auftreten. Aus welchen Blickwinkel man das halt sieht.

Und es ist bei ADHS übrigens auch normal, alles ins kleinste zu überdenken und auch alle möglichen Szenarien auszumalen und sich damit total verrückt zu machen. So funktioniert ein ADHS-Hirn nun mal. Und es ist klar, dass das mit entsprechender Medikation dann in den meisten fällen auch weniger wird.

Liebe Grüße an deinen Psychater, der eigentlich wissen müsste, dass Störungen oft nicht alleine vorkommen und alles gute für dich.

Ps: ich finde es ein bissel merkwürdig, dass dir der Psychater ohne Diagnose ein BTM verschreibt.

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Guten Morgen :blush:

ich habe auch so ein “Schätzchen” als Therapeutin, die denkt, sie weiß alles und vor allem, alles besser.

Ich bin 57 und habe meine Diagnose letztes Jahr bekommen - hurra! Seit 35 Jahren bin ich durch den halben ICD10-Dschungel geschickt worden. Letztendlich hielt man sich an einer komplexen PTBS festgebissen. Immer wieder habe ich gesagt, das passt nicht so ganz richtig. Egal! Zusätzlich zu einigen Traumata hat man mir noch welche suggeriert.

Doch zurück zur Therapeutin: “Sie haben kein ADHS, weil sie Bupropion nicht vertragen haben! Außerdem gibt unser Test die Diagnose nicht her!” Soso, 10 Fragen von anno 1756! Hätte ich auf diese Therapeutin gehört, hätte ich fast eine ADHS-Diagnostik abgesagt.

Eine ausführliche Diagnostik war dann positiv auf ADHS.

Darauf angesprochen, reagierte die Therapeut pikiert. Fast beleidigt, dass ich selbständig entschieden habe, mich doch testen zu lassen.

Seitdem herrscht ein unangenehmes Klima zwischen uns (ich gehe nur ca. alle 6-8 Wochen zu ihr). Sie scheint mir beleidigt zu sein, weil ich ganz klar kommuniziert habe, dass viele der “traumatischen Erinnerungen” nicht stimmen können. Zum Glück kann ich das inzwischen sicher vertreten.

Für mich habe ich festgestellt, dass diese Frau anscheinend nicht akzeptieren kann, dass ich mich entwickelt habe und ihre Handlungsweise, insbesondere, was Medikation angeht, infrage gestellt habe. Ich habe ihr eins ganz klar gesagt: “Sie sind nicht die Ärztin = Medikamente gehören nicht in Ihren Zuständigkeitsbereich!”

Auch bei deinem Therapeuten fällt mir auf, dass es ihm schwerfallen könnte, seinen Einfluss auf dich zu verlieren. Er ist im Gegensatz zu dir in 2011 steckengeblieben, während du dich weiterentwickelt hast. Viele Therapeuten können mit Entwicklung nix anfangen.

Diese Verunsicherung und die eigene Meinung zu den Medis würde ich mir schlichtweg verbitten. Er soll therapeutische Arbeit machen, fertig!

Besprich bitte sein Verhalten auch mit dem Arzt, damit er nicht im stillen Kämmerlein mauscheln kann.

Schau dich an, du hast dich ihm gestellt, auch auf die Gefahr hin, ihn zu verlieren. Das ist alles andere als ängstlich-vermeidend. Das ist erwachsen und mutig. Bitte lass nicht zu, dass er dich in eine von ihm gewünschte “Kinder-Abhängigkeits-Rolle” zurückdrängt. Die Zeiten sind vorbei!

Ich denke, es ist an der Zeit, ihm klare Gernzen aufzuzeigen und nicht rumzulamentieren. Besprecht die Ziele neu, und ob er dir beim Erreichen dieser helfen kann und will. Notfalls hat er dafür hoffentlich Supervision.

Viel Glück :smiling_face:

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@LadyButton @Regenbogenbluete

ich finde eure Beiträge hier zum Thema von @Charlymotte sehr zutreffend. Wollt ich euch nur mal feedbacken.
Viel Grüße

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Es klingt für mich tatsächlich so, als sei dein Therapeut arg hinterm Mond….

Vielleicht kann er sich mal aufschlauen, z.b. mit dem internationalen Consensus Statement der World Federation of ADHS aus dem Jahr 2021

https://www.adhd-federation.org/_Resources/Persistent/99f33513a63af0835d2407c806ce82265ac1f268/World%20federation%20ADHD%20consensus%20statement%20German.pdf

Insbesondere die Punkte zur Diagnostik und Medikation sind hier sehr gut beschrieben…

Also wirklich, was für einen Quatsch vertritt er denn da?

:roll_eyes:

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Zunächst finde ich es spannend, dass man dir Elvanse VOR der offiziellen Diagnosestellung verschrieben hat. Sollte eigentlich nicht möglich sein, weil unter Betäubungsmittel fallend. Dass es dir hilft, spricht aber für sich. Die Aussage deines Therapeuten verstehe ich nicht - Elvanse ist ja kein Aufputschmittel, vor allem nicht in der richtigen Dosierung und bei ADHS. Geht’s dir gut damit? Hast du dein Leben besser im Griff? Verschwindet deine Depression? Lass dich bei Gelegenheit körperlich checken (manchmal treten organische Nebenwirkungen auf), fertig. Die Aussage mit dem Absetzen zeigt zusätzlich, dass der Therapeut sich nicht besonders tiefgehend mit dem Medikament beschäftigt hat. Du kriegst ja keine Entzugserscheinungen oder ein plötzliches Super-Down wie es bei manchen Depressions-Medikamenten vorkommen kann. Bleib bei dir und deiner Wahrnehmung.

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Hallo in die Runde,

ich mag nur ein paar Reflexionen einbringen, da in einigen Beiträgen schon gute Rückmeldungen erfolgten. Bitte entschuldigt, wenn es etwas länger ist.

ADHS wird von Erwachsenenpsychiatern erst in den letzten 10-20 Jahren offensiver betrachtet und in Diagnose Möglichkeiten stärker einbezogen (sofern es nicht ein “persönliches Hobby / Interessengebiet” des Psychiaters war). Davor haben einige Menschen, auf die die ADHS Diagnose zutrifft eine “Diagnose-Odysse” hinter sich bringen müssen (und dies unabhängig von der erhöhten Komorbidität bei ADHS mit anderen psychischen Erkrankungen…). Auch heute ist dies teilweise noch so, da in der Ausbildung zum Erwachsenenpsychiater weiterhin ADHS eher eine untergeordnete Rolle spielt (da die meisten ihre Ausbildung in Kliniken machen und stationär die Menschen meistens nicht wegen einer alleinigen ADHS Symptomatik auftauchen, sondern bereits aufgrund von Folgestörungen, wie Depressionen, Ängsten, Sucht,…).

Es gab nicht umsonst lange Jahre eine Lücke im Übergang von Jugendlichen / Adoleszenten mit ADHS in den Erwachsenenbereich, wo diese “oh Wunder” plötzlich kein ADHS mehr zu haben schienen…. da spielen verschiedene Gründe rein, aber auch der oben genannte…

Ein weiterer Punkt ist, dass es Überlappungen der Symptomatik zu anderen Diagnosebereichen gibt und es explizit viele Jahre so gehandhabt wurde, dass ADHS quasi eine “Ausschlussdiagnose” war (also erstmal Depressionen, Ängststörungen, Psychosen, Suchtmittelkonsum, körperliche Ursachen,… ausschliessen). Wenn also die Diagnosen auf einer Stufe vorher “hängenblieben”, haben sich die Erwachsenenpsychiater darauf gestürzt und das ADHS versank in der Schublade…

Ein weitere Punkt ist, dass trotz Leitlinien etc. keine hoch objektive und alleinig gültige Tests / Fragebögen etc. vorliegen, die “absolut beweisend” für das ADHS sind. Letzten Endes gibt es mehrere Werkzeuge, aus denen sich die Diagnostiker die passenden und möglichst sinnvollsten Instrumente heraussuchen können. Leitlinien sind “nur” Empfehlungen, keine Gesetze. (Allerdings muss ein Therapeut ggf. begründen können, warum er von den Leitlinien abweicht…). Deshalb kann es passieren, dass Diagnostiker sich auf ganz viele Fragebögen und neuropsychologische Testungen fokussieren oder aber auch jemand “nur” ein intensives 1-2 stündigen Gespräch mit jemandem führt, um seine Diagnostik abzuschliessen… hier spielt tatsächlich die Erfahrung des Therapeuten eine grosse Rolle, aber aus meiner Sicht auch, wie gut ich den Klienten einschätzen kann, wie er sich präsentiert und ob es Hinweise für andere Diagnosen gibt….

Ich benutze in der Regel mehrere Gesprächskontakte, um “ein Gefühl” für den Klienten, seine Lebenssituation, seine Ressourcen und Probleme zu bekommen, bevor ich eine sichere Diagnose vergebe. Dies hängt sicher aber auch von der schwere der Symptomatik und damit einhergehenden “Gefährdungen” oder Lebensauswirkungen zusammen, so dass ich sowohl nach 2 Stunden eine Diagnose festhalten kann, bei manchen aber auch 6 Kontakte brauche und evtl. auch noch eingehende Fremdangaben einhole…

Wie so oft ist das Leben komplexer als es manchmal aussieht, aber für nachfolgende Behandler ist eine gute Dokumentation und schlüssige Diagnostik natürlich besser als ein Dreizeiler, der vermittelt, die Diagnose beruht “nur” auf dem Bauchgefühl….

Sicher habe ich noch Aspekte vergessen, aber sonst wird der Eintrag zu lang :wink:

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Hallo zusammen,

ich danke euch sehr für eure ganzen Antworten. Ihr habt mir damit wirklich geholfen, sodass ich nun ein klareres Bild meines Therapeuten habe. Wirklich von Herzen danke!

Aktuell weiß ich allerdings noch nicht, wohin der Weg therapeutisch geht. Das muss reifen und es wird sich dann im Prozess sicher zeigen, wie es weitergeht. Vielleicht muss ich mir auch erstmal über meine aktuellen Therapieziele klar werden und dann mit meinem Therapeuten darüber sprechen, ob er mir dabei helfen kann oder nicht.

Hallo,

jein. Der Psychiater verordnet ihr Medikamente, nachdem er ADHS für hinreichend wahrscheinlich hält, und die Wirkung des Medikamentes bestätigt das.

Dem Psychiater könnte man vorwerfen, er habe nicht sehr sorgfältig bei der Diagnose gearbeitet. Aber die Diagnose an sich wird er in seine Akte geschrieben haben.

Das Betäubungsmittelgesetz ist das schwächste Argument, oder sagen wir besser, nur ein rein formales. Kein Medikament sollte ein Arzt auf Gut Glück verordnen, ohne geschaut zu haben, was der Patient eigentlich hat. Und zwar um so mehr, je riskanter das Medikament. Da gibt es erheblich gefährlichere, die trotzdem nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

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Der kann doch Offlabel Medikamente für alles mögliche an Vordiagnosen verschreiben wenn er es für Richtig und Sinnvoll hält, sofern er es nachvollziehbar begründen/ rechtfertigen kann und auch erstmal auf die eigene Kappe nehmen kann er das falls es zum Regress kommt auch oder nicht?

Das klingt nach einem guten Plan. Du bist glaube ich auch schon lange dort in Therapie oder?
Zu einem Therapieprozess gehören auch Höhen und Tiefen in der Zusammenarbeit , die Rückwirkend auch eine positive Auswirkung haben können.

Trotzdem macht es auch Sinn zu schaue ob man mal pausiert oder jemanden sucht der auf eine andere Sache spezialisiert ist.

Manchmal macht es auch Sinn das Therapieverhälrniss zu beenden wenn es sich zu festfährt .

Es hört sich aber so an das sowas mit deinem Therapeuten möglich ist.

Ich habe auch schonmal mit einem Therapeuten „cut“ gemacht und wir sind nochmal „neu“ angefangen.

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