Hallo,
ich warne schon mal vor…es könnte ein längerer Text werden. ![]()
Ich bin weiblich und seit kurzem 34 Jahre alt. Im Oktober 2024 wurde ich darauf gebracht, dass ich ADHS haben könnte und habe auf Empfehlung einer Bekannten zur ersten Orientierung den grossen ADHS-Symptomtest von ADxS.org gemacht. Die Auswertung ergab Hinweise auf ADHS. Mit der Auswertung des Tests bin ich zu meinem Psychiater gegangen, der mir daraufhin Elvanse verschrieb und seitdem ich das nehme, hatte ich keine depressive Episode mehr. Mir geht es insgesamt viel besser. Dennoch hatte ich die ganze Zeit innerlich den Wunsch nach einer offiziellen Diagnose, um einfach Klarheit für mich zu haben, warum ich so bin wie ich bin und warum einiges für mich so schwer ist.
Aus diesem Grund und weil ich wusste, wie lange man auf Diagnostiktermine wartet, habe ich meinen Therapeuten gefragt, ob er ADHS-Diagnostik macht und er hat dies bestätigt. Ich habe mir dann nochmal in Ruhe Gedanken dazu gemacht und mich dann dazu entschieden, das bei ihm zu machen.
Am 16.01. hatte ich dann den Termin bei meinem Therapeuten und er hatte mir vorab schon zwei Fragebögen mitgegeben, die ich Zuhause ausfüllen und dann zum Termin mitbringen sollte. Einen dritten hat er mir noch am Diagnostiktag mitgegeben, den er vorher vergessen hatte und ich habe ihn nachgereicht. Jedenfalls hat mein Therapeut dann mit mir ein Interview geführt und danach hat er mir schon eine Tendenz mitgeteilt. Er sagte, dass die abschließende Auswertung zwar noch aussteht, aber er mir schon sagen kann, dass da rauskommen wird, dass ich ADHS habe. Dann teilte er mir seine persönliche Einschätzung mit, die lautete, dass ich kein ADHS habe. Er glaubt, dass z.B. die Anspannung von der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung (ÄSVP) kommt, weil ich den ganzen Tag damit beschäftigt bin keine Fehler zu machen. Vor vielen Jahren hat er mal die ÄSVP diagnostiziert. Ich habe ihm dann gesagt, dass sich viele der Ängste gebessert haben und ich kaum aufgrund von Angst noch etwas vermeide, sondern mich meinen Ängsten stelle. Und ich habe ihm gesagt, dass ich die Fragen ehrlich beantwortete habe und das hat er mir auch geglaubt. Ich hätte auf jeden Fall psychische Probleme, das will er mir gar nicht absprechen, aber eventuell hätte ich mich zu sehr auf ADHS eingeschossen. Er meinte dann noch, dass er mich ja nur in der Therapie sieht und es schwierig ist, etwas subjektives wie ADHS objektiv festzustellen. Dann kam er auf das Medikament zu sprechen und meinte, er hält es für gefährlich, wenn man jemandem mit einer ÄVPS dann noch ein Amphetamin gibt. Das wäre so, wie wenn man einem Eichhörnchen Ecstasy gibt, weil die auch so hibbelig sind und irgendwann würde man dann einen Herzkasper bekommen. Wenn mir das Medikament aber hilft und ich keine großartigen Nebenwirkungen habe, sollte ich es weiter nehmen. Aber wenn ich es absetze, sollte ich dies 10 x so langsam machen, als anfangs bei der Steigerung. Dann meinte er noch, dass wir beim nächsten Termin am 09.02. nochmal darüber sprechen.
Als ich danach im Auto saß, musste ich sofort weinen und war sowas von enttäuscht. Zwei Tage zuvor war ich bei der normalen Therapiestunde und da hat er mir noch gesagt, dass ich große Fortschritte in den letzten Jahren gemacht habe und er stolz auf mich sei. Außerdem wäre ich seit dem Tod meines Vaters im letzten Jahr viel entspannter, was meiner Meinung nach auch mit vom Elvanse kommt. Einerseits sieht mein Therapeut meine positive Entwicklung und ist stolz, andererseits kann er aber von seiner Diagnose von vor gefühlt 15 Jahren nicht abweichen und sieht mich immer noch als ängstlich-vermeidend. Das hat mich sehr verwirrt! Und ich dachte, er kennt mich inzwischen gut und er würde meine persönlichen Kämpfe sehen, aber scheinbar ist das nicht so. Ich könnte das ja auch annehmen und zugeben, wenn ich mich darauf eingeschossen hätte, aber ich spüre einfach, dass es nicht so ist. Vielleicht hat mein Therapeut auch das klassische Bild von ADHS im Kopf und weiß einfach zu wenig darüber, vor allem, dass es bei Frauen schwieriger zu diagnostizieren ist. Vor allem liegen ihm die Fragebögen von mir als Basis doch vor, nach denen ich ADHS habe, wie er selbst sagt. Und trotzdem kann er das irgendwie nicht akzeptieren…
Ich überlege nun, wie ich damit beim nächsten Termin bei ihm am Montag umgehen soll und wie ich mich verhalten soll. Ich möchte all das eigentlich nicht einfach so stehen lassen. Daher meine Frage: Wie seht ihr das Ganze?
Sorry für den langen Text!
Ich danke euch schon jetzt fürs durchlesen und bin auf den Austausch gespannt. Viele Grüße, Charlotte