1-Monat-Aussetzen sei laut Psychiater bei LDX Pflicht - Stimmt das?

  1. Lisdexamfetamin hat (wie Dextroamfetamin) einen Steady State von 5 Tagen. Das heisst, dass du, wenn du Montags mit der Dosis x beginnst, erst ab Freitag aufwärts einen gleichbleibend hohen Spiegel hast. Daher ist jedes Wochenende 2 Tage absetzen deutlich eher ein ärztlicher Fehler als sinnvoll.

  2. Stimulantienmedikamente sind so sehr Drogen, wie man auch an dem Leitungswasser, das aus der Wand kommt, ertrinken kann.
    Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch machen sie nicht nur nicht süchtig, sondern sie verringern das Suchtrisiko für ADHS-Betroffene.

Du berichtest von Erfahrungen mit einem Arzt / Therapeuten, die wir allen Betroffenen gerne ersparen würden.

Wenn du sicher bist, dass das nicht auf einem Missverständnis beruht, hilf bitte anderen Betroffenen, indem du unter dem folgenden Link deine Erfahrungen mit diesem Arzt / Therapeuten einträgst. Das kann anderen Schaden ersparen.
Herzlichen Dank!

Und natürlich freuen wir uns immer über jede Information zu ADHS-kompetenten Ärzten und Therapeuten.

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Danke, @moya, sehr schöner Artikel!

Es ist auch gar nicht meine Hoffnung, unbedingt ohne Lisdex auskommen zu wollen. Ich bin sehr zufrieden, wie es gerade läuft!!

Ich glaube nicht, dass ich ohne Medis den Umzug in dieser Weise bewältigt, nein, überlebt hätte. Klar bin ich erschöpft, und ich merke auch stressbedingt eibe verstärkte Wuschigkeit und teilweise regelrechte Verlangsamung. Aber meine Stimmung war die ganze Zeit erstaunlich stabil, weder Euphorie noch Verzweiflung, konnte trotz Erschöpfung immer wieder weitermachen, was nötig war. Ich muss nur auf Pausen und Essen aufpassen.

Essen vergessen kenne ich sonst nicht, aber an manchen Tagen habe ich mir Essen vorbereitet und erst am Abend gemerkt, dass ich sehr hungrig war und noch gar nichts gegessen hatte. Ist aber kein Problem bei mir, im Gegenteil. Drei der zugenommenen sieben Kilos sind wieder weg. :grin:

Noch sitze ich hier zwischen sehr vielen Kisten, schaue sie aber recht gelassen an und arbeite eine nach der anderen ab. Apropos … bin dann mal wieder weg. :wink:

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Hallo zusammen,

An der Stellen möchte ich mich einmal ganz herzlich für Eure Rückmeldungen und die Untestützung bedanken, die ich hier erfahren konnte. Ich bin Euch sehr dankbar für Eure Beteiligung.

Nach einem Gespräch in einer Sprechstunde habe ich erfahren, dass sich der Psychiater bei der „Aussetzen“-Thematik auf die Arzneimittelrichtlinie (kurz: AM-RL) vom Gemeinsamen Bundesausschuss bezieht.

Genauer: In AM-RL Anlage 3, die sich mit Verordnungseinschränkungen befasst, steht zum Thema Stimulantien (Seiten 22-25, Punkt 44) folgendes:

Der Einsatz von Stimulantien ist im Verlauf besonders zu doku-
mentieren, insbesondere die Dauertherapie über 12 Monate sowie
die Beurteilung der behandlungsfreien Zeitabschnitte, die mindes-
tens einmal jährlich erfolgen sollten.


Downloads für die vollständige AM-RL und Anlage 3 nach jetzigem Stand:

AM-RL_2026-04-02_iK-2026-06-11_AT-10-06-2026-B2.pdf (470,2 KB)
AM-RL-III-Verordnungeinschraenkungen_2026-04-09.pdf (344,5 KB)


Persönlich interpretiere ich diese Formulierung so, dass es mehr eine Empfehlung ist — „sollten“, nicht „müssen“. Mein Eindruck ist aber, dass diese Argumentation sich darauf stützt.

Wenn ich jetzt das vorige Gespräch, über das ich am Anfang des Threads gesprochen habe, mit dieser Information reframe, könnte ich vermuten, dass mein Psychiater eine Form von Angst vor Konsequenzen haben könnte, wenn er sich nicht an diese Regelung hält und das an seine Patienten kommuniziert.

Falls das stimmt, wäre das für mich eine plausible Erklärung, mit der ich zumindest Klarheit hätte. Jedenfalls ist die AM-RL und die darin stehenden Richtlinien etwas, worauf weder er, noch ich, direkt Einfluss ausüben können.

In diesem Fall - falls ich mit meiner Hypothese recht hätte - könnte ich mir vorstellen, dass das Praxisteam auch darauf achtet, dass sich Patienten an diese Vorschrift aus der Arzneimittelrichtlinie halten.

Persönlich werte ich diese Richtlinie, aber im erweiterten Sinn auch die allgemeine BtM-Regulation von LDX, als etwas, was nicht dem aktuellen Wissensstand über diesen Wirkstoff entspricht, nicht damit kompatibel ist, wie lange es dauert, um dieses Medikament einzudosieren und auszuschleichen und gleichzeitig dem Patienten nicht damit vertraut, ein Medikament, dass der Patient ohnehin selbst eindosieren muss, um einen effektiven Wirkungsgrad zu finden, selbstständig langfristig einzunehmen und sich selbst zu überwachen.
Ich bin niemand, den man dafür an die Hand halten muss. Niemand muss an die Hand genommen werden. Ich kann mein Medikament selbstständig eindosieren und mich auch selbstständig bei einer Langzeittherapie überwachen.

Am liebsten würde ich eine Petition starten oder einen offenen Brief an den gemeinsamen Bundesausschuss schreiben, doch damit verbunden habe ich großen Pessimismus hinsichtlich einer tatsächlichen Änderung der AM-RL.
Wenn jemand daran interessiert wäre, bei so etwas mitzumachen und mir zu helfen (das ist zu viel für mich alleine), bitte gerne melden!

Doch… was nun?
Auch wenn ich zeitweise überlegt hatte, die Praxis zu wechseln, wäre das doch eine Umstellung, die aktuell zu gravierend für mich ist; ich fühle mich nicht bereit und möchte das nur machen, wenn es sich aufgrund von äußeren Faktoren nicht vermeiden lässt.

Deshalb möchte ich eine gute Beziehung zu meinem Psychiater haben und diese pflegen.
Ich denke, wenn ich einen Konflikt mit ihm über etwas starte, was aus seiner Sicht überhaupt nicht in seiner Kontrolle ist, schaffe ich mir damit mehr Probleme, als ich löse.

Entweder, es gibt ein Nichtstimulanz-Medikament, zu dem ich jeweils an einem Monat wechseln kann, ohne es langsam eindosieren zu müssen (unwahrscheinlich), oder ich muss einen Weg finden, das Medikament zu substituieren, oder ich finde eine Einteilung für diesen behandlungsfreien Zeitabschnitt, die irgendwie sinnvoll ist.
Sprich: Ich muss es schrittweise ausschleichen, sodass mich das Absetzen nicht hochdepressiv macht, kann in dieser Zeit gänzlich ohne Verantwortung oder Erwartungen an mich sein (wie möglich?) und es dann gegen Ende dieser Phase, die niemandem etwas bringt, wieder einschleichen, sodass ich nicht von der Dosis, auf die ich muss, umgehauen werde. Klingt unmöglich. Wird es wahrscheinlich nicht sein, aber ich habe da gerade einen Blind Spot.

Gehen wir es mal durch:

  • Ich werde mir für diese Zeit Urlaub nehmen müssen (im August beginnt meine Ausbildung). Meine Diagnose ist bekannt.
  • Ich muss in einer Situation sein, in der es irgendwie vertretbar ist, dass ich in dieser Zeit keine Verantwortung für Haushalt, Ernährung, Einkauf und mental fordernden Aufgaben übernehmen kann. Aktuell lebe ich bei meinen Großeltern; da ist das bedingt möglich.
  • Ich muss mit meinen Emotionen fertig werden, was nicht geht, weil diese Regelung ebendiese Emotionen auslöst.
    …
    Ich schätze meine freie Zeit, die ich für Hobbies und Interessen einsetzen kann, ungemein, aber nicht, wenn ich diese Hobbies und Interessen durch ADHS nicht verfolgen kann und nur im Bett liege; meine Lebenszeit ist begrenzt und weil ich viele Jahre lang nur mir selbst dabei zuschauen konnte, das nicht machen zu können, wofür mein Herz brennt, hat die Zeit, die ich für mich selbst verwenden kann, den höchsten Wert für mich.
    …
    Ich muss mit dem Gefühl der Hilflosigkeit und meinem inneren Frust leben, der ständig an mir nagen würde; die Verzweiflung, dass dafür gerade mein Urlaub draufgeht; dass ich mir das nicht so von meiner medikamentösen Betreuung erhofft habe; dass sich meine Existenz in diesem Zeitfenster miserabel anfühlt und die einzige Lösung, nämlich die Behandlung meines neurologischen Defizites, aufgrund einer Richtlinie nicht gestattet ist.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr deprimiert mich diese Situation. Es ist überfordernd.
Bitte; hilfe.

Liebe Grüße an Euch alle. Bin Euch endlos dankbar für Eure Aufmerksamkeit.

Edit. Das lässt mich nicht in Ruhe.

Ja, aber nirgendwo steht, dass es einen Monat lang sein soll! (oder habe ich etwas überlesen)?

Eigentlich sieht man doch sehr schnell, dass man nicht ohne auskommt. Wenn zwei Tage negativ verlaufen, warum sollte es in den 28 folgenden Tagen besser sein?

Und ausschleichen - nee oder? Wo steht das in der Richtlinie?

Es geht ja nicht nur um Haushalt, Emotionen usw., sondern auch um Unfallwahrscheinlichkeit - man dürfte nicht nur nicht arbeiten, sondern auch nicht Auto oder Fahrrad fahren, nichts im Haus reparieren, keine Gartenarbeit, keinen Sport treiben.

Also außer im Bett liegen nur Medien konsumieren oder Spaziergänge in der unmittelbaren Umgebung - aber am Besten ohne eine Straße zu überqueren. Fünf Minuten rechts herum, fünf Minuten links herum und wieder rein ins Haus. :adxs_gruebel:

Sag deinem Arzt, du hast am 20.6. und am 5.7. (also natürlich die wirklichen Tage angeben) ausgesetzt, war voll doof, dann kann er seine behandlungsfreien Zeitabschnitte vermerken und fertig.

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Danke Dir! Das habe ich gar nicht richtig dabei wahrgenommen; mir fällt gerade ein Schleier vor Augen.

Durch das, was Du sonst zu der What-If-Situation gesagt hast, habe ich mich verstanden gefühlt. Das baut mich gerade auf und ich möchte Dich daran teilhaben lassen.

: )

Nun ja, ein paar Tage hintereinander dürfen es meines Erachtens schon sein.

Die jährlichen Behandlungsopausen stehen ja meines Erachtens auch in der S3-Leitlinie. Nur steht auch dort nix von 1 Monat - das ist reine Erfindung und in der Sache unsinnig.

Ich hatte das Thema gestern in meiner vorerst letzten Gesprächstherapie, die zugleich auch meine Begleitung bei der Medikation war.

Sie gehen dort als Standard wohl von einer Woche aus. Ich finde das im Grundsatz sinnvoll, mal zu schauen wie es ohne ist. ADHS verändert sich im Lauf des Lebens, wir erwerben auch neue Skills, kurz, es kann schon sein, dass man vielleicht merkt, dass man inzwischen auch ohne oder mit weniger auskommen könnte.

Als ich meinte, wenn ich nach 2-3 Tagen merken würde, dass das gar nicht geht, würde ich mich nicht eine ganze Woche „ohne“ plagen wollen. Und wenn eine Woche ganz gut ginge, vielleicht sogar länger probieren. Das gab keine Einwände. Ich denje, er weiß, dass ich mit allem sehr vernünftig umgehe.

Bei mir wäre sowas planmäßig das erste Mal erst im nächsten Frühjahrdran.

Ja, der Gedanke, länger ohne zu sein, begeistert mich nicht. Aber jedes Medikament, das man wirklich nicht (mehr) bräuchte, wäre ja super. Keine Nebenwirkungen, keine Kosten (für mich und die Krankenkasse), keine Wege zum Arzt, keine Abhängigkeit von der Praxis.

Und ich würde den Auslassversuch im normalen Arbeitskontext probieren wollen (vielleicht am WE beginnen), um wirklich eine realistische Einschätzung zu bekommen.