14 Jahre, wie lange gibt man einem best. Medikament die Chance

Hallo zusammen,

mein Kind (14 Jahre, sehr schlank) bekommt seit Mai Medikinet.

Wir haben mit unretardiert 5 mg gestartet. Es gab sofort eine Verbesserung bzgl. seiner „Zündschnur“. Was natürlich schon mal positiv war.

Inzwischen sind wir bei 25 mg Retard angelangt. Bei einer Einzeldosis von 15 mg (egal ob 30 Retard oder 15 unretardiert) kippt es. Er ist müde, hat Kopfschmerzen und ist irgendwie nicht da.

Nach einigen Tagen „Gewöhnung“ ist die Wirkung auf die Zündschnur am Abend nicht mehr ganz so doll.

Wie gut die Medis in der Schulzeit wirken, kann ich leider nicht wirklich beurteilen, und die Unterstützung der Lehrer im Gymnasium ist da leider auch strukturbedingt eingeschränkt. Mein Kind meint, dass es leichter in der Schule ist und er nicht so oft abdriftet. Das, was ich von den Lehrern gehört habe, ist, dass Luft nach oben ist.

Am Nachmittag ist es nicht wirklich besser mit der Konzentrations-, Organisations- oder Motivationsfähigkeit. Da hatten wir uns mehr erhofft.

Neulich am Sportplatz habe ich ihn beobachtet, wie es einem Trigger nicht erlegen ist, wie es sich zusammengerissen hat. Aber eigentlich war er sehr gereizt und kurz vorm Ausrasten.

Es schwirren viele Gedanken durch den Kopf
– Ist es der richtige Wirkstoff?
– Wie lange benötigt man Geduld mit einem Präparat?
– Wirkt das Medikinet einfach nur nicht lange genug?

Wir hatten es deshalb mit einer Boostergabe (ca. 14 Uhr) versucht, mit 5 mg unretardiert. Ich hatte das Gefühl, dass das schon etwas hilft. Das Problem: Das Kind bekommt es nicht auf die Reihe, den Booster zuverlässig zu nehmen. Ich bin die Hälfte der Woche um diese Uhrzeit nicht greifbar.

Leider ist unsere Ärztin bis Mitte Juli krank und das Kind muss Ende der Sommerferien (Anfang September) in die Nachprüfung. Alles in allem keine günstige Situation für eine Eindosierung.
Klar will man sich keinen Druck machen, auf der anderen Seite aber auch keine Zeit verlieren.

Könnt ihr mir bitte eure Ideen und Gefühle diesbezüglich schreiben, damit ich maximal vorbereitet in ein Gespräch mit der Ärztin gehen kann, sobald sie wieder greifbar ist?

Danke für eure Hilfe!

Huhu :adxs_wink:

Eine einzelne morgendliche Medikinet-Retard-Kapsel kann zwar den Schultag erleichtern, ist aber nicht dafür gedacht, den ganzen Tag stabil abzudecken.

Die Kapsel besteht ja, wie du schon selbst beschrieben hast, aus einem sofortigen und einem verzögert freisetzenden Anteil.

Zusätzlich muss im Falle von Medikinet Retard zur oder kurz vor jeder Einnahme eine ausreichende Mahlzeit eingenommen werden, um die retardierte / verzögerte Freisetzung und somit ein möglichst langes und gleichmäßiges Wirkprofil zu gewährleisten.

Ohne, oder bei nicht ausreichender Mahlzeit würde der verzögert freisetzende Anteil aus dem Kapselinhalt zu früh im Dünndarm ankommen, wo er sich pH-bedingt beginnt aufzulösen. Der Nahrungsbrei einer Mahlzeit soll genau diesen Übergang vom Magen in den Dünndarm bremsen und verzögern.

Da die Wirkung - je nach Uhrzeit der Einnahme morgens - schon ab mittags / früh nachmittags sturzflugartig abfällt, können ADHS-Symptome zurückkommen oder während des sogenannten Rebounds sogar stärker auftreten.

Dazu kommen möglicherweise auch noch:

  • Erschöpfung durch Schule
  • soziale Selbstkontrolle
  • Maskieren und Kompensieren
  • Hunger, wenig Essen
  • fehlende Rückzugszeit zwecks Regeneration

Dass ein kleiner Booster um 14 Uhr hilft, spricht für ein Wirkloch (durch unzureichende Tagesabdeckung) zwischen dem Abbau der Wirkstoffkonzentration der morgendlichen Retard Dosis und der nicht-retardierten Booster-Dosis am Nachmittag, als für „MPH ist nicht der richtige Wirkstoff“.

Gleichzeitig spricht das „Kippen“ bei höheren Retard Dosen bzw. höherem sofort freisetzenden Wirkstoffanteil dafür, dass diese höheren Peaks nicht gut vertragen werden.

Das sollte ärztlich nicht nur als Dosisfrage, sondern auch als Frage des passenden Freisetzungs- / Tagesprofils besprochen werden.

Also beispielsweise 2x Medikinet Retard im Abstand von z.B. 5-6h (das passende Zeitfenster muss man durch Ausprobieren herausfinden) - so dass die zweite Kapsel rechtzeitig beginnt zu wirken, bevor die erste Dosis von morgens zu stark abgefallen ist - um ein zu dolles Wirkloch zu vermeiden. Hier kann die zweite Dosis auch niedriger ausfallen (auch das muss man ausprobieren).

Oder aber auf ein anderes MPH Präparat umsteigen:

  • Ritalin LA (oder Generika)

    • ähnlich lange Wirkdauer (6 bis max. 8h)
    • ebenfalls 50/50 Freisetzung wie bei Medikinet Retard - aber leicht anderer Wirkverlauf
    • keine Mahlzeit zur Einnahme zwingend erforderlich, da die verzögerte Freisetzung anders gesteuert wird
  • Concerta, Kinecteen (oder Generika)

    • längere Wirkdauer (10 bis max. 12h)
    • andere Freisetzung (22% sofort / 78% kontrolliert verzögert in kleinen Mengen über 6-7h hinweg)
    • sanfterer Anstieg bis zum finalen Peak, glatteres Wirkprofil ohne zu dolle Peak-Spitzen
    • keine Mahlzeit zur Einnahme zwingend erforderlich, da die verzögerte Freisetzung anders gesteuert wird

Sollte es mit MPH langfristig nicht funktionieren:

  • Umstieg auf Lisdexamfetamin
    • Prodrug (Peak erst nach 3,5-4,5h - abhängig von Fett im Mageninhalt bzw. nach fettreicher Mahlzeit)
    • Längere Halbwertszeit (~11h)
    • stabileres, gleichmäßigeres Wirkprofil mit Wirkzeit von etwa 10 bis maximal 14h
    • kann mit oder ohne Mahlzeit eingenommen werden

Vielen lieben Dank für deine schnelle Antwort!!!

Regelmäßiges Essen, bzw Essen wenn es an der Zeit ist, ist in meiner Familie tatsächlich Thema.

Seit der Medikation isst mein Kind ein Schlüsselchen Müsli zum Frühstück. Mehr geht nicht. Tagsüber, tja da wandert die volle Brotdose aus dem Trainingscamp schon mit nach Hause.

Das einfachste wäre, auf Ritalin umzustellen?

Müsste unkompliziert gehen, weil der Wirkstoff gleich ist?

Uns wurde gesagt, dass man das unterdierte Medikinet nur bis 14 Uhr nehmen soll, wegen Schalf. Aber der kommt vor 9:30 eh nicht in den Schlaf.

Eine Eule, Pupertier im sozialen Dauer-Jetlag.

Identischer Wirkstoff, gleiche Freisetzung (50/50), aber leicht anderes Verlaufsprofil.

Zum Vergleich:

*In der Grafik steht leider nur Medikinet Adult, aber Retard / Adult sind identisch und haben bloß aus zulassungstechnischen Gründen andere Zusatzbezeichnungen. Ritalin LA / Adult sind ebenso identisch.

Wenn Mahlzeiten vor der Einnahme problematisch wären (vor allem, sollte mittags noch eine zweite retardierte Dosis hinzukommen), dann wäre Ritalin LA oder Generika davon ein sinnvoller Versuch :slight_smile:

MPH hat eine Halbwertszeit von ~3,5h.

Ich bezweifle, dass eine Dosis nicht-retardiertes MPH nachmittags oder sogar noch spät nachmittags eingenommene tatsächlich einen negativen Einfluss auf den Schlaf haben würde, weil es beim Schlafengehen quasi schon soweit abgebaut wäre, dass es keine therapeutische und / oder antreibende Wirkung mehr haben dürfte.

Da brabbeln manche Ärzte leider auch schon mal einfach so was nach, ohne sich genauer mit der Pharmakokinetik befasst zu haben. Das wäre zwar wünschenswert, kann ich aufgrund des stressigen Rein-raus-Tagesgeschäfts im heutigen Praxisalltag aber auch irgendwo nachvollziehen :adxs_gruebel:

Wenn man hier so von den Erwachsenen liest, ist es gar nicht so selten, dass nach 2 retardierten MPH Dosen (zwecks breiter Tagesabdeckung) dann abends bei Bedarf noch eine viertel oder halbe Tablette nicht-retardiertes MPH eingenommen wird. Das streckt die Tagesabdeckung nochmal, aber eben nur für etwa max. 3h.

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Hallo Mirzi und herzlich willkommen,

wie Sneedle schon sagte, eine Wirkung am Nachmittag oder Abend ist unrealistisch, wenn dein Sohn nur eine Kapsel am Morgen bekommt. Medikinet Retard (oder auch Ritalin LA) nimmt man zweimal täglich, um eine Abdeckung des Tages zu bekommen, eventuell ist noch abends eine unretardierte Tablette notwendig.

Die Wirkdauer ist individuell etwas unterschiedlich, bei mir selbst sind es 5 Stunden. Das heißt, ich muss nach spätestens viereinhalb Stunden eine weitere Kapsel nehmen, um eine lückenlose Wirkung zu haben.

Und es wäre wirklich gut, wenn er etwas gegen seine „Zündschnur“ am Nachmittag und Abend hätte. Aber dafür braucht er eben eine zweite und eventuell dritte Einnahme.

Wie es in der Schule ist, siehst du nicht, aber am Wochenende oder an Ferientagen siehst du, wie er zu Hause ist und wann er dann wieder zerstreuter und unruhiger wird. Sag jetzt bitte nicht, er kriegt das Medikinet Retard nur für die Schultage. (Nein, natürlich darfst du das sagen, aber dann sinkt mein Ansehen für eure Ärztin ins zweite Untergeschoss.)

Okay, gerade lese ich (hätte ich mal vorher machen sollen), du kannst ihm nicht zuverlässig am frühen Nachmittag etwas nachgeben und er denkt da auch nicht dran. Dann stellt ihr besser auf eine längerwirkende Kapsel wie Concerta oder Kinecteen um. Das muss dann etwas reichlicher dosiert werden, 25 mg Medikinet Retard entsprechen 45 mg Concerta.

Und was das unretardierte Methylphenidat am Abend angeht, lasst euch nicht Angst machen. Mein 13-jähriger nimmt 5 mg Methylphenidat um 19 Uhr, manchmal auch 20 Uhr, und das hindert ihn nicht am Einschlafen. Das ist eine Sache des Ausprobierens.

Macht euch mit der Nachprüfung nicht zu viel Stress. Gerade läuft die Eindosierung und dann kommt es gleich so sehr auf die Wirkung an, das macht ganz schön viel Druck.

Es wäre natürlich schade, wenn es in die Hose geht; was würde denn dann passieren? Müsste er „nur“ die Klasse wiederholen oder wäre dann tatsächlich Schluss mit dem Gymnasium?

Insgesamt schläft er mit Medikinet besser.

Er hat auch noch immer Hunger, mehr als ohne !!!

Die Wirkung nur während der Schulzeit haben wir ganz schnell als Verschwendung empfunden. Außerdem hat er erst um 18 Uhr Training und da MUSS er unterstützt sein :slightly_smiling_face:

Heute hat er um 16 den Booster genommen. Um 14 Uhr hat er es vergessen, will aber das Deutschlandspiel nicht explosiv sehen. Wegen der Uhrzeit hatte er keine Angst, weil ein frühes zu Bett gehen ist ausgeschlossen. Er denkt also mit, was ich mega finde. Er spürt einen Benefit.

Vielen Dank für eure ausführlichen Antworten ! So traue ich mich noch zu justieren. Es ist auch nicht schlecht das Medikament gut ausgetestet zu haben!!!

Zwecks Schule. Letztes Jahr hat er freiwillig wiederholt, weil es mit einem Lehrer auf emotionaler Ebene überhaupt nicht geklappt hat. Die Sprachen waren auch da nicht so doll. Das Wiederholen hatte auf seine Noten keinen positiven Einfluss. Der Rest ist ein Selbstläufer mit ordentlichen Noten mit wenig Aufwand.

D.h. wenn er jetzt durchfällt verliert er ein weiteres Jahr auf seinen Jahrgang. Ist halt schon nicht schön. Im Moment hat er Anschluss zu zwei Klassen, ich befürchte dass die soziale Dynamik kippen könnte. Ich war erst gegen die Nachprüfung, weil es die Ferien schon sehr belastet. Aber er möchte das unbedingt. Natürlich werden wir ihn unterstützen!!!

Wir versuchen jetzt erstmal nach der Schule eine weitere Retardkapsel und schau mir das an.

Danke für den Support

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Toll, dass er mitdenkt; und gut, dass er für die Nachprüfung motiviert ist!

Was den Booster betrifft - 5 mg unretardiert sind natürlich wenig. Jedenfalls am Nachmittag; am Abend könnte es ausreichen (aber nicht, wenn er nach der Morgenkapsel gar nichts hatte!).

Wenn du ihm (nach)mittags eine weitere Kapsel gibst, denk daran dass er auch dann (bei Medikinet Retard) zwingend etwas dazu essen muss; und dass die zweite Dosis geringer sein kann als die erste - lieber 20 statt 25 mg (aber natürlich nicht 5 mg unretardiert wie gesagt).

Ich selbst (60 Jahre, etwas über 70 kg) nehme morgens 40 mg Medikinet Adult/Retard, mittags 30 mg Ritalin Adult/LA und abends 5 mg MPH unretardiert. Die mg-Zahlen sind individuell, dein Sohn braucht natürlich weniger, aber ich schreibe es wegen der Wirkdauer und der Tagesabdeckung.

Darf ich fragen, warum du Medikiner Morgens und Mittags Ritalin nimmst?

  1. Ich fand keine geeignete Mittagsdosis Medikinet Retard - nochmal 40 mg waren zu viel, 30 mg zu wenig; 2. Ich bin ein leidenschaftlicher Frühstücker, aber will und kann nicht „auf Kommando“ zu Mittag essen.

Wie viel sollte man denn Essen, damit das Medikinet ordentlich verstoffwechselt werden kann?

Wenn ich jetzt 4 3/4 h.annehme, dann könnte man nach der 5. Schulstunde eine Routine einbauen und eine zweite Dosierung nehmen. Allerdings ist da höchstens Zeit für einen Riegel o.ä.

Ich würde sagen, ein Riegel reicht nicht für Medikinet.

In der Schule gibt es kein Mittagessen?

Nicht zwischen der 5. und 6. Stunde :sweat_smile:

Und genau das meine ich mit „auf Kommando essen“. Wenn man wartet, bis die Mahlzeit auf dem Tisch steht, ist man wenn es schlecht läuft schon mitten in der Wirklücke - und das finde ich sowas von unangenehm.

Jetzt habe ich noch eine Frage.

Wie ist es mit unretardiertem Medikinet und Essen.

Ja, steht im Beipackzettel…aber von der Wirkweise. Braucht das auch Speisebrei im Magen?

Nein.

Also morgens nüchtern würde ich immer einen Keks oder Ähnliches dazu geben, weil es sonst für den Magen nicht so toll ist. Aber für die Wirkung eigentlich nicht oder kaum. Tagsüber wird es noch weniger einen Unterschied machen.

Danke für die konstruktiven Beiträge!

Ich habe die vertretende Ärztin angeschrieben und warte auf Rückruf.

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Also. Wir versuchen Kinecteen 27 mg .

Bin gespannt. Wahrscheinlich wird es 36 mg werden, sie wollte lieber niedriger starten, wenn es zu wenig ist dürften wir das schnell merken.

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Finde ich super :+1:t2: Bei der Beurteilung unbedingt daran denken, dass die maximale Wirkung erst nach so 3-5 Stunden erreicht ist.

Wenn die Wirkung am Morgen zu wenig ist, kann ev. mit einer kleinen unretardierten Dosis gleichzeitig zum Kinecteen am Morgen ergänzt werden.

Drücke die Daumen :four_leaf_clover:

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Okay, aber für den späteren Nachmittag braucht er bestimmt noch etwas Unretardiertes.

Und wenn er bisher 25 mg Medikinet Retard brauchte, könnte auch die 36-er Kapsel zu schwach sein. Dann bräuchte er entweder 45 (18 + 27) oder 54 mg.

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Ich war schon fast geneigt, dass ich frage, ob sie mir gleich die 18 mg mit verschreibt :sweat_smile:

Dann hätten wir einfach 2x18 und ggf 18+27 probiert können.

Aber ich wollte die Ärztin nicht überstrapazieren. Sie hat sich so viel Zeit für das Telefonat genommen und kennt uns gar nicht. Dass der Lütte gewichtsmäßig auf der 2 % Perzentile rumeiert (quasi schon immer) gefällt ihr nicht.

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