Hallo,
ich stelle vermutlich die Frage, die ganz viele am dollsten beschäftigt: Ich suche dringend eine Möglichkeit zur Diagnostik. Mittlerweile ist es mir fast schon egal, ob ich dafür 200km pro Termin fahren muss. Ich halte es einfach nicht mehr aus, keinen Ausweg zu finden.
Kurz zu mir: Schon seit dem Kindesalter habe ich „Probleme“: Aufmerksamkeitsprobleme, ständige Ausraster, keine Konzentration, bekomme einfachste Dinge nicht hin, obwohl ich einen IQ über 130 habe.
Es fehlt mir nicht am logischen Verständnis, was den Leidensdruck umso mehr erhöht.
Ich war die letzten Jahre in einer tiefenpsychologischen Psychotherapie. Diagnose: Depression und Angststörung. Der Therapeut empfindet ADHS als „Quatsch“, deshalb hat er Tests in diese Richtung ausgeschlossen. Zunächst erschien mir vieles plausibel von dem, was er sagte. Ich merke aber, dass mir die Therapie bei meinen Alltagsproblemen nicht hilft. Mein Wunsch ist es deshalb, in eine Verhaltenstherapie zu wechseln und nochmal eine Zweitmeinung zu einer Diagnostik zu hören.
Ich habe dafür schon einige Versuche gestartet: Die ersten 1,5 Jahre habe ich händeringend nach einem Psychiater gesucht. Nach vielen Monaten Wartezeit habe ich in weiterer Entfernung eine Praxis mit freien Terminen gefunden. Diese Praxis war sehr schlecht bewertet (1 Stern bei Google Reviews), aber ich habe mich nicht in der Position empfunden, eine Auswahl treffen zu können. Ich hatte 4 Sitzungen mit diesem Psychiater. Er hat mich jedes mal stark zum Weinen gebracht. Ich hatte Panikattacken. Ich bin freundlich geblieben, um eine Diagnose zu erhalten. Er führte einige Tests durch, wollte keine Zeugnisse sehen und keine Berichte von Verwandten oder Bekannten hören. Dann gab er mir eine offene Packung mit 10 mg Atomoxetin aus seinem Schrank. Er sagte, ich solle googlen, wie man es benutzt und ich solle 10 mg nehmen. Er erklärte mir nicht, was ich habe und wie ich es nehmen soll. Ich habe selbstständig beim Arzt ein EKG und Blutbild vor der Einnahme gemacht. Ich habe online gelesen, dass das Medikament bei ADHS eingesetzt wird und dass 10 mg weniger sind als die niedrigste Dosis, die für gewöhnlich verschrieben wird. Ich habe es dennoch in dieser Dosis genommen. Ich bekam davon Ausschlag und Bauchschmerzen. Das erzählte ich dem Psychiater. Daraufhin meinte er, er könne so nicht mit mir arbeiten, wenn ich nicht mal das vertrage, sei mir nicht zu helfen. Ich fragte ihn ruhig und höflich nach Alternativen und einer Diagnose. Er schmiss mich aus der Praxis. Seitdem stehe ich wieder ohne Hilfe da.
Ich habe zahlreiche Praxen angeschrieben - natürlich ohne Erfolg.
Ich habe mit meiner Hausärztin gesprochen. Diese äußerte den Verdacht auf ADHS. Ich war bei einer Neurologin. Sie sagte, sie sei nicht zuständig, vermute aber ADHS. Ich war bei einem Erstgespräch für eine Verhaltenstherapie. Sie vermuten ADHS, würden aber weitere Tests durchführen im Falle einer Übernahme für Therapie. Ich habe ein ausstehendes Zweitgespräch, bei dem sich klärt, ob ich auf die Warteliste komme. Die Warteliste ist für mich eine Chance auf eine Diagnostik in ca. 6-12 Monaten. Allerdings ist es nicht klar, ob ich auf die Warteliste komme. Vor einer erneuten Absage habe ich große Angst.
Ich möchte deshalb nichts unversucht lassen und wollte euch fragen, ob ihr Tipps habt. Ich habe leider keine finanziellen Mittel für eine Diagnose auf Selbstzahlerbasis. Meine Symptome (ob ADHS oder etwas anderes) behindern mich im Alltag sehr stark. Ich bin deshalb sehr verzweifelt, weil ich gern Hilfe bekommen möchte.
Über Tipps - vor allem für Berlin und Brandenburg - würde ich mich sehr freuen.
Seelchen