AD(H)S in den 80ern und 90ern - eure Erfahrungen

Guten Morgen, ich bin noch ziemlich neu hier und erstelle einfach mal diesen Post in der Hoffnung, dass es erlaubt ist, da er keine Links enthält. Falls ich im falschen Bereich gelandet bin, verzeiht mir das bitte.

Ich studiere Drehbuch und schreibe an einer Geschichte, mein Protagonist (Hauptcharakter) ist ein 6-jähriger mit AD(H)S.

Das Besondere:
Der Junge wurde in den 80ern geboren und die Geschichte soll in den 80ern und 90ern spielen.

Da ich selbst nicht betroffen bin und in dieser Zeit noch nicht geboren bzw. noch sehr klein war, suche ich also Betroffene, die in den 80ern geboren wurden.

Wie waren eure Erfahrungen als Kind?
Wie gingen Lehrer, Eltern und Ärzte mit AD(H)Slern in den 80ern und 90ern um?

Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen und könnt, wenn die Mods nichts dagegen haben, dass ich hier recherchiere, so offen sein wie ihr möchtet, ich werde vertraulich mit allem umgehen, was ihr berichtet und möchte lediglich eine realistische und gute Geschichte schreiben, die keine realen Erlebnisse enthält.

Liebe Grüsse und Dank vorab,
Eure Cinema

Ich bin aus der Generation. Das Problem in dieser Zeit war, das ADHS kaum diagnostiziert wurde. Wenn man nicht motorisch hyperaktiv gewesen ist hatte man quasi keine Chance auf eine Diagnose.

Ich bin dann erst 2002 (oder 03)als Erwachsene diagnostiziert worden - das war schon ein Glück - aber Stimulanzien waren zu der Zeit auch gar nicht zugelassen für Erwachsene.

In den 90ern dachte man noch das ADHS mit 18 „verheilt“ wäre.

Das hieß ja auch zu der Zeit noch „hyperkinetisches Syndrom“.

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Man galt eher als faul oder „schlecht erzogen, schlampig, usw“

Es ist schon aufgefallen, dass ich sehr verträumt war und dann trotz guter Intelligenz Probleme in der Schule hatte - aber da hieß es immer „sie könnte, wenn sie wollte“.

Das hat dazu geführt das ich mich anders, falsch und als Versagerin gefühlt habe.

Links sind erlaubt!

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Ich war ein wildes, vorlautes hoch aktives Mädchen und war dann einfach ein „halber Junge“.
In der Schule gab es dann halt die passenden Reaktionen auf Fehlverhalten und ggf. Positive Erfahrungen bei AG‘s und Projekten.
Bei uns war es auch noch so , das wir viel draußen unterwegs waren.
Mit den Problemen in der Pubertät und Berufsfindung , dann halt andere Diagnosen, da ADHS bei Mädchen gar kein Thema.

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Hey Justine, vielen Dank.
Tut mir sehr leid zu hören, dass du dich damals als Versagerin gefühlt hast und ich freue mich, dass du Medikamente bekommen hast. Wie geht es dir heute?

Fällt man in der Regel mit ADHS/ADS weiter in der Schule auf?

Und ich weiss, dass man mit ADHS/ADS sehr impulsiv sein kann, hattest du das im Kindesalter oder kam das erst später?

In meiner Geschichte ist eine Idee bis jetzt, dass der Protagonist erst ständig im Unterricht stört und dann immer wieder von der Schule abhaut, was dann dazu führt, dass er von der Schule fliegt. Ist so ein Verhalten realistisch für einen ADHSler?

Ich bin Anfang der 80er geboren und war meistens verträumt, geistesabwesend, unkonzentriert, unaufmerksam, ablenkbar und störrisch. So steht es in den Zeugnissen, auch dass ich Probleme mit anderen Kindern hatte (ich wurde gemobbt). Der biologischen Mutter wurde gesagt von Pädagogen, dass ich komisch sei. Meine Zeugnisse sind hier im Forum geteilt. Wenn du Interesse hast, einfach lesen.

Heute strebe ich aus verschiedenen Gründen die Diagnose an. Hat sich bis jetzt niemand gekümmert, außer meinem Mann, der mich schon darauf gebracht hat, dass ich ASS haben könnte. Wurde ärztlich diagnostiziert. So auch jetzt nach anfänglicher Bearbeitung meines Traumas ist ADHS abzuklären. Ich war immer anders und wurde verachtet, erniedrigt, ausgelacht, verspottet usw. Habe diverse Jobs gehabt, obwohl ich fachlich gut war. Habe 2002 unter Drang der Familie und Qualen mein Abitur gemacht. 2 Ausbildungen, dazu wurde ich getrieben. Ich wurde sehr krank. Inzwischen geht es mir etwas besser und wie schon gesagt, ADHS ist jetzt möglich.

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Danke Nelumba, bist du auch mal wegen dem nicht diagnostizierten ADHS von der Schule geflogen? Und würden auch viele gespielte Streiche ins Bild passen bzw. absolut unmögliches Verhalten, was ein von ADHS betroffenes Kind als Streich sieht?

Tut mir sehr leid was du durchgemacht hast!
Weshalb haben dich andere Kinder gemobbt?
Wie hast du auf das Mobbing reagiert, dich eher gewehrt oder es einfach versucht zu ertragen?

Mobbing ist echt das allerletzte, das habe ich selbst durch. Ich finde es echt sehr stark, dass du jetzt die Diagnose anstrebst und wünsche dir da schon mal alles Gute!

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Ich konnte mich nicht wehren. Habe es zu Anfang versucht, aber wenn es immer weiter geht, verliert man als Kind und Erwachsener später den Mut und Stärke, sich aufzulehnen. Somit musste ich das ertragen.

Ich hoffe, ich kann dir helfen
Dankeschön :hibiscus:

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Blockzitat

Das kannst du, sehr sogar! :slightly_smiling_face:

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Das haben meine Kinder so ähnlich erlebt! Meine Tochter kam dann in ein Internat für Schulverweigerer - das hat dann mit Medikamenten geklappt für ein Jahr. Danach mit 15 wollte sie die medis nicht mehr und ist dann dort auch rausgeflogen. lange keinen Abschluss.

Vielleicht wäre die Geschichte interessant für dich?

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Mit 6 Jahren soll er schon von der Schule fliegen?

Oder über welchen Zeitraum zieht sich die Geschichte?

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Da die Zitatfunktion bei mir klemmt:
Für mich ist alles interessant was damit zu tun hat.
Und der erste Entwurf war, dass man ihn zurückstuft und er im Laufe von Klasse 1-3 mehrmals von verschiedenen Schulen fliegt.

In dieser Zeit ist es tatsächlich unrealistisch das ein Kind von einer Schule fliegt.

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Und auch nicht wirklich möglich. Also wenn ein Kind in Deutschland auf einer Grundschule nicht beschulbar wäre, würde es auf einer Schule für Erziehungshilfe (Sonderschule) weitergehen.

Normalerweise, soweit ich mich erinnere.

@Mythria @Katz vielleicht wisst ihr das genauer?

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Heutzutage ja. Aber wie war das damals? Und kamen die Kinder ohne Umwege dorthin oder landeten sie erst in der Kinder und Jugendpsychiatrie?

Früher war die Versorgung in den Psychiatrien eher noch schlechter als heute- deshalb kamen sie eher nicht in die Psychiatrie.

Edit: Die Schulen für Erziehungshilfe gab es auch schon in den 70ern.

Wenn ein Kind nicht zur Schule geht oder die Schule schwänzt war auch schon damals schnell das Jugendamt involviert, weil es dann um eine Kindeswohlgefährdung geht. In Deutschland haben wir Schulpflicht.

Regelschulen / Grundschulen mussten meist nach Einzugsgebiet gewählt werden - bzw da gabs keine Wahl. Es sei denn man entscheidet sich für eine Privatschule.

Ich weiß nicht, was du dir da überlegt hast und ob du das überhaupt recherchiert hast?

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Hallo,

das alles, also von der Schule fliegen, in der Psychiatrie landen usw. betraf ja „nur“ die ganz extremen ADHS-ler.

Die allermeisten waren eben Klassenclowns oder die Kinder die ständig Unfälle hatten oder die immer ihr Turnzeug vergaßen und denen dann erzählt wurde, sie seien eben selbst schuld und sollten sich gefälligst anstrengen, der Karsten oder der Thomas kann das ja schließlich auch.

Die Konsequenz war, dass sie keinen Schulabschluss erreichten, der ihren Fähigkeiten entsprach, dass sie viel geärgert oder gehauen wurden oder dass sie als Teenager schnell tabak- oder alkoholsüchtig wurden oder als Mädchen früh schwanger, aber vor allem war die Konsequenz eine unglückliche Kindheit und Jugend und starke Minderwertigkeitsgefühle.

Und heute ist das ja nicht anders. Nicht alle heutigen ADHS-Kinder kriegen eine Diagnose, sondern nur ein Teil, und zwar besonders die wilden Jungs. Ich selbst (1965 geboren) kriegte natürlich als Kind auch keine ADHS-Behandlung, ich glaube aber ich würde vielleicht als Kind heute auch keine bekommen, denn meine Schulnoten waren gut und ich war zwar hyperaktiv, aber nicht außergewöhnlich wild.

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Ich kann nicht für die 80er und 90er sprechen, da ich erst 2001 in die Schule kam. Aber es herrscht Schulpflicht. Die kann nicht einfach ausgesetzt werden. Verweis hin oder her. Dieser würde auch nicht einfach so ausgesprochen werden. Zuvor stehen noch einige andere Maßnahmen.

Cinema, vielleicht unterstelle ich dir das zu Unrecht. Ich habe jedoch den Eindruck, dass du bisher noch sehr wenig recherchiert hast, um dich über schulische Maßnahmen sowie über ADHS zu informieren. Sollte das stimmen, so fände ich das sehr schade. Denn natürlich macht es Sinn, auch Betroffene zu fragen. Aber die Grundlage sollte von dir zuvor schon gut sowie fundiert recherchiert und ausgearbeitet sein, um der Reproduzierung von Klischees entgegenzuwirken.

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Hach ja, damals.
Die Phosphathypothese von Hertha Hafer. (Strenge Diät, kappte bei manchen sogar, wenn es zufällig Nahrungsmittelunverträglichkeiten eliminierte. Phosphat ist heute als Ursache widerlegt.): Oder die Feingold-Hypothese (Salicylate und Farbstoffe). Auch das mit den Salicylaten ist inzwischen widerlegt.
Was es damals schon gab: Ritalin, in gelb-weissen Medikamentenschachteln.

So krasse Fälle wie bei deinem Protagonisten haben einen Tick Richtung Borderline, nur ohne Schwarz-Weiss-Denken (im Ruhezustand) und ohne Selbstverletzung.
Sie fühlen sich als nicht dazugehörig, selbst wenn sie es sind.

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