Hey, ich bin mit der Recherche noch ganz am Anfang und möchte mir ein umfassendes Bild machen.
Denn es geht bei dem was ich mache darum, dass alles ganz fein konstruiert wurde, denn der Zuschauer soll ja später nicht aus dem Film aussteigen.
Ich werde viele verschiedene Quellen bemühen.
Borderline hätte ich da nicht erwartet.
Kannst du mir auch darüber mehr erzählen?
Wie kommt es, dass nicht alle in der heutigen Zeit eine Diagnose bekommen?
Ich habe das Gefühl, dass du mit dem was du bisher darstellen wollen würdest, ein Extrem darstellst. Und ADHS ist schon in vielen Filmen und Medien generell enorm missrepräsentiert.
Ohne dir nahe treten zu wollen, frage ich mich ob wir einen weiteren „Guck dir den defekten, extremen, unbeschulbaren ADHSler an“ in Filmform brauchen?
Vielleicht liest du dich noch intensiver in das Thema ein, hier im Forum und auf adxs.org findest du ja auch massig dazu. Ich fände es einfach schade, so etwas wieder sehen zu müssen.
Im Umkehrschluss sind nämlich genau diese dargestellten Stereotypen der Grund, wieso viele ihre Diagnose erst sehr spät (oder nie) bekommen, wenn schon ein paar Komorbiditäten aufgrund des unbehandelten ADHS dazugekommen sind.
Ich fange erst an mit der Recherche.
Beim Schreiben ist es so, dass man nicht eine Idee mal eben fertig schreiben kann, sondern dass man grob etwas zu Papier bringt, umfassend recherchiert, alles ordnet und ganz viel schreibt und wieder umschreibt. Bis zu 15x.
Ich bin ehrlich gesagt etwas irritiert. Informiert man sich nicht erst, um auf dieser Wissensgrundlage einen ersten Entwurf auszuarbeiten und diesen dann mit Erfahrungsberichten zu überarbeiten?
Auf welcher Grundlage ist das dann entstanden?
Vielleicht ist ja folgende Frage für dich interessant:
Möchtest du einen Jungen mit ADHS darstellen?
oder
Möchtest du extreme Verhaltensweisen darstellen und diese dann durch ADHS erklären?
Ich bin in den 70ern und 80ern zur Schule gegangen. Ich war unauffällig, verträumt und habe recht viele Flüchtigkeitsfehler und Schusseligkeiten begangen. ADS halt… ich hab alles mit Fleiß und Disziplin geschafft…
Diagnose bei mir erst mit über 50…
Mein jüngerer Bruder ging ganz überwiegend in den 80ern zur Schule.
Er hat wenig für die Schule getan, später wohl auch kaum Hausaufgaben gemacht.
Er war extrem sportlich, hat täglich nachmittags mit Nachbarjungs auf einem kleinen Bolzplatz Fußball gespielt… auch Vereinssport…
Er hat im Gymnasium immer viel mit den Lehrern diskutiert, sie waren irgendwie sehr genervt von ihm. Ich vermute, dass er hochbegabt sein könnte, denn mein einer Sohn ist HB und ich sehe einige Parallelen. Die Begabung und das ADHS haben sich vermutlich dann gegenseitig ausgehebelt, wie es zumindest bei meinem Sohn der Fall war.
Wegen der „Faulheit“ wurde die Begabung meines Bruders nie so ganz offensichtlich. Die Lehrer konnten ja nicht wissen, dass er für die oft halbwegs guten Noten praktisch nicht gelernt hatte.
„Lernen“, dafür konnte er sich einfach nicht motivieren, weil er ja wusste, dass nix dabei raus kommt, wenn es ihn nicht interessiert. Und was ihn interessierte, das merkte er sich einfach und musste es nicht nochmal ansehen…
Aber als es aufs Abitur ging und man einen Abischnitt brauchte, es also ohne richtiges Lernen dann doch nicht ging, da kam er auf die Idee, mit Bier intus zu lernen… und legte den Grundstein zu seiner schweren Alkoholkrankheit.
Ein anspruchsvolles Studium hat er zwar damit noch geschafft, aber in den Beruf kam er dann leider nicht, weil die Abschlussnote nicht so ideal war und er dann wohl auch noch recht hohe Ansprüche hatte…
Dann bekam er natürlich die Diagnose Depressionen und anderes, bloß nicht ADHS und wenn man dann lange genug alkoholkrank war, wird es schwierig, einen Arzt zu finden, der sich getraut, ADHS zu diagnostizieren und die entsprechenden Medikamente zu rezeptieren…
Sieht ziemlich besch** aus für ihn…
Hi,
Zitat:
„Es gibt Stimmen, die ADHS-HI (mit Hyperaktivität) und Borderline als ein durch Symptomintensität variiertes Kontinuum betrachten. Eine Studie fand, dass ADHS und Borderline sich weniger anhand einzelner Symptome abgrenzen lassen, sondern sich vor allem in der Intensität der Borderline-Symptome unterscheiden.187“
…Diese Ergebnisse weisen möglicherweise auf eine klinisch bedeutsame Komorbidität zwischen autistischen Entwicklungsbeeinträchtigungen und Borderline Störungen hin. Die Entwicklung einer BPS auf dem Boden von Entwicklungsstörungen erscheint – auch vor dem Hintergrund der bekannten hohen Komorbidität der BPS mit der ADHS – plausibel. Ungünstige Lerngeschichten, dysfunktionale und invalidierende Erfahrungen sind bei abweichenden Eigenschaften, die bereits früh in der Entwicklung auftreten, wahrscheinlich. Es stellt sich damit aus klinischer Perspektive die Frage, ob eine möglicherweise subsyndromal ausgeprägte Variante des Autismus im Sinne eines Persönlichkeitsmusters (Tebartz van Elst, 2016) Basisstruktur für eine sich daraus psychoreaktiv entwickelnde Borderline-Persönlichkeitsstörung sein könnte (Tebartz van Elst et al., 2013)…
Da werden auch nur Symptome verglichen. Ein tieferes Verständnis fehlt mir da - das führt dann aus meiner Sicht zu einem falschen Eindruck.
Vor allem die kognitiven Probleme und die Unterschiede in den Abwehrmechanismen machen da für mich den Unterschied.
Da habe ich andere Infos zu bekommen in einem Vortrag von Prof. Dr. Philipsen auf einem ADHS-Kongress in Hamburg diesen Jahres. Ich hänge mal das Foto der Folie dazu an. (Darf ich das? Sonst bitte löschen, liebe Mods.![]()
) Du schreibst ja auch von „einzelnen Stimmen“. Vermutlich gibt es da einfach unterschiedliche Ansätze. Trotzdem fehlt mir da gerade noch die „Gegenseite“.
Das ist ein sehr wichtiger Punkt, wie ich finde. Zumal ja vielleicht das von außen sichtbare Verhalten Überschneidungen aufweisen kann, die Ursachen und Funktionen dahinter aber komplett unterschiedlich sein können. Differenziert man primär nach Symptomausprägung, wird das der Komplexität meines Erachtens nicht gerecht.
(Lieber UlBre, damit kritisiere ich nicht deinen Beitrag, sondern ergänze diesen lediglich um meine Informationen und Gedanken dazu. Denn ich finde das Thema spannend.)
Die von ADxS zitierte Studie ist von Philipsen.
Philipsen ist Autorin im Großen Handbuch Borderline (das deutschsprachige Hauptwerk zum Thema) und intensiv im Bereich ADHS unterwegs.
Hier wurde schon ziemlich viel interessantes geschrieben, besonders der Beitrag von Nono ging mir persönlich sehr nahe.
Ich bin in den End 60er Jahren geboren, meine Schulzeit in den 70er und 80er Jahren habe ich alles andere als gut in Erinnerung.
Ehrlich gesagt weiss ich garnicht so recht wo ich anfangen oder aufhören soll.
Kann nur sagen das meine Kindheit und Jugend ein Märtyrium war.
Angefangen von meinen beiden Eltern die mit ihren Kindern total überfordert waren, dass WIR, ihre Kinder KEINE „Wunschkinder“ waren, dass meine Eltern viel zu jung waren als sie Eltern wurden, dass sie aus Familien stammten die den zweiten Weltkrieg überlebt hatten, dass unsere Familie von Armut und Kriegs Traumata überschattet waren, dass meine Eltern nicht wussten wie man mit Kindern umgeht, dass sie zu Gewalt griffen wenn sie sich nicht zu helfen wussten, dass Geld und Möglichkeiten immer zu knapp waren, dass sie selbst niemand hatten der ihnen ein gutes Vorbild gewesen wäre, dass ja schon ihre eigenen Eltern geschädigt waren durch Krieg und Armut und total veraltete Ansichten.
Und heute bin ich geschädigt, weil nie irgend jemand da war um all diese Altlasten aufzufangen.
Von Adhs, geschweige denn dem Autismus Spektrum sprach man nicht, dass waren höchstens die, die man noch bis in die 80er Jahre entmündigte, in Heime steckte, denen man einen „liederlichen Lebenswandel“ unterstellte, als Frau erst recht!, die man „verstecken“ wollte, die Versager waren, für die man sich schämte.
Wie auch immer, Hilfe erhielten weder meine Eltern noch wir Kinder, ausserdem schämte man sich ja psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, ausserdem hatte man Angst das man entmündigt würde, dass man irgendwo „untergebracht“ würde, dass man womöglich „zwangs eingewiesen“ würde.
Mit psychischen Problemen, z.B. Depressionen, blieb man also lieber allein, versuchte der Welt „vorzuspielen“ das doch alles in Ordnung sei.
Und auch heute noch behält man seine Sorgen lieber für sich, sich jemand „anzuvertrauen“?, lieber nicht.
Und deshalb verstrichen fast 50 Jahre bis ich dann irgendwann unter den Folgen meines extrem stressigen und belasteten Lebens zusammen brach, schon lange unter unbehandelten Depressionen litt, und dann schlussendlich einen totalen Burnout bekam.
Die jungen Generationen heutzutage haben keinen blassen Schimmer davon was viele von uns alten Generationen in ihrem Leben bereits hinter sich haben.
Die jungen Generationen heutzutage erlebe ich oft als total verwöhnt und überbehütet, hätte ich damals solche Ansprüche gestellt wie manche junge Menschen heutzutage, dann hätte man mich ausgelacht und gefragt ob ich eigentlich noch ganz sauber bin.
Mein eigener Vater hatte z.B. kein Problem damit uns Kinder aus der Wohnung zu schmeissen, es war ihm total egal ob wir nachher auf der Strasse sassen, und das noch bevor wir nach Schweizer Recht volljährig waren, dass war damals „eigentlich“ noch erst mit zwanzig Jahren.
Und keine Sau hatte das interessiert, weder das Jugendamt noch sonst irgend wen, und wir wussten nicht wo, bei wem, wir uns hätten Hilfe suchen können, oder dürfen, wir waren total auf uns alleine gestellt.
Wir sind ja noch mit Schwarz-Weis Fernsehn und Wählscheiben Telefon aufgewachsen, einen Brief musste man noch selbst zur Post bringen.
Die Jungen Menschen heutzutage haben keine Ahnung, die würden total zusammen brechen wenn sie in unsere Zeit zurück katapultiert werden würden.
Keine Computer Spiele und solche Sachen. ![]()
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Wohlgemerkt waren die Briefe noch von Hand oder mit Schreibmaschine geschrieben, und die Marken musste man auch noch selbst aufkleben. ![]()
Aber einen Job zu finden, dass war früher viel einfacher, die Ansprüche waren nicht so hoch wie sie heute sind, mit einem Hauptschul Abschluss konnte man noch eine gute Ausbildung oder Job finden.
Heute geht ja ohne höheren Abschluss eigentlich fast nichts mehr um noch einen einigermassen guten Job zu finden.
Und selbst wenn man einen guten Abschluss hat, ist auch dieser nie gut genug, man soll sich ja ununterbrochen weiterbilden, selbst dann wenn man nachher nur in einem Call Center sitzt, im Verkauf hinter einer Kasse sitzt, oder sogar einfach nur in der Pflege in einem Altersheim arbeiten möchte, obwohl ja z.B. genau das heute kaum noch jemand möchte.
Was weiss ich, früher war nicht „alles“ schlecht, „manches“ ist heute besser, aber noch lange nicht wirklich „viel“ besser, und „perfekt“ gibt es auch heute immer noch nicht. ![]()
Das kommt drauf an, im Handwerk werden doch Händeringend Auszubildende gesucht? Gut ich bin jetzt auch schon Lange aus dieser, für mich, Mörderischen Arbeitsmaschinerie raus, habe aber auch eine wesentliche Behinderung. Auf jeden Fall meine ich dies regelmäßig den Nachrichten zu entnehmen, dass dort Auszubildende gesucht werden. Müssen ja nicht alle Akademiker werden.
Kann ich unterschreiben:
ich bin von 1976, war vorlaut, immer dreckig, schnippisch, habe oft das Gegenteil von dem gemacht, was ich sollte. ich habe mich eben nicht so benommen, wie kleine Mädchen sich benehmen.
Meine Freunde und ich waren ständig draußen unterwegs, immer in Action, abends ausgepowert vom Tag. das hat wohl einiges aufgefangen, aber auch maskiert.
Später im Gymnasium bin ich kläglich gescheitert, weil die Anforderungen für mich zu viel waren.
da hieß es aber auch nur, ich sei zu dumm fürs Gymnasium( IQ 126)
Mein vorhandenes Potential konnte ich nicht abrufen, zumindest nicht in der geforderten Zeit und Art und Weise.
[quote=„Cinema, post:5, topic:15704“]
Und ich weiss, dass man mit ADHS/ADS sehr impulsiv sein kann,
ja, aber das ist ja nur die halbe Wahrheit. ADHS und ADS können in so vielen unterschiedlichen Formen auftreten. Es gibt nicht das eine ADHS oder ADS, nicht nur schwarz oder weiß, sondern ganz viel dazwischen.
mit ADHS ja, mit ADS eher nicht, zumindest nicht in der Ausprägung
mein Sohn hat ADS und ist das genaue Gegenteil von einem typischen „Zappelphilip“
In der Regel verändert sich das Erscheinungsbild im Erwachsenenalter gerade bei Frauen.
Die Hyperaktivität wandert nach innen und erscheint z. B. in Form von Gedankenkreisen, Autobahnen im Kopf, ständige Unruhe.
Zähne knirschen, restless legs syndrom uw.
usw.
um ein paar Sachen zu nennen.
Und das ist das Problem:
die Diagnose ADHS/ADS ist deutlich komplexer, als was die Gesellschaft darunter versteht.
und deswegen haben wir mit Vorurteilen zu kämpfen.
Ja, genau, so war es. das eine oder die zwei Kinder, die aus der Reihe tanzten, wurden toleriert, aber es wurde nicht auf sie eingegangen, lag schließlich an der Erziehung.
Die Kinder, die immer träumten oder geistig nicht anwesend waren, waren beliebter, die fielen ja nicht weiter auf.
Diese nicht diagnostizierten Kinder waren Kollateralschäden, in Kauf genommen.
Diese nicht oder spät diagnostizierte Generation schreibt jetzt beispielsweise hier im Forum, berichtet über einen langen Leidensweg, über Begleiterkrankungen, wie Sucht, Depression und dergleichen und hofft, das es für die nachfolgenden Generation leichter wird.
Weil auch heutzutage leider noch zu viel nach Schema F gehandelt wird und leider noch viel gefährliches Halbwissen oder gar kein Wissen vorhanden ist.
Kinder, die keine typischen, allgemein bekannten Symptome haben, fallen leider zu häufig durchs Raster.
Ich musste über ein Jahr beim Kinderarzt vorstellig werden, bis überhaupt gehandelt wurde bei meinem Sohn.
Und viele Eltern handeln bei Anzeichen ihrer Kinder nicht aus Scham, Angst vor Stigmatisierung etc.
Auch, weil es als Modediagnose gilt.
@Cinema: Wird auf die Kritik noch eingegangen? Finde das wichtig, sowas reflektieren zu können
Ist nicht böse gemeint.
