Als Jahrgang 1983 (männlich, 2023 mit adhs und zwei Komorbiditäten diagnostiziert) musste ich, weil ich mich nicht konzentrieren konnte, die erste Klasse wiederholen.
Das Klassenzimmer in der Schule (auf dem Land) war von drei Klassen gefüllt, mit nur einem Lehrer der über 60 Jahre alt war. Durch sein Alter hatte er schon vieles gesehen, war locker, wurde aber auch zweidreimal handgreiflich bei anderen Schülern. In den Pausen gabs keine Aufsicht, er sah höchstens manchmal zum Fenster hinaus wenn es Laut wurde.
Und so konnten dann Schlägereiduelle zwischen Schülern und Schülerinnen im Keller stattfinden. Für uns Kinder fühlte sich das normal an, es wurde auch nichts dem Lehrer erzählt. Und somit hat man sich auch damit abgefunden wenn man gemobbt wurde. Ich wurde gemobbt. Ich zog mich in meine innere Welt zurück und zeigte eher psychosomatische Symptome wie starke Bauchschmerzen und Verstopfung. Ich musste sogar zum Arzt, und dieser vermutete Probleme in der Schule, da ich angab dort nicht gerne hinzugehen.
Gehandelt wurde aber nicht. Es wurde mir gesagt ich solle auf Hänseleien nicht reagieren, sonst würde ich mich nur noch mehr zur Zielscheibe machen. So habe ich mich halt dann irgendwie durchgeschlagen und versucht nicht aufzufallen.
Ich galt als Träumer, Mathe, Fussball und Französisch war schlimm. Im Werken, Zeichnen, Kochen, Handarbeit, Schwimmen und Geometrie war ich einigermassen gut. Durch das viele Bücherlesen (die drei ?, u. Ä.) War ich einigermassen gut im Deutschuntericht.
In der frühen Jugendzeit las ich dann Bücher über Philosophie und positives Denken. Dass hat mir dann vorerst irgendwie geholfen, da ich das Gefühl nicht los wurde, dass ich irgendwie anders ticke als die Anderen. Später in den 1990ern kam dann moderates Kiffen und starkes Alkoholtrinken am Wochende im grossen Freundeskreis dazu, durch Kaffeekonsum in der Lehre konnte ich mich das erste mal richtig konzentrieren.
Als humorvoller Mensch hat man sich in dieser Zeit ums Millenium, in der die Ironie aber auch der Sarkasmus hochkonjunktur hatte, relativ gut durchgeschlagen. Insgesamt waren die Rahmenbedingungen in meiner frühen Kindheit auch gut, wir hatten mit den Nachbarskindern sehr viele Freiheiten, haben tagelang Hütten und Baumhäuser im Wald gebaut, sind weit in der Landschaft herumgestreift und haben uns dadurch durch unsere Selbstwirksamkeit gut gefühlt. Wir durften auch alleine in diesen Hütten übernachten und kochen, das war sehr schön.
Trotzdem beschäftigt mich das Mobbing in der Schule eher unbewusst bis heute und drückt den Selbstwert wohl noch immer. (Sorry bin grad etwas abgeschweift…)
Als Kulisse und Kostüm würde sich anbieten: kleine Blech-Autos für den Sandhaufen, grüner Gummitwist, Schnurschrift, lange Schulwege mit rotorangen Leuchtstreifen Bändeln. Hefte: Wendy, Bravo, lustige Taschenbücher, Asterix und Obelix. Statussymbole: Fell Tornister, Lego, schwarze „Knite Rider“ Schneeschlitten aus Kunststoff, Mauntainbike, Markenkleider (Fila Jacke, Reebock Schuhe, usw.) 