AD(H)S und Nachteile/Abweisung Versicherungen etc.

Hi zusammen, ich frage mich schon seit langer Zeit inwieweit sich eine offizielle Diagnose und Therapie von AD(H)S nachteilig auf die verschiedenen Bereiche wie Versicherung etc. auswirkt. Wie sind da eure Erfahrungen? Bei einer offiziellen Behandlung bzw. Diagnose von z.B. Depressionen sind ja Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse, der Wechsel in die private Krankenversicherung sowie Abschluss einer Versicherungen bei Krediten (Lebensversicherung etc.) fast ausgeschlossen bzw. extrem schwierig. Aber wie ist das bei AD(H)S? Wurden euch schon Wechsel von Krankenversicherungen oder Abschluss von Versicherungen verwehrt? Oder Kredite? BU wäre ja z.B. auch solch ein Thema. AD(H)S wird ja als psychische Erkrankung eingestuft und ich könnte mir gut vorstellen, dass Versicherungen etc. einfach mal alles in eine Schublade schmeißen.

Mir geht es jetzt eindeutig nicht um eine Wertung der einzelnen Versicherungen ala „wer braucht schon eine private Krankenversicherung“. Mich würde einfach interessieren ob es Bereiche gibt, wo ihr eindeutige Nachteile erfahren musstet.

Einer meiner grössten finanziellen Fehler war es, dass ich nach meinem letzten Arbeitgeber nicht in seine Taggeldversicherung ging. Das geht nämlich ohne Gesundheitsfragen. Jetzt ist es praktisch unmöglich. Ich hab den Zusammenhang einfach nicht gesehen.

Am einfachsten ist es also, wenn du bei einem Arbeitgeber arbeitest, der eine Taggeldversicherung hat (haben die meisten Seriösen) und diese bei Kündigung einfach übernimmst ohne Gesundheitsfragen.

Jeden Tage rege ich mich darüber auf. GRRRRRRRR :neiiin :sauer

Ich verstehe dich nicht ganz. Meinst du eine private Zusatzversicherung? Oder lebst du nicht in Deutschland?
In Deutschland erhält jeder abhängig Beschäftigte im Krankheitsfall zunächst eine Lohnfortzahlung und danach Krankengeld von der Krankenkasse. Eventuelle „Versorgungslücken“, d.h. eine Verbesserung kann man durch eine private Zusatzversicherung ausgleichen.

Daher verstehe ich deine Frage nicht ganz.

Ja stimmt. Ich bin aus der Schweiz. Hier ist es so, dass die Arbeitgeber meistens eine Taggeldversicherung abschliessen, ansonsten besteht die Lohnfortzahlungspflicht nur wenige Wochen. Der Mitarbeiter kann bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses innerhalb einer Frist von 30-90 Tagen ohne Gesundheits-Check und ohne Gesundheits-Fragen übertreten. Ansonsten kann man nur 30 Tage bei der Arbeitslosenkasse krank sein und danach ist man direkt ein Sozialfall. Das geht sehr schnell. Bei mir zum Glück noch nicht so weit, war aber schon oft knapp. Mit einer Taggeldversicherung wäre ich total gut aufgestellt und ich könnte 2 Jahre bezahlt krank geschrieben sein.

@Elvanse

Das ist natürlich sehr ungünstig.
Da wird dir leider nur jemand aus der Schweiz Auskunft geben können, denn bei uns in Deutschland spielt das in Bezug auf das Tagesgeld keine Rolle.

Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass man bei anderen Versicherungen als ADHSler Nachteile hat. Da habe ich zum Glück aber noch keine Erfahrungen gemacht.

Hallo Justusjonas,

ja, das ist so. Eine ADHS-Diagnose wird von privaten Krankenversicherungen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen angesehen wie Depressionen oder Ähnliches.

Das heißt, dieser Zug ist für dich offensichtlich abgefahren. Ein Wechsel in eine private Krankenversicherung ist in meinen Augen eh verrückt, vor Allem wenn man Kinder hat, aber meine Meinung wolltest du ja nicht wissen, egal, die Option haben wir nach der ADHS-Diagnose nicht mehr.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schließt man am Besten ganz früh im Berufsleben ab, solange man von seiner ADHS nicht mal etwas ahnt.

Habe ich aber auch nicht gemacht. Dumm gelaufen, aber Versicherungsbeiträge muss ich jetzt wenigstens auch keine dafür zahlen.

Kredite, ich wüsste nicht dass dafür nach Gesundheit gefragt wird. Und Kreditversicherungen sind Geschäftemacherei, da geh lieber woanders hin wo man so etwas nicht zur Bedingung macht.

Eine gesetzliche (!) Krankenkasse wechseln darf man dir (oder jedem/r anderen) nicht verwehren, die müssen auch die Kränksten nehmen. Vorausgesetzt, man hat einen versicherungspflichtigen Job und hält bestimmte Fristen ein (ich glaube, das waren mal 15 Monate bis zum nächsten Wechsel).

Seine familienversicherten Kinder oder Ehepartner nimmt man bei einem Wechsel natürlich mit, logisch, die sind immer da mitversichert wo man selbst ist.

witzig, hab auch erst gestern über dieses Thema nachgedacht. Bezogen auf Haftpflichtversicherungen.

Ich habe eine seit vielen Jahren und bin sehr froh darüber. Hatte mich gefragt, ob ich die Diagnose jetzt meiner Versicherung melden muss, aber das ist natürlich Quatsch. Würde Menschen, bei denen Impulsivität ein Thema ist :roll: :wink: , immer dazu raten, eine abzuschließen bevor eins die Diagnostik beginnt. Meine Versicherung hat mich damals zwar nichts zu Gesundheit gefragt, aber das war etvtl. Familienbonus…

Hätte ich die wenigen aber dennoch teuren Schäden selbst zahlen müssen, wäre das mehr gewesen als die 5 eus im Monat über all die Jahre :rotwerd

Hallo,

Privathaftpflichtversicherungen sind unproblematisch, die fragen nicht nach Diagnosen. Und man sollte eine haben, nicht nur als ADHS-ler.

Die 30 bis 50 € pro Jahr zu sparen wäre sehr unklug.

Vor allem sind die anderen die Leidtragenden wenn man keine Haftpflichtversicherung hat.
Es ist ja schon schräg wenn man in seiner Haftpflichtversicherung dagegen versichern kann wenn jemand anders dir ohne einen Schaden zufügt.
Kann mich auch nicht dran erinnern das da je Gesundheitsfragen gestellt wurden.?

Die haben echt mal ein Fall bei mir übernommen , da habe ich Ware zurückgeschickt und unbemerkt beim säubern die Ware beschädigt und es kam kaputt beim Höndler an.

<LINK_TEXT text=„https://www.verbraucherzentrale.de/wiss … hern-13931“>Berufsunfähigkeit: Wie Sie sich gegen Verlust des Einkommens absichern | Verbraucherzentrale.de</LINK_TEXT>

und zu den Gesundheitsfragen:
<LINK_TEXT text=„https://www.verbraucherzentrale.de/wiss … rung-41327“>Risikovoranfrage: So suchen Sie mit Vorerkrankungen eine Versicherung | Verbraucherzentrale.de</LINK_TEXT>

Ganz interessant:
"Wenn Sie fürchten, wegen Vorerkrankungen Probleme zu bekommen, sollten Sie eine anonyme Risikovoranfrage starten. Das geht so: Sie beauftragen einen Versicherungsmakler oder einen behördlich zugelassenen Versicherungsberater ((https://www.bvvb.de/, der Link war nicht mitkopierbar)), einen Preis-Leistungs-Vergleich für Sie zu erstellen. Wählen Sie mit seiner Hilfe die passenden Gesellschaften aus.

Diesen Versicherungen legt er dann eine Anfrage vor, die den Umfang des gewünschten Versicherungsschutzes und die Angaben zu Vorerkrankungen enthält. Sie ist aber so weit anonymisiert, dass eine Speicherung der Daten und Zuordnung zu Ihnen nicht möglich ist. Erst wenn eine Gesellschaft ein verbindliches Angebot unterbreitet, entscheiden Sie, ob Sie den Vertrag abschließen wollen."

Danke, @Hibbelanna , für die Links :slight_smile:

Ich bin neu hier, entschuldige mich zuerst mal dafür das ich nur die Überschrift gelesen habe und sofort gedacht habe „Mann, das ist genau mein Thema, damit habe ich wortwörtlich am eigenen Leib Erfahrung gemacht!“. Deshalb entschuldige ich mich nochmals wenn ich hier einfach so rausplatze und drauf los rede ohne die Beiträge vorher genau gelesen zu haben, das werde ich aber sofort nachdem ich geschrieben habe nachholen, 100% versprochen!.

Ledenfalls HABE ich genau DAS erlebt, das ich MEHRFACH von verschiedensten K-Versicherern für eine Privatversicherung abgelehnt wurde!. Und Ja, man halte sich fest!!!, auch ganz unmissverständlich deshalb, weil ich wegen Depression und der Diagnose Adhs die ich zum selben Zeitpunkt erhalten hatte, in Behandlung war!!!. Nun MUSS man ja aber Krankheiten, Medikamente, Therapien usw. im Fragebogen angeben, da man sich ansonsten Strafbar machen würde, und gleichzeitig wird man OFFEN abgelehnt, und DAS obwohl Versicherungspflicht herrscht. In diesem Moment ist es sämtlichen K-Versicherungen dann Sch***egal wenn man OHNE K-Versicherungsschutz dasteht, auch WÄHREND einer Pandemie wohlgemerkt, sollte SOWAS nicht auch Stafbar sein???.

Immerhin war ein Mann bei einer K-Versicherung so kompetent und auch freundlich und hilfsbereit, das er mir den Artikel Soundso zitierte, in dem geschrieben steht, das eine K-Versicherung verpflichtet dazu ist, per Gesetz also, einen aufzunehmen und eine Basisversicherung zu gewährleisten. Dank dieses Mannes werde ich nun also diesen Kampf aufnehmen, und hoffen, das es sich auch hierbei nicht einfach um einen Papiertiger handelt, und man einfach k.o. abgefertigt und kaltgestellt wird. So und jetzt lese ich alles hier in diesem Tread genau durch, und auch in allen anderen Treads. LG AbrissBirne

Hallo Abrissbirne,

du musst hier zwei Sachen unterscheiden: Es gibt die Pflicht, jeden aufzunehmen - für gesetzliche Krankenversicherungen und für Privatkrankenversicherungen im Basistarif.

Für alle anderen Tarife der Privatkrankenversicherungen besteht keine Aufnahmeverpflichtung. Die können alle Bewerber mit „kostenträchtigen“ Krankheiten und Störungen ablehnen, und das tun sie auch.

Von daher bleib, wenn du nicht gerade Beamter bist und wenn es noch möglich ist, bloß in der Gesetzlichen Krankenkasse. Wenn nicht, steht dir leider nur der Basistarif offen. Dafür musst du auch keinen Kampf aufnehmen und es ist auch kein Papiertiger.

Wo bist du denn bisher krankenversichert?

Hallo Falschparker
Deine Info ist korrekt, für mich hat sich die Sache inzwischen geklärt, Danke für die Nachfrage.

Hallo,
Ich hab eine Frage zu dem Thema. Weiß jemand, wie sich die adxs Erkrankung auf die berufsunfähigkeitsversicherung genau auswirkt. Kann man keine abschließen oder mit wie viel mehr Beitrag muss man rechnen?
Ach ja und ich habe hier gelesen, dass man die Versicherung zeitlich vor einem erahnen der adxs Diagnose abgeschlossen haben muss, um keine probleme zu haben. Weiß da jemand von welchem Zeitraum da etwa gesprochen wird? Bei mir haben sich konkretere Überlegungen innerhalb ein paar Wochen erst ergeben. Mit einer Diagnose wurde ich mir generell noch Zeit lassen. Deshalb wäre das für mich recht interessant

Plus: da du ja Medizin studieren willst @ Chaosqueen770: es ist juristisch nicht geklärt, ob und wenn ja, bei welchem Schweregrad und unter welchen Umständen man mit Diagnose ADHS als Arzt arbeiten darf. Das solltest Du wissen. Berufsunfähigkeitsversicherung mit Diagnose ADHS ist auch problematisch…

Also mir wäre das viel zu stressig, eine (BU)Versicherung abzuschließen und die Gesundheitsfragen nicht wahrheitsgemäß zu beantworten und dann all die Jahrzehnte, die ich die Versicherung bezahle, zu wissen, dass sie vielleicht am Ende nicht zahlen wird, weil das irgendwie rauskommt.
Es ist ja nicht so, dass man nur angeben muss, was diagnostiziert oder in Behandlung ist, sondern auch welche Beschwerden man hat. Wenn ich da schon mal so weit bin, dass ich mich in einem Forum anmelde, kann ich doch vor mir selbst kaum argumentieren, dass es keine Beschwerden gibt?
Also ich würde da lieber mit offenem Visir rangehen wollen. Und mir halt anschauen, was die Versicherung für mich, so wie ich bin, kostet. Und dann sauber entscheiden, ob ich das will oder nicht.

Was heißt denn zu stressig? Also eine berufsunfähigkeitsversicherung ist finde ich eigentlich absolut unerlässlich. Und mir ist klar, dass ich irgendwie lügen müsste, aber ich finde es auch ehrlich gesagt absolut asozial, dass es einem leichter gemacht wird, sowas zu ignorieren und damit ja viel eher am Ende in der Berufsunfähigkeit zu landen, als wenn man sich nicht behandeln lässt.
Und die Frage ist ja, wie sie rausfinden sollten, dass ich mich vorher in einem forum informiert habe, solange ich keine offiziellen Schritte einleite, werden sie ja kaum an diese Information kommen.
Ich würde da einfach die Erfahrungen von anderen hören.
Ich verstehe deine Bedenken absolut, aber die Vorteile einer Berufsunfähigkeitsversicherung überwiegen einfach mMn. Das kommt aber natürlich auch auf die Preisunterschiede zwischen gesunden und Menschen mit adxs Diagnose an.

:evil:

Hallo,
Das habe ich bis jetzt noch nicht gewusst. Hast du dazu Quellen? Würde da gerne mehr drüber erfahren unter welchen Umständen das passieren würde. Ich denke auch ich habe eher eine schwächere dafür recht breit gefächerte Form von adxs. Sowas in der Art kam auf jeden Fall bei den Tests bei dieser Seite raus. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es mir nicht möglich ist als Ärztin zu arbeiten, sondern dass ich (vorausgesetzt ich geh nicht in einen sehr stressigen Bereich, was ich nie vor hatte) eigentlich sehr gute Voraussetzungen habe.
In der Kranken- und altenpflege kam ich eigentlich immer gut zurecht. Mir fehlte definitiv Organisation, die ich aber mir in der Zeit des Studium etc noch aneignen kann und ich muss mir sehr viel aufschreiben, um meine Vergesslichkeit zu kompensieren.
Ich weiß ich muss mich nicht rechtfertigen, da ich denke, dass jeder seinen Weg finden muss, aber ich möchte gerne, dass ihr versteht, was dabei in meinem Kopf vorgeht.

Der Kontakt mit dem Forum wird da sicher kein Dealbreaker sein, trotz aller Sensibilität mancher hier ausgetauschter Information.

Wenn es Dich bewegt, schau Dir doch mal einen Versicherungsantrag an. Dann bekommst Du ein Gefühl dafür, was Du würdest beantworten müssen. Häufig geht es da primär um „Wurde in den letzten 2 oder 3 oder 5 Jahren eine Diagnose xy gestellt?“. Zum „Ahnen“, wenn Dir das gerade Sorgen machst, wird da vielleicht stellenweise gefragt, ob man schon positive Kenntnis hat von xyz.

Wenn Du Dir aber auch mal die Beitragshöhe ansiehst und das, was man herausbekommt - zudem nicht selten erst nach ewigen Streitereien -, wird Dir vielleicht klar, dass das Thema „BU-Versicherung“ in Deiner jetzigen Phase nicht an Prio 1 steht, meines Erachtens. Die Beamtenlaufbahn würde ich persönlich da sensibler sehen, wenn man sie denn anstrebt oder - wie bei Lehrern - die Ausbildung noch in die Richtung geht. Was für eine Approbation und Haftpflichtversicherung aktuell gelten würde, findest Du sicher noch raus.

„Erkenne Dich selbst“ ist nach meiner Erfahrung schon Lebensaufgabe genug, in jeder Lebensphase neu. Wenn man dann noch ein bisschen Demut in den Rucksack packt, weil man nicht weiß, wie man sich verändert durch Hormone, Erfolge, Trennungen, Schicksalsschläge… ist man schon gut gerüstet. So eine Grundhaltung ist eigentlich die beste Versicherung.

Vieles ist im späteren Leben ohnehin wahnsinnig individuell: Verharrt man z.B. zu lange in ungesunden Strukturen, weil man die Problemquelle ausschließlich in seinen eigenen ADHS-Befindlichkeiten sieht, oder wechselt man, weil man zwischen eigenen ADHS-Schwächen und einem toxischen Umfeld differenzieren kann und die Wahrheit nüchtern in der Mitte sieht. Legt man sich durch die Wahl der Schwerpunkte, Kontaktpflege und Abschlüsse eine Basis, die etwas Spielraum lässt oder leistet man sich da Sonderwege, die zusätzlich einengen. Steckt man aus Scham den Kopf in den Sand oder holt man sich Hilfe, weil das Umfeld es gerade zulässt. Es kann sein, dass das Leben in Abteilung A für einen ADXSler geht wg. der Kombination aus Chef, Kollegen, Infrastruktur, etc. und in Abteilung B geht man fast kaputt, bevor man es merkt. Manchmal hat man Glück und dann kommt eine Weile noch kein Pech dazu, und manchmal ist es anders.

Niemand in Deiner jetzigen Lebensphase weiß, wie sich die eigenen Anlagen mit 40 darstellen… Selbst ein ADHSler, der ohne Filter 45 Verzweigungen mitdenkt, kann das nicht prognostizieren.

Man kann es und muss es auch noch nicht wissen, sollte es deshalb auch nicht kontrollieren wollen. Das zieht Energie von Bereichen ab, in denen es sinnvoller investiert ist.