ADHS Angst Depression

Hallo,

Ich selber leide an ADHS, starken Ängsten und schwere Depression. Mich würde es interessieren ob ich damit allein bin oder ob ihr auch betroffen seit.

Wie geht ihr damit um und wie schafft ihr den Alltag?

Ich selber befinde mich in eine Sackgasse, teilt mir gerne mit wie ihr es vielleicht geschafft habt da rauszukommen.

Vlg

Hallo @Sead,
Du bist da definitiv nicht alleine. Ich schreibe darüber auch partiell in meinem Tagebuch (Ich bin eine Hülsenfrucht). Ich habe sehr große Angst davor, wieder in eine Depression zu fallen. Allerdings habe ich meinen eigenen Weg des Umgangs damit gefunden. Ich glaube, dass ist die Herausforderung vor der jeder Einzelne steht.

Ich bin nicht mehr depressiv. Das heißt, ich kann darauf vertrauen, es wieder heraus zu schaffen.

Was mir geholfen hat: Antidepressiva, eine Reha und dadurch den Austausch mit anderen Betroffenen zu haben und das Glück, schnell Hilfe von einer guten Therapeutin bekommen zu haben.

Was mir auch noch geholfen hat: ich habe Familie und wollte wieder Teil davon sein.
Und die Erkenntnis, dass niemand kommt um mich zu retten. Das muss ich selber tun.

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Hallo @Lupine,

Danke für deine Antwort.

Das stimmt was du schreibst, es wird keiner kommen um einen zum retten, man kann es nur selber schaffen.

Vlg

Liebe @Sead

Erstmal: super dass du dem Thema einen eigenen Thread geschenkt hast!
Das lenkt die Aufmerksamkeit dahin, wo sie notwendig ist (hab ich mal in der Reha gelernt).

Will heißen: wenn du Angst hast, traurig bist, dann ist das völlig okay, es muss nicht verdrängt, sondern gesehen werden.

„Die Angst ist der Weg“ sagte man mir. Und das stimmt! Sie weist auf etwas hin, was du bearbeiten kannst. Entweder alleine, in Selbsthilfe Gruppen oder zusammen mit einem Therapeuten.

Und es gibt Wege daraus… versprochen!

Bei Adhs gehören Depressionen und Ängste zu den Komorbiditäten, schau mal hier ist es sehr ausführlich und gut verständlich erklärt:

Es ist meist so, dass ein optimal behandeltes Adhs die Komorbiditäten günstig beeinflusst!

Nimmst du gegen dein Adhs Medikamente? Wenn ja: Wie ist dein Eindruck, helfen sie dir?

Ich kenne das was du erlebst sehr gut.
Was hat mir geholfen?
Aktivität
Das meint nicht nur Sport, sondern aktiv an meinen Problemen zu arbeiten, raus aus der Comfortzone, Opferrolle (Selbstmitleid).

Ich habe einige schlimme (lebensgefährliche) Dinge erlebt und mich oft gefragt warum ich? Warum schon wieder? Bis ich verstanden habe, dass ich es aushalten kann, dass ich kein Opfer bin! Das war so befreiend und mein persönlicher Gamechanger.

Ich glaube, das kann jeder! Mein Opa war in Kriegsgefangenschaft und sagte immer: der Mensch kann mehr aushalten als man glaubt.

Es hat mich sehr gestärkt. Zu wissen, es geht in dieser Sekunde vielen Menschen auf der Welt nicht gut und ich habe mich plötzlich nicht mehr alleine gefühlt, sondern mit all diesen Menschen verbunden.

Weiss nicht, ob dir das hilft, mir ist nur wichtig dass du weisst: du bist nicht allein und hast die Kraft in das zu schaffen, was du dir wünschst, um glücklich zu werden.

Ich wünsche dir ganz viel Glück und nur das Allerbeste! :sparkles:

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Hallo @Lea,

Erst danke für deine Worte!

Ich nehme zurzeit medikinet 30mg, escitaloprame 15mg und abends trazodon 100mg.

Glaube selber das die medikation nicht optimal ist, bin fast jeden tag neben der Spur, zu nichts zum gebrauchen.

Was nimmst du zurzeit?

Ja es ist schon zu wissen das ich nicht alleine bin und das es jemanden gibt, wo das genau so nachvollziehen kann! Vielen Dank!

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Was du schreibst, kenn ich. Bis auf die Angst, das war bei mir erst spät ein Thema. Mein ganzes Leben war ein Nonstop von „irgendwo geht immer eine Türe auf“. Nur nicht die letzten vielleicht 12 Monate, da kam ich in einen Stress, der mich fast aufgeben liess. Ich hatte kein Geld mehr, keine Reserven, und begann mich langsam aber stetig zu verschulden. Ab da wurde ich extrem aktiv und hab, so viel es meine Kraft und Energie zuliess, alle Stellen, Ämter und Institutionen beackert. DAS wollte ich mir und jenen, die von mir Geld zugute haben, nicht antun. Das war wohl meine Sackgasse.

Was mir sowohl meine Therapeutin wie mein Psychiater von Anfang an gesagt hatten, ich aber nie, nie zur Kenntniss nehmen wollte: Es braucht Zeit. Geduld. Mit sich, mit anderen. Vor allem mit sich selber. Ich war wütend, unwirsch, zermürbt, verzweifelt, weil es nicht vorwärts ging. Alles kostet(e) Zeit. Und Geld. Und ich sah keine Fortschritte. Zum Glück haben mir beide, Therapeut und Psychiater, immer wieder meine Erfolge quasi um die Ohren gehauen - die ich nicht sah, nicht sehen konnte, nicht sehen wollte.

Mit Escitalopram kam ich nicht klar, bei mir sind es nun 50mg Agomelatin neben Concerta.

Was genau empfindest du denn als Sackgasse? Manchmal starrt man an eine wüste Wand und vergisst vollständig, dass man sich auch wieder mal umdrehen könnte.

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Hey @Sead
ich nehme Elvanse 50mg.
Es wirkt sehr positiv und ich sage immer es ist ein „freundliches“ Medikament, weil es sanft begleitend wirkt :blush:

Medikinet hatte ich früher auch genommen, bis ca 40 mg am Tag, es war für mich auch okay, aber zu schwankend und im Job schwer in den Alltag zu integrieren (Mittagessen für die 2. Dosis war schwierig).

Bitte frag mal deinen Arzt, ob er deinen Medikamentenplan einmal genauer anschauen kann. Eventuell ergänzen sich die Medikamente nicht so wie du es dir wünschst oder brauchst. Wenn du nicht glücklich damit bist, kann man es sicherlich optimieren.

Geduld zu haben mit der Medikamenteneinstellung ist sehr herausfordernd, aber oft notwendig. Die optimale Wirkung hängt oft von so vielem ab, das glaubt man nicht. zB Ein Tag mit wenig Schlaf und am nächsten Tag wirkt das Medikament schon anders.

Die gute Nachricht: all das kann man optimieren, behandeln, neu justieren. Du musst das auf keinen Fall aushalten, bitte vertraue dich da deinem Arzt zeitnah einmal an!

Schreib mal deine weiteren Erfahrungen, ja? Das wäre toll und sehr hilfreich für viele hier. Ich danke dir!

Liebe Grüße & schönen Abend wünsche ich dir :sparkles:

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+1 zu @Lea

Teile deinem Arzt ruhig alles mit. Du kannst dir auch Notizen machen. Da kannst du dann deine Gedanken notieren, Ideen was dir bei der Medikation nicht passt, Alternativen überlegen.

Irgendwo einen Zettel in der Wohnung an eine Tür oder Wand befestigen mit Stift (idealerweise an einer Schnur, sonst fängst du an den Stift zu suchen und weißt nicht mehr was du notieren wolltest - so ging es mir immer wieder).

Smartphone ist natürlich auch eine sinnvolle Möglichkeit für Notizen.

Leider bekommen Ärzte selten Feedback von Patienten, daher keine Angst haben. Ein vernünftiger Arzt freut sich, wenn sein Patient sich Gedanken macht und vorbereitet zum Termin kommt. Da sieht er auch, dass du aktiv dabei bist und er kann dich durch deine notierten Gedanken und einem Austausch besser supporten. :grinning:

Vlt. direkt regelmäßige Termine ausmachen zur Verlaufskontrolle?

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Hallo @Felixyz,

Ich fühle mich einfach das ich in eine Sackgassen bin, die Ängsten und Depressionen lähmen mich so sehr das ich nichts mehr auf die reihe bekomme.

Nicht mal das notwedigste.

Keine ahnug wie ich da rauskommen kann.

Vlg

Hast du einen Therapeuten/eine Therapeutin?
Kannst du das mit deinem Arzt/deiner Ärztin besprechen?

Du bist hier im Forum in guten Händen - die Möglichkeiten dich hier zu unterstützten sind leider etwas gering und beschränkt.

Ich schaff den Alltag erst wieder, seit ich ärztliche und therapeutische Unterstützung habe.

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Ich hatte früher mehrere Gespräch Therapien, die nichts gebracht haben.

Zurzeit bin ich auf der suche nach einem freiem Therapie platz.

Hast du einen Therapeuten gefunden der auf adhs-therapie anbietet?

Lg

Hi @Sead, ich teile mal meine Erfahrung mit einer Therapie:

Meine Therapie diente in erster Linie der Aufarbeitung der Vergangenheit. Auch bei mir starke Depression und Ängste.

Inhaltlich gab es weiter eine Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT), die eigentlich für Borderliner gedacht ist, aber auch für ADHSler gut geeignet. Die DBT habe ich selbstständig fortgeführt. Mein Problem war, dass ich immer wusste auf dem falschen Planeten zu sein, aber die ADHS-Thematik dämmerte im Hintergrund. Dir ist dein ADHS bekannt, damit kannst du alleine schon gut arbeiten und mit Therapeuten noch besser.

Also konnte ich das mit der DBT erlangte Wissen nicht abrufen, da ich nicht weiß wie ich es „speichern“ soll. ADHSler halt.

Wichtig ist eine gute Chemie zwischen Therapeut und dir. Vollkommene Offenheit ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Die Probleme von ADHSlern sind Therapeuten bekannt. Es gibt Therapeuten die ADHS-Patienten direkt ablehnen, da sie sich das nicht zutrauen. Das ist okay und ich würde das ADHS von Anfang an klar kommunizieren.

Du hast in Deutschland die Möglichkeit den Therapeuten in ein paar Stunden erstmal überhaupt kennenzulernen. Diese Gelegenheit würde ich erstmal nutzen, da können beide dann einen Plan ausarbeiten. Er kann da auch einschätzen, in wie fern er dir überhaupt helfen kann oder Kollegen empfehlen, die dich unterstützen können.

LG

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Hi @Pedro,

Wie stark sind deine Ängste und Depressionen ausgeprägt?

Vlg

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Ich hab zu Beginn meiner Therapie alles besser eingeschätzt als es tatsächlich war. Beides trage ich über 10 Jahre mit mir.

Meine Ängste zeigten sich vor allem durch Verdauungsprobleme. Also häufiger Durchfall und Erbrechen, hoher Puls. Mittlerweile bin ich echt entspannt. So Stufe 7 von 10 war am Anfang auf jeden Fall der Fall bei mir.

Bei der Depression war ich auf einer Stufe von 8 von 10. Zeitweise wirklich mit der Tendenz zur starken Verschlechterung. Ich hab mich komplett (sozial) zurückgezogen, Fenster waren wochenlang verdunkelt, gegessen habe ich nur das was ich da hatte und abwechselnd Fressattacken, wenn ich wirklich einkaufen musste.

Meine Ängste sind nun bei 2-4 sowie die Depression nur noch kurzweilig, ich komme da schnell selbst raus. Ich versuche da wachsam zu sein, erst kürzlich wurde ich fast wieder ins schwarze Loch gezogen, nachdem ich sie Dreck behandelt worden bin und die Selbstzweifel kamen wieder auf.

LG

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Du bist nicht allein.

Ich leide seit über fünfzehn Jahren an Depressionen, meine Ängste machen es unmöglich zum Beispiel Bus oder Zug zu fahren, Panikattacken kommen noch dazu, sobald ich Kontakt mit einer Institution habe.

Mein Alltag ist auf das allernotwendigste reduziert. Was mir hilft, ist dieses Forum hier, ein Lichtblick seit langem.

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Hallo @Pedro,

Mit was hast du es geschafft die Depression und ängste zu reduzieren?

Vlg

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Hallo @Seven,

Es ist schön zu lesen das ich nicht alleine bin, wünsche mir aber das keiner mit der krankheit leben muss.

Hast du einen geregelten Alltag?

Ich ziehe mich immer tiefer zurück und schaffe nichts mehr, so bald ich aufstehe und was machen möchte, kommt so art schwindel und Angst.

Wie ist es bei dir?

Vlg

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Hallo @Lea,

Wie schaffst du es aus deine comfortzone an problemen zu arbeiten?

Ich selber bin wie eingefroren und alles macht kaum Sinn!

Was hilft dir das zu überwinden?

Vlg

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Wenn du mit geregelt meinst, dass ich morgens aufstehe und dann sinnvolle Dinge tue, dann nein. Ich habe gerade jetzt in der dunklen Zeit keinen echten Tag-Nacht-Rhythmus. Am liebsten würde ich immer schlafen oder zumindest im Bett liegen, wo mir keiner was kann, wo es schön warm und vor allem still ist.

Was mir hilft, ist nicht so einfach zu bestimmen. Manchmal ist es mein Mann, der irgendeinen flachen Witz macht, damit ich wenigstens mal lache. Manchmal spüre ich tief in mir den Rebell, der sich gegen all das aufbäumt. Dann fehlt mir zwar oft die Kraft, aber der Funke ist da. Im Moment hilft mir viel ,hier zu lesen und zu schreiben.

Ich komme immer wieder zu der Erkenntnis, dass ich viel gewinne, wenn ich das ADHS eindämmen kann, dann wird automatisch die Depression besser, ich kann mich auch mal einer Situation stellen, die mir eigentlich Angst macht.

Ich kann deine Verzweiflung nachfühlen. Aber sieh es doch mal so - allein die Tatsache, dass du Hilfe suchst und eine Lösung finden willst, die deine Situation verbessert, ist ein sehr, sehr gutes Zeichen. Du müsstest dich selbst erstmal sehr dafür loben, dass du diesen Versuch hier machst. Das ist toll!

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Dito! Das war und ist bei mir die geilste Erkenntnis gewesen. Die Medis helfen mir da.

Was mir bei der Depression geholfen hat:

Gedankengänge langfristig ändern, auf innere Bedürfnisse achten (Stichwort „Achtsamkeit“), Sonnenlicht und Bewegung, Freunde sehen (da reicht es sich privat zu treffen) und um Hilfe bitten (so ein typisches Problem von ADHSlern), lernen „Nein“ zu sagen, Bücher lesen, Aktivität wiederentdecken welche mir in der Kindheit gefielen, Gewohnheiten ändern (kann da das Buch „Die 1 % Methode“ empfehlen, gibts auch als Hörbuch - ich empfehle die anfängliche Selbstbeweihräucherung des Autors zu überspringen), Grünpflanzen in der Wohnung haben und pflegen, statt Grübeln die Sachen aufschreiben und zur Seite stellen, verstehen dass man selbst nicht die Depression ist, sondern sie ein Teil von einem ist, die mal mehr, mal weniger präsent ist.

Bei den Ängsten hat mir geholfen zu verstehen, dass unsere Ängste auf schlechten Erfahrungen basieren -es aber auch sehr schöne Erfahrungen geben kann. Dass Ängste eine natürliche Abwehrreaktion zum Selbstschutz sind ist auch wichtig zu verstehen. Diese schlechten Erfahrungen gilt es herauszuarbeiten um sie endlich zu verarbeiten um ein Verständnis zu haben, was da passiert ist um die Angst nicht auf alles zu übertragen.

Ängste machen dennoch oft keinen Sinn und verhindern schöne Erfahrungen. Wenn man sich traut neue Erfahrungen zu machen, verinnerlicht man: War doch gar nicht so schlimm. Hat mir sogar gefallen. Wieso habe ich mir diese Gedanken überhaupt gemacht?

Mit all diesen Sachen wurde bei mir schrittweise der Gedankengang, der zu Ängsten und auch Depressionen führte, überarbeitet. In der Therapie habe ich auch viel über meine Ängste gesprochen.

Ich stelle mir daher oft die Frage: Ist meine Angst begründet und bringt sie mir einen echten Nutzen?

Wie oben, ADHS macht unseren Kopf zu einem riesigen Ballast. Die Depression und Ängste stammen von da. Unsere atypischen Gehirne sind damit überfordert. Die Medikamente helfen mir die therapeutischen Erkenntnisse eher abzurufen und das Gehirn etwas normaler (leichter) zu machen.

Antidepressiva habe ich komplett abgelehnt, bis es mir paar Monate vor meiner ADHS-Erkenntnis wieder so schlecht ging, dass ich keinen anderen Ausweg kannte und Antidepressiva erhielt (Citalopram ohne Wirkung, Venlafaxin mit deutlicher Verschlimmerung der Depression). Meine Erfahrungen mit Antidepressiva kann man aber nicht auf andere Personen übertragen.

Vielleicht regt dich das alles an und hilft dir deinen Weg zu finden. Jeder ist anders und das ist auch gut so.:grinning:

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