ADHS + (Autismus-Verdacht) + Burnout – hilft Guanfacin bei Regulation?

Hallo zusammen,

ich würde mich sehr über eure Erfahrungen freuen, da wir gerade unser weiteres Vorgehen überdenken.

Wir haben zwei Töchter (6 Jahre) mit ADHS-Diagnose, zusätzlich besteht ein Autismus-Verdacht. Seit etwa Dezember sind beide im Burnout, daher haben wir aktuell keine weitere Diagnostik vorangetrieben.

Im Alltag stehen bei beiden weniger Konzentrationsprobleme im Vordergrund, sondern vor allem:

  • starke emotionale Dysregulation (Wut, geringe Frustrationstoleranz)

  • große Schwierigkeiten bei Übergängen

  • hoher Rückzugsbedarf

  • Überforderung in neuen/sozialen Situationen

In guten Phasen sind beide aber kontaktfähig, spielen miteinander und nehmen auch an Aktivitäten teil (z. B. Schwimmen, Reiten) – allerdings nicht stabil. Beide sind seit Dezember nicht mehr im Kindergarten.

Wir haben Methylphenidat (Medikinet/Ritalin, auch niedrig dosiert) ausprobiert, mit eher ungünstigem Effekt:

  • keine klare Verbesserung

  • teilweise mehr Reizbarkeit und weniger Flexibilität

  • Zusätzlich traten Tics auf (Grunzen, Räuspern)

Aktuell sind beide ohne Medikation. Wir sehen etwas mehr Eigeninitiative, aber weiterhin deutliche Probleme mit Regulation und Übergängen.

Gemeinsam mit unserer Psychiaterin starten wir jetzt einen Versuch mit Guanfacin (Intuniv), später ggf. Kombination mit Elvanse oder Attentin.

Meine Fragen:

  • Hat jemand Erfahrung mit Guanfacin bei Kindern mit ähnlichem Profil (AuDHS, bei denen v. a. Regulation das Thema ist?

  • Wie lange hat es gedauert, bis ihr eine Wirkung bemerkt habt?

  • Hat es euch bei Wut, Übergängen oder Belastbarkeit geholfen?

  • Hat jemand später erfolgreich mit Stimulanzien kombiniert?

Wir haben das Gefühl, dass bei unseren Kindern eher das Nervensystem/Überforderung im Vordergrund steht als klassische ADHS-Symptomatik.

Vielen Dank euch!


Habt ihr Medikinet als sofort freisetzende Tablette oder als retardierte Kapsel mit Kügelchen versucht?

Habt ihr Ritalin als Tablette sofortfreisetzend probiert oder Ritalin LA Kapsel mit Kügelchen?

Nur weil es der selbe Wirkstoff ist ist gerade bei Retardkapseln/ Retardmedikamenten die Wirkung wegen der verschiedenen Retardierungen durchaus sehr verschieden und es hat bei mir selbst einen extremen Unterschied gemacht Ritalin oder Medikinet zu nehmen.

Ich bin selbst auch eger deutlich impulsiv, unruhig, hektisch, schnell gereizt gewesen etc. und nicht wie bei ehemals Ads nur „nur verträumt und defensiv“. Ich war eher immer laut nach vorne gegen etc. Ich kam deshalb mit Medikinet nicht zurecht weil es zumindest zwischen den Wirkphasen und auch im Rebound (Wirkende) das ganze negativ deutlich verstärkt und noch viele andere Dinge ausgelöst hatte.

Für mich könnte was ihr beschreibt auf ein falsches Präperat hindeuten und zusätzlich das es ggf. auch unterdosiert war, denn unterdosierte Symptome (Nebenwirkungen) sind viel schlimmer als überdosiert.

Wenn ich Medikinet als Retard (veränderte Wirkstofffreisetzung) so reagiert hat macht es Sinn Ritalin auszuprobieren oder umgekehrt. Zudem gibt es auch noch Concerta und Kinecteen und ich meine beide haben auch noch Generika für Methylfinidat oder man könnte auch einen Wirkstoffwechsel mit Elvanse (Handelsnahme) mit Lisdexamfetamin probieren und für Kinder ist auch Attentin zugelassen und ist wenn ich es richtig verstanden habe im Grunde nach der gleiche Wirkstoff wie bei Elvanse nur in einer anderen Verarbeitungsstufe. Lisdexamfetamin muß erst im Körper umgewandelt werden und hat den Peak nach 4,5 std Attentin muß nicht umgewandelt werden sondern kann direkt voll anfluten und hat meist weniger Nebenwirkungen als Elvanse sofern ich das richtig verstanden habe.

ich verlinke mal diesen Beitragl

hier noch ein Beispiel

Ich hab mal 2 Beispiele verlinkt die ggf. besser nachvollziehen lassen was empfunden wird/ wie sich eine Unterdosierung zeigen kann und das es schon unangenehm ist.

Zu Guanfacin kann ich nichts beitragen.

Da ihr aber 2 Kinder habe und noch am Anfang seit könnte diese Wissen auch zukünftig unterstützen

Danke dir für deine Rückmeldung. Wir haben sowohl Medikinet unretardiert/retardiert als auch Ritalin retardiert versucht. Bei allen traten sofort heftige Reaktionen nach ca. 45-60min auf, starke Wutausbrüche und stark reduzierte Frustrationstoleranz während der gesamten Wirkdauer.

Zudem haben wir beobachtet, dass die Mediennutzung unter Medikation nochmal stärker wurde und die Übergange weg vom Tablet kaum möglich wahren. Erst als wir MPH abgesetzt haben bestand wieder Interesse an anderen Aktivitäten und auch sozialer Interaktion mit weiteren Kindern.

Und bei welcher Dosierung?

Ich hab irgendwie noch mehr das Gefühl das die Dosis jeweils zu niedrig gewesen sein könnte…

U d über welchen Zeitraum habt ihr es versucht?

Mir fehlen trotzdem irgendwie diese Informationen.

Wenn MPH wirklich nichts ist, gibt es immer wieder so wie auch von Lisdexamfetamin (Elvanse) bzw. Attentin ist Dexamfitamin und auch zugelassen. Darüber haben wir schon mehrfach in SHGs gesprochen- einige kommen nicht mit PH zurecht dafür dann gut mit Elvanse und wenn das nicht so optimal läuft oder zu kurz wirkt kannst du im Forum nachlesen passt Attentin auch gut zum Verlängern.

Bei mir ist halt Lisdexamfetamin nichts für mich und MPH mit Ritalin passt.

Entsprechend ist es definitiv den Versuch mit einer Umstellung werden.

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Die Nebenwirkungen traten bereits bei 1,25 mg (also eine Viertel Tablette) auf und wurden immer schlimmer je höher wir gegangen sind. Als wir wieder abgesetzt haben hat sich das alles wieder beruhigt. Wir haben jetzt fast 8 Wochen mit der Dosierung gespielt und wechseln jetzt zu Guanfacin.

Denke Lisdexamfetamin ist dann die weiter Option die wir vlt. ergänzen.

Hallo, Bei Ritalin LA, Medikinet retard und Methylphenidat unretadiert hatte mein Sohnes damals auch heftige Wutausbrüche, Angst usw. Ich denke es lag an der Freisetzung 50/50…war zuviel für ihn. Ihr könntet Methylphenidat mit einer anderen Freisetzung versuchen. Bei uns klappt Equasym 30/70 Freisetzung gut. Ist nicht zu stark für ihn. Er ist auch 6. Der Kinderarzt hat sich damals gewundert, dass er das gut verträgt, obwohl der Wirkstoff gleich ist. LG

Hallo, gibt es wirklich Medikamente, die bei emotionaler Regulation helfen? (Die kein sedativum sind? Was eher gleichgültig macht.)

Vielleicht werden sie wütend, weil es sich komisch anfühlt? Ich hatte auch die ersten Wochen Ritalin LA das Problem, dass durch die ungewohnte Konzentration, ich noch weniger aufhören wollte das zu tun, was mir gerade leicht fällt (Medien schauen z.B.)

Wie @Mina1234 schreibt, könnte ihnen der Anstieg zu heftig sein. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich mit 20 mg Ritalin LA gut zurechtkomme, aber es nicht morgens nehmen kann, sondern erst 10 mg, dann 20, dann später nochmal 10, damit es langsam rausgeht und kein Rebound kommt. (4,5 h Abstände bei mir) Aber die Stimmung schwankt mit der Wirkung.

Ich bin die vielen Kapseln leid und versuche zur Zeit Elvanse. Ich hoffe auf weniger Schwankungen. Eindosieren ist blöd, der Körper muss sich gewöhnen und zu wenig Wirkstoff (20) macht so extrem viel Frust bei mir, bin nach der Hälfte des Tages kaputt und gereizt, aber 40 ist gerade gut erträglich.

Was ich sagen will: es ist so extrem dosisabhängig, wie es einem geht mit einem Wirkstoff und zu wenig kann manchmal sehr schlimm sein.

Erinnert mich an meinen ADHS Sohn - bei ihm keine AuDHS/ASS Diagnose.

Die emotionale Dysregulation ist ja echt total ADHS typisch - würde das sogar ein Kernsymptom nennen.
Überforderung kann auch einfach an zu vielen Reizen liegen und ähnlich kann das auch bei Übergängen sein. Anschließend ist Rückzug und Ruhe nötig.

Klar kanne es noch immer AuDHS sein, aber das tut wenig zur Sache aktuell. Wichtiger wäre momentan die Medikation richtig einzustellen und sonstige Therapien zu starten, die helfen.
Weitere Diagonstik kann man dann noch immer machen.

Warum gehen sie eigentlich nicht mehr in den Kindergarten? Ich bin ein Fan von Routinen und ja auch vom KiGa.

Schule steht auch demnächst an: Ich würde dir wirklich Ergotherapie mit Schwerpunkt „fit für die Schule“ an’s Herz legen. Vor allem das feinmotorische Arbeiten für das Schreibenlernen gut vorbereiten. Auch falls deine Kinder gerne zeichnen, das war bei uns ein Riesenthema. Ich wünschte wir hätten das bei meinem Sohn rechtzeitig gemacht. Er hat immer sehr gern gezeichnet und macht es noch heute, dennoch war das Schreibenlernen echt eine Katastrophe und ist bis heute (9 Jahre) echt sehr schwierig…

Verstehe ich nicht. Überforderung des Nervensystem = ADHS => ADHS Symptome
Insoferne…

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Danke dir für deine Rückmeldung. Ja, hast du Recht. Mein Punkt war, dass die beiden weniger Probleme mit Fokus oder Impulsivität haben sondern eher mit der Frustrationstoleranz.

ok, aber das ist an sich auch typisch für ADHS :wink:

Fokus/Konzentration ist interessant auf Dinge, die sie nicht machen wollen. ADHS-ler können sich an sich durchaus gut konzentrieren, wenn sie etwas machen wollen oder gerne machen.

Interessant. Ich hätte das jetzt eher zum ASS gezählt und nicht ADHS. Reize sind doch auch ein typisches Thema für ASS. Für mich ist ADHS vor allem Impulsivität, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitslenkung, also auch Ablenkbarkeit, Exekutivprobleme, Lernprobleme.

Borderline, Ptbs… aber ja kommt auch bei ADHS und ASS vor.

ADHS ist vor allem auch ein Problem Reize zu filtern. Das führt zu einer Überreizung.
Und Impulsivität sowie auch Probleme mit Impulskontrolle etc. ist ganz typisch für ADHS.

Und ja, da gibt es Überschneidungen teils auch mit ASS von den Symptomen her.

Deswegen nimmt man als Doppeldiagnosler ganz viel Medi um den Reizfilter aufzubauen und macht dann nur noch eine Sache und nichts anderes mehr außer dieser einen Sache um sich vor dem ganzen Rumgereize zu schützen bzw. davon zu beruhigen. :upside_down_face:

Naja ein bisschen Wahrheit steckt da glaube ich schon drin. :thinking:

Die Kunst ist dann die Mitte zu finden, wo es sich die Waage hält mit der Dosis, zwischen noch anderes zu machen und nicht nur noch eine Sache. :yin_yang:

Ein Trick gibt es auch noch glaube ich, LDX und MPH beides zu nehmen, zu den passenden Tageszeiten, je nachdem was man gerade brauch. :thinking:

LDX wirkt glaub besser bei ADHS… kann mich natürlich täuschen.

Übrigens zur Mediennutzung:
Vorschüler und vor allem solche mit ADHS Neigung oder gar Diagnose - da empfehle ich wirklich uns ernsthaft kein Tablet und vor allem kein Smartphone. Das ist generell Gift für so junge Kindergehirne. Kinder in dem Alter brauchen Haptik und echte Eindrücke und keine glatten Bildschirme, wo man stupides Doomscrolling betreibt.

Für mich schlimm genug, wenn man ab 10 Jahren eh nimmer auskommt vor den Kasteln…

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Da würde ich mir tatsächlich Gedanken machen wenn man nur noch Negative Nachrichten durchblättert und warum das ein Kind überhaupt macht. Hat ja was mit u.a. Kontrollverlust erleben im Umfeld vermutlich zutun. Kann natürlich auch was anderes sein.

Das war übertrieben von mir. Aber um es kurz zu machen, mir fällt kein Grund ein, außer paar mal im Jahr eine lange Autobahn zum Videoschauen (asolute Ausnahme), dass man seinem Vorschulkind ein Tablet in die Hand drückt.
Und was generell die modernen Medien mit einem ADHS-Hirn bezüglich Dopamin machen, muss man hier im Forum ja auch nicht darlegen :wink:

Muss aber sagen, ich bin da schon streng (sehen andere vielleicht anders). Nur ich glaube daran, dass es gut für’s Hirn ist. Der ganze Rotz kommt eh noch viel zu früh… bei meinem 12-jährigen habe ich fast täglich Diskussionen rund um die Medien. :face_vomiting:

https://polypad.amplify.com/ :+1:

Hab obiges noch nicht getestet. Denke vielleicht ein gutes Argument mit dem Kind zusammen ein Tablet zu nutzen. :thinking:

Draußen Rumdollen ist trotzdem beste, da gebe ich dir definitiv Recht. Sollte ich auch mal wieder. :grin:

Na, ich bin sicher mathematisches Talent fördert man ganz anders, als am Bildschirm rumzuwischen - zumindest nicht in dem Alter. Später kann es natürlich sehr interessant sein in mathematischen Programmen mit Funktionen zu spielen etc.

Das sollte man sich alles zuerst mal Pen and Paper mäßig oder halt über diverse Spiele in der echten 3D Welt erspielen. Alles in der echten Welt, hilft in meinen Augen auch echt enorm für die Raumvorstellung und in weiterer Folge dem abstrakten Denken… Erst wenn das Gehirn weit genug ist, kann sicher der Computer ein sehr hilfreiches Mittel sein.

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