Helfen wollen die meisten bestimmt, davon gehe ich aus. Vielleicht hatte sie auch versucht dir so etwas in der Richtung zu sagen, dass du dich nicht zwingen musst, dass du die Wahl hast, dass du dir nicht irgendwelche Pflichtgefühle einreden sollst.
Wenn es echt nur noch zwei Arbeiten sind, da würde ich aber sagen: „Ran an die Bouletten, so kurz vorm Ziel!“ Die Arbeiten müssen ja vielleicht nicht mal besonders herausragend sein. Vielleicht gibt es bei dir an der Uni auch Studenten, die so etwas wie praktische Hilfe oder Coaching anbieten, z.B. in der Fachschaft. Ich hatte das damals auch gemacht, solche Fast-Fertig-Kandidaten noch über den letzten Meter durchgezogen. Das habe ich sehr gern gemacht.
Das verschulte Bolognastudium hatte mich leider sehr enttäuscht und war für mich sehr anstrengend. Die Anwesenheitslisten, die Referate, Powerpoint allüberall, die Lehrevaluationsbögen aus Papier, die ich alleine nicht ausfüllen konte … Man wurde da so robotisch unpersönlich durchgeschoben, von Modul zu Modul, Stoff schön kleinteilig zueinander abgegrenzt in mundgerechten Häppchen. Gleichzeitig stand dann aber auch dieses „objektive“ und „gerechte“ Benoten so im Vordergrund, damit auch ja niemand einen Vorteil oder so etwas dabei hat. Dass diese unflexible Art der Durchreglementierung mir mit meinen Einschränkungen Nachteile bringt und das erarbeiten von Workarounds erschwert, da haben die Kultusleute wohl nicht dran gedacht. Der Prof für psychologische Diagnostik war übrigens der schlimmste von allen, richtig fanatisch besessen von Dingen wie Leistungsmessung. Und durch seine schnöselige eingebildete Art lag ihm ein großer Teil des Jahrgangs zu Füßen.
Das klingt jetzt vielleicht schwurbelig, aber ich lerne ganzheitlich, in die Tiefe, vernetzt, assoziativ. Die Dozenten, mit denen ich versucht hatte, darüber zu sprechen, hatten es einfach nicht kapiert und dachten immer, man müsse den Stoff noch leichter und kleinteiliger machen, bulemietauglicher. Das war kompletter Quatsch. All das hat nur dem Mittelmaß und den braven lebenslangen Musterschülern genützt. Ans Studium werde ich wohl keine verklärten Erinnerungen entwickeln. An einer Uni will ich an intellektuellen Herausforderungen scheitern und nicht an Organisatorik oder kalter Distanz. Vielen Dank auch.
All das ist mit ein Grund für meine Hemmungen, mich noch einmal in eine „Bildungsanstalt“ zu begeben, mich dem auszusetzen. Die Abschlussarbeiten waren mit Abstand die angenehmsten und interessantesten Phasen für mich. Der Rest dazwischen war zermürbend.