ADHS Diagnostik und Depression

Hey, ich hoffe, ich habe das richtige Unterforum gewählt. Das Thema ist n bisschen Mischung aus Depression und ADHs, wenn das hier nicht gewünscht ist , dann könnt ihr den Beitrag auch einfach löschen.

Ich hatte eigentlich mein ganzes Leben lang das Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmt. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass viele Symptome von ADHS auf mich zutreffen. In dem ADHS-Test hier kam ich auf 32 von 43 Punkten. Allerdings hat sich bei mir inzwischen auch eine schwere Depression entwickelt. (Differentialdiagnostik Test 12/15)

Mein Problem ist, dass ich glaube, dass sich die Depression schleichend aufgrund der ADHS-Symptomatik entwickelt hat und mit der Zeit immer schlimmer geworden ist, bis zu dem Punkt, dass ich aktuell nicht mehr arbeiten kann.

Vor zwei Wochen habe ich mich dann kurzfristig entschieden, noch am selben Tag zu einer Psychotherapeutin zu gehen. Dort wurde eine Verdachtsdiagnose auf eine schwere Depression gestellt und ich habe direkt eine Überweisung für einen stationären Aufenthalt bekommen.

Im Gespräch sowohl mit dem Klinikarzt als auch mit der Psychotherapeutin wurde auf das Thema ADHS kaum eingegangen. Die Psychotherapeutin meinte nur, dass es durchaus sein kann, aber schwer zu differenzieren ist. Der Klinikarzt sagte lediglich, dass es egal sei, was ich habe und dass sie einfach dafür sorgen wollen, dass es mir besser geht.

Das hat mich ehrlich gesagt ziemlich überfordert. Seitdem frage ich mich ständig, ob es überhaupt sinnvoll ist, den stationären Aufenthalt anzutreten. Denn wenn tatsächlich ADHS vorliegt und die Depression nur ein Symptom beziehungsweise eine Folge davon ist, würde eine reine Behandlung der Depression das eigentliche Problem ja nicht lösen und die Symptome könnten wieder zurückkommen. Auch hat es sich bei beiden so angefühlt, als wäre Stempel drauf Depression die einfachere Option und so etwas wie eine ADHs Diagnostik auch gar nicht gewollt

Ich war danach so verzweifelt, dass ich ein illegales Äquivalent zu einem ADHS-Medikament genommen habe und mich plötzlich “normal” gefühlt habe Natürlich kann das aber auch Placebo gewesen sein, weil ich mir einfach wünsche, eine Erklärung für all das zu haben.

Naja genug der Umstände und zu meiner eigentlichen Fragen. Ich habe die Mal etwas unterteilt.

  • Wie wird überhaupt unterschieden zwischen den zwei Erkrankungen, wenn sich soviel überlappt?
  • Ist es so, dass Psychiater entweder kein richtiges Label geben wollen oder sich auf dem offensichtlichen festlegen?
  • Ist es überhaupt möglich eine ADHS Diagnostik über die Kasse zu bekommen. Als ich geschaut hatte, hieß es überall 24 Monate Wartezeit außer bei den online Anbietern.
  • Taugen online Anbieter für ADHS Diagnostik etwas?

Fragen für Menschen, die vlt auch die Kombi hatten und Erfahrungen dazu haben:

  • Wird bei stationärer Psychotherapie überhaupt auf Diagnose geachtet oder geht es da nur darum, dich so schnell wie möglich wieder arbeitsfit zu machen?
  • Macht es trotzdem Sinn erstmal medikamentös gegen die Depression vorzugehen, oder sollte ich mich erstmal auf die Diagnostik und Behandlung von ADHS konzentrieren?
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Herzlich willkommen devhog hier im Forum. Deine Verzweiflung ist verständlich, wirklich eine unschöne Situation, in der du steckst. :people_hugging:

Zu deinen Fragen:

ADHS ist eine Art, wie dein Gehirn seit Geburt funktioniert. Die Symptome müssen daher seit Kindertagen auftreten. Eine Depression ist ein zeitlich begrenzter Zustand, für den es ein Vorher und ein Nachher gibt (ja, auch ein Nachher, auch wenn man das, wenn man gerade in der Krise steckt, nicht glauben kann :four_leaf_clover:).
Unbehandeltes ADHS kann durch die entstehende chronische Überlastung in eine Depression führen.
Ein Psychiater bzw. Psychologe, der sich mit ADHS auskennt, kann beide Erkrankungen durch ausführliche Befragungen und Testungen unterscheiden.

Ja. Wenn du den Verdacht „ADHS“ mit in die Klinik nimmst und dort ausführlich über deine Symptome berichtest, müssten die dort eine Diagnostik mit dir machen, sofern einer der Behandler ADHS-kompetent ist. Falls es dort nicht die notwendige Expertise gibt, kannst du als Selbstzahlerin bei einem niedergelassenen Fachmenschen eine Diagnostik durchführen lassen. Näheres siehe z.B. hier.

Das kann ich dir nicht beantworten - es gibt hier im Forum jedenfalls einige gute Erfahrungen. In der Regel findet sich aber als Selbstzahlerin ein Real-World Fachmensch mit Wartezeiten von weniger als 8 Wochen, wenn man ausführlich rumtelefoniert. So dass ein Ausweichen auf Online gar nicht nötig ist.

Machst du einen stationären Aufenthalt oder eine Reha?
Bei ersterem geht es um Stabilisierung und kurzfristig eine Besserung deiner Depression zu erreichen, so dass du nach dem Aufenthalt aus eigener Kraft ambulante Behandlungen weiterführen kannst zur Ausheilung der Erkrankung.
Bei letzterem geht es um Wiederherstellung deiner Arbeitsfähigkeit, was letztlich bedeutet: Fest zu stellen, ob du mind. 15 Stunden pro Woche arbeitsfähig bist und wenn ja, wie viele Stunden und ob es ggfs. weitere Einschränkungen für deinen Arbeitsplatz gibt.

Auf jeden Fall macht es Sinn, deine schwere Depression zu behandeln! Geh in die Klinik, lass dich auf Antidepressiva einstellen, nimm jedes Hilfsangebot in Anspruch, was dir angeboten wird! Physiotherapie, Ergotherapie, Selbsthilfegruppe, Psychotherapie - alles sinnvolle Bausteine :+1:
Die Depression steht zur Zeit im Vordergrund und wird daher auch primär behandelt - da gebe ich dem Klinikarzt recht. Parallel kann eine ADHS Diagnostik laufen (Klinik oder danach selbst organisiert ambulant) und bei positivem Bescheid therapeutisch behandelt werden. Das beißt sich nicht mit der Depressionsbehandlung.

Es klingt so schön: Mein unerkanntes ADHS ist die Ursache meiner Krankheit - wird das ADHS behandelt, geht es mir endlich gut! Da muss ich dich leider enttäuschen: Für die allermeisten ADHSler geht das in dieser Linearität nicht auf…Viele haben auch weiterhin mit Komorbiditäten zu kämpfen. Es kann aber deutlich leichter werden mit dem Wissen um die eigene Neurodivergenz und eine wirksame Behandlung.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Depressionen gehen nicht weg, nur weil man Stimulanzien nimmt.

Ich wünsche dir den Mut der Verzweiflung, in diese Klinik zu gehen und dir in dieser schweren Krise helfen zu lassen. :people_hugging:Vertraue deinem Gefühl, dass ADHS bei dir vorliegen könnte und bleibe hartnäckig, bis du eine Testung durchlaufen hast. :four_leaf_clover:

Berichte uns gerne, wie es bei dir weitergeht.

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