ADHS‘ler, mit 8 Jahren immer noch nicht zuverlässig sauber und trocken?

Hallo Martina,

ich bin ganz neu im Forum und habe beim Durchsehen Deinen Beitrag entdeckt. Ich kann Dir zu dem Thema von meinen Kindern berichten.

Mein Sohn (jetzt 17) und meine Tochter (jetzt 15) haben beide ADHS, genauso wie ich selbst. Beide haben keine Medikation bekommen, da der leibliche Vater dagegen war, daher habe ich keine Erfahrung, ob die ADHS-Mediaktion darauf einwirken kann (auf die Körperwahrnehmung könnte ich mir vorstellen).
Bei beiden war das Einnässen ein ewiges Thema (Einkoten nicht, da liegt der Fall bei Euch etwas anders).

Mit meinem Sohn bin ich mit 5 zum ersten Mal zum Kontinenzzentrum überwiesen worden, weil er sich im Kiga ständig eingenässt hat und auch nicht Nachts trocken wurde (ADHS-Diagnose bekam er erst mit 9 und auch dann habe ich über Zusammenhänge zum Einnässen nur über eigene Recherche erfahren und erstmal nicht von den Ärzten). Zu diesem Zeitpunkt hatte er ein zu kleines Blasenvolumen (konnte 50-60 ml halten, bei deiner Körpergröße hätte er ca 170/180 ml halten können müssen). Also hat er Medikamente bekommen, um das Blasenvolumen zu vergrößern. Über die Zeit war das Volumen irgendwann wo es sein sollte, also haben wir diese Medikamente abgesetzt. Eingenässt hat er sich aber weiter. Ich fasse den Rest mal kurz zusammen, er hat bis er fast 16 war Nachts Windeln getragen (mit fast 1.90m, Erwachsenenwindeln) . Wir sind nach ein paar Jahren Pause und sinnlosen Versuchen mit Klingelhosen, Aufwecken etc wieder zum Kontinenzzentrum gegangen und haben 2 verschiedene Medikamente ausprobiert, wobei das 2. dann in Höchstdosierung mal geholfen hat, dass er Nachts trocken blieb. Kurz bevor er 16 wurde haben wir es geschafft das Medikament wieder auszuschleichen und er bleibt seitdem trotzdem Nachts trocken. Allerdings muss ich sagen, dass ich von ihm grundsätzlich 3-4x so viele Unterhosen in der Wäsche haben, als von allen anderen Mitbewohnern. Er sagt, dass er immer noch ein bisschen in die Hose macht, wenn er nicht super zeitig zur Toilette geht, wobei er das glaube ich auch rauszögert bzw. aufgrund seiner etwas schlechten Körperwahrnehmung einfach zu spät merkt. Aber er kommt zurecht. Der Arzt im Kontinenzzentrum hat mir als er 13/14 war gesagt, dass es sich irgendwann „rauswächst“ und dass das dauern kann, bis er 18 oder 20 ist. Bzw. entwickeln die Kinder in dem Alter dann Strategien. Das Ganze hat wohl mit der grundsätzlichen Entwicklungsverzögerung zu tun, durch die auch ein bestimmtes Hormon, das dafür sorgt, dass man Nachts weniger Urin produziert, erst später beginnt im Körper produziert zu werden.
Bei meiner Tochter war es so, dass wir da auch im Kontinenzzentrum waren (aber ja schon etwas im Thema). sie auch das Medikament zur Vergrößerung des Blasenvolumens bekommen hat, auch nicht dadurch trocken wurde und sie kurz vor ihrem 10. Geburtstag Nachts trocken wurde.

Alles in allem kann ich Dir aus meiner Erfahrung sagen, dass Trainings und solche Sachen nicht bringen. Die Situation ist für die Kinder selbst schon schlimm genug, das ständige rumreiten auf dem Thema noch mehr. Und sie können es einfach nicht, bis ihre Entwicklung so weit ist. Und Dein Sohn ist „erst“ 8.

Du hast mein allergrößtes Verständnis dafür, wie schlimm die Situation ist (ich musste jeden Morgen zwei Betten abziehen, beide Kinder untenrum duschen, Betten wieder beziehen ,immer Wechselsachen dabei haben… ich fühle wirklich mit Dir). Während man in der Situation ist, ist es auch extrem schwer nicht ständig nach etwas zu suchen, was man machen kann oder wie man das Thema zu einem Ende bekommt. Und mit den Ärzten im Gespräch darüber zu bleiben, ob es Möglichkeiten zur Unterstützung gibt(notfalls vielleicht auch später mal medikamentös) ist super, aber meine persönliche Erfahrung sagt mir, dass man die Kinder dabei nur begleiten und unterstützen kann durchzuhalten, bis es besser wird. Ich habe mich zB viel zu oft darüber aufgeregt und immer wieder irgendwas ausprobiert, gemeckert, dass sie es nicht hinbekommen und das hat uns alle nur wahnsinnig gestresst und nichts besser gemacht. Heute wünsche ich mir, ich hätte sie nicht so mit dem Thema „drangsaliert“. Damit meine ich natürlich nicht, dass Ihr als Eltern das auch macht, das ist nur meine Geschichte dazu.
Also, nach ewig viel Text (sorry), ist mein Fazit: es kann wirklich dauern, bis das Problem verschwindet…

Viele Grüße, Sonja

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Herzlich willkommen im Forum, @Sonja0 !

Danke, dass Du Deine Erfahrungen so detailliert teilst - das muss ja unendlich mühsam für euch alle gewesen sein… Ich kann nur zu gut verstehen, dass man da jahrelang herumnörgelt und alles ausprobiert was helfen könnte.

Hier im Forum gibt es immer wieder verzweifelte Eltern, die zu dem Thema Rat suchen - aber von den Tabletten höre ich jetzt zum ersten Mal. Schön, dass dadurch eure Tochter schon recht früh das Problem los wurde.

Hoffentlich lesen das hier viele und können es ggf. weitergeben, damit andere Eltern zumindest mal danach fragen können oder prinzipiell schonmal davon gehört haben, dass es eine gute Sache sein kann, wenn es ihnen angeboten werden sollte.

Hallo,
wir hatten ein sehr ähnliches Problem mit unserem Sohn.
Habe dann an 2 Tagen hintereinander ein Blasentagebuch geschrieben (Wochenende). Dazu eine Flasche pro Tag zum trinken herrichten und ev. Maßlinien drauf zeichnen. Nach jedem trinken eintragen wie viel getrunken wurde. Nach jedem Pipi messen, wie viel gemacht wurde. Habe meinen Sohn einfach in eine Flasche machen lassen, wo auch Maß Markierungen drauf waren (oder Nachts bzw. am Morgen die Windel wiegen). Nach 2 Tagen kann man sehen, was die maximale Menge des Blasenvolumens war und kann beurteilen, ob es altersentsprechend ist. War bei unserem Sohn sehr klein. Zusätzlich haben wir gesehen, dass, wenn er nach 18:00 Uhr noch etwas getrunken hat, er um ca. 23:00 Uhr in die Windel machte. Er darf seitdem nach 18:00 Uhr nichts mehr trinken und es wurde viel besser! Er schläft seither durch und schafft es bis zum Morgen. Falls er doch mal später trinken muss, weil er zb Sport hatte, dann ziehe ich ihm einfach eine Windel an.
Das Problem mit dem einkoten kannst du mal mit Belohnungen probieren! zb für jedesmal wenn es im Klo ist, darf er aus der Schatzkiste eine Kleinigkeit aussuchen. Auch sollte das Kind einen Hocker beim WC haben für die Füße und vielleicht eine tolle Zeitschrift/Buch zum ansehen. Man kann auch versuchen, das Kind jeden Tag zur gleichen Zeit auf Klo zu setzen (zb nach dem Frühstück). Hat bei uns aber nichts gebracht, er war ein Klo Verweigerer, er wollte einfach nichts verpassen und hatte keine Zeit dafür…
Und mehr würde ich auch nicht probieren, denn zu uns sagte sogar der Urologe im Krankenhaus, dass es zu früh ist und man abwarten muss. Er sagte auch, dass das Problem viel mehr Kinder haben als man glaubt, aber die meisten Eltern erzählen es halt nicht.
Alles Gute!

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