@Juilbombom, Ok wenn Du das sagst, dann Ciao.
Ich verstehe dich nicht
Ist das jetzt irgendwie rumgepatze oder so?
Nein überhaupt nicht, ich bin nur müde.
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Ich wünsche Dir alles Gute für Dich und Deine Lieben, und alles Glück das es gibt auf dieser Welt.
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Danke, ich dir auch ![]()
Ich denke der Ansatz der aus der Neurodiversitäts-Bewegung kommt und Hirne von Menschen mit ADHS als evolutionär entwickelte Alternative betrachtet für richtig. Das bedeutet, dass ADHS Vorteile geboten haben muss für das Überleben in der Steinzeit. Ich würde das vergleichen mit einem Ameisenvolk. In einem Ameisenvolk gibt es Ameisen, die mit verschiedenen Aufgaben betreut sind. Arbeiterameisen, Kriegerameisen etc.
Genau so haben sich bei Menschen verschiedene Typen entwickelt (ADHS, Autismus etc), deren Entwicklung vorteilhaft für das Überleben der Menschen gewesen ist. In der Steinzeit haben Menschen vermutlich intensiver als Menschen in der modernen Gesellschaft im sozialen Verbund agiert.
Die verschiedenen Neurotypen haben quasi verschiedene Rollen erfüllt und ihre Stärken eingebracht. Gleichzeitig können Schwächen verschiedener Neurotypen in der Gruppe einfacher kompensiert werden. Dass ADHS eine Behinderung ist liegt nach an ADHS selbst sondern es ist das nur im Kontext der modernen Gesellschaft. Wir sind evolutionär nicht angepasst für das Leben in der modernen Gesellschaft. Vereinfacht gesagt muss sich jedes Individuum in der modernen Gesellschaft relativ alleine behaupten. Schulabschluss machen, Berufsausbildung irgendeiner Art, in einer Wohnung sein Leben fristen und sich um Organisation von allem drum herum alleine kümmern. Das ist eigentlich komplett bescheuert. Menschen sind das Tier mit dem komplexesten Sozialleben überhaupt, aber wir haben uns so eingerichtet, dass jeder für sich selbst klar kommen muss. (Ist sehr vereinfacht, aber tendenziell ist das so.)
Also ich denke mittlerweile, dass ich lieber in der Steinzeit gelebt hätte vor dem Aufkommen der „Zivilisation“. Das wäre wahrscheinlich deutlich schöner. Artgerecht sozusagen.
Damit will ich einfach sagen: Man muss nicht mehr leiden nur weil man ADHS hat. Es ist keine Störung oder Krankheit. Man braucht eigentlich keine Medikamente gegen sein ADHS. Wer die trotzdem nimmt macht das eben nicht weil er krank ist sondern damit er besser angepasst in der modernen Gesellschaft zurecht kommt. Das ist eigentlich echt krank wenn man so drüber nachdenkt.
Es gibt auch andere Lösungen als Medikamente. Wer wirklich nicht klar kommt mit seinem ADHS in der modernen Zivilgeschafft könnte sich als Lösung überlegen wie er/sie einen auf AussteigerIn machen kann und ein Leben mehr im Einklang mit der Natur suchen (Ureinwohnervolk ausfindig machen, dass bereit ist einen aufzunehmen und los geht’s!).
Ne, ist natürlich unrealistisch. Also muss man kreativ werden um sich in der modernen Zivilgesellschaft mit ADHS ein Leben aufzubauen bei dem man weniger Probleme hat und glücklicher leben kann. Man muss die Nische finden in der man weniger Probleme hat. Das fängt schon bei der Auswahl der sozialen Kontakte an. Wer langfristig nicht mit einem kompatibel ist wird aussortiert.
Das klingt jetzt hart, aber das ist einfach manchmal besser für alle. Wenn z.B. jemand übermäßig genervt ist davon, dass ich verpeilt bin und nicht immer durchgängig zuhören kann und auch nachdem ich versuche das zu erklären ständig angepisst ist, weil ich z.B. mal wieder in Gedanken abgeschweift bin (ohne das selber zu registrieren) dann müsste ich mich unter enormen Anstrengungen verbiegen um mit so jemandem zurecht zu kommen. Man sollte vermeiden solche Menschen in seinem engeren sozialen Umfeld zu haben.
Falls man arbeiten gehen muss, sollte man einen Arbeitsplatz finden bei dem man auch größtenteils so akzeptiert wird wie man ist und außerdem sollte man sich dabei meistens mit etwas beschäftigen was einen motiviert.
Das ist garantiert ein Weg den man gehen kann und man wird dabei keine Medikamente benötigen. Ich persönlich strebe trotzdem eine offizielle ADHS-Diagnose an um Medikamente zu bekommen (wüsste jetzt auch wie ich mir die anderweitig besorgen kann, aber will nicht 50€ für eine Packung Elvanse/Medikinet/Methylphenidat oder was auch immer latzen, so viel Geld hab ich nicht. Ich will die Medikamente nicht durchgängig nehmen, sondern nur zu Zeiten wenn sie mir helfen können. Z.B. manchmal auf der Arbeit. (Ich habe wirklich einen geilen Arbeitsplatz gefunden, wo akzeptiert wird, dass ich ständig irgendwas verpeile und werde lediglich drauf hingewiesen, dass dem so ist, so dass ich das korrigieren kann. Ich arbeite lustigerweise seit Mai als Inklusionsbetreuer in einer Kita und habe direkt anfangs kommuniziert, dass ich ADHS habe. Ist wahrscheinlich ein Arbeitsumfeld in dem ein größeres Bewusstsein dafür existiert als woanders. Kann ich nur empfehlen! Wer mit Kindern umgehen kann, aber keinen Abschluss hat, kann als Inklusionsbetreuer arbeiten, dafür benötigt ist interessanterweise keinen Abschluss.
Ich persönlich habe bei meinen etwa 5 Bewerbungen einen Arbeitgeber gefunden, der dezidiert auch darum gebeten hat private pädagogische Erfahrungen mit in der Bewerbung anzuführen. (Ich habe eine 12 Jahre jüngere Schwester mit der ich gerade in ihren ersten etwa 8 Lebensjahren sehr viel Zeit verbracht habe. Von Wickeln zu irgendwas beibringen (Kleinkinder müssen ja wirklich alles lernen, da vergeht selten Zeit die man verbringt wo man nicht quasi pädagogisch aktiv werden muss) oder einfach spielen habe ich schon ab einem jungen Alter einiges im Umgang mit kleinen Kindern gelernt.)
Mein Arbeitgeber weiß auch, dass ich ADHS habe. In einem Unternehmen für Inklusionsbetreuung arbeiten kann ich nur empfehlen. (Gibt bestimmt auch schwarze Schafe in der Branche, Niedriglohn-Sektor zieht halt nicht nur Gutmenschen an. Hab noch nicht viel Erfahrung, aber schon mitbekommen, dass die Konditionen für BetreuerInnen bei unterschiedlichen Unternehmen sich unterscheiden. Ist eigentlich auch echt mal wieder grenzwertig, dass soziale Aufgaben von Profit-orientierten Unternehmen übernommen werden. Das ruft garantiert auch Unternehmer auf den Plan bei denen nicht das Kindswohl im Mittelpunkt steht. Ich schweif ab.)
Ich gehe davon aus, dass in der Zukunft Talente von Menschen mit ADHS gesucht sein werden und Arbeitgeber vermehrt Arbeitsumfelde schaffen werden in denen Menschen mit ADHS besser zurecht kommen. Es ist interessant zu sehen, was in der autistischen Sphäre so passiert. Da mittlerweile bekannt ist, dass Autisten gute Programmierer sein können (ist wohl auch wieder sehr vereinfacht, aber Autisten machen in etwa 4-mal weniger Programmierfehler) werden von manchen Unternehmen für autistische Mitarbeiter Arbeitsplätze so eingerichtet, dass diese auch entsprechend effektiv arbeiten können. Warum sollte sowas in der Richtung in Zukunft nicht auch für Menschen mit ADHS passieren?
Der Weg für Menschen mit ADHS in eine Zukunft mit weniger Problemen sollte eher in einer Anpassung der Gesellschaft für Menschen mit ADHS liegen und nicht im Anpassen von Menschen mit ADHS an die Gesellschaft mittels Medikamenten. Das ist kompletter Irrsinn.
Ich habe eine Form von Schizophrenie, die mit Medikamenten besser zu behandeln ist. (Offiziell habe ich die paranoide Form von Schizophrenie, weil die dissoziative Form von Schizophrenie sich als Diagnose noch nicht durchgesetzt hat. Das gibt’s halt nicht als ICD-Diagnose.). D.h. ich habe bis auf die Nebenwirkungen der Medikamente (relativ niedrig dosiertes Neuroleptikum, welches nicht hart Serotonin und Dopamin blockiert, in Hirnregionen mit niedriger Dopamin-Aktivität diese sogar erhöhen kann, Aripriprazol falls es jemanden interessiert) kaum schizophrene Symptome. Bei „primärer Schizophrenie“ gibt es sowas wie Wahnideen oder Vorstellungen von Gedankenübertragung, Fremdkontrolle der eigenen Gedanken und solch abgefahrenes Zeug. Meine Symptomatik beschränkt sich auf akustische Halluzinationen (Stimmen hören) wenn ich keine Medikamente nehme. (Selten auch mal mit Medikamenten, aber das ist auch relativ egal. Wichtig ist, dass die sogenannte Realitätsprüfung intakt bleibt, sprich ich reflektieren kann ob Stimmen die ich höre irreal sind. Dann kann ich sie ignorieren. Aus Erfahrung und einigen Selbsttests setzt meine Realitätsprüfung nach etwa 5 Tagen ohne Medikamente aus. Dann aber auch hart.
Ich habe im Gegensatz zu vielen anderen Schizophrenen weniger Probleme im Alltag. Ich isolier mich nicht sozial (im Gegenteil, ich bin sehr kontaktfreudig), ich kriege keine Ängste verfolgt zu werden oder dergleichen, ich kann problemlos arbeiten gehen (nur etwa 20% aller Schizophrenen gehen arbeiten), kurzgesagt: Ich fühle mich aktuell in keiner Weise durch diese Erkrankung beeinträchtigt.
Das ist auch ein Spezialfall, ich bin nicht schizophren geworden, sondern hatte eine Psychose, die nicht richtig behandelt wurde, so dass sich das Ganze ausgewachsen hat. Was viele nicht wissen: Wird eine drohende Schizophrenie bei einem Patienten/tin frühzeitig erkannt und medikamentös (und anderweitig, aber das führt jetzt zu weit) behandelt, ist eine komplette Heilung möglich. Das Bild von Schizophrenie, dass es eine genetisch bedingte (das ist deutlich kontroverser als viele vermuten würden) Krankheit ist, die man lebenslang unheilbar hat, wird sich garantiert noch massiv verändern.
Ist echt interessant (und leider auch belastend), wie man behandelt wird von manchen Menschen, wenn sie erfahren, dass man schizophren ist. Familie und enge Freunde behandeln einen echt… anders.
Ich kann das nicht nachweisen, weil keiner es einem ehrlich sagt, aber ich bin überzeugt davon, dass viele Menschen wenn sie erfahren, dass jemand schizophren ist, damit anfangen alles Mögliche was man macht und sagt daraufhin zu untersuchen ob es irre wäre. Das ist total nervig. Was viele nicht wissen: Schizophrenie ist auch bei Menschen, die im Gegensatz zu mir vermehrt schizophrene Symptome haben nicht immer präsent. Wenn Schizophrene ihre Medikamente nehmen und auch aktuell keine Episode haben, dann kann man mit ihnen reden wie mit jedem anderen auch. Da kommt nicht auf einmal irgendeine wahnsinnige Aussage daher.
Das man anders behandelt wird gilt sogar oder vielleicht vor allem auch für psychiatrisches Fachpersonal (bei meinem letzten Psychiatrieaufenthalt (wahrscheinlich mein letzter) wurde mir 2 Wochen lang von keinem einzigen Psychiater/Psychotherapeuten/Psychologen/Pfleger geglaubt, dass meine Hand gebrochen ist. Ich wurde mit gebrochener Hand eingewiesen und mir war auch bewusst, dass sie gebrochen sein muss. Warum hat man mich nicht ins nahegelegene Krankenhaus gehen lassen? Weil man mir als Schizophrenem nicht glaubte. Man wird halt wirklich von vielen Menschen einfach nicht für voll genommen wenn man einmal das Label „schizophren“ hat. Das geht bis hin zu den einfachsten Aussagen die man macht. Ich wurde auch ohne meine Brille eingewiesen. Glaubte man mir, dass ich eine Brille benötige und ich ohne alles völlig verschwommen sehe (-6 Dioptrin, also kurzsichtig) ? Nein. Man war dann sehr überrascht nachdem mein Bruder mir meine Brille brachte als er mich besuchte.
Ich habe aktuell überhaupt keine Probleme mit meiner „Schizophrenie“, wirklich gar keine. Ich habe mehr Probleme damit wie andere Menschen mich als Schizophrenen wahrnehmen als mit der eigentlichen Erkrankung. Daher: Nein, ich habe keine Belastung mehr durch Wahnsinn.
Aber ich habe mit meiner psychischen Disposition über die Jahre extrem gelitten. Das hat bei mir dazu geführt, dass mich jetzt kleinere Probleme als diese extremen psychischen Probleme weniger stressen. Für jeden Menschen ist das, was er als schlimmsten Stress jemals erlebt hat die Messlatte. Daran orientieren sich die meisten Menschen unbewusst wenn es darum geht ob sie sich an etwas stören. Wegen was für einem Killefitz sich manche Menschen stressen ist wirklich unglaublich. Ich will jetzt nicht sagen, dass ADHS-„Symptomatik“ Killefitz ist. Die drei Kernsymptome „Hyperaktivität“, „Impulsivität“ und „Aufmerksamkeits-Defizit“ sind aber keine Probleme wegen denen man dauerhaft gestresst durch die Gegend laufen muss.
Ich lache oft über meine Verpeiltheit und dergleichen. Was mich am meisten aufregt ist, dass ich ständig irgendwas suchen muss, weil ich nicht weiß wo ich es hingelegt habe. Aber das ist auch echt nicht so schlimm.
Wenn man mal über Jahre unmittelbar bevorstehenden Foltermord vor Augen hatte dann relativiert sich andere Probleme in ihrer Relevanz. Ich lass mich nicht mehr so schnell stressen. Das kann aber auch jeder erreichen, der nicht unbedingt sowas durchlebt hat wie ich. Durch Rationalsierungen z.B. Ich habe am Montag einen Gerichtstermin. Es geht um eine Klage meines Vermieters gegen mich inklusive im Raum stehender Räumungsklage. (Will jetzt nicht auf Details eingehen, aber es basiert auf angeblicher Mietrückstände, die allerdings fast komplett auf rechtlich korrekt erwirkten Mietminderungen beruhen, daher erwarte ich nicht, dass das durchgeht.)
Andere Menschen würden sich wahrscheinlich stressen. Ich habe noch nie vor Gericht gestanden als Angeklagter. Ist mir Latte. Ich habe mich nicht mal um einen Anwalt gekümmert, sondern mit dem Amtsgericht selber kommuniziert mittels durch KI erstellter Schreiben. Das ist für mich kein Problem am Montag da vor Gericht zu erscheinen.
Das ist erstens Killefitz und zweitens (und hier kommt eine meiner häufigst angewendeten Rationalisierungen gegen Stress auf Grund zukünftiger Ereignisse): Wenn ich mich wegen etwas was in der Zukunft stressig sein könnte schon vorher stresse, dann vergrößere ich dadurch mein Leid nur. (Ich musste in meinen Wahnvorstellungen damit leben lernen, dass ich bald brutal ermordet werde. Selbst sowas kann man lernen sich nicht stressen zu lassen. Man sollte die letzten Minuten seines Lebens noch halbwegs genießbar gestalten. So lernt man nicht mehr an etwas zu denken was in der Zukunft liegt und einem Sorgen bereitet wenn man dran drenkt. Im Moment leben, das geht auch oder wahrscheinlich sogar gerade mit ADHS. Wenn es Sonntag ist, sollte man nicht dran denken, dass man morgen nicht arbeiten gehen möchte. Das stresst doch nur. Einfach die freie Zeit genießen bis man halt tatsächlich anfängt zu arbeiten montags. Das ist gar nicht so schwierig. Einfach mit was anderem beschäftigen was einem Freude bereitet.
Ganz nebenbei: Ich halte ADHS-Symptomatik nicht für etwas, dass man aushalten muss. Menschen mit ADHS können mit der Symptomatik umgehen ohne Probleme. Man muss nicht dauernd chillen und ruhig sein um mit gesundem Blutdruck durch die Gegend zu laufen wenn man ADHS hat. Das verstehen Menschen ohne ADHS nicht. Meine Mutter (und auch Andere) fragt mich ständig ob ich unruhig bin wenn ich hyperaktiv bin. Nein, bin ich nicht. Ich bin tiefenentspannt. Sieht ein bisschen anders aus als beim relaxenden Normmenschen, aber ich bin überhaupt nicht gestresst im Normalfall auch ohne Medikamente und ausgeprägter Symptomatik.
Man darf sich nicht einreden lassen von Menschen, für die Verhalten wie man es mit ADHS an den Tag legt das müsse doch stressig sein. Nein, muss es nicht sein. Wenn man sich ständig selbst suggeriert die eigene ADHS-Symptomatik sei ein Problem, dann wird sie zum Problem. Einfach drauf vertrauen, dass man damit umgehen kann und das kann man. Ich hab teilweise sehr viel Spaß dabei einfach loszulassen und ungehemmt einfach volles Rohr meine ADHS-Symptomatik auszuleben. Ich quassel ohne Unterlass (ohne jemanden nicht zu Wort kommen zu lassen), ich beweg mich hektisch, ich guck mich sogar hektisch um, mir doch egal, so bin ich halt. Ich halte es für stressiger seine Symptomatik ständig zu unterdrücken. Das ist völlig Banane.
ADHS ist ein zu 100% genetischer Neurotyp, keine Störung, Krankheit oder Behinderung.
Hab ich nie behauptet. ADHS ist ein Neurotyp, ein anders strukturiertes Hirn, welches aber gewisse Grundvoraussetzungen mit sich bringt was die Persönlichkeitsentwicklung betrifft. Also meine Persönlichkeit ist ohne ADHS einfach überhaupt nicht vorstellbar. Es gibt keine Version von mir ohne ADHS, eine Persönlichkeit, die man von ADHS trennen könnte. Geht nicht. Miteinander verwoben, aufs Engste. Es gibt keine Varianten von Persönlichkeiten, es gibt keine andere Version von mir.
Unter Persönlichkeit verstehe ich persönlich einfach meine Emotionalität. Ohne die gibt es meine Persönlichkeit nicht. Hab ich ja erlebt. 13 Jahre Depersonalisation = quasi leben ohne Emotionen = leben ohne Persönlichkeit. Man kann sich das so verständlich machen: Multiple Persönlichkeiten haben auch eine Form von Depersonalisation. Allerdings eine bei der man nicht keine Persönlichkeit hat sondern auf einmal mehrere. Ich hatte keine Persönlichkeit. Persönlichkeit hängt einfach zu 100% an den eigenen Emotionen.
Ist ja klar: Ohne Emotionen, keine Interessen, keine sozialen Bindungen zu irgendwem, alles weg. Mein ADHS war aber auch weg. Keine Emotionen = kein ADHS. Weil ADHS Emotions-getrieben ist. Da bin ich mir sicher. Meine Persönlichkeit ist aufs Engste mit ADHS verwoben, weil ADHS sich komplett um meine Emotionen dreht.
Wäre schön wenn man jemand anderen hätte, der das mit einem macht, aber man kann es sich auch selber… besorgen.
Man kann sich selbst akzeptieren, reflektieren, sich selbst verstehen und auch bemitleiden (warum hat Selbstmitleid eigentlich so 'nen schlechten Ruf? Nur weil manche sich wegen Killefitz selbst bemitleiden? Ich halte Selbstmitleid für ne mächtige Option um schlechte Erfahrungen zu verarbeiten. Das tut gut.). Ist schöner wenn man es teilen kann und jemand einen versteht, aber wenn man niemanden hat, geht’s zur Not auch mit Selbstverständnis. Ist leider etwas einsam.
Also ich persönlich glaube mittlerweile, das neurotypische Menschen deutlich mehr „Spiele“ spielen als Menschen mit ADHS.
Ultrakomplexes Thema. Mal um es zu vereinfachen: Stell Dir mal vor die Menschen mit denen Du sozialisierst ziehen alle gemeinsam an einem Strang (wie Menschen in der Steinzeit) und nicht jeder für sich mit ultrapersonalisierten Bedürftnissen (Meine Fresse, Kapitalismus bietet aber auch endlos viele Beschäftigungsmöglichkeiten). Ich glaube da sind Leute automatisch ehrlicher und offener miteinander wenn sie ihre Existenz gemeinsam bestreiten.
Ich hab ein interessantes Video gesehen zu einem Indianervolk (kann mich nicht an den Namen erinnern) und ihrer Lebensweise. Diese Indianer schliefen als Familie alle in einem großen Zelt, alle einfach nebeneinander. Keine Privatsphäre, keine eigene Wohnung/ kein eigenes Haus, ein Leben lang mit der Familie auf’s Engste verknüpft. Wie viele Geheimnisse hat man wohl voreinander in solch einem Leben? Da wird garantiert weniger gelogen.
Dieses ganze „was denkt wer über mich“-Konstrukt kommt doch auch nur in der modernen Zivilisation auf. Also ich bin auch nicht ehrlich jedem gegenüber. Das geht auch nicht in der modernen Gesellschaft. Wo ich arbeite ist nicht bekannt, dass ich als schizophren (paranoide Form) diagnostiziert bin. Wenn es das wäre, dann würde jeder sich da seine eigenen Gedanken zu machen, mir nicht mitteilen und manche mich seltsam behandeln. So kann ich einfach ohne Vorurteile meiner Arbeit nachgehen.
Unter guten Freunden lass ich einfach raus was in meinem Kopf ist. Ich denke da gar nicht groß drüber nach meistens. Ich sag einfach was ich denke. Das wird eins. Bei manchen Freunden sage ich einfach live was ich denke quasi. Wunderbar. Das sollte man immer machen können. Bin ein absoluter Freund davon, dass man alles ansprechen können sollte.
Die Menschheit in unseren Breitengraden hat sich von den Regeln der Evolution verabschiedet.
Die Evolution sieht vor, dass jedes Individuum seine Fähigkeiten einsetzt, um seine Gene in möglichst viele Individuen der nächsten Generation zu bekommen.
Der moderne Mensch hat Wichtigeres zu tun.
Und obwohl man als ADHSler merkt, dass man immer weniger gut in das immer schnellere und kompliziertere Leben passt (hauptsächlich wegen der genialen Erfindungen der Neurodivergenten im Silikon Valley) bin ich überzeugt davon, dass wir ADHSler einen deutlichen Evolutionsvorteil haben. Was erklären würde, warum Grundschulkinder immer verhaltensauffälliger werden.
Warum?
Die Evolution prämiert nicht die, die sich wohlfühlen. Aber die, die es nicht schaffen, regelmäßig zum Arzt zu gehen, täglich eine Pille zu schlucken und sehr impulsiv und emotional sind, die bekommen mehr Kinder als die, die ihr Leben im Griff haben, erst Karriere, den richtigen Partner finden, dann erst Verhütung weglassen, man will dem Kind ja schließlich auch was bieten können…
Noch erfolgreicher sind nur gutaussehende Jura-Studenten, die ihren Samen massenhaft Samenbanken zur Verfügung stellen.
Ich trage übrigens Brille, weil ich sonst nicht viel sehe und Kopfschmerzen bekomme. Und ich nehme Medikamente, weil ich sonst nicht schaffe, meine ADHS-Kinder so zu versorgen, wie ich das möchte.
Das ist im Idealfall in einem guten Team oder Gruppe gegeben und das macht die Stärke eines guten Teams/Gruppe aus.
Die unterschiedlichen Neurotypen sind nicht das Problem sondern angeknackste Egos und mangelnder Selbstwert , egal bei welchem Neurotypen, was das miteinander erschwert.
Also, ich bin so groß geworden wie Gerald Hüther behauptet , dass dann kein ADHS entsteht oder nicht zum Problem wird. Also viel Freiheit, viel draußen , unendlich Kreativer Freiraum, viel Sport gesunde Ernährung, TV mit Sendeschluss und drei Programmen, Chips Flipd und Cola waren Luxus und gab es nur zu besonderen Anlässen und klare verlässliche Struktur…. Aber mein ADHS war trotzdem für alle Stress.
Wenn ein Zug zu einer bestimmten Uhrzeit abfährt ist die Uhrzeit kein gesellschaftlicher Druck sondern etwas logisches und sinnvolles. Da kann sich eine Gesellschaft nicht auf uns „arme ADHSler“ einstellen , sondern ich muss es eben hinbekommen oder eben nicht .
Ich war schon viel alleine in der Natur unterwegs mehrer Tage keinen Menschen gesehen also Freiheit für Jäger und Sammler . Nur mit Zelt , also wirklich übersichtlich und ohne Zeitdruck.
Auch dann macht mir mein ADHS Probleme , sei es strukturell , beim Chaos , Reizüberflutung durch Geräusche in der Natur, 1000 Ideen Zuviel und auch mal Wegen Leichtsinnigkeit in kritische Momente gekommen und selbst mit kleinstem Gepäck verliere ich die Übersicht und bin vom Chaos im Zelt überfordert.
Da hatte ich noch nicht die Diagnose und ich freue mich schon wenn ich mal wieder alleine Unterwegs bin , um für mich ganz alleine von den Medis zu profitieren.
Aus gesundheitlichen Gründe längere Zeit an zu Hause gebunden und Freiheit für mich ganz alleine aber auch ganz alleine machen mir meine exekutiven dysfunctionen mein Leben schwer .
Bin /war grade in einem Auslassversuch und ohne Anforderung oder irgendwelchen Vorgaben von außen. All das was für mich alleine passiert , weil ich verpeilten bin hatte nur Folgen für mich alleine und das zum Teil gesundheitlich grenzwertig und dieses Problem würde ich als Neandertalerin auch haben . Vermutlich gesellschaftlich akzeptiert aber eben wegen Leichtsinnigkeit auch eher abkrepiert . Neandertaler mit ADHs und Medikation hätten vielleicht eine höhere Lebenserwartung gehabt.
ADHS ist nicht nur das wie ich in der Gesellschaft klarkomme .
Verdammt nochmal ich habe auch ADHS ganz für mich allein zu Haus im stillsten Kämmerlein.
Und als Neandertalerin wären es nicht die Medien gewesen sondern vermutlich irgendwelche Hüttenmalerein die mich hyperfokusiert hätten.
Als aller aller letztes nehme ich meine Medis wegen der Gesellschaft, keiner zwingt mich . Ich nehme sie wie eine Schmerztablette , die den Schmerz meiner Verpeiltheilt stillt.
Das blöde zerrede der Vorteile im hier und jetzt und aus der Steinzeit , selbst wenn es stimmt , nimmt mir aber trotzdem nicht die Probleme, die ich durch meine steinzeitlichen Vorteile habe .
Jede Menschengruppe braucht jemanden, der anders ist, der Kontakt zu Göttern hält, der seltsame Kräuter und Pilze konsumiert und dann noch seltsamer ist, der ewig die Oberfläche des Sees oder den Himmel betrachten kann, der die Nacht über alleine mit den Wölfen heult, der eine Idee hat, welcher Stein dem Kranken noch helfen könnte, der die alten Geschichten erzählt, die Kriegs- und Höhlenbemalung verantwortet, überzeugt davon ist, dass der Vulkan bald ausbricht, der die Gruppe anführt, wenn keiner mehr weiß, wohin, der die Toten begräbt und betrauert, der in den Eingeweiden der Ratten lesen kann.
Ob es dem oder der gut geht, ist eine sehr moderne Frage.
(Und Floki war ein genialer Schiffsbauer!)
Aus der Steinzeit sind leider kaum schriftliche Zeugnisse überliefert. Das bedeutet, wir wissen - nichts.
Das hat Vorteile, Jede/r kann sich seine eigene Steinzeit ausmalen. Ähnlich wie die Populisten, die zurück wollen in ein Früher, das es nie gab.
Wenn populistische Theorien eure Fantasie beflügeln und sie euch helfen eure „Andersartigkeit“ besser zu akzeptieren, dann ist das natürlich in Ordnung. Bitte trotzdem bedenken: Leider funktioniert Selektion psychiatrischer und neurologischer Krankheiten nicht ganz so romantisch und edel…
Da musst du jetzt aber bitte deinen Gedankengang mal erläutern, denn mir erschließt er sich noch nicht.
Inwiefern hat denn deines Erachtens eine Gendrift zur Verbreitung von Neurodiversität beigetragen? Wann und wo soll die stattgefunden haben und welche Populationen hat das betroffen? Und wenn entsprechende Allele zunächst nur überdurchschnittlich häufig in einer Gründerpopluation (oder Restpopulation nach Dezimierung der Ursprungspopulation - je nachdem, was du annimmst) aufgetreten sind, wieso finden wir dann bis heute auf der ganzen Welt einen recht hohen Anteil an neurodivergenten Menschen in allen Kulturen? Weshalb hat sich die Selektion nicht viel stärker gegen diese Allele gerichtet, wenn du davon ausgehst, dass deren Phänotyp keine Vorteile bietet?
Bin ich eigentlich unschlau, weil ich nur Bahnhof verstanden habe ? ![]()
ich raffe nichts davon…
…. Außer , das mir bei dem Fachwort „ALLELE“ sofort ein Ohrwurm in mein Ohr schoss.
Ab sec 20
Nein, bist du nicht! Und dein neurodivergentes Assoziationsvermögen ist 1A ![]()
Das Video ist auch etwas verwirrend, wie ich finde, weil ein Evolutionsfaktor, der sich per Definition auf Populationen bezieht, hier erst mal am Beispiel eines Paares mit 2 Kindern erläutert wird… finde die gedankliche Stolperfalle ![]()
Sie trägt in der Regel schon zu einer Minimierung unvorteilhafter Varianten bei. Alleine für sich betrachtet haben die Risikoallele dieser häufig vorkommenden Varianten auch nur eine sehr geringe Effektstärke. Erst wenn tausende in ganz bestimmten Konstellationen zusammenkommen, dann können sie zu ADHS beitragen. Es gibt auch nur ganz wenige Varianten, die überhaupt für ADHS spezifisch sind.
ADHS ist quasi eine „unsichtbare“ Behinderung und schränkt zweitens die Fertilität nicht ein. Ich bin mir nicht sicher, ob meine Frau auch dann mit mir Kinder bekommen hätte, wenn sie vorher geahnt hätte, welche Probleme auf uns zukommen würden.
Du schreibst, es gäbe einen hohen Anteil von neurodivergenten Personen in allen Populationen. Das stimmt, aber sie werden nicht in allen gleichmäßig und gründlich erfasst, und ein Kopplungsungleichgewicht in einer asiatischen Gruppe kann einer anderen Entwicklungsstörung zugeschrieben werden als in einer europäischen.
Der Flaschenhalseffekt, der Gründereffekt, Isolation und Neumutationen schaffen Zufälle. Neurodivergenz ist nicht das Ergebnis gesellschaftlicher/sozialer Diskriminierung, sondern biologischer Zufall. Häufigkeiten krankheitsrelevanter Varianten werden zufällig in Gruppen/Familien verändert. Sie kommen und verschwinden.
Ein Beispiel für gar nicht sooo seltene Phänotypen: 2–3 % aller Menschen haben eine „geistige Behinderung“ (im Vergleich zu ca. 5 % bei ADHS oder 1 % bei ASS). Welchen evolutionären Vorteil hätte ihr Phänotyp?
Ein paar persönliche Erfahrungen, die gegen die Mismatch-Theorie sprechen:
-Als Babys haben meine Kinder mit ADHS öfter und lauter als normale Babys geschrien. Ihr „Vorteil“ in der Steinzeit: Sie hätten Raubtiere angelockt und wären gefressen worden.
-Als Kleinkinder haben sie sich ständig von uns und ihrer Kindergartengruppe entfernt, liefen 20 Meter voraus oder 20 Meter hinterher. „Vorteil“ in der Steinzeit: Sie wären von Raubtieren als einfacheres Opfer ausgewählt worden.
-Sie sind aufgrund ihrer Disinhibition schnell auf etwas zugerannt, haben nicht auf den Verkehr geachtet und haben sich ständig wegen Unfällen verletzt. „Vorteil“ in der Steinzeit: Ohne befestigte Wege in einer Wildnis mit vielen Gefahren wären sie wahrscheinlich schon etliche Male gestürzt und vielleicht sogar verunglückt.
-Sie müssen immer daran erinnert werden, etwas zu essen, ansonsten würden sie ständig vergessen, dass sie etwas zu sich nehmen müssen: In der Steinzeit würden sie sich erst dann auf die Suche nach etwas zu essen machen, wenn sie schon hungrig sind.
-Sie müssen dauernd aussprechen, was sie denken, und stellen öfter Autoritätspersonen infrage: Bestimmt kein Vorteil in einer prähistorischen Stammeskultur.
Diese Liste könnte ich noch ewig weiterführen. Tut mir leid, aber ich bin, wenn es um diese Themen geht, anderer Meinung.
Schreiende Babys werden von ihren Versorgern nicht vergessen!
Das Verletzungsrisiko bei Kindern mit ADHS ist höher , ….
Wenn heutzutage ein Beinbruch , kein Beinbruch mehr ist…. Sah das mit dem Beinbruch damals wohl noch anders aus …
Fehlsichtige überwegliche Menschen verirren sich leichter.