ADHS und Binge-Eating

Hallo zusammen,

ich bin noch recht neu hier, habe im Vorstellungsthread schon was zu mir geschrieben (Hallo in die Runde).

Wer von euch hat auch Probleme mit Binge-Eating?

Bei mir sind es vor allem die Abendstunden in denen ich enormen Ess-Druck verspüre.
Ich habe meine Lebensmittelvorräte schon in meine Garage verlegt um es im Zaum zu halten, aber manchal bin ich so „bedürftig“ dass ich schon puren Honig gegessen habe, oder Haferflocken mit O-Saft, kalte Dosenravioli und andere Schweinereien.
Ich fresse dann so lange bis mir schlecht ist und wenn ich es nicht eklig finden würde zu erbrechen, hätte ich wohl beste Voraussetzungen an Bulemie zu erkranken.
In meinen Anfangszeiten mit Medikinet hatte ich noch weniger Appetit, was mir aber als latent Übergewichtigem eher entgegenkam. Untergewicht hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht.
Selbst zu der Zeit als ich Probleme mit Morbus Crohn hatte, hatte ich Minimum 85 Kilo und war damit schlank, aber nicht auffällig dünn.
Zur Zeit habe ich über 110 Kilo und bin mit meinen 190cm ein richitger Schrank mit Bauch. Nicht fett, aber wohl fühlen tu ich mich nicht. Ich hatte auch schon einen Bandscheibenvorfall und einen Knorpelschaden im linken Fuß, Gewichtsreduzierung wäre also auch gesundheitlich wichtig für mich.

Wie handhabt ihr diese Probleme? Ich bin schon auf der Suche nach einen Therapeuten, diese Problematik ist auch einer der (vielen) Gründe dass ich eine Therapie machen will.

Liebe Grüße, Felix

Ich habe damit auch Schwierigkeiten. Besonders schlimm war es, als ich mit dem Nikotin aufgehört habe.
Nicht in der akuten Phase des Entzugs, sondern 2 Jahre lang, die ich nicht geraucht habe.

Mein Psychiater hat mir was vom Es erzählt und vom Inneren Kind. Aber das halte ich für wenig zielführend.

Es wurde sofort deutlich besser, als ich angefangen habe wieder zu rauchen.
Leider hat Medikinet bei mir keinerlei appetitzügelnde Wirkung. :man_shrugging:
Aber ich Versuche wenigstens, abends immer was Gesundes Griffbereit zu haben. Leider bin ich auch schon wieder über der 100 :thinking:.

Von klein auf konnte ich nicht aufhören bis alles leer ist.

Es hilft mir sehr, wenn ich alles halbwegs ungesunde komplett meide wie ein Alkoholiker.
Ich kann ganz ok komplett auf süß Verzichten, aber ein Stückchen ungesundes und mein inneres Fressmonster erwacht.

Bin auch eine von „denen“. zwar nicht richtig binge, aber doch ordentlich eating.
Essen zur Reduzierung von Anspannung.
Aber als Vorgeschichte: Diät seit ich 14 bin. Fettarm, wie damals üblich….

Jetzt zwei Öltanks.
Vorteil seid meiner Therapie: ich bin so dick wie nie zuvor - es stört mich auch, aber es macht mich nicht mehr fertig , ja, es hat nicht einmal mehr Auswirkungen auf meine Stimmung.
Das genieße ich jetzt ne Weile… und dann gehe ich entspannt die Reduktion an.

Meine Ernährung hatte ich umgestellt auf lowcarb und fettreich (nur bezgl. Öle, Nüsse, Saaten). Damit hatte ich toll abgenommen aber der Rebound-Heißhunger k*ckt mir da voll rein….
Aber auch das wird sich geben.

Nur habe ich seit der Medikation einen irren Jeeper auf Süßes, das kannte ich vorher gar nicht….

Hallo @f_luxus

Ich habe keine Diagnose ADHS, nur den Verdacht.
Aber ich habe auch Probleme mit Essattacken.
Das haben wir auch in der Therapie besprochen.
Auslöser für Essattacken sind bei mir:

wenig Schlaf, Erschöpfung nach Arbeit und nichts Passendes zu essen in Reichweite (also etwas Vernünftiges) → ich will dann möglichst schnell Energie, Langeweile,

Immer ein paar sättigende Snacks da haben, ausreichend schlafen, Hobby haben sind mein Antistrategien.

Achja, und Essattacken werden bei mir auch vermehrt getriggert, wenn ich bewusst abnehmen will.
Der Reiz des Verbotenen.
Ich mache keine Diäten mehr, normal essen und Zucker weglassen ist meine Strategie.

Ich denke es ist eine mangelnde Impulskontrolle.

Ich habe mich mit Bingeeating bereits nach 3 „erfolgreichen“ Diäten wieder fett gefressen.
Fazit: Extreme funktionieren nicht.

Ich glaube die Erklärung für Binge-eating und ADHS ist relativ simpel und biologisch begründet.

Essen stimuliert den Parasympathikus und wir entspannen uns durch Dopamin und Serotoninausschüttung.

Leckere Sachen führen wohl beim Essen selbst als auch durch die Ankunft im Magen zu Dopaminausschüttung.

Eine klassische win-win Situation aus Sicht des Dopamingierigen Hirns.

Deshalb kommt das mit den Heißhungerattacken auch pünktlich abends wo der Dopaminspiegel aufgrund des zirkadianen Tagesrhythmus signifikant absinkt.

Deshalb schläft man auch deutlich besser, wenn man gefressen hat wie eine Wildsau :see_no_evil:

Weil Serotonin und Dopamin erhöht sind und somit die Melatoninsynthese wohl besser funktioniert.

Ich schlafe nicht deutlich besser, wenn ich vollgefressen ins Bett gehe.
Der Verdauungstrakt fängt ja dann an zu arbeiten, wenn ich schlafen möchte. Das halt wach.
Deswegen wird ja auch immer empfohlen, dass man vorm Schlafengehen nicht viel essen soll.

Ich merke richtig wie mein Herz pumpt, wenn der Magen verdaut. Sehr unangenehm beim Einschlafen.

Echt? Ich bin dann halb komatös :grin:

Mir wurde auch von klein an gesagt: der Teller wird leer gegessen! Bald war das fest im Hirn verankert und ich aß die Teller der anderen Kinder der Kita auch leer. Sau blöde Prägung!!!

Dein Vergleich mit dem alkoholiker ist sowas von treffend und wehe ich nasche ein kleines bisschen… Das Monster, das dadurch erwacht ist beängstigend!! :evil:

Auch ich empfinde keine wirkliche appetitzügelnde Wirkung mit Medikinet. Anders bei dem Methylphenidat, das mein Sohn bekommt :frowning:

Sehr interessant, klingt logisch…

Ja doch, muss auch sagen, dass ich super schlafen kann nach dem Essen, außer es war zu fettig :lol:

Ich wurde regelmäßig gebremst beim Essen, musste nix leer essen und hab es trotzdem…
Ich glaube die Veranlagung spielt schon eine enorme Rolle.
Zudem pusht der Zucker einen soweit hoch, dass man sich wohler fühlt, da bin ich sehr stark bei @Worgl
Wenn dann noch die Prägung dazukommt…
Wie ist das denn bei anderen Medis? Wirken die stärker appetitzügelnd als Medikinet?

Mir ist noch was dazu eingefallen: ich habe im Studium in Physiologie Mal einen Glucose-Toleranz-Test gemacht.

Da trinkt man einen Becher mit Glucoselösung und misst alle paar Minuten den Blutzucker. Schwangere kennen das.

Und bei mir war die Glucose viel (!) schneller wieder aus dem Blut als bei allen anderen im Seminar.

Und bei diesen Tests im Rahmen von einer Diabetesdiagnose wird empfohlen, dass ADHS im Falle eines sehr schnellen Abfällen der Kurve als Erklärung ausgeschlossen werden kann.

Das ist natürlich noch ein kleines extra-Schmankerl. Der Insulin overshoot kommt schneller und härter und die Gluconeogenese ist wohl auch schlechter.

Ich hätte so gerne mal Appetitlosigkeit :pleading_face:

Nicht ausgeschlossen werden „kann“ sondern ausgeschlossen werden „muss“

Binge- Eating nein, aber wie @Hibbelanna schreibt ordentlich eating :lol:
Ich esse Unmengen an Futter, soviel wie mein Mann und ab und zu mehr.
Sobald ich ein Hauch vom Hunger verspüre und nicht sofort essen kann, verwandle ich mich in ein Monster. Werde aggressiv und nur auf das Hungergefühl fokussiert. Es ist zum Kotzen!

Zwar unterdrücken die Medikamente auch bei mir den Appetit nicht sehr lange, aber ich werde schneller satt und muss nicht alles aufessen was auf dem Tisch liegt.

Das mit den Süßigkeiten seit Ritalin und co. ist bei mir auch so @Hibbelanna.

Diäten kann ich auch nicht halten, sobald ich etwas abgenommen habe, nehme es als Freischein mich voll zu fressen.

Ich habe Essen immer wieder dazu genutzt, um mich quasi zu „erden“ und ruhiger zu werden.

Dazu macht es einfach auch Spaß.

Ich kenne aber auch radikale Zeiten mit 3-4 Wochen so gut wie nix essen.Danach hat das Meiste zu intensiv und eklig geschmeckt am Anfang.

Durch das langjährige Hin - und Her beim Essen auch mit Erbrechen und Abführmitteln, ist mein Stoffwechsel ziemlich platt und langsam.
Auch wenn ich nix esse, bleibt der Bauch.

Ich belebe diesen thread mal, weil ich nach Adipositas und ADxS geguckt und nix gefunden hab.

Ich habe eine heftige Diätvergangenheit hinter mir und Essstörungen seit ich denken kann. BingeEating als Kind, Magersucht als Jugendliche, dann wieder Binge Eating als Erwachsene in Abwechslung mit Diätphasen von Atkins bis Sirtfood Diet (Danke, Adele!).

Jetzt habe ich das höchste Gewicht ever (107 kg auf 1,75) und bin wirklich nicht unglücklich damit, aber merke, dass mein Umfeld und meine Ärzt*innen (habe Insulinresistenz) sich immer wieder dafür einsetzen, dass ich abnehme. Was ich ja bezaubernd finde, aber wenn ich Ihnen dann erkläre, dass ich das seit Jahrzehnten versuche, sehe ich dann erstmal bluescreen in den Gesichtern :joy: Bewegung ist auch immer süss als Tipp. Ich gehe 3-4 die Woche 1h Schwimmen und laufe zur Arbeit, das sind am Tag nochmal ne Stunde Bewegung, einfach weil es gut tut.

Mein Ding ist Scham, immer wieder, getriggert auch durch meine Familie, in der das Thema Gewicht ein großes Gewicht hat, haha. Auf meiner Arbeit sind alle schlank (essgestört sind aber viele) und ich seh schon den Blick von Kollegen, wenn ich noch das Dessert nehme.

Diese Scham ist einfach immer da, egal, was ich tue, weil ich ja weiss, dass ich nicht normschön bin, aber irgendwie ist mir das heute egaler, trotzdem ist die Scham da, wenn ich zB alte Bekannte zufällig treffe und den Schock in ihren Augen förmlich sehen kann. Oder wenn ich im Freundinnenkreis mehrere Frauen habe, die im letzten Jahr massiv abgenommen haben und ich in der Runde als Dicke mal wieder diese Versagensscham habe (alle schaffens nur du nicht, sagt die innere Stimme).

Anyway. Ich erhoffe mir jetzt was von der Diagnosebesprechung und von möglicher Medikamentierung ab dem Frühjahr 2022. Oder eben auch von der Gesprächstherapie, die halt so dumme innere Stimmen hoffentlich zum Verstummen bringt.

Was habt Ihr so für Erfahrungen? Abgenommen dank Diagnose und/oder Lebenseinstellung? Oder glücklicher geworden mit Mehrgewicht und Behandlung von ADHS?

Oh weh, ich kann mir vorstellen, dass die Weihnachtszeit nicht frei von ungewollten Ratschlägen, Kommentaren und Bewertungen war…
Hat bei meinem Familienbesuch zumindest keine 10 Sekunden gedauert, da fing schon die erste an über Bäuche und Kilo und Kalorien zu reden :roll_eyes:

Es tut mir total leid, wenn du von Schamgefühlen sprichst und ich fühle da echt mit dir :adxs_trost:
Das ist auf jeden Fall auch ein belastet Thema für mich

Habe meine Diagnose im letzten Frühling bekommen und nehme seit einigen Monaten Medikinet.
Was sich für mich dadurch verändert hat, ist mein Verhältnis zu Essen. Und diese Entwicklung bewerte ich als positiv, allerdings nicht uneingeschrenkt.

Du sprichst ja von Essstörungen, die eben nicht nur Gewicht auf der Waage sind, sondern viel mehr ein psychisches Symptom, Emotionsregulation, Liebesersatz, Kontrolle, emotional aufgeladene Bewertungen von Nahrung und Essverhalten…

Es geht mir mit Medikinet so, dass ich besser spüre, wenn ich satt bin. Dass ich Geschmäcke plötzlich viel intensiver wahrnehme. Dass viele „Cravings“ nicht mehr so stark sind und die Gedankenspirale von „Soll ich? Soll ich nicht? Kalorienüberschlagsrechnung…“ nicht mehr stattfindet. Dass ich Essen nicht mehr in Kategorien einordne, ob gut oder schlecht, gesund oder Cheat-Meal.
Überhaupt den Fokus über den Tag auf verschiedene Dinge richten zu können und nicht mehr permanent den Essstörungsmodus als Hintergrundprozess laufn zu haben, der viel Arbeitsspeicher frisst…

Insofern werte ich das als Schritt nach vorne.

Was bei mir aber leidet ist der Genuss. Ich freue mich nicht mehr auf eine leckere Mahlzeit, sie ist mir ziemlich schnuppe. Wenn mir jemand Plätzchen anbietet ist das cool, aber nach einem Bissen sind sie mir zu süß und ich esse den Rest nur aus Höflichkeit. Im Supermarkt ist es schwer wirklich genug Dinge einzukaufen, die ich dann auch zubereite und verzehren möchte. Kochen ist irgendwie witzlos.

In den ersten Monaten war das noch stärker mit der Apathie gegenüber Essen, jetzt ist es etwas besser.
Ich habe von einigen hier im Forum auch gehört, dass das bei ihnen nur am Anfang der Medikamenteneinnahme so war und sie dann wieder in ihre üblichen Essroutinen übergegangen sind…

Für mich war es auf jeden Fall eine gute Chance für einen kleinen Reset.
Und hat mir nochmal vor Augen geführt, wo der Stress her kam, der mir so ungesundes Essverhalten aufgezwungen hat.

Wie das auf lange Sicht weiter geht, weiß ich nicht.
Und wie deine Erfahrungen sein könnten, natürlich auch nicht.
Aber vielleicht muss es nicht die Zahl auf der Waage sein, bei der sich eine „positive“ Veränderung niederschlägt :slight_smile:

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Hallo @theunfedmind 🧚‍♀️das hat jetzt aber gutgetan, deine Geschichte zu lesen. Ja Weihnachten ist zum Glück kein Thema gewesen, weil wir allein gefeiert haben und ich das Kochen an Mann und Kinder abgegeben habe…das war gut. Aber ja, es ist immer wieder kaputt bis unerträglich gewesen, wenn die Familie zusammenkam und exzessiv fatshaming betrieb.

Ich freu mich schon mal auf eine mögliche Diagnose und vielleicht ist das ja ein weiteres Rädvhen, was man drehen kann zu einem gesunden Ich.
„Aber vielleicht muss es nicht die Zahl auf der Waage sein, bei der sich eine „positive“ Veränderung niederschlägt“ schriebst Du. Genau, muss es sich für mich gar nicht. Ich glaube die Pandemie und ihre Auswirkunfen haben da einiges in mir verändert, was das Oberflächliche angeht. Ich mag ganz viel Gutes ins Leben lassen, eben wil vieles Selbstverständliche doch sehr fragil ist.

Danke auch nochmals für deine Beschreibung mit Medikinet, interessant, daas das so wirkt. Ich weiss ja noch nicht, ob ich medikamentös therapiert werde…aber klingt zumindest so, als ob es diesen Jieper auf Süsses weghaut (was mir schon mal gut gefällt).

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Ja. Definitiv.

Ja. Leider.
Ich nenne ihn „Stress-Bauch“.
In meinem Alter leider auch da, wo es weh tut: reinstes Viszeralfett. Daher muss er doch jetzt weg.
Informativ finde ich das mit dem schnellen Zuckerverbrauch.
Hat jemand Erfahrung mit Zucker-Abstinenz, wird der Unterzucker dann irgendwann mal besser, oder brauchen wir mit ADHS einfach immer mal wieder „Stoff“ zwischen rein um nicht abzustürzen?

Zumindest Barkley erwähnt ja in mehreren Videos den Nutzen von kleinen Schlückchen zuckerhaltiger Getränke („sipping“) bei exekutiv Herausforderndem, u.a. auch hier aufgenommen: https://www.reddit.com/r/ADHD/comments/7z6ily/dr_barkley_reccomend_sipping_on_sugary_beverages/

Aber ist ja bekanntermaßen auch ein Stoff, der auf den Mittelweg ein paar Hürden baut.

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