ADHS und Borderline

Zu ADHS und Borderline hier:

auch wiederum um die 50% der Borderline-Patienten sollen zusätzlich ADHS bzw. als Disposition für Borderline primär ADHS haben…

https://www.aerzteblatt.de/archiv/89284/Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitaetsstoerung-(ADHS)-ADHS-waechst-sich-nicht-aus

„…60 Prozent der Borderline-Patienten sollen in ihrer Kindheit ADHS-Symptome zeigen – ein Hinweis darauf, dass sich in dieser Gruppe vermutlich etliche ADHS-Betroffene befinden (3)“

Erfahrungsberichte sind jederzeit willkommen :hugs:

Die Tochter meiner Mutter (den Titel „Halbschwester“ hat sie aufgrund einer Diebstahlsaktion nicht mehr) ist auch von beidem betroffen.
War auch damals echt nicht leicht für meine Mutter, und hat sie deswegen als sie 6 war ins Heim gegeben.
Bis sie dann 18 war, hat sie dann ein Heim nach dem anderen besucht, weswegen ich sie nur teilweise kenne.
Aber so wie ich sie kenne, war sie immer äußerst unruhig, und völlig unnanahbar.
Soll heißen, dass wenn sie einem mal irgendwas weggenommen hatte bspw., war es fast unmöglich es sich wieder von ihr zurückzuholen - einfach, weil sie dann völlig unnanahbar war/ist.
Außerdem hat sie einen sehr starken Hang zum SVV gehabt (hat sich ihre Zigaretten auf dem Oberarm ausgedrückt, geritzt und solche Sachen.)
Sie hat zudem nur sehr spät und mit ach- und Krach ihren Realschulabschluss gemacht (zum großen Stolz meiner Mutter damals).

Das ist so das, was ich mitbekommen habe.

Bernd

Hä?, eigentlich wollte ich @Overthesky fragen warum er, oder sie? ein Thema eröffnet, Links reinstellt, und dann Mitglieder nach Erfahrungen befragt?. Aus welchem Grund stellst Du so eine Anfrage?, und warum willst Du Dir „Erfahrungsberichte“ liefern lassen, lieferst aber selber keinen Bericht ab?. Mir persönlich erschliesst sich der Sinn dahinter nicht, mich würde interressieren was sich in Deinem Kopf abspielt wenn Du so ein Thema erstellst, 2 Links zum Thema einstellst, und dann auf Antworten wartest. Was ist Dein Beweggrund dahinter?, was willst Du damit bezwecken?, aber das wichtigste, warum erzählst Du nichts persönliches von Dir?, aus Deinem Leben?. Ich möchte Dich nicht angreifen, bin nur neugierig.

@Bernd_Knipperdolling

Wenn man dann überlegt das vielleicht „nur“ Adhs bei deiner Schwester vorgelegen hat und eine Behandlung geholfen hätte, wäre vielleicht einiges anders gelaufen.
Mit 6 Jahren ins Heim zu müssen ist natürlich schon auch eine Nummer, die so eine kleine Seele schwer verarbeiten kann.

Muss es richtig erklären!. Ich sah diesen Thread hier und nur das Thema von @Overthesky war sichtbar, das von @Bernd_ nicht. Dann schrieb ich meinen Text, und erst da als das schreibfeld für den Text offen war zum schreiben, da erschien plötzlich der Text von @Bernd_, als hätte er ihn zwar geschrieben, aber nicht abgesendet. Und dann wurde sein „nicht gesendeter Text“ quasi mit meinem Text „gleichzeitig“ abgesendet, komisch oder?.

Ich hab den Thread eröffnet, weil ADHS und Borderline bzw. ADHS als Disposition für Borderline in diesem Forum bisher nicht ernsthaft thematisiert wurde.

Ich selber habe keine Fälle von Borderline in der Familie, kenne aber jemand, der beide Diagnosen hat (genau wie seine kalte, egozentrische Mutter, die ihn immer als Störfaktor in ihrem Leben behandelt hat und die ebenfalls beide Diagnosen hat, Stichwort emotionale Vernachlässigung) und vom Hörensagen kenne ich ein paar weitere Fälle aus dem weiteren Umfeld…

@Overthesky vielen Dank für die Antwort. Mich interessiert dieses Thema ebenfalls, möchte mich aber noch besser dazu informieren und einlesen.

Borderline geht eher mit einem erhöhten Dopaminspiegel einher (hohe Korrelation zu DAT 9R, einer Variante des Dopamintransportergens, das diesen inaktiver macht), AD(H)S mit einem Dopaminmangel (hohe Korrelation zu DAT 10 R, einer Variante des Dopamintransportergens, das den DAT aktiver macht).
Dopamindefizit und -überschuss haben verwechselbare Symptome (beide beeinträchtigen die dopaminerge Signalübertragung, dei nur bei mittlerem Dopaminspiegel optimal funktioniert).

Was für mich dazu passt: Bei Borderline bewirken AD(H)S-Medis schnell eine Überdosierung.

Meiner Info nach ist es wohl so, dass unbehandeltes ADHS zu vielen Komorbiditäten wie Angststtörungen, Depressionen aber wohl auch zu Persönlichkeitsstörungen wie z.B. Borderline führen kann.

Soweit ich das gelesen habe, geben sich bei ADHSlern Angststörungen und Depressionen z.B. mitADHS- Medikation durchaus, weil es eben am Dopaminmangel lag.

Bei allen Borderlinern die ich persönlich kenne, allesamt Frauen, gab es Misshandlungen und/oder Missbrauch in der Kinderheit - bei mir übrigens nicht. Da bin ich mir z.B. nicht sicher, ob da ein ADHS eine grundlegende (Mit)Ursache ist. Die Alltagsprobleme, über die man sich gegenseitig berichtet, erscheinen auf den 1. Blick gleich, aber wenn man näher nachfragt, tun sich da meiner Erfahrung nach doch ganz gewaltige Unterschiede im Hinblick auf die Ursachen auf. Die Gründe, nicht klar zu kommen, sind ganz andere. Bei Borderlinern z.B. sofort Panik zu schieben bei absoluten Kleinigkeiten, die im Leben nicht so „funzen“. Darin wird sich dann immer mehr rein gesteigert. Oder auch eine nicht zutreffende Wahrnehmung in sozialen Situationen. Borderliner rasten dann plötzlich aus und niemand weiß warum. Da reicht dann schon ein angeblich „schiefer Blick“. Mal ein Beispiel bzgl. einer Freundin von mir, die Borderline hat: „Du guckst gerade wie mein Vater!“.

Ich weiß gar nicht, ob es da wirklich einen Zusammenhang gibt oder man (früher?) die Symptome einer unbehandelten AD(H)S einfach einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung Typ Borderline zugeschrieben hat.

Zumindest ist es mir passiert. Ich bin über Jahre diesbezüglich behandelt worden, seitdem ich die ADS Diagnose habe und auch entsprechend medikamentös eingestellt bin, ist Borderline kein Thema mehr.

Ich glaube, dass mein Leben deutlich anders verlaufen wäre, wenn ich beispielsweise schon in der Pubertät (also vor etwa 30 Jahren) entsprechend diagnostiziert und behandelt worden wäre. Es ändert nichts, aber manchmal denke ich schon, dass ich viele leichtere Jahre verpasst habe…

Ja, @Haferkeks , es wird ja inzwischen durchaus auch davon ausgegangen, dass viele Borderlinediagnostizierte falsch diagnostiziert wurden. Leider warst du wohl ein „Opfer“ davon. Lange Zeit heiß es ja, ADHS würde sich mit dem Erwachsenenalter auswachsen. Auf ADHS im Erwachsenenalter spezialisierte Ärzte gibt es erst seit einigen Jahren. Außerdem wird es ja weiterhin oft als „Modediagnose“ abgetan…

Ich freue mich jedenfalls sehr für dich, dass bei dir die Medikation so gut „funzt“ und du offenbar kein Borderline hast!

@tosh bei mir wurde ja auch als Kind kein ADS diagnostiziert - leider. Weil ich eben das unkonzentriertere und verträumte Kind (und dazu noch Mädchen) und nicht das laute, hüpfende Kind.

Ich versuche nicht böse zu sein, nicht zu traurig - weil Medizin sich einfach weiterentwickelt. Und ich bin auch an gewissen Dingen gewachsen. Über Jahre habe ich ja gekämpft, mich durchgekämpft - und bin mit Sicherheit stärker geworden. Aber vieles wäre sicherlich auch einfacher, leichter gewesen.

Aber mir hilft es im Job - im sozialen Bereich - mit diesem Blick manchmal ganz doof frühzeitig einen Hinweis zu geben (Ich hatte da ja mal eine Klientin, bei der war es dann das - ich kann mich irren, aber gucken kann man ja mal…) Oft liege ich richtig - manchmal aber auch falsch. Und das ist auch okay. :slight_smile:

Schön ist auch, wenn man pauschal aufgrund biografischer Angaben gleich eine passende Diagnose bekommt , ADHS deswegen ausgeschlossen wird und dies ganz ohne dass das aktuelle Leben und die letzten Jahrzehnte abgefragt werden. :lol:
Es wird einfach auch vergessen , dass man ja egal wie das Umfeld war genetisch bedingt nunmal die ADHS Disposition ja trotzdem bzw. zusätzlich hat.

Ich wage mal grob pauschal zu sagen.
ein VollADHSler kann einem den letzten Nerv rauben und ein Vollborderliner kann einem bis aufs letzte Knochenmark alle Energie raussaugen.
bekomme ich etwas nicht geregelt weil mein Gehirn streikt und dann emotional schräg reagiere oder bekomme ich emotional etwas nicht geregelt weil unbewusste Emotionen mein Gehirn streiken lassen, vielleicht ist da der Unterschied ??

Glaub ich nicht. Die sind komorbid, d.h. sie treten gemeinsam auf, sind aber nicht die kausale Folge von AD(H)S.
Unbehandeltes AD(H)S (bzw. die damit verbundenen starken Belastungen) dürften eher dazu führen, dass sie sich ausbilden iSv sichtbar werden.

Kamn sein, muss aber nicht.
Bei schwachen Komorbiditäten sollte man immer erst mal schauen, was AD(H)S-Medis alleine hinkriegen.
Bei einer richtig dollen Depression oder Angststörung sollte man die führend oder gleichzeitig behandeln.

Ja, Borderline betrifft zu 75 % Frauen.
Und Borderline ist noch sehr viel stärker als AD(H)S mit Entwicklungstraumata in den ersten Lebensjahren verbunden.

Zur kausalen Folge: bei mir war es jedenfalls so, dass sich meine Angsstörung mit der Medikation sofort legte. Und wie gesagt, ich habe es auch so gelesen, dass sich Angstörungen und auch Depressionen bei spät erkannten ADHSlern mit der Medikation sofort legen können (wegen der Störung im Hirnhormonhaushalt, der mit der Medikation eben bereinigt wird). Legen sich diese Probleme mit Medikation nicht, wären sie dann im Sinne einer echten Komorbidität zusätzlich zu therapieren. Zuvor und ohne ADHS-Diagnose wurden mir in Therapien z.B. Fragen gestellt, die z.B. typisch für eine Sozialphobie gewesen wären, die ich aber eben nicht bestätigen konnte. Typische Gedanken, die Sozialphobiker haben, gingen mir eben gerade nicht durch den Kopf. Ich wunderte mich, warum ich trotz guter Vorbereitung ab der Pubertät mich trotzdem übermäßig hibbelig fühlte bei z.B. Vorträgen in der Schule, obwohl genau das vor der Pubertät nie ein Problem war, wobei ew für diese plötzliche Änderzung keinerlei objektive Begründung gegeben hätte. Inzwischen ist es ja auch so, dass bezüglich ADHS bei Frauen eben auf die Pubertät geschaut wird und eben nicht mehr auf Symptome vor dem 7. Lebensjahr. Ich denke mal, dass es auch was mit dem Hirnumbau während der Pubertät zu tun haben kann. Ich hatte zuvor z.B. krasse Migräne, die sich mit der Pubertät gab, aber seitdem die Migräne nicht mehr da war, eben typische ADHS-Symptome, die sich durch andere Umstände eben nicht erklären ließen/lassen. D.h. für mich und so verstehe ich ADHS eben auch: es ist ein Problem mit dem Hirnstoffwechsel, auch sog. „Reizfilterschwäche“.