ADHS und Ticks!

Hallo ihr lieben

Mein Sohn 10 Jahre hat ADHS , ist aber unbehandelt, also keine Tabletten. Lief bisher auch. ( Auch Schule erstaunlicherweise )Aber seit den Ferien ist es eine Katastrophe. Man kann ihn ja nicht 24 Std betreuen. Wir haben schon echt viel gemacht aber ADHS bedeutet bei uns zumindest extrem schnell langweile und daraus entsteht dann Frust und Übermut. Ich bin froh wenn der Urlaub vorbei Ist… das Ding ist das er jetzt irgendwie sowas wie unkontrollierte Ticks entwickelt hat. Ich beobachte dies und hoffe das wenn wieder geregelter Alltag einkehrt diese etwas verschwinden. Aber es ist ja echt furchtbar. Er haut Sachen raus die sind unterste Schublade. Es herrscht nur noch Krach hier und Geschrei. Was ist denn aus ihm geworden. Ich hab ja gelesen das dies zu ADHS eine Begleiterscheinung sein kann, aber warum gerade wir :disappointed_face: er sagt immer er sei weil er ADHS hat behindert dies würde alles entschuldigen. Aber ganz ehrlich wenn er zu mir in einem richtigen asi Ton sagt, Hals Maul bekomm ich selber irgendwann atakken. Kennt ihr das? Was macht man dagegen?

Nun ja Eltern austesten mit provokantem Verhalten machen auch Kinder ohne AdHS.
Aber ADHS erschwert es , dies zu steuern und man ist oft noch gezielter in den Provokationen , damit es auch richtig passt.
Sich zu versuchen mit einer „Behinderung“ zu entschuldigen finde ich bei Kindern auch nicht ungewöhnlich dies mal auszuprobieren um daraus einen Nutzen zu ziehen.

Gibt es einen Grund warum ihr die Medikamente nicht nutzen könnt?

Wir hatten sie 8 Monate getestet. Er wurde davon aggressiver und depressiv. War dauer müde und der Rebound schlimm. Hatten medikenet retard und zwei andere. Da sagte die Ärztin erstmal Pause.

So soll die Wirkung natürlich nicht sein.
Welche Medikamente waren es denn noch und in welcher Dosis?

Medikenet in verschiedenen Dosierungen und kinecteen

Ich will nicht auf eine erneute Medikation hinzielen , trotzdem wäre die genaue Dosis und Eindosierung interessant, nicht das da was blöd gelaufen ist und darin die Ursache liegt .

Es hört sich ja schon so an dass er von einer Medikation profitieren könnte , aber leider eben nur wenn es passt .

Wir haben hier immer mal wieder Fälle wo fehlende Informationen zu einer negativen Wirkung führten und mit manchmal nur kleinen Anpassungen es plötzlich funktionierte.

Medikenet Retardkapseln da sind wir mit 5 mg angefangen. Bis 20 und bei den kinecteen waren wir bei glaub 17 ich weiß es gar nicht mehr. Die Ärztin meinte jedenfalls wir sollen erstmal aufhören. Haben im November den nächsten Termin .

Wart ihr im Bezug zu Ernährung bei Medikinet informiert?

Ja wir haben uns daran gehalten er war echt wie ein Zombie oder total Aggro

Ja leider kann so was durch Medis ausgelöst werden , was ich auch ganz schrecklich für die Kinder finde.
Für euch natürlich auch enttäuschend weil so viel von den Medis als Unterstützung bestimmt erhofft .

Vielleicht würde was aus einer anderen Medikamentengruppe funktionieren?

So einige Eltern haben echt einen Ritt hinter sich , bis es passte und da die richtige Entscheidung zu treffen ist wahrlich nicht einfach .

tics sind wie niesen, schwer zu unterdrücken und auch schnell vorbei. ich sag manchmal nach dem aufstehen echt schlimme sachen, grimasiere und sonstigen spökes. ist halt so… adhs und ticstörung sind zwei paar schuhe, kommen halt öfters zusammen vor.

ob es immer ein tic ist, muss man abklären und meistens stört sich nur das umfeld daran, niesen wird aber tolleriert…

stress reduzieren hilft wohl…

achja und adhs entschuldigt nicht alles…

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Die Option Medikamente würde ich noch nicht aufgeben, das sehe ich wie die Vorschreiber hier.

Dass eine Behinderung alles entschuldigt, ist natürlich Quatsch. Das ist wahrscheinlich Grenzentesterei. Finde ich zum Teil aber schon heftig, wie weit manche Kinder mit so was gehen.

Vielleicht mache ich mich jetzt unbeliebt damit, aber könnte es auch sein, dass es statt echter Ticks soziale Ansteckung ist? Also könnte er das von seinen Mitschülern oder aus Social Media aufgeschnappt haben und will dazu gehören? Das wäre überhaupt nicht ungewöhnlich, dass Asisprache zum Erkennungsmerkmal wird. Und das Vorführen von Ticks macht sich sehr gut auf Tiktok. Ich würde den Effekt nicht unterschätzen.

In meiner Schulzeit gab es ein paar ausländischer Gangstertypen, die nichts konnten außer deutsche Jungs als Kartoffel und Mädchen als Weiber zu bezeichnen. Trotzdem gab es immer wieder deutsche Kinder, die zu denen aufgeschaut und teilweise sogar ihren Akzent und Sprechweise kopiert haben.

Ja ich ich überlege auch immer hin und her ob es auch die sozialen Kontakte sein können. Die quatschen ja untereinander alle so. Ich hab auch zu ihm gesagt, das er mit seinen Kumpels so reden kann . Aber nicht mit seinen Eltern!!! Aber es interessiert ihn nicht. Selbst meine Schwiegermutter sagte das er auch ihr gegenüber oft sehr respektlos Ist. Seine Wortwahl und dieses oft aggressive asoziale Verhalten. Aber es kommt auf der anderen Seite in vielen Situationen so krass schnell. So unkontrollierbar was mich halt stark an Ticks erinnert

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Ich kann dir nicht sagen warum, aber ich habe das Gefühl, dass ihr ihn ein bisschen verwirren müsst .
Kommuniziere doch mal mit deinem Mann ggf. Großeltern in genau dieser Art in seiner Gegenwart und am besten noch übertreiben .
Sorge für verwirrende Unterbrecher z. B. Eine Bibel rausholen, irgendwas aufschlagen und einfach monoton vorlesen.
Du setzt dir einen Kopfhörer auf, machst deine Lieblingsmusik an und singst voll schräg mit.
Antworte auf Englisch oder einer anderen Sprache.
Schnapp dir dein Smartphone und rufe ihn an oder schreib ne Nachricht .
Gib ihm ein Snickers ( Diva Werbung)
Filme ihn und frag ihn später wie er sich dabei so findet .
Lass direkt alles stehen und liegen und gehe ne Runde spazieren.
Google die Definitionen all seiner Schimpfwörter und tapezier damit sein Zimmer.
Wenn er ein Schimpfwort benutzt konterst du bei jedem Wort : „ja find ich auch und rückwärts heißt es übrigens Eruh oder hcid kcif oder Epmalhcs also je nachdem was er so nutzt .

Alternativ wirklich alle netten Dinge streichen und gibt es nur wenn die Kommunikation und Verhalten angemessen am Tag waren.

Manchmal tut allen aber auch eine Pause gut um den Kreislauf zu durchbrechen . Kann er für ein paar Tage woanders pennen wo er aber gerne ist?

Gibt es Situation/Aktivitäten wo es gut läuft ? Diese verstärken.

Weißt du denn ob er selber Glücklich über diese Situation ist ? Er scheint sich ja als Opfer seiner Behinderung zu sehen? Leider kann einen ADHS wirklich von einer Sekunde zur anderen impulsiv hochfahren lassen und das ADHS Gehirn stellt einem ganz schnell vor allem die Worte zur Verfügung die so richtig das Gegenüber zur Weißglut bringen können.
Eigentlich Schade , dass es bei Vokabeln etc. nicht so funktioniert :wink:

Ich fand es auf jeden Fall schrecklich, wenn dieser Schalter sich umlegte . Noch heute spüre ich den Schalter innerlich , aber ich kann es zum Glück meist regulieren.

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wenn er ein wenig zur adhs spektrumsonderlich ist, reicht mit ein bisschen glück ihm zu erklären wie man sich fühlt wenn er sowas zu einem sagt. ruhig und verständlich, so dass er es nachvollziehen kann und zugang zur emotionalen empathie bekommt, ohne “du du lass das gemecker” ansage. dazu noch zeigen oder sagen, dass man ihn lieb hat, ist auch ab und an nicht schlecht vor allem bei solchen verbalen ausfällen.

hab keine kinder, nur welche im kopf, aber bei denen funktioniert das in der regel. provozieren tun die auch gerne, das liegt aber daran weil sies nicht besser wissen und öfter mal die kognitive empathie was hakelig ist. ist ein lern prozess.

edit: gegen langeweile, keine ahnung was man da machen kann, da provoziert man nun mal auch gern aufmerksamkeit. in jedem fall hat es oft was mit stress und kommunikations problemen zu tun, sofern, spektrumsonderlich dazu kommt.

edit2: langeweile ist auch stress, bei mir zumindest.

Vielleicht bin ich momentan auch nur etwas empfindlich. Drei Wochen auf einen Haufen ist doch schon oft kein Urlaub :rofl: aber es nervt tierisch. Es ziehen auch keine Konsequenzen. Ist das Handy weg, dann ist das so. Kein lernen aus seinem Handeln. Er sagt oft er weiß nicht warum das so ist. Er kann nicht anders. Woanders geht’s ja immer. Wenn wir unterwegs sind oder er bei seinem Kumpel ist. Wie heute Nacht er hat dort gepennt und sich scheinbar benommen. Es ist wirklich Zuhause am schlimmsten. Ich kann wirklich fix und fertig vor ihm stehen er begreift einfach nicht das man Menschen mit Worten stark verletzen kann. Er meint immer das wir in provozieren. Die Wahrnehmung ist scheinbar auch getrübt. Er lässt sich einfach nix sagen, hört nicht und jetzt auch noch das Verhalten. Ich hab ihn letztens als seine Kumpels hier waren richtig vorgeführt. Er ist immer der lauteste und hier zu Hause scheinbar sehr sicher. Wie er mit mir gesprochen hat vor seinen Kumpels . Unglaublich. Ich habe ihn vor allen gefrag ob er meint das seine Kumpels mit seinen Eltern auch so reden? Ich hab die Jungs bewusst angeschaut. Alle klein mit Hut außer mein Bengel . Es war ihm sicher unangenehm aber er hat dann natürlich noch einen drauf gelegt so das ich sagte er soll hier nicht so einen Affen machen und sich cool stellen usw. Ich war echt in Rage. Aber selbst daraus lernt er nicht. Er kann auch anders aber das sind halt gefühlt Moment Aufnahmen. Ich bin gespannt wie es wird wenn die Schule wieder beginnt. Wird eh eine Herausforderung da er eine neue Klassenlehrerin bekommt. Er ist ja eigendlich empathisch, im inneren. Aber zeigt es nicht

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Erstmal mein Mitgefühl für dich @Brigitte_84 es gibt immer wieder Phasen mit den Kids die herausfordend sind.

Und dennoch bin ich auch etwas entsetzt, welche Tipps hier vergeben werden.

Viele ADHSler (gerade die Spätdiagnostizierten) kennen das Scheitern an den normalen Anforderungen und berichten davon, wie unfair sie behandelt worden sind.

Kinder vor Freunden Vorführen, ihn Filmen etc finde ich respektlos dem Kind gegenüber.

Ihr solltet euch immer Fragen, wie ihr euch fühlen würdet, wenn euer/eure Partner/Partnerin das mit euch machen würde. Wenn ihr dann immer noch sagt, klar darf mein Partner so mit mir umgehen, dann nur los …

Kinder verhalten sich bei anderen anders. Dort herrscht keine sichere Bindung. Kinder trauen sich nicht, bei unsicherer Bindung, die Eltern zu beschimpfen oder ihre Meinung zu sagen. Dein Sohn schimpft, Kopmliment, das habt ihr gut gemacht.

So wie du deinen Sohn beschreibst, geht es ihm nicht gut. Für mich klingt es erstmal weniger nach Tic, als mehr nach einer Emotionalen Dysregulation.

KI zu Emotionale Dysregulation:

Emotionale Dysregulation bei Kindern mit ADHS äußert sich in starken Stimmungsschwankungen, schneller Reizbarkeit und Schwierigkeiten, Frustration zu bewältigen. Dies kann auf Probleme im Gehirn bei der Verarbeitung von Emotionen und eine eingeschränkte Fähigkeit zur Selbstkontrolle zurückgeführt werden.

Hinzu kommt, dass dein Kind zwar in Jahren 10 ist aber nicht wirklich, die Pubertät setzt viel später ein und er ist so gesehen ein 7 jähriger umgeben von Vorpubertierender Jungs und überfordert. Trotzdem mitzuhalten ist nicht einfach, besonders wenn er merkt, dass er überall (Freunde, Eltern,Schule)nicht mehr mitkommt.

KI: Bei Kindern mit ADHS kann es zu einer verzögerten neurologischen Entwicklung von 3-5 Jahrenkommen, insbesondere in der Reifung des Gehirns, was zu Problemen wie Lernschwäche, Schwierigkeiten bei Einhaltung von Regeln und sozialen Integrationsproblemen führt.

Hast du mal versucht mit ihm zu reden?

Ihm gesagt, dass sein Verhalten dich hilflos macht und verletzt?

Ihn gefragt, ob ihr gemeinsam eine Lösung findet, wie ihr solche Situationen ändern könnt?

Und wenn ihr so ein Gespräch führen könnt, er wird es wieder vergessen, er vergisst es nicht aus Absicht, Erinnere ihn daran, dass ihr besser miteinander umzugehen wollt um die Grenzen von dir als auch von ihm zu wahren (und ihn bitte nicht mehr vorführen, dann muss er erstmal wieder Stärke vor seinen Freunden aufbauen und das wahrscheinlich auf deine Kosten, damit er sein Gesicht nicht verliert)

Dein Sohn will dich nicht ärgern, aber ihr braucht Begleitung, wenn schon nicht medikamentös dann therapeutisch.

Und irgendwie hat dein Sohn auch Recht, sein ADHS behindert ihn in vielerlei Hinsicht. Er ist aber nicht ADHS, er hat ADHS.

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Das sind ja nur Möglichkeiten, die man ausprobieren könnte wenn es für einen selbst stimmig und passend ist und man sich der Sache fürs Kind sicher.
Nichts davon muss man tun .
Unpassende Vorschläge können auch zu eigenen neuen Lösungen führen.

Der Vorschlag mit dem Filmen war nicht als Vorführen gedacht , so nach dem Motto „siehe selbst wie schlimm du bist!“
Sonder eher um mit einer gemeinsamen draufsicht besser erklären zu können wie das wirkt. Vielleicht ist er es sich ja gar nicht bewusst? Aber ggf. auch eine Grundlage zu haben um auch Lösungen zu finden.

Du hast aber nicht unrecht , die Idee kann auch nach hinten losgehen und für ein Kind sehr verletzend sein und sollte wenn wohl bedacht werden .

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@Janine_1984 - ist eigentlich für dich

Ich verstehe das als Denkanstöße… Ein „thinking out of the box“ sozusagen.

Finde ich auch. Eigentlich spricht das für ein gutes Klima. Angstfrei. Wichtig.

Und es ist gut, dass er es weiß. Eine Chance, damit leben zu lernen. Könnte mir aber sehr gut vorstellen, dass er jetzt auch begreift, dass er da nie mehr rauskommt. Es wird ihn den Rest seines Lebens begleiten. Und dieser Gedanke kann einen Zehnjährigen schon überwältigen.

Hallo in die Runde!

Ich würde es bei der Ärztin nochmal mit einem anderen Medikament versuchen. Medikinet hat bei meinem Sohn auch nicht funktioniert und er war dadurch höchstens emotional abgestumpft. Leider wussten wir damals noch zu wenig und haben es irgendwann gelassen, ihm Medikinet zu geben. Er ist jetzt erwachsen und möchte es nochmal neu versuchen, diesmal mit Elvanse, sollte sich die Ärztin darauf einlassen.

Dass dein Sohn sein ADHS als Behinderung sieht und als Begründung und Entschuldigung anführt ist aus meiner Sicht nichts anderes als ein Hilferuf. Er weiß genau, dass sein Verhalten so nicht ok ist, kann aber nicht anders. Letztlich hat er recht, dass es ihn behindert und er nichts dafür kann.

Dass er sich außerhalb der eigenen 4 Wände zu benehmen weiß ist toll und zeigt, dass ihr grundsätzlich alles richtig macht und er auch in der Lage ist, das Leben zu meistern. Allerdings ist das unter den aktuellen Gegebenheiten (keine Medikamente und mutmaßlich auch keine andere Therapie), eine enorme Herausforderung und ein großer Kraftakt. Er wird dann einfach durch sein.
Und Langeweile ist nicht zu unterschätzen. Bei mir zeigt sich das durch Dysphorie bei Inaktivität. Ich werde dann extrem antriebslos und beinahe depressiv. Ohne da fachkundig zu sein haue ich einfach mal raus, dass das bei Kindern dann vielleicht auch in die Aggressivität umschlagen kann. Gepaart mit der bei ADHS bekannten Impulsivität.

Als Eltern werdet ihr wohl erstmal weiterhin Geduld haben müssen. Erklärungen, was seine Äußerungen mit dir machen, sind schon mal gut. Aber da er sich nicht steuern kann führt das wahrscheinlich „nur“ dazu, dass er sich schuldig und hilflos fühlt und resigniert. Das kenne ich von meinem Sohn, der mir das nach vielen Jahren so reflektiert hat. Ihn juckten Strafen auch nicht. Meinten wir. Heute wissen wir, wie hilflos er eigentlich war.
Ich würde gemeinsam mit ihm schauen, was er als Alternative zur verbalen Aggressivität tun könnte. Mir fällt da spontan Sport ein. Habt ihr die Möglichkeit, eine Art Tobe- und Sportecke einzurichten? Boxsack, Laufband, Sprossenwand, Matten an Wand und Boden etc.
Manchmal muss die Energie raus und das vielleicht sogar recht extrem. Manchmal hilft auch Ko-Regulation, also nicht nur das Kind zum austoben schicken, sondern mitmachen und dem Kind durch die Emotion helfen.

Es gibt auch sogenannte Dopamin-Menüs. Da schreibt man auf, welche Tätigkeiten einem bei Langeweile helfen können. Das Menü ist in verschiedene Stufen unterteilt, wie beim Essen. Vorspeise, Hauptspeise, Nachtisch. Vorspeise sind schnell verfügbare Optionen, wie eben Boxsack, Hauptspeise sind aufwändigere Dinge wie Waldspaziergang, Nachtisch sind Extras wie Medienzeit. Letzteres wie Süßspeisen und Snacks zu behandeln, also mit Vorsicht und Regulierung.

Ich denke, dein Sohn benötigt Verständnis und auch die Sicherheit, dass ihr als Eltern ihm helfen könnt. Momentan seid ihr alle hilflos und das spürt er wahrscheinlich. Das frustriert und mündet im „ich bin eh behindert“.

Ich weiß auch oft nicht weiter. Das weiß auch meine noch zu Hause wohnende Tochter. Aber wir sprechen dann auch über meine eigene Hilflosigkeit und darüber, dass ich mich trotzdem weiter informiere und nach Lösungen suche. Wir können auf diese Weise besser an einem Strang ziehen, weil wir Partner sind. Wir suchen Lösungen und probieren aus. Sie weiß, dass ich oft schon den richtigen Riecher hatte und helfen konnte. Und manchmal klappt eine Sache eben nicht. Das ist blöd, aber keiner von uns ist damit alleine. Wir reflektieren inzwischen gemeinsam, woran eine Idee gescheitert ist. Keine Begründung ist zu blöd oder unsinnig oder eine Ausrede. Wir arbeiten auch an einer gesunden Fehlerkultur. Das bedeutet eben auch, dass manche Lösungsversuche scheitern können. Dann ist das Leben aber nicht vorbei und die Sache nicht aussichtslos. Es war halt nicht die passende Methode für uns oder sie.

Am Ende müsst ihr schauen, womit ihr euch wohl fühlt. Ich finde einige Vorschläge von weiter oben auch nicht gut. Zumindest nicht, wenn es „bösartig“ umgesetzt wird. Klar kann man auch mal spiegeln. Aber bitte respektvoll, zeitlich begrenzt, mit Erklärung und Wohlwollen, vielleicht sogar mit Humor. Letzteres muss man sich erarbeiten. Spielt Rejection Sensitivity eine Rolle wird Humor oder Ironie schnell fehlinterpretiert. Das kann man also nur machen, wenn eine stabile Grundlage vorhanden ist. Spreche da aus Erfahrung.

Zusammenfassend: ADHS ist eine Begründung für unreguliertes Verhalten, aber natürlich keine Entschuldigung. Werdet Partner im Umgang damit. Fehler und gescheiterte Versuche sind ok, solang keiner mit dem Scheitern alleine stehen bleibt. Ihr habt schon gute Grundlagen geschaffen, auf die ihr aufbauen könnt. Wird schon :wink:

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