gibt es hier auch Frauen, die Probleme hatten/haben sich als Frau zu fühlen, weil ADHS-Symptome den weiblichen Stereotypen teilweise entgegenstehen? Zum Beispiel bin ich etwas verpeilt, impulsiv und durch dieses leichte ADHS-Anderssein fühle ich mich auch etwas freakig und unsicher. Wenn ich an ein positives Stereotyp von einer Frau denke, dann ist sie viel aber auf jeden Fall nicht das. Ich weiß, dass das so oder so veraltete Stereotype sind unter denen Frauen im Allgemeinen leiden. Trotzdem, es fällt mir wirklich schwer manche meiner Charaktereigenschaften nicht als kindisch abzutun, und mich als erwachsene Frau zu sehen… (ich bin 26). Kann das jemand nachvollziehen, wie geht ihr damit um, haben euch irgendwelche Gedankengänge geholfen? Zum Beispiel gibt es das Zitat von Mary Wollstoncraft: “Der Wunsch, stets Frau zu sein, zeigt genau das Denken, das dem weiblichen Geschlecht die Würde nimmt.”
Ich habe so viele Eigenschaften, Präferenzen und Interessen, die Laut den verbreiteten Stereotypen nicht weiblich sind, dass ich mich schon sehr früh bei „Mädchen machen das, Mädchen finden jenes gut“ total quer gestellt habe - nicht weil ich kein Mädchen war, sondern weil ich diese Stereotype für bescheuerte Einschränkungen gehalten habe. Deshalb kann ich mich etwas schwer in das „Probleme haben, sich als Frau zu fühlen“ hineinversetzen.
Ich schreibe dir hier aber trotzdem, weil mich folgendes
sehr an den „Manic Pixie Dream Girl“-Stereotyp erinnert hat. Nicht alle Klischees bzgl. Weiblichkeit laufen auf „gut organisiert und sortiert“ raus.
Ich bin ca. 10 Jahre älter und tue mich schwer damit, mich als Erwachsene zu sehen. Ich habe den leisen Verdacht, das wird auch noch in dreißig Jahren so sein. In Gesprächen mit Freunden/Freundinnen habe ich mitbekommen, dass es vielen ähnlich geht. Das ist auch bei neurotypischen Leuten verbreitet.
Das hat meiner Meinung nach weniger mit ADHS zu tun und mehr damit, dass man als Kind und Teenager vermittelt bekommt, dass die vernünftigen Erwachsenen alles im Griff haben - und dann ist man irgendwann offiziell erwachsen und es fühlt sich so an, als hätte man nichts im Griff!
Im Laufe der Zeit lernt man dann, dass es den früheren Generationen auch so ging. Auch unsere Eltern und Großeltern standen irgendwann da und dachten sich „wie jetzt?? Jetzt bin ich plötzlich die vernünftige Erwachsene im Raum und soll alles im Griff haben??? HILFE!“. Und dann haben sie sich irgendwie durchgewurstelt und immer wieder immer mehr ein bisschen dazu gelernt.
Hilft dir das vielleicht weiter? Dass das Gefühl eigentlich ganz normal ist?
Klingt für mich so, als ob du aus irgendeinem Grund nur den Stereotyp als „richtige Frau“ empfindest. Nicht mal im beleidigenden Sinne dass du aktiv so denkst, sondern unterschwellig.
Vielleicht hilft es dir, auch andere Frauenbilder mal bewusst anzusehen, um herauszufinden was konkret für dich „Frau sein“ bedeutet.
Was man darunter versteht kommt total auf den Blickwinkel an. Das Verständnis davon ist vor allem kulturell sehr unterschiedlich, und sehr beeinflusst von der Geschichte. Man denke alleine mal daran, dass Männer mal Kleider und Röcke getragen haben.
Aber es gibt auch abgesehen davon viele unterschiedliche Blickwinkel die man einnehmen kann.
Im Endeffekt ist die Frage die du dir vielleicht zu erst stellen solltest, warum es dich stört wenn du nicht der „Norm“ entsprichst. Das gibt oft viel mehr Aufschluss.
Und im Übrigen muss man eben auch sagen, zumindest nach meinem persönlichen Verständnis von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“, dass Frauen immer „männlicher“ werden müssen um überhaupt den gesellschaftlichen Standards ansatzweise gerecht werden zu können.
Ach, es ist einfach ein grundsätzliches Problem, meiner Meinung nach, dass die Menschen immer weiter weg davon kommen Unterschiede als etwas positives zu sehen, etwas dass als Team eine Art Symbiose eingehen könnte, so wie es in der Natur eben auch ist. Aber nein, alle sollen gleich sein, gleich denken etc. Ich erlebe immer mehr, wie die Menschen um mich herum immer mehr in diese Richtung denken.
Naja, irgendwie schon. Die Gesellschaft wandelt sich zwar, aber es ist ja durchaus noch normal wenn Erwachsene Männer ihre Emotionen nicht regulieren können etc, und die Partnerinnen sich mehr fühlen wie eine Mutter anstatt einer Partnerin.
Je jünger die Generation, desto kritischer wird das mittlerweile hinterfragt, und natürlich sind nicht alle so, es spielen viele Faktoren mit rein warum es so ist etc.
Aber ich würde durchaus sagen dass das bei Männern gesellschaftlich akzeptiert und auch (zumindest noch) normal ist.
Also, Tipps haste ja schon viele bekommen, hab da persönlich auch nix weiter im Angebot , aber:
Ja! Auf jeden Fall.
Ich hab mich auch immer (zu) wenig typisch weiblich gefühlt und ich fand das nicht immer so cool. Und erwachsen fühle ich mich meist auch nicht. Das mag ein Stück weit normal sein, das glaube ich auch. Aber ich bekomme schon auch oft von meinem Umfeld rückgemeldet, dass ich deutlich jünger wirke als ich bin.
Ob das negativ ist oder nicht… keine Ahnung. Die meiste Zeit denke ich heute nicht mehr, dass das kindisch ist (das ist ja klar negativ konnotiert), eher kindlich und naiv, manchmal? Ich verpeile halt manchmal Dinge, die für andere so offensichtlich sind. Und ich bin manchmal auch sehr albern, was in meinem Alter irgendwie auch nicht mehr als normal angesehen wird und gerade, wenn man dabei auch mal (zu) laut ist, ist das ja nicht gerade typisch weiblich
Klar wäre es toll, wenn man sich diese gesellschaftlichen Normen nicht annehmen würde. So easy ist das aber ja nicht. Verstehen ist das eine, Fühlen das andere.
Was ich aber aus eigener Erfahrung sagen kann: Man wird da mit und mit etwas gelassener, je älter man wird
Erstmal, scheiß auf Normen und Stereotype. Die bringen niemandem was
Ich bin ungefähr so alt wie du, und ich fühle mich ständig kindisch. Mein Partner ist auch kindisch (auch ADHS). So sind wir halt, bei meinem ADHS Stammtisch sagen sehr sehr viele von sich, dass sie kindisch sind (Alter von 18-70). Das wird glaube ich nie „besser“ da hilft vielleicht eher radikale Selbstakzeptanz, evtl auch mit Therapeutischer Unterstützung.
Ich weiß eh nicht, wie sich eine Frau fühlen/verhalten soll?! Ich habe mich schon immer so verhalten, wie ich es wollte / angemessen hielt. Ungerechtigkeit ansprechen, für mich selber einstehen, anderen helfen, laut werden wenn nötig, sich nicht alles gefallen lassen (v.a. von Männern!!), auf Missstände aufmerksam machen, „Unbequem“ sein auch wenn andere vor dem Offensichtlichen die Augen verschließen, Lösungsorientiert arbeiten, auf mich selber Stolz sein wenn ich was geleistet habe, …
Ja, und zwar: Ich scheiße auf die Meinung anderer
Habe ich so ab 17 Jahren angefangen zu verinnerlichen. Dir gefällt mein Outfit nicht? Schön, ist ja auch meins und nicht deins. Du findest meine neue Haarfarbe doof? Dich hat niemand nach deiner Meinung gefragt. Du findest unrasierte Beine bei einer Frau eklig? Dann schau halt nicht hin. Frauen in der Selbständigkeit sind dir zu dominant? Keine Sorge Herzchen, dich fass ich auch nicht mal mit der Kneifzange an.
Also das kann ich als männlich-Diverser auch unterschreiben. Nur daß ich dafür dann Sprüche wie von meiner letzten Chefin bekomme: „Also für mich sind Sie ein Mann, deshalb erwarte ich von Ihnen auch männliches Verhalten“.
Die Dame und ihr Partner haben mich September vergangenen Jahres gekündigt (Ich war übrigens der Dienstälteste Mitarbeiter - noch vom vorherigen Betreiber), da ich nicht bereit war, mich wie ein neurotypischer Cis-Mann zu verhalten und mich widerspruchslos ihrem Diktat unterzuordnen. ALLE meine Diagnosen hatte ich übrigens beim Einstellungsgespräch offengelegt.
Kommentar der Chefin damals:„Ach in dem Beruf hat doch Jeder irgendwas…“
Davon können meine Eltern leider auch ein Lied von singen…ich kenne Eltern, die sind seit der Geburt meiner Freundinnen in der selben Firma, manche wechselten mal nach so 10,20 Jahren…und dann gibts meine Eltern, seit ich auf der Welt bin locker 10-15 Stellenwechsel weil sie sich auch nichts (mehr) gefallen lassen und „unbequem“ werden…
Mein Eindruck ist, dass in vielen Bereichen der „Fachkräftemangel“ eher ein „Mangel an Leuten, die bereit sind, diese Arbeit zu diesen Bedingungen zu machen“ ist.
Viele Arbeitgeber ruhen sich auch darauf aus, dass die anderen Mitarbeiter dann einfach mehr machen - das ist wesentlich billiger, als doch wieder jemanden einzustellen, die Kosten für diese Vorgehensweise werden ja nicht vom Arbeitgeber, sondern von den Arbeitnehmern getragen. Wie praktisch.
Den gibt es nicht.
Sagt meine Mutter seit Jahren.
Es gibt nur einen Mangel an AG´s die ihre Mitarbeiter richtig bezahlen wollen!
Beispiel: Einer der Gründe, wieso meine Mutter ständig den Job wechseln musste, war schlicht und ergreifend, befristete Arbeitsverträge (unser toller Merz will ja jetzt auch noch zulassen, dass man bis 4 Jahre befristet werden kann!). Die Firmen wollten sie als ausgebildete Fachkraft nicht übernehmen und wenn sie gegangen ist, wurden dann 2 Studenten Teilzeit eingestellt, die geben sich ja mit Mindestlohn zufrieden. Sie wäre zu „zu teuer“.
Noch ein Beispiel, eine Kommilitonin die jetzt fertig ist und keinen Master machen will, hat sich die letzten Monate also schon beworben. Ein Bewerbung Gespräch lief so ab: 24 Urlaubstage (!!!), 3000€ brutto, Obstkorb
24 Urlaubstage ist das gesetzliche Minimum ja danke. ICH hatte als Nebenjobberin im Einzelhandel schon 35 (!!!) Urlaubstage. 3k brutto ist auch eine absolute Frechheit (Bachelor of Engineering, so als Einordnung in welche Branche es geht…). Sie hat jetzt eine Stelle gefunden zum 01.08 mit 4200€ brutto, Gehalt steigt jährlich.