ADHS vs Hochsensibel

Dieses Thema beschäftigt mich schon seit ich mich mit ADHS befasse. Es gibt im Forum auch viele Beiträge. Ich schaffe es jedoch nicht, die Essenz zu finden bzw ich schweife beim Lesen immer wieder ab.Daher formuliere ich einmal meine Gedanken und freue mich über Euer prägnantes Feedback:

Handelt es sich hierbei wirklich um 2 verschiedene Dinge? Ich empfinde es als zusammengehörig, vielleicht nur in unterschiedlicher Ausprägung, so wie es ja auch mit der Hyperaktivität ist. Aber ich kann da ja auch falsch liegen und schließe von mir auf andere. Ein Bekannter nennt sich hochsensibel. Ich dachte dazu, der hat doch ADHS.
Ich finde zudem den Hype um Hochsensibilität verdächtig. Darüber findest Du in den Buchhandlungen ein ganzes Regal. Es klingt halt viel cooler, wenn Du hochsensibel bist. Das klingt echt positiv. Auch wenn die Probleme bestimmt nicht immer so cool sind.
Als ich nach Literatur zu ADHS suchte, musste ich die Buchhändlerin fragen. Ganz unten in einem schmalen Regal, in einer ganz anderen Ecke der Buchhandlung gab es etwa 5 Bücher zu ADHS.

Danke Euch!

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Adhs und Hochsensibilität ist definitiv nicht das Gleiche.

Man kann nicht eine Charaktereigenschaft oder ein Persönlichkeitsmerkmal mit einer Entwicklungsstörung vergleichen.

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Hey @Lupine
Schau mal hier, da wird der Zusammenhang gut erklärt
Hochsensibilität – ADHSpedia.

Zitat "Häufig werden Überschneidungen der Merkmale von HS- und ADHS-Betroffenen beobachtet. Vereinzelt wird auch vermutet, dass Korrelationen zwischen ADHS und HS bestehen könnten.[4] Dabei handelt es sich jedoch um Spekulationen. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen ADHS und Hochsensibilität ist bislang ungeklärt, eine ätiologisch bedeutsame Korrelation scheint eher unwahrscheinlich.[5

Und natürlich hier Sensibilität, Stress und AD(H)S - adxs.org

Liebe abendliche Grüße :first_quarter_moon_with_face:

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Da die Forschung noch nicht so weit ist, wird Hypersensibilität immer noch als Perfönlichkeitsmerkmal bezeichnet.

Als Betroffene finde ich es jedoch recht seltsam, ein Reizfilterproblem, dass sich auf Sensorik, Emotionen und Kognition beziehen kann, als Persönlichkeits- oder Charaktermerkmal zu bezeichnen.

Bestimmte Stoffe auf der Haut nicht ertragen zu können, absolut lärmempfindlich (ich habe im Ruhrgebiet ständig nachts ein Rumoren gehört, das es wirklich gibt, aber nur ganz wenige hören) zu sein und jede Stimmung und Schwingung im Raum sofort aufzunehmen hat wohl kaum mit meinem Charakter zu tun.

Die Forschung hat gerade erst begonnen und ich bin überzeugt davon, dass sich da in den kommenden Jahren noch sehr viel tun wird.

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Vielen Dank,
Ich habe tatsächlich beide Merkmale. Vor 20 Jahren hätte ich mich zu 100% HS empfunden und ADHS abgelehnt, allein aus Überzeugung und Stigma von ADHS. Seit ich mit Mitte 40 den Burnout hatte, achte ich auf meine alltäglichen Situationen. Da ist definitiv auch diese extreme Überforderung auf Rummelplätzen, Bahnhöfen usw. Und ich rieche besser als jeder andere ringsum. Allerdings ist das bei meinem ADS Sohn noch viel stärker ausgeprägt und seine Diagnostik war echt richtig ausführlich. Bislang hat noch kein Arzt, Therapeut und Psychiater das Wort HS in den Mund genommen. Asperger ja, aber darauf weist nichts hin und es wurde ausgeschlossen.

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Ich selbst würde mich als Hochsensibel bezeichnen. Meine Frau ist eine (undiagnostzierte) Adhslerin. Kann daher den Vergleich gut ziehen.

Bei HSP liegt bekanntlich auch eine Reizoffenheit vor, die sich bei mir aber z.B. nur auf die Emotionen auswirken.

Aber in Punkto Konzentration z.B. war ich schon immer ( und bin es noch ) überdurchschnittlich gut. Flüchtigkeitsfehler, Vergesslickkeit, Zeitblindheit etc kenn ich alles gar nicht.

Und vor allem denken HSPler nach,bevor sie reden und handlen. Der grösste Unterschied zu Adhs,meiner Meinung nach.

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Ist bei mir eher andersrum. Bedingt durch Erfahrungen meiner Schulzeit bin ich da etwas abgestumpft, was mich selber angeht. Was nicht heißt, das ich nicht mitbekomme, wenn es anderen schlecht geht. Ich kann darauf nur nicht adäquat reagieren, finde nicht die passenden Worte, um jemanden zu trösten.

Wenn beispielsweise meine Frau sagt, dass sie am Ende ist, nicht mehr kann, und jetzt auch noch ihr Handy, Autoschlüssel, what ever verlegt hat, dann suche ich danach, bis ich es gefunden habe, in der Hoffnung dass es ihr dann besser geht -anstatt einfach nur bei ihr zu bleiben. Dabei möchte sie dann meist genau das. Aber alles, was ich rausbringe, klingt irgendwie selber hilflos, weil mich dann ihr Zustand und ihre teilweise aufkommende Aggression stresst und unter Stress kommt bei mir nur selten was gutes bei raus, weil mein Hirn dann blockiert, um nach intelligenten und wirklich hilfreichen Antworten zu suchen.

Das ist sehr interessant @Khan, auch weil Du den direkten Vergleich hast. Die Anmerkung mit dem Überlegen vor dem Antworten finde ich spannend, weil sie auf die Impulsivität zeigt. Darüber muss ich nachdenken…:wink:
Ich kann folgendes anmerken: als ich jünger war, konnte ich die Schusseligkeiten so gut ausgleichen, dass sie mir selbst gar nicht aufgefallen sind und anderen auch nicht. Ein Beispiel: als ich meine erste Wohnung alleine hatte, habe ich unterm Fußabtreter eine Chipkarte deponiert. Die brauchte ich zum Öffnen der Tür. Der Windzug hat sie regelmäßig zufallen lassen. Mit der Chipkarte kam ich wieder rein. Und wo war der Schlüssel? Warum blieb der immer drinnen, obwohl das täglich passierte?
Prokrastination ist auch noch ein riesiges Thema.
Jetzt bin ich 49 und kann solche Dinge sowohl beruflich als auch privat nicht mehr verbergen. Und wenn die früher nur störenden Reize (Laute Kinder, bellende Hunde, Parfüm) zu viel werden, verliere ich mittlerweile komplett die Orientierung. Dann laufe ich im Kreis ohne zu wissen, was ich eigentlich will. Das hatte ich früher nicht, da hab ich höchstens rumgebrüllt.

Also ich bezeichne mich selbst sehr oft als Hochsensibel, denke aber wie es @Andromache bereits geschrieben hat das man Hochsensibilität nicht als Charaktereigenschaft bezeichnen kann sondern eben wortwörtlich zu nehmen ist, also zum Beispiel das man einfach Hochsensibel oder eben vielleicht auch anders formuliert: Überempfindlich ist in seinen Reaktionen auf Geräusche, Gerüche, Berührungen ect. ist, that’s all.
Mir persönlich können bestimmte Geräusche einfach sehr schnell zum Beispiel regelrecht körperlich Schmerzen auslösen, meine Ohren fangen dann an sich sehr angespannt anzufühlen als würde jemand meine Ohren lang ziehen, Gewichte dran hängen, dass geht dann soweit das ich Kopfschmerzen und Übelkeit verspüre, schwer zu beschreiben aber sehr unangenehm.
Dann habe ich sehr lichtempfindliche Augen, schon als Kind war das helle Licht auf Ski Pisten zum Beispiel für mich kaum zu ertragen, meine Augen fangen dann sofort an zu Tränen, muss sie zusammen kneifen, es fängt an zu schmerzen und ich kann fast nichts mehr sehen, auch dann kriege ich sehr schnell Kopfschmerzen. Aber auch ohne Schnee, also zum Beispiel an einem ganz normalen Sommertag kann ich es nie lange ohne Sonnenbrille aushalten.
Manche Gerüche kann ich kaum ertragen, lösen sehr schnell Brechreiz aus, nach Gerüchen die nach meinem Empfinden fein riechen kann ich fast schon süchtig werden, löst ein extrem gutes Gefühl aus.
Meine Haut ist extrem empfindlich, bekomme schon nach 15 min. an der Sonne einen Sonnenbrand, kriege schnell Allergien, reagiere überempfindlich auf grobe Stoffe, Hitze, Kälte, ect., spüre geringste Unebenheiten, habe sehr empfindliche Fingerspitzen, meinem Fingerspitzengefühl bleibt nichts verborgen, empfinde aber auch hier, also mit der Haut, schnell Schmerzen, habe eine wirklich sehr empfindliche Haut.
Bin immer vorsichtig da ich immer wieder mal aus heiterem Himmel allergisch auf etwas reagieren kann, habe deshalb immer Fenistil im Gepäck.
Aber auch auf der Gefühlsebene bin ich empfindlich, merke sofort wenn was nicht stimmt, reagiere selbst beim Einkaufen oder einfach überall wo ich auf Menschen treffe auf deren Gesichtsausdrücke, Körpersprache, Stimmlage, als sei ich ständig in Alarmbereitschaft, beim geringsten Anlass reagiere ich mit dem Kampf oder Flucht Instinkt.
P.s. übrigens empfinde ich diese Empfindlichkeit als sehr lästig da ich mich dadurch oft sehr angespannt fühle, wie ein überspannter Bogen sozusagen, also als positiv oder etwas wo ich irgendwie stolz drauf wäre kann ich das nicht hervor heben oder sowas, im Gegenteil ich wäre froh wäre ich nicht so empfindlich, dann wäre das Leben für mich leichter.
(P.s. das ich erst mal gründlich nachdenke bevor ich spreche wie von @Khan beschrieben ist bei mir aber nicht der Fall, ehr umgekehrt, da ich sehr emotional bin, heisst ich spreche erst bevor ich nachdenke, :joy:dass ist aber eigentlich irgendwie ironisch gemeint.)

Dass ADHSler nicht nachdenken bevor sie reden/handeln ist für meinen Geschmack aber zu verallgemeinert dargestellt.

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Hochsensibilität ist oft ein Anteil von Adhs, aber es gibt auch neurotypische Menschen, die „nur“ hochsensibel sind. So wie es bei mir der Fall ist.

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Zumindest meine persönliche Erfahrung mit Adhslern.

@ads66 ja das stimmt natürlich, ich habe das ehrlich gesagt auch ein bisschen ironisch gemeint, natürlich denkt man auch als Adhs’lerin nach bevor man redet, auch ich, obwohl ich wirklich sehr emotional bin.
Ausser wenn die Impulsivität mit mir durchgeht, da sehe ich halt dann echt rot und rede dann zuerst bevor ich denke, aber sonst im allgemeinen denke ich mir auch erst mal was bevor ich rede, auch wenn ich manches im Nachhinein vielleicht auch wieder bereue, besonders wenn ich wieder mal total vom eigentlichen Thema abschweife und so. :wink: :joy: :rofl:

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Ja, hast ja geschrieben, dass es deine persönliche Meinung ist. Ich denke halt, dass es ein Phänomen ist, das eher der Persönlichkeit eines Menschen zugeschrieben werden kann, als der ADHS. Martin Winkler ordnet ADHS, ASS, HSP, LRS und Dyskalkulie demselben neurodiversen Spektrum zu. Hat alles mit ner Reizfilterschwäche zu tun. Klingt für mich plausibel.

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Ja Reizfilterschwäche trifft es bei mir gut, eben die Unfähigkeit Reize auszublenden und starke Reaktionen darauf, dass Gefühl das ich mich schnell überbordet oder überflutet fühle, sehr oft auch Gefühle von sich eingengt fühlen, dann zieht sich bei mir der Hals zusammen, muss der Situation dann schnell entfliehen.
Deshalb waren mir zum Beispiel Rummelpläze, Vergnügungsparks, grosse Einkaufszentren und ähnliches schon immer ein Graus.
Und das in der Hauptsache wenn der Lärmpegel sehr lange sehr hoch ist, aber auch die anderen „zuvielen Sinneseindrücke“ auf einmal prasseln ungefiltert auf mich ein, dass macht mich fertig.
Aber auch nach dem Einkaufen fühle ich mich meistens total erledigt, muss dann erst mal die Füsse hoch legen und brauche absolute Ruhe, kein Radio, kein Fernseher, kein Handy, einfach nichts.
Ja zuviele Sinneseindrücke auf einmal, dass kann ich wirklich zu 100% bejahen, darauf reagiere ich sehr empfindlich, dass war schon immer so.

Andererseits kommt es auch sehr auf meine jeweilige Stimmung an, oder mit wem ich zusammen bin, der Anlass warum ich wo mit wem hingehe, weil je nach dem kann ich etwas dann besser ertragen, oder macht mir sogar fast nichts aus, oder sogar tatsächlich garnichts aus, irgendwie scheint das bei mir sehr individuell und eben auch Stimmungsabhängig zu sein ob ich mich dann trotzdem entspannen kann oder nicht.
Ich könnte also bei mir nicht behaupten das ich immer gleich, oder immer nur so oder so auf etwas oder jemand reagiere wenn es zum Beispiel um den Kontakt zu Menschen geht.

Aber bei meinen Empfindungen auf Geräusche, Berührung, Gerüche, Licht, Helligkeit, Geschmack usw., darauf reagiere ich in der Regel meistens mit meiner Überempfindlichkeit immer gleich, doch das würde ich schon so festhalten, dass bleibt eigentlich unverändert, also eben das dann schnell meistens KOPFSCHMERZEN auslöst, und zum Beispiel kann sich dann auch ein Gefühl von Übelkeit, bis zum Brechreiz entwickeln, bis hin zur Migräne, eben ein Gefühl von totaler Überreiztheit.

So jetzt habe ich es glaube ich geschafft meine Empfindungen einigermassen gut in Worte zu fassen. :cat:

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Dieser sehr interessanten Artikel fiel mir heute quasi zu.
ADHS wird nur indirekt angesprochen, indem die typische Reaktion auf das Rascheln im Gebüsch (Vorteil der feineren Sinneswahrnehmung durch Möglichkeit der Flucht) angesprochen wird.

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Wie kommst du dann darauf, dass du hochsensibel bist, denn die hohe Sensibilität bezieht sich nicht nur auf den emotionalen Bereich, sondern auch auf jeden Bereich der Sinneswahrnehmung. So sind HSPler auch sehr licht- und geräuschempfindlich, reagieren sehr empfindlich auf ihnen unangenehme Gerüche (z.B. mit Kopfschmerzen) und können bestimmte Stoffe nicht auf der Haut ertragen.

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Ich hatte übrigens auch schon als Kind eine gute Beobachtungsgabe, wenn wir zum Beispiel im Wald unterwegs waren war ich meist die erste die ein Eichhörnchen, einen Vogel, eine Kröte, einen Molch im Weiher, entdeckt habe, oder habe mich an der Schönheit von klein gewachsen Pflänzchen erfreut die vielen nicht mal auffallen wenn sie dran vorbei laufen. Das ist auch heute noch so, ich kann mich dann regelrecht in solchen Details verlieren, sei es der Duft von Moos, frisch geschnittenem Gras, Blütenduft der in der Luft liegt, oder auch die perfekte Schönheit von zum Beispiel Stern Moos, dieser wunderschöne Anblick wenn die Tauperlen darin glitzern als seien es tausende Sterne.
Oder die kleine Raupe die über Äste krabbelt, sehe ihre feinen Härchen, die kleinen Beinchen, ihre Fühler, die feine Zeichnung auf ihrer Haut, solche Kleinigkeiten haben mich schon immer sehr erfreut.

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Ach Abrissbirne, man möchte dich eigentlich von morgens bis abends einfach nur knuddeln aufgrund solcher Beiträge. :hugs:

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Mein lieber @Schröder dieses Kompliment mit dem knuddeln gebe ich gerne an Dich zurück. :hugs:

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