Hallo zusammen,
ich würde gerne meine aktuelle Situation schildern, weil mich das Thema zunehmend beschäftigt und ich gerne wissen würde, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat.
Ich nehme Elvanse aktuell als Bedarfsmedikament. Anfangs war ich mir gar nicht sicher, ob ich überhaupt eine Wirkung merke. Mittlerweile habe ich aber deutliche Unterschiede festgestellt: Mit Elvanse fühle ich mich oft klarer, konzentrierter und strukturierter. Dinge fallen mir leichter und ich habe das Gefühl, besser auf meine Fähigkeiten zugreifen zu können.
Gleichzeitig ist dadurch ein neues Problem entstanden: Ich traue mir ohne Elvanse immer weniger zu. Ich habe zunehmend das Gefühl, dass ich ohne Medikament nicht zuverlässig funktionieren kann. Besonders belastend ist die Angst, in wichtigen Situationen zu versagen – zum Beispiel bei Prüfungen oder anderen Stresssituationen. Das Gefühl, etwas eigentlich zu wissen oder zu können, es aber im entscheidenden Moment nicht abrufen zu können, macht mir große Angst.
Interessanterweise liegen meine größten Probleme aber gar nicht unbedingt bei Leistung oder Studium, sondern eher im Alltag und im sozialen Bereich.
Ich erlebe zunehmend:
- starke Unsicherheit in sozialen Situationen
- ein „Einfrieren“ in Gesprächen, sodass mir keine spontanen Antworten einfallen
- das Gefühl, abwesend oder blockiert zu sein
- schnelle Überforderung in Gruppen
- Schwierigkeiten, wirklich im Moment zu bleiben
Dazu kommt eine starke Selbstbeobachtung:
- Ich frage mich häufig, wie ich auf andere wirke.
- Ich habe oft das Gefühl, komisch zu sein oder nicht richtig dazuzugehören.
- Nach sozialen Situationen analysiere ich oft alles, was ich gesagt oder getan habe.
- Ich vergleiche mich mit anderen, die scheinbar viel souveräner auftreten.
Ein weiteres Thema ist eine starke Versagensangst, die sich auch auf Freizeitaktivitäten auswirkt. Beim Sport, Spielen oder sogar bei Aufgaben wie Mathe entsteht schnell ein großer innerer Druck. Ich habe Angst, Fehler zu machen, nicht gut genug zu sein oder mich vor anderen zu blamieren. Dadurch kann ich Dinge, die mir eigentlich Spaß machen, nicht mehr richtig genießen, weil ich ständig meine Leistung bewerte.
Außerdem fällt es mir schwer, Grenzen zu setzen:
- Ich sage oft nicht Nein, obwohl ich es eigentlich möchte.
- Ich passe mich häufig an.
- Ich bin unsicher, wie ich in Gruppen reagieren oder mich behaupten soll.
- Manchmal habe ich das Gefühl, dass andere mit mir respektlos umgehen und ich es zulasse.
Emotional merke ich ebenfalls Veränderungen:
- weniger Motivation
- mehr Rückzug
- weniger Lust auf soziale Aktivitäten
- teilweise ein Gefühl von Sinnlosigkeit oder fehlender Richtung
Besonders schwierig sind Situationen, in denen ich spontan reagieren muss. Wenn jemand einen provokanten oder respektlosen Kommentar macht, weiß ich oft nicht, wie ich angemessen reagieren soll. Danach grüble ich häufig lange darüber nach.
Ich habe das Gefühl, dass sich das in den letzten 1–2 Jahren verstärkt hat. Vorher war ich sozial deutlich sicherer und stabiler. Seit ungefähr einem Jahr habe ich das Gefühl, dass ich mich immer mehr zurückziehe und weniger Vertrauen in mich selbst habe.
Ich frage mich deshalb:
- Kennt jemand dieses Gefühl, dass man durch Elvanse plötzlich merkt, wie viel leichter Dinge sein könnten, und dadurch Angst bekommt, ohne nicht mehr klarzukommen?
- Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit Selbstwertproblemen, sozialer Unsicherheit oder Versagensangst im Zusammenhang mit ADS gemacht?
- Was hat euch geholfen, wieder mehr Vertrauen in euch selbst aufzubauen?
Mir geht es nicht darum, Elvanse schlechtzureden. Ich merke, dass es mir vermutlich hilft. Ich habe nur Angst, dass mein Selbstvertrauen zu stark davon abhängig wird.