ADS und Staatsexamen Psychotherapie

Hi Leute,

bei mir wurde gestern beim Psychiater eine ADS Diagnose gestellt.

Da ich Psychotherapeut werden möchte und gerade im Studium hierzu bin, würde ich gerne wissen ob diese Diagnose irgendwie Probleme beim Staatsexamen machen könnte.
Man hört ja immer mal wieder, dass beim Staatsexamen von Juristen und Lehrern psychische Krankheiten nicht gerne gesehen sind, wobei sich das Thema seit einigen Jahren glaube ich etwas aufweicht.

Was denkt ihr darüber?

Viele Grüße
cgncgn93

Hallo cgn9393!
Grundsätzlich kann auch ein AD(H)Sler einen medizinischen Beruf ergreifen. Prominentes Beispiel im Moment wohl Dr. Eckard v. Hirschhausen, der auch schon im OP-Saal stand (und noch steht? Weiß ich gar nicht…)

Empfehlungen wirst du hier keine bekommen, dafür müsstest du dich ein bisschen mehr vorstellen. ADHS hat sehr viele Facetten, einige könnten dir im Weg stehen, andere nicht. Auf dein Examen sollte es aber keinen Einfluss haben.

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Zieh doch deinen Nutzen daraus.
Welcher Psychotherapeut könnte ADHS besser verstehen und behandeln?! :thinking:

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Ja, genau!

Und wenn könnte besser helfen?

Man wird Dir die Türen mit dieser Spezialisierung einrennen…

Hi,

Kurzum:
es sollte bei der Approbation keine Probleme machen, sofern du es dauerhaft stabil „im Griff“ hast, bzw. irgendwie zeigen kannst, dass du kontinuierlich so an deinen Themen arbeitest, dass sie sich nicht negativ auf die Klient:innen auswirken könnten und wenn du es von Anfang an möglichst transparent hältst (ich halte es für ratsam zu Beginn der Therapieausbildung zu machen, wo es sonst eh formale Kriterien und Aufnahmegespräche gibt)

Jetzt nochmal genauer:

  • Eine der Bedingungen zur Approbation ist die gesundheitliche Eignung. Im Zweifel können evtl. ärztliche/psychologische Gutachten verlangt werden.
    Sollte die im Laufe der Berufsausübung nicht mehr bestehen oder es Zweifel daran geben, kann die Approbation entzogen oder vorübergehend pausiert
    werden.

  • Beispiele für mangelnde Eignungen wurden in diesem älteren Ärzteblatt recht schön zusammengefasst. Es kommen dennoch immer wieder Leute durch, ungeeignete Psychotherapeut:innen gibt es überall, genauso wie Psychiater:innen. Schlechtere Karten hat man etwa eher, wenn eine Persönlichkeitsstörung oder Sucht auffällig wird und man auch da nicht stabil ist. - > Eine gewisse Verantwortung haben jedenfalls schon die Ausbildungsinstitute beim ersten Aussieben und Abklopfen.

  • Selbsterfahrung- und Supervisionsstunden sind Ausbildungsbedingungen. Dabei wird auch nochmal klarer, was wie gut läuft oder tiefer bearbeitet gehört oder tatsächlich ein Hindernis ist.

Laut den Psychotherapeut:innen die ich kenn, kann so eine Diagnose tatsächlich einen Nutzen bringen, weil man die Materie ja am eigenen Leib erfahren hat - sofern es halt stabil ist, nicht zu krass ist und man in Behandlung ist oder diese wiederaufnehmen kann im Falle des Falles.
Ne gute Selbsteinschätzung und - reflexion sind essenziell.

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Ich würde allein vom Gefühl her schon von Anfang an mit offenen Karten spielen.

Grade bei diesem Berufswunsch.

Wie @Nono schon gesagt hat: Man wird dir (nach erfolgreichem Abschluss) die Türen einrennen…

Um es mal ganz platt auszudrücken:

Mir wäre nach aktueller Sicht ein Spezialist mit ADXS der für sein Fachgebiet brennt lieber,als jemand der „neurotypisch“ ist…

Einfach weil meiner Meinung nach die Chance, dass dieser Spezialist mehr als nur sein bestes geben wird, größer ist. Einfach wegen diesem inneren Feuer für sein Fachgebiet.

Zudem gibt es, Grade bei Therapeuten, noch entsprechende Kontrollinstanzen wie @AWOL ja bereits sagte…

Spiel einfach mit offenen Karten und gib dein bestes.

Du packst das :wink:

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Was Jura angeht habe ich gar keine Ahnung.
Aber für Lehrer:innen gilt: Psychische Probleme können bei VERBEAMTUNG Probleme machen.
Auch da muss das aber nicht so sein.

Ich denke, dass eine ADHS Diagnose bei deinem Examen keine Rolle spielt.
Außer natürlich für dich selbst. Lernen, Struktur, Konzentration…

Nicht, dass du deine Uni näher beschreiben müsstest. Aber ich höre zum ersten Mal vom Staatsexamen im Bezug auf Psychologie.
In dem Bereich hat sich ja außerdem kürzlich was geändert, was die Approbation angeht. Also dass nun direkt Psychotherapie studiert werden kann und damit nicht mehr eine teuere Aubsildung im Anschluss die Qualifikation bringt.
Das alles gerade so ganz stark verkürzt angerissen, denn ich bin keine Expertin. Und da gibt es ja noch die Möglichkeiten über andere Studiengänge trotzdem noch in Therapieausbildungen zu kommen, etc.

Je nach Ausbildungszweig können aber durchaus noch Eignungsgespräche auf dich zukommen. Insbesondere analytische Schulen schauen sehr genau hin, ob die Leute zu ihrem Strang passen. Aber die Diagnose selbst würde ich auch da nicht für ein Problem halten.
Kann nur sein, dass dir da jemand gegenüber sitzt, der jedes Problem lieber mit der Beziehung zu deinen Eltern als einer neurologischen Ursache erklären will :grin:

Ansonsten hat @AWOL wie immer was super kompetentes dazu geschrieben :slight_smile:

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Ich kapiere ehrlich gesagt nicht warum Adhs ein Problem sein sollte um Psychologie zu studieren oder Psychotherapeut zu werden, ich dachte es gibt sogar ein bis zwei bekannte Adhs Spezialisten* im deutschsprachigen Raum die sich zu ihrem Adhs bekannt haben?, und ausserdem wäre es für andere Adhs’ler* doch von Vorteil wenn sie sich von einem anderen Adhs’ler* behandeln lassen könnten, oder?.

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Bei mir steht demnächst (im nächsten Jahr irgendwann) eine Gesundheitsprüfung zwecks Verbeamtung an, da bin ich auch sehr gespannt, inwiefern da irgendwas problematisiert werden wird.
Meine Argumentation wird sein: jahrelang undiagnostiziert und unbehandelt habe ich erfolgreich gearbeitet, jetzt mit der Diagnose, Psychoedukation und Medikament bin ich konzentrierter und wacher, es gibt also keine Nachteile. Ich werde berichten.

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