ADS vs. Schizophrenia Simplex ohne Wahn, ohne Halluzinationen

Hallo,

da die Symptombilder AHDS und Schizophrenia Simplex scheinbar sehr ähnlich und dieses lt. Quellen wohl auch öfters verwechselt werden, wollte ich gerne mit euch über Schizophrenia Simplex sprechen und fragen, ob Jemand von euch mal darüber nachgedacht hat, ob er vielleicht kein ADHS hat oder ggf. ADHS & Schizophrenia Simplex. Vielleicht hat ja auch Jemand damit Erfahrung.

Lt. https://www.springermedizin.de/ein-fall-von-schizophrenia-simplex/8060602

Zusammenfassung

In der klinischen Arbeit wird der Psychiater immer wieder mit Patienten konfrontiert, deren psychopathologisches Zustandsbild eine einfache und eindeutige diagnostische Einordnung erschwert. Auf dem Gebiet der Schizophrenien sind insbesondere die Patienten, bei denen Autismus, exzentrische Verhaltensauffälligkeiten und Affektstörungen bei Fehlen von positiven Symptomen im Vordergrund stehen, ein diagnostisches Problem. Wir berichten den Fall einer Patientin mit formalen Denkstörungen, autistisch-rückzügigem Verhalten, Kontakt- und Ausdrucksstörungen, bei der zu keinem Zeitpunkt Wahrnehmungsstörungen, Wahn oder andere Symptome einer Schizophrenie bestanden. Wir diskutieren das diagnostische Dilemma bei der konsequenten Anwendung diagnostischer Kriterien der Klassifikationssysteme in diesem exemplarischen Fall.

sowie

Schizophrenia
simplex
-Beginn meist im
jugendlichen
Alter
-antriebsarm, abgestumpft, ohne
Initiative und
Energie,
depressiv, Versagen in Schule/
Beruf
-langsam und
schleichend,
ohne besonders
auffällige
Symptome zum
Defektzustand

Bei Schizophrenie handelt es sich um akute Psychosen, dh. das tritt episodisch auf, bei manchen nur einmal oder wenige Male im Leben.
Von daher steht das als Differentialdiagnose aus meiner Sicht nicht zur Debatte, ADHS ist ja konstant vorhanden, auch wenn sich die Symptomatik ändern kann.
Was nicht heißt, dass man das mit ADHS nicht haben kann, das ist wie mit den Läusen und Flöhen.

Ob es für Laien ratsam ist, sich damit intensiv zu beschäftigen, wage ich zu bezweifeln. Ich persönlich traue mir da eine Einordnung außerhalb dieser grobklotzigen Unterschiede (s. o.) nicht zu…
Noch was Mom-splainiges: Ein Spaziergang oder Achtsamkeitstraining wäre sicher nützlicher, man muss dem Affen (Gedankenkreisen) ja nicht noch Zucker geben…

2 „Gefällt mir“

Auch ich habe diese Diagnose gestellt bekommen, allerdings waren sich die Ärzte da auch nicht so ganz sicher. Es war er das, was am Ende übrig geblieben ist.

Lass mich mal in blaue hinein raten: für eine Autismus Diagnose bist du zu empathisch ?
War zumindest bei mir so…

Das blöde an der Diagnose ist ja nur, dass es keine Therapie gibt, naja außer Amisulprid, was zumindest mir nicht hilft.
Daher raten manche Psychiater auch davon ab, diese Diagnose zu stellen.

Es fühlt sich wie der verzweifelte Bodensatz des ICD an :roll_eyes:

Ja. +1. Wage ich ebenfalls zu bezweifeln.

Zumal doch nicht einerseits so etwas wie „Träumen / 10 Gedankenspuren gleichzeitig“ (siehe Deinen anderen Thread) und „wenig lebhaft, Patienten sind im Denken einfallslos“ in Betracht kommen kann.

Läuse und Flöhe sind das eine. Aber dann gibt es ja noch „Ockhams Rasiermesser“, das Sparsamkeitsprinzip. Und ADHS scheint mir da statistisch immer noch wahrscheinlich als eine „sehr seltene Schizophrenie-Form“.

1 „Gefällt mir“

@Hebbelanna

Bei Schizophrenia Simplex ist es ein schleichender Prozess, ohne Wahn mit überwiegenden Negativsymptomen. Ich habe leider keinen Vergleich von einer Gruppe ADHS Leute ohne Hyperaktivität und einer Gruppe Schizophreniekranker mit postschizophrener Depression (Zustand wie NACH einer Psychose).
Denn zweites soll sich auch bemerkbar machen durch Aufmerksamkeitsprobleme und Formale Denkstörungen. Oder gibts bei ADHS keine Denkstörungen?

Wenn es doch oft mit ADHS verwechselt wird, muss man davon ausgehen, dass die Symptome so latent sind, dass die meisten Ärzte auch genauso wie bei ADHS sagen würden „Ach, sie haben nichts. Gehen Sie wieder nach Hause“

@K_Punkt
Ich weiß noch nicht ob sie bei mir überhaupt Autismus ausgeschlossen haben. Bin noch in den Interviews.
Ich habe von Amisulprid gelesen. Hast Du jetzt nur die Simplex Diagnose, oder auch noch Andere? Was ist mit anderen Diagnosen / Offlabel Medis?

Wenn die Psychiater diese Diagnosen nicht stellen, dann lassen sie den Patienten nach Hause gehen und im Glauben, dass man nichts hat, oder wie? Bis man dann aus seinem Sessel nicht mehr rauskommt oder sich freiwillig in die Notaufnahme begibt, weil man sonst keine Hilfe bekommt? Vielleicht kannst du über dich noch ein wenig mehr erzählen.

@Elementary

wenig lebhaft, Patienten sind im Denken einfallslos bezieht sich sicher auf Schizophrenie im allgemeinen, oder? Die Simplexvariante wird nur am Rande erwähnt und Wahn oder so gehört zum Beispiel auch nicht dabei. Warum ist sie denn so selten? Weil sie nie diagnostiziert wird und durch Raster der Diagnosesysteme fällt? Dann frag ich mich, wieviele „einfach nur faule“ Harz4 Leute es da draussen gibt, die nicht diagnostiziert sind.
Zitat Wikipedia: „Sie leben dahin, ohne sich groß um gesunde Lebensziele, um ihr berufliches Fortkommen, ihre Angehörigen und ihre Zukunft zu kümmern.“

Nochmal kurz zum PDF was ich verlinkt habe. Blatt 6 und 21

Auch nochmal hier ein interessanter Link:

Wenn ich das hier lese…:

„Bei [schizoi­den Per­sön­lich­keitsstörun­gen](Pschyrembel Online Persönlichkeitsstörung/K0GPP) stehen vor al­lem An­he­donie, emotiona­le Kühle und mangelnde [soziale Kompetenz](Pschyrembel Online Kompetenz/P0338) im Vor­der­grund. Man nennt sie auch Asper­ger-Syn­drom im Er­wachse­nen­al­ter.
(Hervorhebung des letzten Satzes durch mich)

…dann ist das für mich ein Indiz dafür, dass der Pschyrembel in Sachen psychiatrisch-neurologischer Syndrome und Störungen kein geeignetes Informationsmedium ist. Besser einen Blick in ICD10 und DSMIV/V werfen.

Das mit dem Asperger Syndrom (das es glaub gar nicht mehr gibt, diagnostisch gesehen… - es heißt jetzt glaub

Autismus Spektrums Störung

ASS

Auf jeden fall ist es so, daß mir sehr sehr wenige Leute glauben, daß ich ASS habe.

Und es glauben mir sehr wenige Leute, daß ich ADHS habe.

ich habe selber überhaupt nur spitzgekriegt, weil mich das adhs befähigt, außerhalb der gewöhnlichen Bahnen zu denken, und der Autismus führt dazu, daß ich persistiv und verbissen wie die Sau sein kann.

(RW - ich kann sehr zielstrebig und über alle Maßen ausdauernd sein, wenn mich stress oder Leid oder spaß dazu treibt)

Außerdem lese ich sehr gerne.

Ich habe mich etwa 15 Jahre damit beschäftigt, alles immer gegen die Belustigung, Befremdung und Sorge von Familie, Freunden und so weiter.

ich will jetzt nicht shreiben, weshalb ich dadrauf gekommen bin, weil das wäre viel zu viel Info.

Daß jemand ANDERES nicht darauf kommt, wundert mich überhaupt gar nicht.

Da musst du shcon sleber darauf kommen, und dann gezielt jemanden aufsuchen, der sich mit diesem Mischtyp auseinandersetzt. Oder du gerätst zufällig an ihn.

Naja jedenfalls stellt sich heraus, daß der Mischtyp ganz anders ist, als man ihn sich vorstellt.

Weil verschiedene sachen halt eben sich ausgleichen.

Zb nehme ich seit 2 wochen Methylphenidat.

Bumm, schon bin ich autistischer als vorher. Vom komplettem chaos in einen Modus, in dem ich feststelle, daß ich äußerst gerne ordne und strukturiere.

Alter war das eine überraschung.

naja viel glück und lass dich nich so kirre machen. such einen spezialisten. ist alles besser als Jahre mit einem Antihypnotikum wie Quetiapin zu verschwenden, wenn man gar nicht so psyscho ist.

frag mich nicht woher ich das weiß

(RW - ich weiß es, weil mich das quetiapin voll abgefuckt hat und mir es in meiner saustallwohnung sehr sehr sehr schlecht ging)

Naja ich erspare euch das ganze , haut rein

PS:

Ein Autist mit adhs ist über alle maßen gut darin, herauszufinden, warum und auf welche weise er anders tickt - er kann sehr gut reflektieren, und dadurch sehr sehr viel lernen.

Was bei mir passiert ist, und immer noch passiert. Zb habe ich neulich erst verstanden, was empathie überhaupt ist. ich hatte es komplett falsch verstanden, weil es mir niemand erklärt hatte.

Ich habe endlich gesehen, daß ich zwischen Arbeitskollegen und Freunden nicht unterscheiden kann. Deswegen erzähle ich allen alles über mich. Ich behandle beide gleich.

naja, man sucht sich dann automatisch jemanden, den man immer fragt, warum die anderen sauer auf einen sind, oder ob die Verkäuferin sauer ist, oder einen scherz gemacht hat, oder ob die frau geflirtet hat oder ob das mehr so kumpelhaft gescherzt war.

in meinem fall ist da meine cousine und mein bester freund, von dem ich nicht weiß, ob es mein bester freund ist.

naja ok

1 „Gefällt mir“

@ppaul Ja, frühkindlicher Autismus, Aspergersyndrom und atypischer Autismus werden künftig als Autismusspektrumstörung mit Angaben zu Ausmaß der Einschränkungen und Ausprägung diagnostiziert, da sich bei Erwachsenen rückblickend kaum sicher dazwischen unterscheiden lässt und andererseits die bisherigen Begriffe wenig über das Ausmaß der Einschränkungen sagen.
Aber dass eine schizoide PS mit dem Erwachsenwerden zu einem Aspergersyndrom wird, stimmt schlicht nicht. Man muss nur mal die Diagnosekriterien anschauen.

Was du zu den Erleuchtungen schreibst, erlebe ich genauso. Cool, dass du das Ding mit der Empathie begriffen hast. Ich immer noch nicht. Also theoretisch schon. Aber so richtig durchdrungen halt nicht. V.a. scheint mir, dass die vielbeschworene Empathie von NTs sich auch genau nur auf NTs bezieht. Sie scheinen gegenüber Neurodiversen zu ebenso wenig Empathie fähig wie Neurodiverse NTs gegenüber. Bloß sind sie in der Mehrheit und sind daher scheinbar supergut in Empathie. Der Deutsche ist auch gut in seiner Kultur, und der Japaner fällt auf - aber schick mal den Deutschen nach Japan. Da funktionieren seine Theorien über das Verhalten der anderen plötzlich nicht mehr so gut.

Hi.

Ich habe diese empathie ausführlich erklärt auf mein audiotagebuch gesprochen. kann ich dir irgendwie senden oder iwo hochladen wo du es runterladen kannst.

so wie ich es verstanden habe halt. ich glaub ich hab es dekodiert. In Japan wars sehr angenehm, weil für die ist jeder Gringo verrückt. da fällt man nicht auf. In diesem sinne hast du also glaube ich echt mit dem assesment der situation.

1 „Gefällt mir“

Deine Antworten haben mich geflashed. Als hätte ich das geschrieben.

Wenn mich mal ein Thema richtig interessiert, kann ich so tiefschürfend sein, dass die Anderen immer sagen „Du nimmst es immer viel zu genau“. Das endet dann im Perfektionismus. Wenn mich Jemand in die andere Laufbahn „schiebt“ oder „zieht“, kann das bei mir zur Verwirrung führen. Deshalb muss ich extrem aufpassen, auf wen ich höre und auf wen nicht. Deshalb wirke ich oft egoistisch - aber nur weil ich nicht „live“ im Leben der Anderen „versumpfen“ möchte. Wie ein Chameleon, was aufpassen muss, dass es nicht die Farbe ändert.

Ich stehe dann zwischen zwei Stühlen und die Arbeit wird nicht tiefgründig genug und oberflächlich ausgeführt, weil mich dieses Gefühl zwischen zwei Stühlen zu stehen total quält. Das führt dann dazu, dass ich abdrifte, den Faden verliere und gereizt bin, wenn ich in sozialen Interaktionen bin. Wenn es nicht genau so läuft wie ich es möchte, dann werde ich aggressiv und wirke abgelenkt und verliere die Energie. Haben sie doch oft gar nicht richtig verstanden, was ich gesagt habe. Die Zeit reichte einfach nicht aus - denn bevor ich zum Punkt kommen kann, werde ich unterbrochen (Weitschweifigkeit). Dabei habe ich ständig das Gefühl, ich hätte erst 20% von dem erzählt was ich eigentlich erzählen wollte und die restlichen 80% sind dann oft nur von meinen Gesprächspartnern dazugedacht. Sie wollen dann meine Erzählung ergänzen, um zum Punkt zu kommen, was aber oft nicht funktioniert, weil sie komplett anders denken und dann komplett anders handeln, als das was ich gedacht habe besprochen zu haben. Als würde ich chinesisch sprechen.

Lieber erst nachdenken und dann sprechen? Dann komm ich ja nie zum Zuge. Ich habe oft schwierigkeiten mich auch verbal auszudrücken. Kommt dann nur Gestammel raus, als hätte ich keinen Puffer zwischen Denken und sprechen.

Dazu kommt eine gewisse Trägheit und Selbstzweifel, die mich immer wieder davon abhalten aktiv zu werden. Vor allem aber, weil ich Andere Vorstellungen oder genaue Vorstellungen über das tun habe, als die Anderen. Kollektiv ist nur da möglich, wo Andere die gleiche Meinung vertreten. Und meine Vorstellung vom Kollektiv ist da vielleicht manchmal Anders halt. Als stehe ich in den Startlöchern und kann nicht loslaufen, weil das Ziel gar nicht klar definiert ist und die Anderen aber von mir verlangen, dass ich schonmal loslaufen kann. Natürlich bin ich dann demotiviert und mache Stress. Und zum Schluss hat man sich so lange Pläne über den Marathonlauf geschmiedet, aber in der Zwischenzeit haben sich die Pläne bereits geändert. So schwanke ich ständig zwischen zwei Stühlen im Perfektionismus und Selbstzweifel und Stress und geringer Leistung. Wie ein Motor der nicht rund läuft. Irgendwann stelle ich dann fest, dass es auch eine Zugfahrt getan hätte und warum ich mir eigentlich selbst im Weg stehe und nicht gleich der ersten Intuition folge, sondern es unnötig kompliziert machen muss. Aber „einfach“ ist einfach zu simple und langweilig. Macht es doch viel mehr Spaß vorher zu Philosophieren und sich einen Weg zu Mahlen.