Ich selber habe immer wieder Phasen, wo ich nur ein bestimmtes Lebensmittel/Gericht essen kann.
Als ich Kind war hatte meine Mutti eine Gaststätte mit Imbiss. Einen Sommer lang habe ich jeden Tag Currywurst gegessen und bin dabei Runden um den Birnbaum gelaufen, bis das Gras weg war. Wunder mich, dass ich damals keine Diagnostik hatte 
Ich bin noch heute eine „schwierige Esserin“ und schrabbel immer mal wieder am Untergewicht, ABER ich weiß, dass das Phasen sind. Je nach Lebensphase, äußeren und inneren Einflüssen, habe ich da mehr oder weniger Probleme. Emotionaler Stress ist am Schlimmsten für mein Essverhalten.
Zwang wäre genau der falsche Weg. Das geht nur mit Geduld und Nachsicht.
Bei schwierigem Essverhalten gilt nur eins:
Jedes Essen ist besser als kein Essen!
Ich kann die Sorgen deines Mannes verstehen und wahrscheinlich hat er generell Angst vor dem Anderssein. Das ist aber etwas, was er in den Griff bekommen muss. Andernfalls projiziert er diese Ängste auf seine Kinder und schlimmstenfalls erreicht er genau das Gegenteil. Im Falle eures Sohnes eine Essstörung.
Mein Mann meinte auch mal, dass ich wohl eine Essstörung habe. Aber nein, das ist es nicht. Ich liebe Essen. Ich KANN einfach in manchen Zeiten nichts anderes als XY essen. Manchmal kann ich Konsistenzen nicht ertragen, manchmal kann ich mich für nichts entscheiden oder begeistern. Manchmal ist es mir zu anstrengend. Mal passt der Zeitpunkt nicht, mal bin ich voll im Hyperfokus, mal bemerke ich meinen Hunger schlicht nicht. Manchmal gehen nur Trinkmahlzeiten.
Und wenn diese Phase rum ist gibt es zweimal täglich volle Teller und ich hole wieder auf.
Das Beste, was meine Eltern damals tun konnten war, das Thema einfach zu ignorieren und mir das zu Essen zu geben, was ich haben wollte. Zusätzlich haben sie mir immer auch weiteres Essen angeboten, aber nie als Zwang! Immer nur als Option. Es war auch immer etwas da, falls ich doch Hunger bekam. Es war auch total ok, mal während des Spielens zu essen, mal beim Fernsehens, als Ausnahme unter dem Tisch oder, total verrückt, mal Nudeln mit den Fingern, oder zusammen mit der Katze auf der Treppe. Ich habe diese Erinnerungen als glückliche Kindheitserinnerungen abgespeichert.
Ich kann mich allerdings Null an all die gemeinsamen Essen am Tisch erinnern. Das scheint für mich als Kind sehr unspektakulär und unwichtig gewesen zu sein. Glückliche Familienerinnerungen entstanden immer an anderer Stelle, nie am Esstisch. Dort kam es wohl eher zu unangenehmen Gesprächen, Pflichtgedöns, Langeweile usw. Da fehlte mir einfach die Aktivierung, was auch bis heute so ist. Essen allein ist einfach extrem unterstimulierend für mich. Mein Stiefvater, den ich ab dem Jugendalter hatte, bestand auf diese gemeinsamen Mahlzeiten und das war eher keine Zeit für gesunden Bindungsaufbau. Ich bin froh, dass das für mich als jüngeres Kind noch nicht galt und mir da die Freiheit gelassen wurde schon irgendwie zu wissen, was ich gerade brauche.
Ich habe aber trotzdem gelernt am Tisch zu essen und sitzen zu bleiben. Sobald wir außer Haus waren wusste ich, wie man sich benimmt.
Ich bin auch trotzdem, oder gerade WEGEN dieser lockeren Haltung, groß geworden. Wie gesagt, Bindung entstand an anderer Stelle. Oder eben genau durch das Ermöglichen der Freiheit. Ich durfte in dieser Beziehung sein, wie ich war. Das war ok. Alles andere hätte sowieso nicht funktioniert.
Manchmal muss man seine Werte und Regeln hinterfragen. Wer hat sie gemacht und uns gesagt, dass wir sie einzuhalten haben? Warum sollen sie wichtig sein? Sind sie das wirklich? Welchen Sinn haben sie eigentlich und wem nützen sie? Schaden sie uns vielleicht sogar, weil sie einfach nicht zu uns passen? Was würde wohl passieren, wenn wir neue Werte und Regeln etablieren, die mehr zu uns passen? Anarchie, Chaos und gesellschaftliches Scheitern? Oder vielleicht doch Zufriedenheit, Glück, Entspannung, Verbundenheit und gegenseitige Wertschätzung und Akzeptanz?
Dein Sohn wird groß werden. Wenn er in irgendeiner Form neurodivergent ist, dann wird dieses Essverhalten wohl zum Paket dazu gehören. Erziehung wird daran kaum etwas ändern können. Wenn er am Tisch zu wenig isst, dann lasst ihn wo anders essen. Hauptsache, er isst.