Alles nur Einbildung? Diagnostik

Hallo zusammen!

Ich vermute ADHS zu haben, bin aber noch undiagnostiziert. Ende November habe ich einen Diagnostiktermin. Jetzt bin ich so hin- und hergerissen, ob ich den absage… Eigentlich will ich es nicht, weil es so eine Rarität ist einen freien Platz zu ergattern. Aber ich habe schreckliche Angst davor, dass ich mir durch das viele Anlesen über ADHS (seit über 6 Monaten) alles nur einbilde und die Fragen so beantworte, wie es für ADHS typisch ist…Fragt mich nicht wieso ich das tun sollte - kann darauf selbst keine Antwort finden!

Ich bin w,33 und meine Grundschulzeugnisse zeigen fast kaum Hinweise auf ADHS. Erst in der Pubertät gibt es schulisch einige Marker…(aber wer will schon Zeignisse aus der 9. Klasse Gymnasium sehen?!)
Nachdem ich meine Mutter befragte, ohne sie über das Thema zu informieren, war für mich wieder völlig klar, dass es ADHS sein KÖNNTE.
Einige Dinge die sie sagte waren u.a: „ständig abgelenkt, ein Geistesblitz nach dem anderen, alles angefangen aber nicht beendet, Chaos pur, total schnell geweint, an den Haaren gezwirbelt, immer nervös und hibbelig. Ständig etwas gesucht. Mich schulisch einer Freundin angepasst, immer viel gequatscht.“
Sie war mit mir beim Kinderarzt und er sagte, ich solle Routinen üben und „Eine Sache nach der Anderen machen“. Aha- danke.

Nun bin ich selbst seit über 3 Jahren Mutter und merke zunehmend, dass ich keine Struktur und Kontrolle habe. Es war schon immer so, aber als ich Studentin und Single war und immer in den Tag hineinlebte und meinen wilden spontanen Gedanken nachgehen konnte (02:00 nachts die Wohnung umstellen- why not?!) habe ich nie an ADHS gedacht. Vielleicht weil das gesellschaftliche Bewusstsein noch ein anderes war über ADHS.

Ich bin einfach verunsichert, auch durch Aussagen von Bekannten/Anderen („das habe ich auch! Das kenne ich!“)dass ich mir ADHS nur einbilde oder durch das viele Wissen indirekt so antworte, dass es für ADHS typisch ist… Der Leidensdruck bei ADHS’lern ist natürlich hoch und ich leide mal so und mal anders unter „meiner Art“. Es nervt mich z.B dass ich mich selbst wie ein Kind fühle, weil mein Mann alles für mich und meine Familie organisieren muss. Da ich es nicht gebacken bekomme wichtige Dinge sofort zu erledigen. Ich gerate sowieso schnell in Stress und prokrastiniere viel lieber am Handy als Dinge abzuarbeiten.

Kennt ihr diese Angst vor Einbildung? Wie war das bei euch und der Diagnostik?

Liebe Grüße,
T

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Hallo @Thelma

Erstmal schön das du dich hier angemeldet hast. Das ist schon ein guter Schritt.

Also erstmal möchte ich betonen das ADHS vielseitig ist. Nicht alle ADHSler haben alle ADHS Typischen Symptome. Ich zb. hab keinen hang dazu Süchte zu entwickeln.

Mir fällt auch auf das du von einem Leidensdruck sprichst, dir aber nicht sicher bist ob du den Platz „verdient“ hast.
Wieso solltest du einen Platz nicht verdienen wenn du einen Leidensdruck hast?

Sieh es mal so: Selbst WENN du kein ADHS haben solltest, profitierst du trotzdem davon. Dann weißt du nämlich das deine Probleme vielleicht woanders liegen. Win win.

Natürlich sind die Plätze begrenzt. Aber das sind alle Therapieplätze. Und jeder muss genauso wie du jetzt auf seinen Platz warten. Das ist nunmal so. Dafür kannst du auch nichts sondern das Gesundheitswesen. Da muss sich was tun.

Leute denen es wirklich ganz schlecht geht gehen sofort in eine Klinik und bekommen da Hilfe.
Du brauchst also kein schlechtes Gewissen haben. Du hast Leidensdruck den du abklären möchtest weil es dich belastet.

Ich würde den Termin nicht absagen. Meine Oma sagte auch ihr sei nichts „auffälliges“ aufgefallen. Trotzdem hab ich ADHS.

Gerade Frauen sind meister darin die ADHS Symptome zu verstecken. Bzw. sie zu überspielen.
Deshalb fallen Männer oder Jungs im Kindesalter schneller auf wenn sie hyperaktiv sind als verträumte Mädchen die lieber in der Ecke malen statt mit anderen was zu machen.

Es kann auch ADS sein ohne das hyperaktive.

Du wirst es nur bei deinem Termin rausfinden!

Viel Glück dir!

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Hallo @Thelma, herzlich willkommen im Forum.

Du hast genauso viel Anrecht auf eine Diagnostik wie alle anderen auch. Es beschäftigt Dich doch offensichtlich und Du leidest unter Deinen Symptomen, sonst würdest Du Dich doch gar nicht mit dem Thema ADHS beschäftigen. Was Du so schreibst, auch die Schilderung Deiner Mutter, hört sich für mich schon nach ADHS an.

Hast Du mal den Symptomtest gemacht? Der kann Dir einen ersten Anhaltspunkt geben. Natürlich kann man solche Tests manipulieren, wenn man sich ein bisschen mit der Thematik beschäftigt hat. Aber warum solltest Du das tun? Es geht ja nicht darum, die Diagnose zu erschleichen, sondern Du willst für Dich Gewissheit haben. Und die hast Du nur, wenn Du ehrlich bist. Und das wirst Du sein.

Also, geh zu Deinem Diagnostiktermin. Den meisten geht es besser, wenn sie Gewissheit haben.

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Hallo ihr beiden!

Danke für eure Antworten. Ja, durchaus beschäftige ich mich schon lange mit ADHS - auch schon vor einigen Jahren zufällig. Ich merkte bezogen auf meine krasse Emotionalität, dass ich irgendwie anders bin. Wie schaffen es die anderen ihre Emotuonen immer so gut im Griff zu haben? Ich habe in fast allen erdenklichen Situationen schon geweint. Beim AG, beim Bäcker, in der Ubahn, auf der Straße, überall.

Was den Leidensdruck angeht: ich stehe jetzt nicht jeden Morgen auf und klage darüber wie ich bin. Manchmal lache ich über meine lustigen Angewohnheiten, mal bringt es mich zur Weißglut. Aber irgendwie war ich ja schon immer so…?!

Ich finde es auch schwierig auf „häufig“ „oft“ usw. Zu antworten. Wie oft ist etwas oft? Mache ich etwas häufig oder ist es für andere eher oft? :joy:ich verkompliziere oft Sachen, das wurde mir schon öfter mal gesagt und steht u.a auch im Grundschulzeugnis, dass ich Probleme in etwas hineinlese wo keine sind.

Puh… ich habe echt Angst vor der Diagnostik :face_with_peeking_eye:

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Kannst du benennen, was Dir Angst macht?

Dass ich es mir alles nur einbilde und „übertreibe“. Mir irgendwas zuschreibe was nicht stimmt. Nur weil es jetzt ein stärkeres Bewusstsein für ADHS gibt.

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Aber gerade das spricht ja dafür, dass Du die Diagnostik machst. Und wenn die negativ ausfallen sollte, werden die dort kaum denken, dass Du wertvolle Ressourcen geklaut hast. Wobei hier auch einige sind, die dem negativen Ergebnis nicht geglaubt haben und eine 2. Diagnostik gemacht haben. Hör auf Dein Bauchgefühl, Du kennst Dich selber am besten.

Du könntest auch die Symptomliste auf adxs.org durchgehen und gucken, worin Du Dich wiederfindest und Dir Beispiele dazu notieren, inwiefern das Symptom bei Dir auftritt. Auf meiner Liste stand z.B.

  • · Verzetteln in Details, auch im Studium oder bei der Arbeit
  • · Eingeschränkte Impulskontrolle (z.B. Einkäufe, Essen, Kündigung, Briefe/Mails). Versuche, „Versuchungen“ zu vermeiden, wie z.B. bestimmte Geschäfte
  • · Niedrige Frustrationstoleranz (manchmal den Tränen nahe, wenn es nicht so läuft, wie ich will)
  • · Hyperfokussierung, kann mich in Aufgabe verbeißen, wenn sie mich interessiert oder mein Ehrgeiz geweckt ist.
  • · Prokrastination stark ausgeprägt, privat und beruflich
  • · Bringe Aufgaben nicht zu Ende, sehr viele halb fertige Projekte, viele Ideen, die aber nicht umgesetzt werden (zum Teil, weil in dem Chaos kein Platz dafür ist). Fertige Wäsche liegt/hängt manchmal 2 Wochen, bevor sie weggeräumt wird. Selbst Einkäufe, die in den Kühlschrank gehören, bleiben erst mal liegen.
  • · Verlege ständig Dinge, z.B. Brille, Gutschein oder ital. Lektüre seit Monaten weg
  • · Vergesse Rechnungen oder andere Dinge (z.B. Hausaufgaben, Lebensmittel im Kühlschrank, …), die erledigt oder verarbeitet werden müssten (=> Gemüse vergammelt). Erinnerungen im Kalender schiebe ich von einem Tag auf den nächsten und den nächsten, bis sie irgendwann in Vergessenheit geraten.
  • · Ungeduld, kann nicht warten (bin immer diejenige, die im Supermarkt nach einer weiteren Kasse fragt). Macht mich vogelig, wenn Leute vor mir in aller Seelenruhe ihre Einkäufe verstauen – womöglich noch ohne Einkaufswagen.
  • · Komme oft zu spät oder in letzter Minute, schon als Kind. Abmahnung bei der Arbeit u.a. deswegen.
  • · Kann Zeitaufwand oft schlecht einschätzen, meist unterschätze ich. Denke, ich habe noch Zeit für xy und komme dann wieder zu spät, weil es doch länger gedauert hat. Oder drücke zu oft auf die Schlummertaste.

Da steht noch einiges mehr drauf, aber das würde jetzt zu weit führen. Ich habe ca. 2 Wochen an dieser Liste „gearbeitet“. Immer, wenn mir wieder etwas einfiel, habe ich die Liste ergänzt und die dann meinem Psychiater gezeigt.

So reagieren leider viele, das habe ich auch schon gehört. Lass Dich dadurch nicht verunsichern, die meisten kennen sich mit ADHS doch gar nicht aus. Es ist ja auch durchaus so, dass auch neurotypische Menschen manche Symptome aufweisen. Aber eben nur manche, nicht so viele. Und nicht ständig.

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Obwohl ich nur durch Zufall die ADHS Diagnose erhalten habe, ich wusste vorher gar nicht das es ADHS bei Erwachsenen gibt, habe ich manchmal Angst , dass irgendwas die Diagnostik revidieren könnte , obwohl alles dafür spricht.

Ich glaube es hängt auch mit dem Trugschluss zusammen, dass man meint sich nur endlich mal richtig anstrengen zu müssen und dann würde doch alles funktionieren.

Meine Diagnostik war eigentlich als „Ausschlussdiagnostik“ angedacht also nicht mal als Verdachtsbestätigung.

Dafür ist die Diagnostik doch da. Wenn du ein körperliches Problem hättest würdest du ja auch auf Verdacht zu einem Fachmann gehen.

Es ist für deine Zukunft und Gesundheit schlimmer den Termin zu verschieben falls es sich bestätigt und wenn es sich nicht dann hast du wenigstens eine Antwort.

Ich habe für mich selbst mal versucht bei so Online ADHS Tests ( auf Basis meines nun angelesen Wissens) all meine Symptome zu schönigen um zu erreichen vielleicht doch kein ADHS zu haben und scorte immer noch :crazy_face:

Du hast ja nicht vor gezielt zu lügen um eine Diagnose zu bekommen sondern wirst ja so antworten wie es nunmal so ist.
Es gibt ja auch noch das Gespräch.

Also von daher sag bloss nicht den Termin ab. Ein schlechtes Gewissen müssen nur die haben, die ohne ADHS eine Diagnostik nur machen um an die Medikamente zu kommen.

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Ich lese deine Beiträge und frage mich, woher du exakt meine Gefühlswelt kennst. Und das ist auch das, was mich (undiagnostiziert) hier hält und mir sagt, dass ich vermutlich mit meiner Vermutung (bei mir) richtig liege:

Während ich nämlich in Mamaforen und sonst überall denke, dass da lauter seltsame Menschen sind, denke ich hier bei jedem zweiten Beitrag, dass das soooo krass nach mir selbst klingt. Das klingt pathetisch, aber es fühlt sich hier plötzlich wie ein zu Hause an, in dem ich verstanden werde.

Du passt da nach meinem Gefühl genauso in diese konkrete AD(H)S-Welt wie ich. Und auch mich stresst diese Angst, dass man mir irgendwann bescheinigen könnte, ich läge falsch. „Ach, die möchte sich damit doch irgendwie nur wichtig tun oder eine Ausrede für ihre Faulheit suchen.“ :cry:

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Schön von dir zu hören :heart:

Sollen wir uns gegenseitig auf dem Laufenden halten? Scheinen ja in einer ähnlichen Situation zu stecken… „ab wann“ hast du gemerkt, dass da bei dir was anders tickt? Wirst du dich diagnostizieren lassen?

Und ja, es fühlt sich an wie Zuhause. Eine Verbindung zu Fremden, die irgendwie beruhigend wirkt.

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Ich hab fast genauso wie du die Symptome😂 ich spiele auch Memos bei WhatsApp auf 1,5x Geschwindigkeit ab, weil die mir alle zu langsam sprechen. Zudem falle ich anderen oft ins Wort und vervollständige Sätze. Das ist total nervig für die anderen.

Wie oft hast du das denn so? Also alles echt jeden Tag oder wie würdest du die Dinge auf einer Skala von „selten/nie/oft/manchmal/häufig“ einordnen? Ich habe Angst, dass mein „häufig“ vielleicht eher zu „oft“ gehört und ich die Begriffe einfach anders auffasse als andere :sweat_smile: versteht das jemand?!

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Manches davon wirklich ständig. Zu spät bei der Arbeit war ich fast jeden Tag, wenn auch meist max. 5 Minuten, die ich von meiner Arbeitszeit auch wieder abgezogen habe. Oder beim Französisch bin ich meist die vorletzte (eine schafft es regelmäßig, noch später zu kommen). Beim Chor bin ich auch dauernd zu spät. Und das Warten an der Kasse im Supermarkt ist jedes Mal furchtbar :sweat_smile:

Für mich sind oft und häufig synonym. Mach Dir nicht zu viele Gedanken, Du wirst das schon richtig machen.

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Ich bin z.B bei wichtigen Terminen nie zu spät. Ich bereite mich Stunden zuvor vor. Packe alles, kontrolliere alles und nehme 3 Busse eher. Ich trödel aber eher, weil ich kurz vor knapp noch was suche oder noch was erledigen muss. Mein Mann findets meeega nervig und alle müssen immer auf mich warten, wenn ich von zuhause los will.

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oh, danke für diesen post <3 ich lese total interessiert mit, mich beschäftigen die gleichen fragen seit einer weile und immer mehr, ich bin seit diesem jahr sehr verwirrt zwischen symptomen aus ads, autismus und cptsd. ich traue mich auch kaum, darüber zu sprechen, weil ich mir wie eine hochstaplerin vorkomme, vielleicht will ich einfach nur das gefühl haben, irgendwo mal dazu zu gehören?

gleichzeitig ist die symptomlage so erdrückend. ich frage mich selbst auch immer wieder: und ja, selbst wenn, was machst du dann mit der diagnose? will ich medikamente? wie hoch ist mein leidensdruck? Was könnte eine diagnose daran ändern?

ich komme im großen und ganzen klar, auch wenn mein leben im vergleich zu anderen sehr arm ist an leichtigkeit und zwischenmenschlichen beziehungen - aber würde eine diagnose das ändern? oder reicht es aus, meine bedarfe und grenzen zu kennen und zu kommunizieren und mein leben danach auszurichten? braucht es dafür eine diagnose?

wie geht es anderen, hat eine diagnose ohne medikationsbedarf zentral etwas verändert?

(ich lese weiterhin hochinteressiert mit)

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Hey! Schön, dass du da bist. Ich kenne das Gefühlswirrwarr von dir zu gut. Mich plagen dieselben Fragen wie dich.

Ich möchte ungern Medis nehmen, ich glaube vielen graut es davor. Die Gewissheit, dass ich a) nicht faul und träge b) total lebensunfähig oder c) unaufmerksam und eine schlechte Zuhörerin bin würde durch die Diagnostik relativiert werden.

Vielleicht brauche ich einfach nur die Zusage durch einen Fachmann? Und ich würde mir Strategien wünschen, die mir im Alltag helfen (v.a was das effiziente Arbeiten und die Impulsivität gekoppelt mit Emotionalität angeht).

Liebe Grüße

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Bei mir hätte auch niemand von aussen gesagt, dass ich ADHSler bin, bis auf eine Ausnahme :grin: dadurch hat es bei mir den Anfang genommen.

Hätte bei mir die Diagnose ergeben, dass ich kein ADHS habe, wäre meine nächste Frage gewesen: „und was ist es dann?“
Es ist doch ein Leidensdruck da, und die Ursache liegt offensichtlich nicht in einer temporären Krise, sondern begleitet dich (und mich) schon immer - mal mehr, mal weniger.

Und wenn es jetzt soweit ist, dass du in deiner Lebenssituation Klarheit über dich und Unterstützung und Hilfe brauchst, ist es nur richtig, wenn du sie dir holst.

Die Diagnose ist ein guter Anfang. Und ADHS ist nach deinen Beschreibungen eigentlich sicher.
Denke vielleicht auch dran, du tust das nicht nur für dich sondern auch für deine Familie, warte besser nicht, bis es da knallt.

Ich verstehe mich besser, kann besser mit mir umgehen, bin insgesamt deutlich lockerer geworden. Leider geht es nach der Diagnose erst Ende Dezember weiter…

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Dein Beitrag hat mir gerade ein paar Tränchen in die Augen geschossen! Danke! Du liegst genau richtig mit deinen Worten und deiner Meinung.

Bislang verlief alles mehr oder weniger glimpflich. Wobei ich rückblickend nicht wissen möchte, wie mein Referendariat z.B ohne die Unterstützung durch meine Kollegin verlaufen wäre. Irgendwie habe ich mich immer und über all „durchgemogelt“.

Ich möchte auch für meine Kinder wissen, ob bei ihnen eine Anlage für adhs gegeben wäre…

Mal schauen wie lange meine Diagnose dauert, Ende November ist der Termin bei einem Spezialisten.

Weshalb musst du noch warten? Wie viele Sitzungen wurden angesetzte? Wie lief die Diagnostik ab bislang?

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Ich bin gerade im Homeoffice und überarbeite ein total wichtiges, total spannendes Dokument und bin voll motiviert. Und ich liebe Word für Dokumente, die vorher schon mehrere Kollegen bearbeitet haben :face_with_spiral_eyes:.

Ab und zu mache ich Teepause und lenke mich mit anderen Dingen ab. :see_no_evil:
Deshalb nur kurz als Antwort: Meine Vorstellung

@Thelma zunächst möchte ich dir ans Herz legen: die Medikamente musst du nicht fürchten. Meine Nebenwirkungen nach der Eindosierung sind minimal im Vergleich zu Antidepressiva, die ich bekam, bevor ADHS dann erkannt wurde (mit 60 Jahren…).

Ich selbst hatte erkennbar überhaupt keine Symptome, die mich oder die Therapeutin mit ADHS in Verbindung gebracht hätten.
Seit ich denken kann, bin ich hoch organisiert, vergesse NIE einen Termin und habe auch sonst alles im Griff.

Inzwischen weiß ich aber, dass diese ganzen Strategien mir unglaublich viel Kraft geraubt haben, bis zum kompletten Zusammenbruch vor einem Jahr.

Nun endlich zu wissen, was das Problem ist hilft mir enorm, weil ich es dadurch einordnen kann und viel besser dosieren kann, was ich mir zumuten kann.

Und ohne Medikamente würde ich nicht mehr arbeiten können.
Die erste Erfahrung mit Elvanse war beeindruckend: ich glaube, ich war das erste Mal in meinem Leben auch innerlich entspannt. Das möchte ich nicht mehr missen.

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Hallo Thelma,

Es ist schon einmal ein „gutes Zeichen“, dass du dich so intensiv mit der Thematik auseinandersetzt. Die Bedenken und das ständige Hinterfragen, ob man sich das nur angelesen hat und es sich einbildet, sind ebenfalls normal. Auch die Aussagen deiner Bekannten und anderer Menschen sind ein klassisches Thema. Es handelt sich um ein Spektrum, und viele kennen vielleicht ähnliche Probleme, aber nicht unbedingt in diesem Ausmaß. Dennoch gehen viele in deinem Umfeld davon aus, dass es so ist. Es geht um dich, deine Gesundheit und deine Familie. Lass dir nicht deine Wahrnehmung absprechen, weder von dir selbst noch von deinem Umfeld.

Vielleicht solltest du auch an Läuse (ADHS) und Flöhe (ASS) denken. Das hast du wahrscheinlich aber schon längst nach sechs Monaten intensiven Einlesens darüber erfahren. Ansonsten empfehle ich, dich an aktuelle Fachliteratur zu halten, so viel wie möglich darüber zu lernen und Tipps zur Selbsthilfe zu suchen, die du finden kannst. Dann kommt die Diagnose und die tollen Pillen, deren ärgerliche Nebenwirkungen nerven können. Wenn diese jedoch nicht zu stark ausfallen – und das kann auch passieren –, wirst du den Nutzen mehr schätzen als die Nebenwirkungen und auch vieles besser umsetzen können, was du zuvor angelesen hast zur Selbsthilfe.

Lass dich auch nicht von schweren Fällen abschrecken und vergleiche dich vor allem nicht mit diesen. Das sage ich dir als einer. Ich bin 41; mein Leben ist eine riesige Baustelle des Scheiterns seit meiner Kindheit, und nächstes Jahr werde ich dann auch die ASS-Diagnostik angehen. Ich werde mich hüten, dir deine Wahrnehmung abzusprechen und dir raten, dranzubleiben, denn es ist, wie gesagt, ein Spektrum, und sobald ein Leidensdruck da ist, sollte man diesen ernst nehmen, und das werden auch die Spezialisten bei der Diagnostik.

Man muss nicht erst scheitern, um Hilfe zu verdienen.

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