Autistische Probleme/Eigenschaften/Verhaltensweisen bei AD(H)S?

Hallo,

ich habe eine AD(H)S-Diagnose und autistische Züge, aber AS wurde ausgeschlossen.

Letzteres kann ich schwer akzeptieren, weil ich mich mit vielem bei AS eher wiederfinde als bei AD(H)S.

Geht es anderen auch so? Welche Probleme/Eigenschaften/Verhaltensweisen, die ihr eher Autismus zuschreiben würdet, habt ihr?

Eine spezielle Frage: geht es anderen hier auch so, dass es fast unmöglich ist, auf dem Nachhauseweg von der Arbeit etwas spontan anders zu machen, also z.B. eine Straße zu überqueren, die ihr normalerweise auf dem Heimweg nicht überquert, um dort in ein Geschäft zu gehen (in das ihr sonst also auch nicht geht)? Mir fällt so etwas extrem schwer und die Motivation oder Notwendigkeit muss sehr hoch sein, damit ich das mache.

Und gibt es andere, die sich, bevor sie jemanden auf Arbeit ansprechen, wegen fachlichem, meine ich, oft die Sätze vorher sich zurecht legen und somit also planen, wie sie das Gespräch beginnen werden/wie sie das zu Sagende am besten formulieren können?

Gruß, Dreamy

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Hallo @Dreamy

Es ist gar nicht unwahrscheinlich das jemand mit ADHS auch Autismus hat. Das schließt sich nicht aus.

Ja, das kenne ich. Bei mir muss alles da liegen wo es immer liegt. Ich hasse Unordnung. Da bin ich sehr unflexibel. Auch wenn ich woanders schlafen soll, geht gar nicht.

Das zurecht legen von Sätzen kenne ich auch zu gut. Ich muss ewig drüber nachdenken was ich sage, wie ich es sage, wie es bei anderen ankommt.

Ich hatte mal so einen Test gemacht, ich glaube der war für Asperger-Autismus da hatte ich eine Punktzahl von 45 von möglichen 50 :smiley: Selbst wenn ich ungenau war wird der Score doch um die 40 liegen. Diagnose als Erwachsener ist sehr schwierig und vermutlich auch langwierig. Mir würde eine mögliche Diagnose sehr helfen es würde viele Sachen in meinem Leben erklären.

Als Kind war ich sehr abweisend gegenüber Berührungen, konnte mich stundenlang selbst beschäftigen und war allgemein sehr ruhig. Ich war aber auch leicht reizbar, das hat mein Bruder oft ausgenutzt, er wusste genau wie er mich auf die Palme bringen kann. Viele Freunde hatte ich nie, maximal 1-2 gleichzeitig. Blickkontakt halten finde ich schwierig, entweder ich wende meinen Blick ab oder ich fange an zu starren, das haben mir schon einige Leute gesagt und viele empfinden das als unangenehm. Ich verstehe keine Metaphern oder blumige Sprache, ich nehme viele Sachen wörtlich und weiß nicht wann mein Gegenüber Spass macht oder etwas Ernst meint. Mit diesen Metaphern bin ich auch schon angeeckt. Nach einem Klugscheisserkommentar meinerseits fragte mich der Fahrlehrer ob ich die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte, habe ich bejaht weil sich das für mich lustig angehört hat. Endete damit, dass er mich an einen anderen Fahrlehrer verwiesen hat. Solche Sachen haben mich immer schwer getroffen weil ich obendrein sehr sensibel bin.

Sätze zurechtlegen ist eine meiner wichtigsten Überlebensstrategien. Ich bereite im Kopf ständig Gespräche vor, versuche für Triggerwörter/sätze eine passende Antwort zu speichern. Ich gehe Gespräche dutzende male im Kopf durch die so vermutlich nie stattfinden werden. Ich hatte in meinem Leben nie eine Beziehung, werde vermutlich auch nie eine haben, bekomme aber alleine mein Leben auch nicht auf die Kette. Bin sozial total unbeholfen, fühle mich nicht wirklich wie ein Erwachsener, auch weil ich oft einfache Dinge nicht hinbekomme. Parties waren für mich immer eine Qual, ich habe nicht verstanden wie man an lauter Musik, Menschenmassen, Geschrei und dem Smalltalk Spass haben kann. Bis vor einem halben Jahr nie einen richtigen Job gehabt (bin jetzt 45). Selbst jetzt arbeite ich nicht Vollzeit. Einige Symptome werden vielleicht auch von ADHS überlagert oder ich merke nicht mehr, dass ich sie kompensiere.

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@Jen1 Bei mir wurde es halt ausgeschlossen in der Diagnostik. Jedoch bestätigen mir zwei Psychiater „autistische Züge“, die lägen definitiv vor.

Woanders schlafen finde ich okay, wenn es z.B. eine Ferienwohnung ist, die mir gefällt, aber nur mit meinem Freund, ich musste auch schon mal eine Nacht mit meiner Mutter und Schwester in einer Ferienwohnung verbringen, und nicht nur nachts, auch tagsüber war es für mich extrem unangenehm, weil eine solche Nähe für mich nur mit meinem Freund/Partner erträglich ist bzw. mit ihm ist es schön.

@Jen1 Was ist bei dir der Grund dafür, dass du nicht wonanders übernachten magst/kannst?

@Pete_Sahad Ich habe auch eine sehr hohe Punktzahl bei dem Selbsttest. Ich habe allerdings auch eine richtige Diagnostik durchführen lassen, wie geschrieben. Mit negativem Ergebnis, wie gesagt aber bestätigen mir meine zwei Psychiater, dass ich „autistische Züge“ definitiv habe.
(Ich habe zwei Psychiater, weil einer mir das Medikinet adult verschreibt und der andere ist mein Verhaltenstherapeut - auch der, der das Medikinet adult verschreibt, kennt mich aber ein wenig, denn er stellt mir immer viele, teilweise auch konkrete Fragen, um sich einen Eindruck über meine Lebenssituation usw. machen zu können).

Also die Diagnostik ist schon aufwendig, aber zunächst muss man erst mal einen Platz bekommen, die Wartelisten sind Jahre lang. Dann muss man Elternfragebögen ausfüllen lassen und meine Mutter konnte sich an sehr wenig nur erinnern, und wenn bei den Eltern die Erinnerung fehlt, dann wird der Teil mit 0 bewertet.
Wenn dich das Thema auch sehr beschäftigt, würde ich vorschlagen, versuche es einmal, einen Platz auf einer Warteliste zu bekommen. Ich selbst bin ja allerdings nicht weitergekommen dadurch, da es ja ausgeschlossen wurde, aber ich trotzdem mit dem Thema nicht abschließen kann, weil ich mich bei AD(H)S halt nur teilweise wieder finde und jedoch auch viel bei AS.

Ich erkenne mich bei einigem, was du schreibst wieder, auch das mit dem Blickkontakt. Ich gucke nicht in die Augen, dann fällt es mir ein und ich starre, bis meine Augen weh tun, dann merke ich, dass ich starre usw.

Vielen Dank für eure Antworten!

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Autistische Züge sind doch okay. Jeder Mensch sollte so akzeptiert werden wie er ist. :slight_smile:

Ich mag es einfach nicht dann so eingeschränkt zu sein. Zuhause kann ich an den Kühlschrank wenn ich das möchte. Ich kann mir Kaffee und Tee machen ohne jemanden zu fragen ob ich darf und wo alles ist.

Wenn ich nicht schlafen kann, kann ich bis 2 Uhr morgens den Fernseher im Schlafzimmer an und gucken was ich will.

Ich glaube das anpassen macht mir Schwierigkeiten. Ich muss woanders nach allem fragen. Ich kann nicht gucken im Fernsehen was ich will und rückziehen kann ich mich auch schlecht.
Anders wäre es wenn ich irgendwo alleine eine Ferienwohnung hätte.
Vor allem erschöpft mich zu viel Kontakt zu anderen Menschen sehr.

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So ging es mir auch. :slightly_smiling_face:

Autistische Züge zugenüge vorhanden; aber zur Volldiagnose Asperger langt es nicht.

Keine Sau hat mir je erklärt, dass man dies atypischen Autismus nennt.

Bis ich auf dieses Video auf youtube stieß:

Problem: Der Begriff ist selbst bei ausgewiesenen Asperger Fachleuten, jedenfalls in dieser Form unbekannt.

Was bei mir auch sehr charakeristisch ist: Unter Stimulanzien Abnahme der ADHS-Symptome, Zunahme der Autismus-Symptome, z.B. unter Stimulanzien Bedürfnis nach sozialem Rückzug und Isolation ausgeprägter.

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Bei mir gab es im letzten Jahr eine Diagnose „Persönlichkeitsakzentuierung vom emotiona-instabilen Typ mit autistischen Anteilen“.

Dieses Jahr kam dann ADHS dazu.

Ich lege mir immer Sätze zurecht, wenn ich weiß, dass bestimmte Gespräche anstehen. (Ich dachte, das wäre normal? :D) Ich habe auch sehr feste Routinen, von denen abzuweichen fast unmöglich ist - und ja, gewisse Wege gehören auch dazu. Ich versuche mich manchmal dazu zu bringen „abzubiegen“ oder einen anderen Weg zu nehmen, aber das fühlt sich einfach nicht richtig an.

Ich bastel mir im Kopf schematische Darstellungen von Beziehungen, um mein Verhalten entsprechend zu steuern. Ich habe sehr klare Vorstellungen davon, wie Menschen sich verhalten sollten. Da die meisten diese Vorstellungen weder kennen noch sich darum scheren, gerate ich immer wieder ins Schwimmen, wenn sie sich nicht so verhalten, wie es in meinem Kopf eigentlich sein müsste.

Ich bin nicht spontan. Ich reagiere auf spontane Vorschläge sehr ungehalten, weil ich mich dann unter Druck gesetzt fühle, entscheiden zu müssen. Das gehört vielleicht auch zur ADHS. Ich habe die Diagnose noch nicht lange und weiß noch nicht genau, was das für mich bedeutet.

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Omg das kenne ich zu gut!
Okay, wenn ich das sage, passiert das → Andere Reaktion → Fehler in der Matrix, Gehirn durchgeschmort.

Ich bin dann so irritiert das ich nicht mehr weiß was ich sagen soll.

Absolut genau so! Inkl. des Fehlers in der Matrix :joy:

Meistens fällt das niemandem auf. Ich ärgere mich manchmal, dass ich wieder auf meine Hirngespinste hereingefallen bin, aber komme da auch irgendwie nicht aus meiner Haut heraus.

Die neue Reaktion wird dann „der Datenbank hinzugefügt“.

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Ich war auch letztens das erstemal beim Stammtisch dabei und gab so gut wie gar nichts gesagt weil ich nicht wusste was und wie.
Danach hab ich mich ein bisschen geschämt weil ich so dachte „Toll jetzt saß ich da nur creepy in meiner Cam“

Aber Justine hat sich trotzdem gefreut und mir Mut gemacht nächsten Dienstag nochmal teilzunehmen. :slight_smile:

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Reden ist absolut nicht meine Stärke. Wenn ich vorher Zeit habe mir im Kopf was zusammenzubasteln geht das noch halbwegs, aber wenn sich 2 Kolleginnen unterhalten und dann kommt „was sagst du dazu?“ kommt meist lange Zeit nichts und dann meist sowas wie „schwierig“. Ich denke dann drüber nach was ich sagen könnte und so nach 15-20 Minuten, wenn ich eine passende Antwort habe kann sich keiner mehr daran erinnern worauf ich gerade antworte weil das Thema schon vor 15 Minuten abgehakt war. Ich texte Kolleginnen manchmal Stunden nach Feierabend über Gespräche von Vormittag zu. Ist mir selbst etwas unangenehm und ich schäme mich dafür auch etwas, aber ich will meine Meinung kundtun, ich schaffe es leider nicht im Laufe einer Konversation mich richtig einzubringen.

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Wenn es um Gruppengespräche geht, bin ich auch meistens still.

  1. weil ich nicht weiß, was ich zu den Themen der anderen sagen soll. Wenn ich ganz ehrlich bin, interessieren die Themen mich meistens nicht sonderlich.
  2. weil ich nicht weiß, wann ich „dran“ bin mit reden.

Dabei kann ich quasseln wie ein Wasserfall, wenn es um etwas geht, das mich interessiert :flushed:

Ich habe vorhin das da gefunden: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-0959-2034.pdf

Vielleicht ist das interessant für jemanden.

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Das habe ich überhaupt nicht und empfinde mich nicht als autistisch. Daher vermute ich, dass das weniger Zeichen von ADHS als tatsächlich vom Autismus sind. (Auch wenn ich natürlich kein Maßstab bin.)

Es wird seit ein paar Jahren diskutiert, dass ADHS eine leichte Variante von ASS ist (Sizoo et al. 2015).

Mir wurde vor wenigen Monaten zusätzlich zur gesicherten ADHS, vor 11 Monaten, der Verdacht auf eine ASS von meinem Neurologen und Psychiater gestellt, da vor allem in der Kommunikation Auffälligkeiten, sensorische Besonderheiten sowie verstärkte Stereotypien unter Stress bei mir auftreten. Ab einer Dosis von 50 mg Elvanse wurde es dann deutlich erkennbar, auch mir selbst fiel langsam auf, dass ich bei sozialer Interaktion vieles nicht intuitiv mache, Stichwort Masking und Camouflaging, was ich vorher nicht bemerkt habe oder für „Normal“ gehalten habe, kannte es ja nicht anders. Mittlerweile bin ich bei einer Dosierung von 70mg Elvanse und seit 11 Monaten in Behandlung und das vermutliche ASS voll Sichtbar.

Als einfaches Beispiel muss ich, wenn ich Small Talk mit meinen Nachbarn führe (was ich nicht gerade gerne tue ), auf eine ganze Menge achten: Blickkontakt halten, konzentriert zuhören, Stereotypien unterdrücken oder unauffällig machen, über das Gesagte nachdenken und eine Antwort improvisieren, das Timing finden, wann ich dran bin mit sprechen, aus dem Gesprächsthema bzw. der Situation erschließen, wie es dem Gegenüber geht, und überlegen, was sinnvoll wäre zu sagen, um einfühlsam oder ähnliches zu wirken. Außerdem muss ich auf meine Mimik achten. Natürlich hat man nach all den Jahren (ich bin 41 ) auch eine Menge Skripts im Kopf und kann auf vieles eine passende schnelle Antwort geben. Beim Improvisieren bin ich meiner Meinung nach auch recht einfallsreich. Je nach Länge des Gesprächs und Person die ich evtl. kaum kenne wird es dann natürlich ziemlich komplex und anstrengend. Dazu kommen dann auch noch die Sensorischen Besonderheiten die ich unterdrücken bzw. ignorieren muss wie z.B. laute Geräusche, andere Gespräche usw. die im schlimmsten fall zu Denkblockaden führen. Dafür bin ich ein Meister des Monologs. Denn das geht immer einfach aber danach fühlt man sich natürlich auch nicht so toll wenn man dann irgendwann merkt das man sein Gegenüber wieder völlig Ignoriert hat.

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Bei mir hat es bis ca 38 gedauert, bis ich das Gefühl hatte, ich kann Small Talk.

Allerdings läuft mein Gehirn immer mit. „Kann ich das so sagen? Sieht mein Gesicht komisch aus? Grinse ich zu breit, lächel ich zu wenig? Bewege ich mich komisch? Ist meine Gestik übertrieben oder angemessen? Spreche oder lache ich zu laut? Wo gucke ich hin?“ usw.

Ich denke oft, dass ich mich schlecht fühlen sollte, weil andere Menschen mich eigentlich wenig interessieren. Mir wurde schon oft vorgeworfen, kaltherzig oder gleichgültig zu sein, dabei würde ich alles für Freunde und Familie tun. Zum Glück gibt es vieles, was ich interessant finde. Meine Schwester ist zB Ärztin, mein Bruder Fotograf. Das ist super spannend, aber ich neige dazu, sie auszufragen. Ich überlege, wie ich herausfindet kann, was meine Schwester sonst noch interessiert, damit ich diesen Dingen Aufmerksamkeit schenken kann und sie weiß, dass sie mir nicht egal ist.

(Ist es das, was in den Fragebogen gemeint ist mit „Verbindungen zu anderen Menschen eher über Interessen als über Gefühle“? Ich habe da bisher immer „nicht zutreffend“ angegeben, weil ich die paar Leutchen ja schon auch mag)

Laute Geräusche können körperliches Unwohlsein verursachen, bestimmte Gerüche tun einfach weh oder bringen mich direkt zum Würgen.

Dafür bin ich fasziniert von Farbkarten oder Dingen allgemein, die nach Farbschattierungen sortiert sind :smile: Stifte, Papier, Geschirr, Stoffe…
In großen Supermärkten erlebe ich einen regelrechten Flash. So viele Dinge, so viele Farben, so viele Geräusche… das fühlt sich erst beklemmend an, dann wie ein Rausch und irgendwann einfach anstrengend.

Flauschigen Oberflächen kann ich nicht widerstehen. Die MUSS ich streicheln. Ich rieche und fühle auch immer, ob mir etwas gefällt. Ich weiß nicht, ob das „anders“ ist, aber ich wurde schon komisch angeguckt.

Ich bin im Moment aber eh komplett unsicher. Was ist „normal“, was ist ADHS, was ist vielleicht etwas anderes und wie finde ich heraus, was was ist???

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Unfassbar, das lese ich ja erst jetzt: Mir geht es haargenau so!
Es ist das 1. Mal, dass ich das 1:1 so hier lese.

Die Frage ist: hat das mit den Stimulanzien zu tun als quasi direkte Nebenwirkung oder ist es so, dass wenn die Adhs Symptome nachlassen die autistischen Symptome rauskommen?

Als Kind wurde bei mir mal geäußert, dass es Richtung Autismus gehen könnte aufgrund sterotyper Bewegungen, ich denke aber eher dass ich die Unruhe des Adhs abbauen musste.

Das Thema Blickkontakt habe ich bis heute. Nur Menschen denen ich vertraue schaue ich in die Augen, bei Fremden maximal kurz und mit Überwindung und ungern. Ich kann das aber gut steuern mittlerweile, aber es stresst mich dennoch

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Bei mir hat es bis ca 38 gedauert, bis ich das Gefühl hatte, ich kann Small Talk.

Ich glaube, ich habe es bisher nie richtig gemacht und lerne es jetzt erst richtig zu führen, weil mir erst jetzt bewusst wird, dass ich wahrscheinlich so manches anders gemacht habe.

Allerdings läuft mein Gehirn immer mit. „Kann ich das so sagen? Sieht mein Gesicht komisch aus? Grinse ich zu breit, lächel ich zu wenig? Bewege ich mich komisch? Ist meine Gestik übertrieben oder angemessen? Spreche oder lache ich zu laut? Wo gucke ich hin?“ usw.

Genau das Frage ich mich dann auch meistens.

Ich denke oft, dass ich mich schlecht fühlen sollte, weil andere Menschen mich eigentlich wenig interessieren. Mir wurde schon oft vorgeworfen, kaltherzig oder gleichgültig zu sein, dabei würde ich alles für Freunde und Familie tun. Zum Glück gibt es vieles, was ich interessant finde. Meine Schwester ist zB Ärztin, mein Bruder Fotograf. Das ist super spannend, aber ich neige dazu, sie auszufragen. Ich überlege, wie ich herausfindet kann, was meine Schwester sonst noch interessiert, damit ich diesen Dingen Aufmerksamkeit schenken kann und sie weiß, dass sie mir nicht egal ist.

Das widerspricht sich. Einerseits sagst du, dass dich andere Menschen eigentlich wenig interessieren, aber du bemühst dich, Interesse zu zeigen bei denen, die dich interessieren. Ich glaube nicht, dass du dich schlecht fühlen solltest. Ich selbst kenne dieses Problem aber auch, empfinde mich manchmal sogar als manipulativ aufgrund des Ausfragens und des darauf aufbauenden Gesprächs dadurch. Ich bezweifle, dass du kaltherzig oder gleichgültig bist, aber für Außenstehende wirkst du vermutlich manchmal aufgrund eines zwischenmenschlichen Kommunikationsproblems so, obwohl genau das Gegenteil der Fall ist.

(Ist es das, was in den Fragebogen gemeint ist mit „Verbindungen zu anderen Menschen eher über Interessen als über Gefühle“? Ich habe da bisher immer „nicht zutreffend“ angegeben, weil ich die paar Leutchen ja schon auch mag)

Ich glaube, die Frage zielt auf Alexithymie ab, bin mir aber nicht ganz sicher. Das richtige Erkennen und Einordnen von Gefühlen, die trotz anderer Wahrnehmung vorhanden sind, ist dann ein Problem sowohl für einen selbst als auch für das Gegenüber. In solchen Situationen neigt man dazu, lieber über Dinge zu reden, die man klar benennen kann.

Ich bin im Moment aber eh komplett unsicher. Was ist „normal“, was ist ADHS, was ist vielleicht etwas anderes und wie finde ich heraus, was was ist???

Dieses „Normal“, was auch immer das ist, ist eigentlich auch nur ein Konstrukt, um Menschen nach multikategorialen Maßstäben, wie Ethnie, gesellschaftliche Normen usw., einzuteilen. Um herauszufinden, was man anders macht, hilft nur intensives Einlesen in die Thematik und schlussendlich ein Termin zur Abklärung bei den Spezialisten. Ich kann dir empfehlen, Fachliteratur dazu zu lesen, wie z.B. „Autismus, ADHS und Tics: Zwischen Normvariante, Persönlichkeitsstörung und neuropsychiatrischer Krankheit“ von Ludger Tebartz van Elst. Auch ist das Aspie Quiz eine interessante Möglichkeit für eine schnelle Selbsteinschätzung. Ansonsten sollte man sich mit Betroffenen beschäftigen. Da es ein Spektrum ist, gibt es immer gewisse Ähnlichkeiten, doch ist jeder Mensch grundverschieden. Deswegen gibt es wohl nur sehr selten jemanden, der einem exakt gleicht. Das sollte man beim Vergleich mit Betroffenen immer bedenken und nicht direkt anfangen zu zweifeln.

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ADHS kann man behandeln, Autismus nicht. Somit wird es bei gut eingestellter Medikation erst richtig sichtbar. Der schon immer vorhandene Kern wird dann nur nicht mehr vom ADHS maskiert, was zu einem Gefühl von „mehr autistisch sein“ führt.

Danke dir @schlingelprinz
Das hört sich plausibel an.

Bedeutet für mich, dass ich ein ganz anderer Mensch bin mit behandeltem ADHS: viel ruhiger, zurück gezogenen, unauffällig. Das ging mal im Job soweit, dass Kollegen mich fragten: hast du was? Ist was passiert?

Das hat mich irritiert. Der Mensch, der ich ohne Adhs bin, ist mir fremd. Kennst du das Gefühl auch? Kann es schlecht beschreiben, ich hoffe trotzdem, du weißt was ich sagen will :blush: