Barrierefreiheit mit und ohne Neurodiversität

Keine Ahnung ^^
Ich hatte zu Enna schon vor Jahren was gesehen. Da war der Aufhänger tatsächlich, dass die Oma des Entwicklers zu Hause bzw. im Pflegeheim einsam und auch gelangweilt war. Sie war allein und kam mit der neuen Technik nicht zurecht. Wenn du mit der Menüführung überfordert bist, hilft halt auch kein Seniorenhandy mit großen Tasten.

Leider ist Enna ein Abomodell. Theoretisch könnte man mit technischem Geschick bestimmt auch ein Android Tablet und NFC Tags nehmen. Man muss bei der DIY Variante nur irgendwie verhindern, dass die Person in irgendwelche anderen Apps und Menüs kommt und sich dort verirrt oder was verstellt. Ich weiß nicht, ob da der geführte Zugriff oder unterstützende Modus schon ausreicht.

Insgesamt ist Enna eine gute Idee und sehr leicht zu benutzen. Es soll ja vor allem einfache Dinge tun können. Ursprünglich nur „Enkel anrufen“, „Fotoalbum öffnen“ oder „Serie abspielen“ und „Nachricht ansehen“ und sowas. Ich meine, dass man auch bis heute nicht auf Nachrichten antworten kann, weil das eben wieder ein komplexerer Prozess ist.

Was genau man alles damit selbst programmieren kann, das erschließt sich mir nicht so richtig. Der Shop selbst ist aus meiner Sicht dann doch recht unübersichtlich bzw. erfährt man nicht so wirklich, was man wissen will. Laut Instagram kann man aber auch eigene Tablets nutzen und auch eigene Karten machen.

Insgesamt ist die App aber nicht dazu gedacht, viele Schritte ausführen zu können. So wie ich es verstehe, läuft auf dem Tablet die Enna App im Vordergrund und zumindest beim vorgefertigten Gerät sind alle Tasten deaktiviert. Macht ja auch Sinn, wenn man wirklich nur einfache Bedienbarkeit will. Wer mehr versteht, kann ja auch anderer Geräte und Apps nutzen. Enna kommt dann also als Tablet mit Gehäuse, wo vor dem Tablet die Ablage für die Karte ist und daneben noch jeweils ein großer Taster, um vor und zurück zu navigieren.

Aus Sicht einer pädagogischen Fachkraft finde ich das Konzept vor allem auch für Menschen mit geistiger Behinderung interessant. Wir haben natürlich Schüler, die mit Apps umgehen können. Wir haben aber auch die, die dauerhaft und allumfassend auf Unterstützung angewiesen sind. Da ist ein simpler Arbeitsschritt teilweise schon schwer zu vermitteln. Eine Bildkarte aussuchen und auflegen ist aber sehr leicht vermittelbar und bringt vor allem direkt ein Ergebnis. Karte drauf, Film ab. Eigentlich wie eine Toniebox, nur mit mehr Möglichkeiten.

Für Leute, die selber nicht experimentieren und programmieren wollen/können, ist das wirklich schlau gelöst.

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Das Konzept ist auf jeden Fall interessant. Nur beim Drumherum hätte ich mir (mal wieder) etwas mehr Transparenz gewünscht. :wink:

Zu einem gewissen grad finde ich Abomodelle bei Software sogar legitim. Die muss ja auch gewartet werden und alles. Ein paar produktivanwendungen habe ich schon, wo es einmal im Jahr einen Obulus für die Entwickler gibt. Bei Enna wäre auch interessant, wie viel Telemetrie sie macht und wie viel sie „nach Hause telefoniert.“

Nachrichten schreiben … Ich glaube, der Seniorenzielgruppe ist diese Interaktionsform eh fremd. Sie könnten aber vielleicht kurze Nachrichten einsprechen, wie mit der Diktierfunktion. Meine Oma hätte ihre „Nachricht“ wahrscheinlich wieder vergessen, bis sie auch nur einen Teil davon getippt hätte.

Stimmt, diese Telefone mit großen Tasten helfen eigentlich nur, wenn Körper und Sinne nicht mehr so gut mitmachen (Sensomotorik). Leider habe ich auch schon öfter gehört, dass Leute sie nicht ästhetisch fanden. Ist das wirklich so, oder ist das nur wieder dieser unvernünftige Stolz? Tut mir Leid, da bin ich leicht genervt, wenn Leute Hilfsmittel aus Stolz bzw. Angst vor Stigma ablehnen.

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Warte mal noch fünf Jahre… dann sind alle die Leute zu Senioren geworden, die mit dem Usenet erwachsen geworden sind… oder mit BASIC (ich habe das geliebt)

Davon unabhängig habe ich festgestellt, dass selbst ich mit meinen recht guten Kenntnissen hinterherhinke. Das hat nur insofern was mit meinem Alter zu tun, dass ich inzwischen vieles für nebensächlich halte und nicht mehr lernen möchte.

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Das sollte doch eigentlich der Kern des Themas sein, ggf. sogar der des Threads. Wenn Netflix eine Tonspur „Original mit Audiodeskription“ anbietet, wundert sich doch auch niemand (mehr). Zum Glück. Ermöglicht es doch bei diversen Einschränkungen gemeinsame Teilhabe und Austausch darüber. Und ggf. ergibt sich noch ein Zusatznutzen für die, die den Content visuell wahrnehmen könnten, aber gerade trotzdem nur auditiv folgen können oder wollen.

Die Hoffnung auf Perspektivübernahme sollte man wohl besser an der Biegung des Flusses begraben. Aber nicht zu fatalistisch, denn das Recht zum Rant scheint auch nicht barrierefrei.

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Bei uns zu Hause ist das auch immer mal wieder Thema. Unabhängig vom Alter. Ist ja auch logisch, weil die Entwicklung so rasant voran schreitet. Was du letztes Jahr gekauft und gelernt hast, ist dieses Jahr schon veraltet, bzw. wenn du neu kaufen musst, sollte es schon was aktuelles sein und zack musst du dich wieder mit allen Eventualitäten befassen. Das simple Ding, was du eigentlich wolltest, gibt es ja nicht.

Außerdem sind die Bedürfnisse ja irgendwann gestillt. Man kommt mit einer Technik zurecht und sie funktioniert. Man hat sich reingefuchst und kann damit arbeiten. Gerne auch für immer.

Und dann geht das Sch…ßteil kaputt, es gibt keine Ersatzteile oder Updates für die Software. Auf einmal ist die Software in ihrer aktuellen Form ein Abo und sieht komplett anders aus. Außerdem wird ständig was dran verändert und eine Funktion, die du immer genutzt hast, ist jetzt entweder woanders oder nur noch im Premiumabo verfügbar.

Man wird ja auch an allen Ecken gezwungen, sich ständig neu zu orientieren. Aus meiner Sicht ist es da nur logisch, dass man irgendwann keine Lust mehr drauf hat und nicht mehr mitmachen will (an dieser Stelle gern Kaya Yanars „Wir machen nicht mit“ aus seinem Schweiz-Programm im Kopf zitieren).

An anderer Stelle, so geht es mir jedenfalls, habe ich nämlich durchaus Lust auf Neues und lerne auch gern. Da kann ich das aber selbst entscheiden. Es kommt nicht plötzlich jemand in mein Haus und ändert die Reihenfolge meiner Gitarrensaiten oder tauscht mal eben die Klaviertasten in Neonfarben um und installiert gleich noch ne Webcam zum Nachbarn.

Ich verschließe mich keineswegs Fortschritt, aber manchmal wünsche ich mir auch mehr Ruhe. Manches muss man auch nicht auf Krampf ändern. Wenn es geht, dann soll meinetwegen auch die Uroma noch ein Telefon mit Wählscheibe haben dürfen, oder zumindest eins mit Hörer. Irgendwo muss ja auch mal gut sein. Sagt meine innere 80-jährige Hobbyhopper.

Ist wirklich so.

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Mit dir/euch ist alles in Ordnung. Was du da beschreibst, ist kein Fortschritt, sondern eine kommerzstrategie, Zwang zum Konsum. Dass das Fortschritt sei, wird einem natürlich fleißig eingeredet.

Ich habe jedes Jahr Angst vor dem nächsten Upgrade von macOS, weil sie irgendeinen Kram ändern, ohne erkennbaren Mehrwert. Außerdem schleichen sich Bugs ein bei der Screenreadernutzung, weil nicht genug getestet wurde. Man mag Steve Jobs mögen oder unangenehm finden (bei mir letzteres), aber seit er weg ist, ging es dort langsam bergab, wenn auch nicht ganz so schnell wie bei Microsoft.

seit der Erfindung des touch Screens gab es nur sehr wenig Bestrebungen in Richtung haptisches Display, das wäre mal ein Fortschritt. Stattdessen hauptsächlich „Zahlen größer machen“ und als Fortschritt verkaufen.

@Seven: Du glaubst nicht, wie sehr ich das herbeisehne. Dann ist zwar die Technik immer noch ein Stolperstein, aber die Grundprinzipien sitzen zumindest.

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Genau, das ist der Kern der Sache, Teilhabe unabhängig von den Einschränkungen. Bis auf grobe Heuristiken kann ich nicht darüber entscheiden, wer woran teilhaben will. Hier würde ich schon realistische maßstäbe der Machbarkeit anlegen, aber es muss immer das ziel sein, Angebote möglichst für alle zugänglich zu machen.

Witzig, dass du den sozialen Austauschaspekt erwähnst. Ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr ich als Kind bei den Gleichaltrigen abgehängt war, weil der ganze Kram, der damals Mode war, zu visuell und von mir zu weit weg war. Es gibt Schlimmeres, aber auch das war schon mikroausgrenzung.

Viele haben das aber nicht verstanden und halten das Thema eher für eine rechtliche Angelegenheit, die volens nolens erledigt werden muss, indem man die Richtlinien abarbeitet.

Und ja, auch sich zu äußern ist oft nicht barrierefrei oder wird zumindest erschwert. Was glaubst du, warum gerade in der Branche für digitale Barrierefreiheit verhältnismäßig wenige Betroffene unterwegs sind? Die Branche besteht zu einem erheblichen Teil aus Business-Selbstdarstellern und hohlen Netzwerkmenschen, gegen die man nur mit genug Kraft, Lautstärke und Tempo im Output ankommt.

Meine Versuche, regelmäßig Videoproduktionen zur kundengewinnung zu machen, habe ich wieder eingestellt, weil es sowohl technisch als auch von der Gestaltung her sehr schwierig für mich ist. Mein LinkedIn-Konto habe ich vor Kurzem als bewusste Entscheidung gelöscht.

Dass es für andere auch schwierig ist, macht es nicht so viel besser, weil Chancengleichheit trotzdem nicht gegeben ist, und das trotz professioneller Qualifikation und Kompetenz. Das Drumherum blockiert mich, man hinkt einfach immer hinterher.

Die Arbeitswelt kann mich mal. Ich verfolge meine eigenen projekte und rante nur noch ab und zu.

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Ui, ich kenne auch Leute in meinem Alter, die mit basic angefangen haben. Sie berichten i.d.R. von einem sehr schönen Einstiegserlebnis, weil man mit dieser Sprache schon viel Spaßiges tun konnte wie programmatisch malen oder Töne abspielen.

Mein Freund hat damit u.A. ein Notenschreibprogramm und ein Kartenspiel geschrieben. :laughing:

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Ha, das habe ich auch versucht… eine Art Solitär, das ich von meinem Opa kannte… ich weiß gerade nicht mehr, ob das je funktioniert hat… aber die Programmier-Grundlagen helfen mir heute noch…

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Sein Kartenspiel hatte auch ziemlich Probleme beim Malen und Übereinanderlegen. :laughing:

Er hatte aber die Kartenspielsymbole im Zeichensatz entdeckt, und die müssen doch einfach für irgendwas gut sein. :wink:

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Preisverleihung

DHL bekommt eine Teetasse für die Packstationen ohne eigenes Touchdisplay, mit denen die App via Bluetooth kommunizieren kann. :teacup_without_handle:

Mit der App konnte ich mein Paket alleine aus der Packstation holen.

  • In der App auf Packstation → entsprechende Sendung → Abholen.
  • Mit dem Handy vor der Packstation herumfuchteln, bis es sich verbunden hat. Gegebenenfalls der App erlauben, Bluetooth zu nutzen.
  • Auf „Fach öffnen“ gehen.
  • Die App zeigt mir sogar an, welches von es ist (x von oben, y von links).
  • Paket rausholen.
  • In der App auf Fertig gehen. Es gäbe auch „Fach erneut öffnen.“

Die Website von denen ist derzeit eine veritable Baustelle, aber hiermit war ich heute sehr zufrieden.

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Beim Aufräumen meiner 150 Tabs habe ich die Schlichtungsstelle BGB wieder gefunden:

Argh, diese schlechte Social Preview … :scream:

Beim nächstenmal, wenn mir wieder von meiner Bank eine Barriere hingeworfen wird, muss ich daran denken, das dieser Stelle zu melden, schon allein um es auszuprobieren und damit die Stelle nicht wieder wegrationalisiert wird.

„Produkte und Dienstleistungen sind barrierefrei, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind.“

Die definition finde ich gut, die gibt viel her und ist kompakt. Recht und seine Durchsetzung sind aber zwei paar Schuhe.

Überhaupt „Schlichtungsstelle“, das Wort weckt völlig falsche Assoziationen für normale Menschen, irgendwie nach kindergarten, Familientherapie usw. Ich will mich nicht wieder vertragen, sondern dass etwas passiert. Dafür sind Schlichtungsstellen eigentlich auch da. Schlichtungsverfahren sind im Wirtschaftskontext eine ziemliche Hausnummer, wo Unternehmen im Zweifelsfall großen Respekt vor haben und lieber kuschen. Ein einziges Gerät hält die Funkgrenzwerte nicht ein, und schon kommt die FCC um die Ecke über die Schlichtungsschiene, und die Rechtsabteilung der Firma wird aktiv. Das finde ich ein generelles Problem bei diesen Angeboten, seine Rechte wahrzunehmen. Wenn man es nicht weiß, klingen die Begriffe überhaupt nicht danach, als würden sie einen betreffen. Das ist im grunde Klassismus.


Anstrengend daran finde ich wirklich, dass man bei den vorgebrachten Argumenten sich total in die Büronauten hineinversetzen muss, was sie als „Barriere“ betrachten würden und was nicht.

  • Barriere: Ich musste bei einer Aufgabe fünf Versuche starten, bis ich sie erfolgreich erledigt habe und zur nächsten übergehen konnte, wobei ich unverhältnismäßig mehr Zeit zum Abarbeiten gebraucht habe.
  • Keine Barriere: Ich wurde mental so sehr von nervigen Ablenkungen überflutet, dass ich in den Shutdown gegangen bin und dann einen Tag lang erst mal gar nichts mehr machen konnte.

Je konkreter und plausibler, desto geeigneter sind die Fälle. Wenn die Fälle zu „weich“ sind, kann immer Gegenwehr kommen im Sinne von „Du hättest doch das telefonbanking nutzen oder eine Filiale aufsuchen können.“ Und dann hat man wieder den Act, all das entkräften zu müssen. Meine Bank hat keine Filialen, Onlinebanking ist heutzutage allgemein üblich, und je nach Aufgabe hätte das Telefonbanking im heutigen Zustand mindestens so lange gedauert. Und besondere Erschwernis bzw. der zumutbare Zeitaufwand sind relativ zur Norm zu betrachten und nicht absolut.

Vor einem halben Jahr ungefähr hatte ich einen Fall, wo ich mich heute immer noch in den Arschbeißen könnte, den nicht gleich gemeldet zu haben. Jetzt ist es wahrscheinlich zu lange her und es kommt „Warum haben Sie das nicht sofort gemeldet?“ :roll_eyes:

Meine Bank hatte berechtigterweise mein kOnto gesperrt. Ich rufe also bei der HOtline an, endlich nach ewigkeiten ist ein Supportmensch dran. Jetzt kommt’s: Um mich zu authentifizieren und das Konto wieder freizuschalten muss man die Nummer seiner Debitkarte vorlesen, also nicht die IBAN, sondern die Kartennummer. Das können Blinde natürlich nicht und ich hatte diese Nummer auch nicht in weiser Voraussicht dieses Problems irgendwo notiert.. Das ist übrigens auch so einer dieser versteckten Reibungsverluste: Man muss vorsichtshalber alles mögliche Geschriebene präventiv digital notieren, weil es irgendwann vielleicht mal gebraucht werden könnte. Mein Passwortmanager ist eine veritable Fundgrube an merkwürdigen Kennnummern. Wie dem auch sei, zum glück war jemand im Haus, den ich dazuholen konnte und der dem Telefonmensch die Nummer vorgelesen hat. Wie war das mit grundsätzlich ohne fremde Hilfe nutzbar?

Weichere Fälle zu dokumentieren kann ich mir trotzdem mal angewöhnen, z.B. beim Tätigen von Bankgeschäften Screencasts machen und hinterher auswerten, welche Schritte wie lange gedauert haben. :four_leaf_clover:

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Fehlgeleiteter Aufwand

Man kann sich im Namen der Barrierefreiheit einen Heidenaufwand machen, der ggf. nutzlos bis kontraproduktiv ist. Meistens ist das sicher lieb gemeint oder ein Versuch, die einschüchternden Richtlinien zu befolgen. Aber es hat Ausmaße angenommen, sodass ich ohne uBlock Origin kaum noch surfen kann. Außerdem ist es schade, weil die Energie in andere Baustellen gesteckt werden könnte, von denen es mehr als genug gibt.

Bildbeschriftungen

Man sollte sich immer klar machen, dass ein Bild in Sekundenbruchteilen erfasst wird und seine Wirkung ausübt, ein Screenreader muss die ganze Beschriftung aber vorlesen. Als Faustregel gilt: Bitte nicht länger als 150 Zeichen, so kurz wie möglich. Beim ÖRR und generell im Medienbereich wird diese regel nur selten eingehalten.

Tipp: Wer das irgendwie hinbekommt, kann einmal das laden von Bildern im Browser komplett abschalten, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Heute ist das leider schwieriger geworden. Bildbeschriftungen sind platzhalter, keine vollständigen Beschreibungen.

Ein typisches Beispiel, wo so etwas besonders ablenkend und nervig ist, sind Artikelteaser. So ein Teaser besteht normalerweise aus einem Bild und einem Titel.

Das ist die Bildbeschriftung (Alternativtext):

Das Bild zeigt wie an der Brücke an der Bornholmer Straße große Menschenmassen versuchen, einen Blick auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, den ehemaligen Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow und den ehemaligen polnischen Solidaritätsführer Lech Walesa zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2009 in Berlin zu werfen. Die drei Anführer sollten die Brücke und den darunter liegenden Bahnhof besuchen, weil dort 1989 die Wachen den ersten Grenzübergang öffneten und den Ostberlinern erlaubten, ungehindert nach Westberlin zu gehen.

Das sind 546 Zeichen. Die Formel „Das Bild zeigt wie“ kann man sich sparen, dann werden es 528 Zeichen, immer noch viel zu lang. Inhaltlich würde ich mal tippen, dass dieser Text mehr Informationen und historische Hintergrundbildung enthält als die „normalen“ Leser von sich aus mitbringen würden. Das muss ein Alternativtext nicht leisten. Im Gegenteil, das drumherum verschleiert den Kern: das Ereignis zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin. Das wären 51 Zeichen. Echt jetzt, ich musste mindestens dreimal lesen, um alles aufzudröseln und meine Beschriftung ist sicher nicht perfekt.

Hier im konkreten Fall ist es nicht nur ein Alternativtext, sondern auch ein Tooltip, den sich Sehende anschauen können. Das entspricht eher einer einblendbaren Caption oder Beschreibung, nicht einer Beschriftung oder Label. Das ist ein Unterschied.

  • Beschriftung: an einem Gegenstand sofort sichtbar/wahrnehmbar
  • Beschreibung: erst durch aktives Fokussieren wahrnehmbar

Ob der text oben zumindest eine gute Beschreibung (Caption) ist, wäre noch eine ganz andere Frage.

Technischer Einschub

Eine einfache Kompromisslösung ist, dem Bild sowohl ein alt-Attribut mit einer kurzen Beschriftung als auch ein title-Attribut mit der ausführlichen Beschreibung zu geben. Dann liest der Screenreader den kurzen text vor und wartet kurz mit dem langen, das gibt einem zumindest kurz Zeit um schnell weiterzugehen. Im CMS gäbe es dann halt immer zwei texte pro Bild zu managen: Beschriftung und Beschreibung.

Auf der Artikelseite selbst würde ich das so umsetzen. Bei den Teaser-Karten würde ich aber sagen: konsequent ausblenden mit leerem alt-Attribut. Im Template würde sich das ja so einrichten lassen.

Generative KI wird auch zum Beschreiben von Bildern eingesetzt. gerade da werden die Texte viel zu ausführlich und verfehlen den Kern, weil die KI keinen kulturellen Bezug hat. Solche Texte automatisiert zu generieren erzielt verdammt schlechte Trefferquoten, es geht kaum ohne richtig mitzudenken.

Wenn man diesen Aufwand nicht leisten kann, z.B. weil es so massenhaft viele Bilder sind, ist die bessere Lösung, das Bild für Screenreader und Browser ohne Grafik komplett auszublenden (leeres Alt-Attribut setzen). Das ist ok, solang das Bild keine wichtigen Zusatzinformationen beiträgt, also wenn ohne das Bild nicht wirklich etwas fehlt.

Manchmal werde ich gefragt, wie man Bilder für mich gut beschreiben könnte. Ehrlich gesagt würde ich oft aber am liebsten schreien: „Gar nicht!“, weil ich mit viel zu vielen schlechten Bildbeschreibungen zugespamt werde. Die Menschen sollten sich wieder mehr auf gute Bilder konzentrieren, dann sehen wir weiter.

Zusätzliches Ärgernis bei Teasern ist, dass das Bild über dem Titel ist und die Beschreibung mir immer vor dem Titel vorgelesen wird. Da bekommt man ja wahnsinnig Lust aufs Lesen.

Technischer Einschub

Man kann die Reihenfolge in HTML umdrehen (erst Titel, dann Bild) und die darstellung mit CSS wieder umdrehen; etwas gefummel und für anspruchsvolle Designer mit übergroßem Ego nicht rundweg zufriedenstellend, geht aber.

Tut mir leid, aber auf Designer (nicht entwickler) schiebe ich zunehmend Frust. Für UX spielen die eigenen ästhetischen Vorstellungen eine weit geringere Rolle als in der Kunst. Gelb auf weiß sieht vielleicht individuell aus, ist aber schwer zu lesen.

Wie auch immer: ubLock Origin rettet mich mal wieder, weil ich damit gezielt die Bilder auf solchen Seiten komplett ausblenden kann.

Kennzeichnung von Sprache

Auf Websites kann man von Text die sprache mit angeben. Die Idee ist, dass screenreader automatisch auf eine Sprachausgabe umschaltet, die die jeweilige Sprache spricht. Manche Leute kennzeichnen aber auch Lehnwörter und Fremdwörter, was völlig an der Idee vorbei geht. Sprachausgabe, die ständig switcht, kann sehr nervig sein. Daher kann man z.B. auch bei Markennamen darauf verzichten. Keine Angst, auch wenn die Aussprache manchmal weird klingt, wissen Leute i.d.R., was gemeint ist.

Bei längeren Passagen, die wirklich in einer Fremdsprache geschrieben sind, ist es legitim. Witz des Tages: Fast alle blinden deaktivieren aber das Feature der automatischen Sprachumschaltung. Schließlich weiß man meistens selber schon, ob man gerade eine englische oder ukrainische seite besucht und kann eine entsprechende Stimme selbst einstellen. Immerhin lässt es sich deaktivieren, sonst müsste man auch noch mit uBlock die lang-Attribute wegmachen.

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Überraschungen sind grundsätzlich böse Überraschungen

Ja, klingt zynisch, ist aber so. Die Devise „Nutzer wollen ständig was Neues“ ist absoluter Bullshit. Stabilität, Zuverlässigkeit, alles Werte von vorvorgestern, könnte man meinen; bis auf ein paar löbliche Ausnahmen natürlich.

Seit Längerem bin ich bei Updates sehr misstrauisch geworden, besonders bei Betriebssystemen. Größtenteils kommen da nämlich nur noch Verschlimmbesserungen. Auf ein Vielleicht-feature mit sehr zweifelhaftem Mehrwert kommen drei neu eingeführte Bugs oder Instabilitäten, wo jemand was kaputtgespielt hat. Bei Discourse kommt das auch ab und zu vor. Jedenfalls schiebe ich große OS-Updates so lange auf wie es nur geht, bis auf die Sicherheitsupdates natürlich.

Jetzt hat es mich erwischt. Mein Macbook hat heimlich ohne meine Erlaubnis auf das aktuelle macOS geupdatet, was ich bisher mit gutem Grund nach kräften vermieden habe. Wie üblich hat das Update keinerlei spürbaren Mehrwert gebracht, sondern eher zusätzliche Unflüssigkeiten. Aber der Knaller ist, dass jetzt meine Sprachausgabe dort nicht mehr geht, an die ich gewöhnt bin. Ich muss dort mit einer anderen Stimme arbeiten, wo ich aber viel unsicherer und langsamer bin beim Verstehen.

Mit dieser Sprachausgabe hat es auch noch so eine besondere Bewandtnis. Ende 2020 hat die Firma offiziell den Support für macOS eingestellt, also sie pflegen die Mac-Version nicht mehr weiter und halten sie nicht mehr kompatibel mit neuen macOS-Versionen. Dabei waren die Stimmen unter Mac-Usern beliebt und sie sind für klassische Sprachausgaben extrem hochwertig gemacht. Es gab auch entsprechend Nachfrage bzgl. Fortsetzung. Aber diese ganzen Firmen geben sich lieber dem KI-Wahn hin. Und nein, KI-Stimmen sind kein vollwertiger ersatz, wenn man als Blinder wirklich professionell und effizient arbeiten will. Dass es bisher noch funktioniert hat, war also eher Glück. Was die Firma aber auch nicht macht, ist, den Code freizugeben. Wenn man etwas länger nicht mehr weitervertreibt und pflegt, sollte man eigentlich das „Geheimwissen“ freigeben und nicht der Menschheit vorenthalten. Ich hätte mal Lust, bei diesen ganzen Drecksfirmen einzubrechen und ihr Wissen zu leaken. Ich bin aber kein Profihacker. Solche Leute würde ich lieber bezahlen als Marketingmenschen.

Glück hin oder her, Hersteller eines Betriebssystems dürfen keine Zwangsupdates einspielen, die installierte Software kaputt macht. Sie müssen kompatibel bleiben mit der installierten Software oder nachfragen. Man stelle sich das mal im Arbeitskontext vor, komplettes Chaos.

Genau diese Art von Problemen macht einen wesentlichen Teil der Diskriminierung von Behinderten im Arbeitsleben aus. Dass widerrechtlich Sachen kaputtgespielt werden, ist ja schon für normale Usern ärgerlich. Aber für uns passiert es häufiger, und es macht uns zumindest vorübergehend tatsächlich arbeitsunfähig, bis man einen Workaround gefunden hat. Wir sind auf Zuverlässigkeit viel stärker angewiesen.

Naja, nun kann ich entweder einem Workaround hinterherrecherchieren, versuchen zu downgraden, oder auf den ganzen Technikmüll scheißen. Letzteres klingt inzwischen durchaus verlockend. Oder wir fahren nach Frankfurt zum Apple Store und machen da Krawall. :adxs_aufsmaul: :adxs_aufsmaul: :adxs_aufsmaul:

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Weitere Handlungsoption: Ein lokal laufendes KI-Modell darauf ansetzen, den kOpierschutz von den proprietären dateien zu entfernen, das Geheimwissen also zu befreien. In so was sind die nämlich inzwischen relativ gut, das ist eins ihrer starken Gebiete: so lange in hohem Tempo Tricks ausprobieren und herumpfuschen, bis die Aufgabe gelöst ist. Für Menschen ist das ziemlich mühsam und frustrierend.

Zum Glück ist DRM oftmals kryptografisch gesehen erstaunlich schlecht umgesetzt, das soll nur Menschen behindern. Hinterher kann man noch überlegen, was man mit den befreiten Daten anfängt. Hihi, so schlägt man diese Firmen mit KI-Psychose mit ihren eigenen Waffen.

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Schade, es gestaltet sich leider schwieriger als erhofft, zu viele Baustellen gleichzeitig. Ein paar kleine Erfolge gab es, aber es ist noch keine Lösung. Da muss ich wohl parallel noch die kommunikative Strategie fahren und den Support alle paar Wochen systematisch bearbeiten.

  • Eskalationsstufe 1: Als Kunder auftreten, der ganz unschuldig fragt, ob man dieses Produkt bei denen kaufen könne. Für Windows gibt es die Stimmen doch schließlich auch. Hier eher nicht zu viel recherchieren und informiert auftreten, nur Nachfrage bekunden.
  • Der Support wird vermutlich zunächst entweder nein sagen oder mir ein Produkt anbieten, das nicht passt. Man kann zu KI stehen wie man will, aber für diesen Zweck taugt es einfach nicht (Latenz, undeterministisch). Die Gründe werde ich in meiner Antwort darlegen, warum es nicht matcht und sie mir somit leider nichts verkaufen können. Für einen Verkäufer gibt es nichts schlimmeres als nichts verkaufen zu können.
  • Eskalationsstufe 2: Ein bisschen warten und dann in meiner Rolle als Anbieter für Barrierefreiheitsdienstleistungen an den Support schreiben. Dort kann ich betonen, dass es ausschlaggebend ist, ob Entwickler beim Testen mit screenreadern angenehme und repräsentative Sprachausgaben verwenden dürfen. Entwickler wollen doch meistens etwas angenehmes kreieren, und wenn die Stimmen unverständlich oder nicht gut klingen, nimmt das jede Motivation, es überhaupt zu versuchen. Weil nicht alle Plattformen unterstützt werden, kann ich die Produkte leider nur sehr eingeschränkt empfehlen. Aus Sicht des Verkäufers geht ihnen da Promo durch die Lappen.
  • eskalationsstufe 3: Als Entwickler auftreten und Interesse daran bekunden, eine Integration der Stimmen für moderne macOS-Versionen und die neue Silicon-Architektur zu entwickeln. Dafür müssten sie mir aber Quellcode zur Verfügung stellen, natürlich mit der zu unterschreibenden Klausel, dass ich ihn nicht an dritte weitergeben werde (NDA). Die Stimmen selbst müssten sie dafür wahrscheinlich nicht mal freigeben, nur den Synthesizer. Das Ganze könnte man als eine Art Kooperation anregen, bei der sie kaum was zu verlieren und eher noch was zu gewinnen hätten.

Mit Glück kommt es gar nicht erst zur Stufe 3 und sie kriegen selber den Arsch hoch.

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