Danke für deine Nachfrage, – ich erkläre das gern im Detail.
1. Grundsätzliches zu CO₂ im Körper
CO₂ ist kein Giftgas im engeren Sinn, sondern ein normaler Bestandteil der Atemluft und des Stoffwechsels. Unser Körper reguliert den CO₂-Partialdruck im Blut sehr fein, weil er direkt die Durchblutung und den pH-Wert beeinflusst. Schon kleine Schwankungen im Bereich 35–45 mmHg (normaler arterieller pCO₂) verändern die Gefäßweite im Gehirn.
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Mehr CO₂ im Blut → Gefäße erweitern sich → stärkere Durchblutung.
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Zusätzlich tritt der Bohr-Effekt ein: Bei höherem CO₂ (und niedrigerem pH) gibt das Hämoglobin Sauerstoff leichter ab. Das bedeutet: die Organe – insbesondere das Gehirn – bekommen tatsächlich mehr nutzbaren Sauerstoff, ohne dass der O₂-Gehalt im Blut selbst steigt.
Diese Effekte sind in der Medizin seit langem bekannt. In der Neurologie nutzt man z. B. den „CO₂-Reaktivitätstest“, um die Gefäßantwort des Gehirns zu prüfen.
2. CO₂-Konzentrationen im Alltag
In der Außenluft haben wir heute etwa 420 ppm CO₂.
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In Klassenzimmern, Büros, Autos oder Schlafzimmern sind Werte von 1.000–2.000 ppm sehr häufig, manchmal auch 3.000–4.000 ppm.
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Ab deutlich über ca. 5.000 ppm beginnt die klassische „Gesundheitsgefährdung“.
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Das heißt: die typischen Werte, die wir in Innenräumen antreffen, sind zwar erhöht, aber weit entfernt von toxischen Bereichen.
3. Zusammenhang mit dem Gehirn und ADHS
Das Gehirn ist extrem durchblutungsabhängig. Ein spezielles Netzwerk ist hier besonders interessant: das Default Mode Network (DMN).
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Das DMN ist in Ruhe aktiv und unterstützt Selbstwahrnehmung, innere Stabilität, Tagträumen, emotionale Regulation.
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Bei Aufgaben schaltet es normalerweise herunter, um Platz für exekutive Netzwerke zu machen.
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Bei ADHS zeigen viele Studien:
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Zu geringe Aktivität in Ruhe → innere Unruhe, Probleme beim „Herunterkommen“.
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Unvollständiges Abschalten bei Aufgaben → ständige Störung durch „Mind-Wandering“.
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Insgesamt: ein instabiles, dysreguliertes Netzwerk.
Fazit:
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Das DMN liegt in Regionen, die stark durchblutungsabhängig sind (mPFC, PCC, Hippocampus).
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Wenn CO₂ steigt, verbessern sich dort Durchblutung und O₂-Freisetzung.
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Dadurch könnte das DMN kurzfristig stabiler werden – und Betroffene erleben eine paradoxe Beruhigung. Default Mode Network – Wikipedia
4. Beobachtungen im Alltag
Viele berichten, dass Kinder oder Erwachsene in „stickigen“ Situationen (Auto, kleine Zimmer, Einschlafphase im Schlafzimmer) nicht nur müde, sondern auch entspannter, ruhiger oder sogar ausgeglichener wirken.
Und genau hier passt auch deine Beobachtung: Dass man sich in stickiger Luft müde fühlt, ist keine „Vergiftung“, sondern eine normale Folge. CO₂ erweitert die Gefäße, das Gehirn wird stärker durchblutet, der Stoffwechsel schaltet in den Ruhemodus – und Müdigkeit setzt ein. Das ist physiologisch gesehen ein Signal für Entspannung und Übergang in den Ruhemodus. Für ADHS-Kinder, die oft Probleme haben, überhaupt zur Ruhe zu kommen, könnte genau das ein Vorteil sein.
Umgekehrt stimmt auch:
- Zu hohe CO₂-Werte (über ca. 2.500 ppm) beeinträchtigen exekutive Funktionen – Entscheidungsfähigkeit, komplexes Problemlösen, schnelle Reaktionen. Das zeigen Studien von Satish et al. (2012, 2016).
5. Bedeutung für ADHS
Wenn ADHS mit einer DMN-Schwäche verbunden ist, dann könnte CO₂ genau dort ansetzen, wo das Problem liegt:
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In Ruhe mehr Stabilität, weniger Getriebenheit.
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Beim Einschlafen leichterer Übergang in Ruhephasen.
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In gewissen Umgebungen mehr innere Regulation.
Das heißt nicht, dass CO₂ ein „Medikament“ ist oder ADHS heilt – aber es könnte eine unterschätzte Variable sein, die erklärt, warum Kinder und Erwachsene auf Raumluft so unterschiedlich reagieren.
6. Fazit
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CO₂ steigert die Hirndurchblutung und erleichtert die Sauerstoffabgabe – das ist medizinisch gesichert.
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Das DMN ist bei ADHS oft geschwächt.
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Moderat erhöhte CO₂-Werte könnten das DMN kurzfristig stützen und so paradoxerweise Ruhe fördern.
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Zu hohe Werte dagegen verschlechtern die Leistung – Müdigkeit, Hirnnebel, Kopfschmerzen.
Darum ist es spannend, im Alltag genau hinzusehen: Werden ADHS-Kinder in stickiger Luft unruhiger oder ruhiger? Das könnte ein entscheidender Hinweis sein.
Mich würde sehr interessieren, welche Beobachtungen ihr dazu gemacht habt – jede Rückmeldung hilft, das Bild klarer zu machen. Vielen Dank!