Concerta - Wochenendpause / Dosisreduktion - Erfahrungen

Hallo zusammen,

ich lese hier schon eine Weile mit und wollte mich nun auch kurz vorstellen, da ich eine Frage zur Einnahmepraxis habe.

Ich bin 33 Jahre alt, weiblich, wiege ca. 52 kg und habe meine ADHS-Diagnose im August 2025 erhalten. Seitdem werde ich medikamentös mit Concerta retard 27 mg behandelt.

Unter der Woche komme ich damit insgesamt sehr gut zurecht. An manchen Wochenenden reduziere ich nach ärztlicher Rücksprache auf 18 mg, je nach Anforderungen.

Bisher habe ich kaum negative Auswirkungen festgestellt – weder bei der regulären Dosis noch bei der gelegentlichen Reduktion am Wochenende. Konzentration und innere Ruhe sind unter der Medikation deutlich besser, auch emotional fühle ich mich stabil.

Mich würde interessieren:

  • Wie handhabt ihr das mit Concerta retard im Erwachsenenalter?

  • Nehmt ihr es durchgehend, macht ihr Wochenendpausen oder reduziert ihr die Dosis?

  • Gibt es bei euch Unterschiede im Alltag, z. B. emotional oder sozial?

Ich freue mich über eure Erfahrungen und den Austausch :blush:

Viele Grüße

kiwi_co

Hallo @kiwi_co

Willkommen im Forum :hugs:

Hast du mal eine nahestehende Person gefragt, ob sie einen Unterschied merkt?

Danke für deine Antwort :smiley: Ja, ich habe meinen Lebenspartner gefragt, und er hat tatsächlich einen deutlichen Unterschied bemerkt.

Er hat beschrieben, dass ich an den Wochenenden ohne bzw. mit reduzierter Dosis aufgeweckter und unternehmungslustiger war. Gleichzeitig war mein Geduldsfaden kürzer, ich war teilweise etwas nervös und nicht immer bei der Sache.

Auch meine Merkfähigkeit war an diesen Tagen spürbar schlechter.

Das Ganze war jedoch nicht problematisch oder in irgendeiner Weise „ausgeartet“, sondern blieb für uns beide in einem absolut akzeptablen Rahmen und war gut auszuhalten.

Insgesamt also wahrnehmbare Unterschiede, aber nichts, was für uns belastend gewesen wäre.

Hallo,

jetzt verstehe ich immer noch nicht, warum du am Wochenende eine geringere Dosis als in der Woche nimmst?

Der Hauptgrund, warum ich am Wochenende teilweise reduziere, ist meine starke Erschöpfung am Abend unter 27 mg.

Unter der Woche merke ich häufig, dass ich abends nach dem Arbeitstag sehr müde und „leer“ bin. Wenn ich dann noch soziale Aktivitäten hätte, würde ich teilweise fast auf dem Stuhl einschlafen. Deshalb bleibe ich unter der Woche abends meist zu Hause, schaue einen Film oder mache nicht mehr viel.

Am Wochenende ist mir der soziale Aspekt jedoch wichtiger. Ich möchte gerne Freunde treffen, teilweise auch am Abend – auch wenn das nie sehr spät wird. Ich gehe nicht mehr aus, trinke keinen Alkohol und verzichte komplett auf Koffein. Trotzdem fällt mir das soziale Zusammensein deutlich leichter, wenn ich die Medikation reduziere oder auslasse, da ich dann abends weniger müde bin.

Zusätzlich habe ich am Wochenende keine hohen kognitiven Anforderungen. Ich muss nicht „funktionieren“ im Sinne von konzentrierter geistiger Arbeit. Es stehen eher Haushalt und Alltagsdinge an, und wenn ich dabei etwas vergesse oder nicht ganz bei der Sache bin, ist das für mich gut handhabbar. Die grobe Planung erledige ich ohnehin meist schon unter der Woche.

Insgesamt ist die Reduktion am Wochenende für mich daher ein bewusster Ausgleich zwischen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität.

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Ich denke inzwischen, dass es ein Irrtum ist, Concerta als „Ganztagespräparat“ anzusehen. Wir ergänzen bei unserem Sohn inzwischen wie folgt, um eine ausgewogene Wirkung über den Tag zu erreichen:

06:30 - 18mg Concerta + 2.5mg Medikinet unretardiert
13:00 - 5 mg Medikinet retardiert

Vorher hatte er 27mg, war damit am Mittag aber eher zu hoch dosiert und hatte dann gegen 15:00 Uhr einen Rebound. Zudem sehr wenig Appetit. Mit der neuen Verteilung ist das viel besser.

Schön wärs ja schon, eine Tablette für den ganzen Tag… Bei uns reichts leider nicht.

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wieso willst du den pausieren?

Hat deine Adhs am Wochenende Pause?? aich nehme ja Medikamente für mich und nicht für andere

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Ich verstehe sehr gut, was dafür spricht, die Medikation einheitlich und regelmäßig einzunehmen. Eine konstante Einnahme kann zur emotionalen Stabilisierung beitragen und vermeidet häufige Wechsel, die für den Körper ebenfalls belastend sein können.

Trotzdem gibt es für mich auch Punkte, die – wie oben beschrieben – für ein gelegentliches Reduzieren oder Aussetzen am Wochenende sprechen. Dazu zählen vor allem Nebenwirkungen, insbesondere starke Abendmüdigkeit, aber auch Aspekte wie Erholung für Körper und Geist und ein insgesamt besseres Energiegefühl am Abend, wenn die Wirkung abgeklungen ist.

Zusätzlich spielen für mich Veränderungen der Libido sowie hormonelle Schwankungen im Zyklus eine Rolle, da ich die Wirkung und Verträglichkeit der Medikation je nach Zyklusphase unterschiedlich wahrnehme. Das spricht für mich eher für eine bedarfsgerechte, angepasste Einnahme.

Mich würde daher interessieren, wie ihr das handhabt:

Wenn ihr am Wochenende abends etwas geplant habt, z. B. etwas später (gegen 22 oder 24 Uhr), seid ihr dann ebenfalls sehr müde? Oder passt ihr die Medikation entsprechend an? Oder verzichtet ihr weitgehend auf abendliche soziale Aktivitäten?

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Ich denke, dass die starke Müdigkeit bei dir ein Rebound-Symptom sein könnte. Dagegen würde eine rechtzeitige Einnahme einer kleineren Dosis MPH helfen (so 5-10mg retardiert oder 2.5 bis 5mg unretardiert).

Rechtzeitig heisst, ca. 30 min vor Wirkungsende. Das Wirkungsende / der Rebound kann sich mit verstärkter Rückkehr der ADHS-Symptome, aber auch mit Reizbarkeit, Müdigkeit etc. zeigen.

Eine spätere Einnahme, wenn der Rebound bereits da ist, hilft bei uns nicht mehr. Der Zeitpunkt ist also entscheidend.

Oh - und Essen & trinken nicht vergessen, ganz wichtig!

Mein normale Dosis ist 5mg unretardiert 6:00 Uhr /36mg 6:30 /ca. 14:00 Uhr 18mg Concerta

Ich benötige meist direkt nach der Arbeit erst Essen und dann runterfahren und komm dann erst nicht so gut wieder hoch und habe dann Abends aber wieder Energie.

Am Wochenende nehme ich auch meine Medis. Aber dann richte ich die Medikation danach aus, wann ich aus dem Bett gekommen bin und zu welcher Zeit ich die Medis einnehmen. Dann lasse ich schon mal die 18mg aus und nehme noch unretardiertes .
Soll es am Wochenende spät werden , dann nehme ich für spät auch noch was, weil es ja grade da zur Reizüberflutung kommen kann. Ich nehme dann je nach dem wie der Kontext ist, und je nachdem wie spät es wird ungefähr die letzte Tablette , wenn ich abschätzen kann , wann und wie es nach Hause geht.

Manchmal ist es aber auch ein ruhiger Kontext, dann nehme ich nichts .
Wenn ich zu aufgedreht spät nach Hause komme nehme ich auch mal 2,5mg unretardiert direkt zum Schlaf.

Ich nehme meine Medis durch und kann aber auch mal sein dass ich aus diversen Gründen Nix nehme.

Du musst für dich selbst herausfinden wann und wie welche Dosis und welches Einnahmenschema für dich passt .
und wenn es mal mehr mal weniger mal nichts ist und es bringt dich nicht total durcheinander spricht doch nichts dagegen .

Aber ich würde auch nochmal über eine zweite Einnahme von z.B 18mg Concerta oder was unretardiertes nachdenken und testen ob es positive Auswirkung auf deinen Abend hat.

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Ich nehme seit kurzer Zeit Concerta und handhabe das auch so wie du. Dosisreduktion am Wochenende oder auch ganz bewusst ein Tag ohne.

Ich mache das, um einer eventuellen Gewöhnung vorzubeugen oder entgegenzuwirken.

Oft lese ich Berichte von Leuten, die nach einiger Zeit keine positive Wirkung mehr spüren und immer weiter rauf müssen mit der Dosis. Das möchte ich nicht.

Ob so ein Tag Pause sinnvoll ist, hängt aber von den Symptomen und den Lebensumständen ab. Wenn eine Mutter dann am Wochenende ohne nur gestresst und von allem genervt ist und sie Mann und Kinder anpampt, ist ja keinen geholfen.

Also ich habe es am Wochenende für mich selbst alleine auch gerne durch die Medikation angenehmer. :sweat_smile:

Also ich nehme seit 2017 ADHS Medikamente und musste nicht immer weiter rauf.

@Falschparker ist da unser absolutes ewiges Durchnehmwunder und muss auch nicht immer wieder erhöhen .

Ich weiß gar nicht ob man durch pausieren/reduziern einen möglichen Gewöhnungseffekt überhaupt vorbeugen könnte ?

Manchmal meint man auch „immer mehr“ nehmen zu müssen weil man die Wirkung nicht mehr so bewusst spürt und dann denkt es wirkt nicht mehr .

Die Medikamente sind schon im wesentlichen so ausgelegt, dass man sie durchnehmen kann. Aaaaaber eben zum Glück auch pausieren kann wenn es für einen besser passt . Ein großer Vorteil gegenüber alle Spiegelmedikamente .

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Mein 10-jähriger nimmt MPH seit knapp 4 Jahren praktisch durchgehend, und wir sind sogar wieder etwas runter mit der Dosis.

Genau. Deshalb meinte ich, dass es vor allem auf die Symptome ankommt und weshalb man Medikamente nimmt.

Bei mir geht es vor allem darum arbeitsfähig zu sein. Konzentriert am Schreibtisch sitzen zu können. Mich auf die Hausaufgaben meiner Kinder konzentrieren zu können, wenn sie Unterstützung brauchen. Papierkram und Finanzen zu erledigen.

Wenn ich weiß, dass all diese Aufgaben mal nicht anfallen, brauche ich an dem Tag keine Medikamente, um gut durch den Tag zu kommen.

Wenn bei jemandem die Hauptsymptomatik Richtig innere Unruhe und Nervosität geht, sieht es anders aus. Da ist dem Gehirn natürlich egal, ob es gerade ein Wochentag oder Wochenende ist.

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@Nelumba_Nucifera @moya

Danke euch. Ich finde es immer wieder beruhigend zu lesen, dass jemand auch nach langjähriger Einnahme nicht raufgehen muss mit der Dosis.

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Mir geht es genau gleich. Vor allem bei der Arbeit ist das Medikament für mich sehr hilfreich, da ich mich dadurch besser auf die hauptsächliche Schreibarbeit in meinem Job konzentrieren kann. Wenn ich jedoch weiss, dass an einem Tag keine anspruchsvollen Aufgaben anstehen, nehme ich das Medikament lieber gar nicht oder nur in einer reduzierten Dosis.

Ich habe zudem gemerkt, dass ich Concerta bei bestimmten Aktivitäten als anstrengend empfinde. Bei sportlichen Ausdauerbelastungen, zum Beispiel bei einer Wanderung oder beim Joggen, ist meine Leistungsfähigkeit deutlich schlechter, mein Puls höher und meine Ausdauer insgesamt reduziert.

Auch an entspannten Tagen ohne geistige oder berufliche Anforderungen empfinde ich das Medikament als eher unangenehm, da ich manchmal das Gefühl habe, ständig etwas tun zu müssen und weniger entspannt zu sein… Auch meine Kreativität ist mit Concerta eher schlechter. Deshalb lasse ich es an solchen Tagen bewusst weg. Mir ist dabei bewusst, dass ich ohne Medikament teilweise impulsiver und weniger ausgeglichen bin, das ist für mich jedoch in einem gut vertretbaren Rahmen. Zudem habe ich keine Kinder und trage am Wochenende keine zusätzliche Verantwortung.

Natürlich braucht es nach einem medikamentenfreien Wochenende jeweils wieder ein kurzes Einspielen zu Beginn der Woche, und mir ist bewusst, dass das Auslassen eher die Ausnahme bleiben sollte. Trotzdem werde ich aus den genannten Gründen weiterhin teilweise am Wochenende pausieren.

Diese angepasste Bedarfsmedikation werde ich noch mit meinem Arzt bzw. meiner Psychiaterin besprechen. Vielen Dank euch allen für eure Inputs und den Austausch, und ich wünsche euch schöne Festtage!

Merkst du jedesmal nach dem Auslassen eine „neue“ Eingewöhnung ?

Mir hilft es am Wochenende auch besser zu entspannen, wenn würde mir gar eher etwas Antrieb fehlen :sweat_smile:

Ist denn vielleicht deine Dosis zu hoch ?

Hilfreich ist auch unretradiertes Methylphenidat, dass macht einen noch flexibler.

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Nein, ich brauche nicht jedes Mal eine komplett neue Eingewöhnung. Ich merke einfach, dass ich, wenn ich das Wochenende auslasse, am Montag noch nicht gleich gut „funktioniere“ wie dann, wenn ich die Medikation am Wochenende durchziehe. :slight_smile:

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das mit dem “funktionieren” am Montag kenne ich selbst aber auch ohne Medi :wink: ist vielleicht auch der Rhythmus.

Guten Morgen. Ich habe nochmal meine eigenen Zeilen gelesen und ich muss mich da korrigieren.

Ich nehme die Medikamente nicht nur, um besser arbeiten zu können, sondern auch für innere Ruhe.

Deshalb habe ich an den Weihnachtstagen auch nicht pausiert. Da war es mir wichtig sicherzugehen, dass die Tage weitgehend friedlich und harmonisch verlaufen. Und ich nicht unterm Weihnachtsbaum ausraste :winking_face_with_tongue:

Ansonsten scheint es weit verbreitet zwischendurch mal ein paar Tage zu pausieren.

Zumindest hat das mein Arzt gesagt. Er meinte, dass nach der Eindosierungsphase einige seiner Patienten an Wochenenden oder im Urlaub aussetzen. Kann man machen, muss aber nicht, meinte er.

Außerdem meinte er: Nach einem Jahr sollte dann grundsätzlich eine Pause eingelegt werden, um zu sehen, ob die Medikamente weiter notwendig sind oder nicht.

Von dieser Pause nach einem Jahr habe ich hier allerdings noch gar nichts gelesen.

Wie war das bei euch?

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