Dauermedikation

Hey:wave:
Ich wollte mir heute mein Rezept für Medikinet adult abholen. Mein Hausarzt war nicht da. Die Vertretung wollte unbedingt mit mir sprechen. Sie konnte es nicht verstehen, dass ich seit ca. 11 Jahren (1 gutes Jahr Pause wg. Schwangerschaft) Medis nehme. Ich würde da eine Droge zu mir nehmen. Ob ich über Alternativen informiert wäre. Warum ich nicht halbjährlich zur Blutuntersuchung und EKG kommen würde. Äh…hat mein Hausarzt nie gesagt. Mein damaliger Diagnose Arzt ist in Rente. Meine Frage nun: Darf ich die Medikamente nicht dauerhaft einnehmen? Ohne würde ich rumlaufen wie das Hb-Männchen und meine Kinder würden wohl zu ihren Vätern gehen. Beim letzten EKG wurde tatsächlich ‚Herzstolpern‘ festgestellt. Aber mein Doc hielt es für harmlos. Eine Schilddrüsen Unterfunktion habe ich auch. Morgens nehme ich also brav meine L-Thyrox.

Unsinn, dass man MPH nicht dauerhaft nehmen soll. Auch das mit der „Droge“ und den angeblichen Alternativen ist völlig daneben. Mit den regelmäßigen Untersuchungen hat sie aber recht.

Wahrscheinlich hat sie die Packungsbeilage von Medikinet Adult gelesen:

Weiß jemand, was es damit auf sich hat? In unserer SHG gibt es einige, die MPH schon seit vielen Jahren nehmen und damit keine Probleme haben.

Zum konkreten Fall möchte ich noch anmerken, dass ich es kritisch sehe, wenn Ärzte zwanghaft in die Behandlung ihrer Kollegen eingreifen wollen. Wobei sie mit den regelmäßigen Untersuchungen ja Recht hat…

Was hatte die gute Dame denn an Alternativen zu bieten :idea: :?: :wink:

Ansonsten regelmäßige Untersuchung ja

Hallo Pommes,

nein, das ist übergriffig. Die Ärztin kann ihre Meinung haben, die von der ihres Kollegen abweicht, sie kann dich auch auf gelegentliche Untersuchungen hinweisen, aber das Gerede von Droge und Alternativen ist daneben.

Ja, das mit den jährlichen Auslassversuchen steht im Beipackzettel. Wieso im Erwachsenenalter die Medikation plötzlich nicht nötig sein sollte und dass man das nur durch Auslassversuche bemerkt, das verstehe ich auch nicht. Da fehlen mir die Erfahrungsberichte der erfolgreichen Auslasser, müsste man ja mal was von gehört haben. :lol:

Blutuntersuchungen und EKG gelegentlich sind nicht schlecht. Aber eher nicht weil wir wegen unseres Medikamentes besonders gefährdet wären. Im Gegenteil, durch routinemäßige Untersuchungen bemerkt man bei uns Unregelmäßigkeiten früher. :sunglasses:

Ich habe den hohen Blutdruck von meinem Vater geerbt, aber behandlungsbedürftig ist der erst seit ich über 50 bin (bei meinem Bruder schon mit unter 30). Mein Arzt hat mich auf blutdrucksenkende Medis eingestellt, natürlich nicht ohne vorher abzuchecken was ich lebensstilmäßig ändern könnte, aber da ist nicht viel zu machen- ich fahre viel Fahrrad, rauche nicht, trinke keinen Alkohol, esse kein Fleisch und bin sehr schlank. Meine MPH-Medikation stellte er in diesem Zusammenhang nicht in Frage. Ich nehme es übrigens seit über 16 Jahren.

Ich nehme Strattera als Dauermedikation und einmal im Jahr lasse ich bei meinem Hausarzt ein EKG und Blutbild machen. Das lege ich dann in der ADHS-Ambulanz der Ärztin vor.

Gibt es eigentlich irgendeine andere Sache, wo die Ansichten so kontrovers bei den Fachleuten sind ?
Stell mir das gerade vor …Vertretung beim Augenarzt …“was :o Sie tragen seit 11 Jahren Kontaktlinsen oder Brille, habe sie denn schon eine Absetzversuch gemacht ob es jetzt ohne geht !“hat man sie über Alternativen informiert!2 :lol:

Wobei ich ansonsten dass mit dem Auslassversuch schon auch als nicht ganz sinnlos sehe.
Körper mal eine Pause von einer Dauermedikation gönnen und es besteht ja schon die Möglichkeit das sich was gefestigt hat und es mit weniger oder ohne gehen könnte. Aber Es könnte auch zu dem Resultat führen das man gar mehr benötigt :lol:

Aber dazu fehlen wirklich Erfahrungsberichte ob nach einem Auslassversuch das Erreicht wurde . und Nach @Falschparkers Meinung ist es vielleicht gar wirklich eher so, dass man es eh bemerkt. Höchstwahrscheinlich ist der Beipackzettel für Kinder einfach übernommen worden.

Und im Bezug zur Droge!!! Nur weil es ein BTM ist oder warum denkt die so? Es gibt Ja Medikamente die wirklich Abhängig machen und wenn einer Cannabis verschrieben bekommt , ist es in dem Sinne ja auch keine Droge mehr sondern Medizin.
Und abhängig und wirklich was brauchen ist ja auch noch ein Unterschied
Manchmal glaubt man echt die haben ihr „Wissen“ auch nur vom Stammtisch oder aus der Bildzeitung :lol:

Wer Stimulanzien bei ADHS mit Drogen in einen Topf wirft, weiß offensichtlich nicht, wovon er spricht.

Zunächst einmal wirken sie bei ADHS anders als bei Nichtbetroffenen, zum zweiten ist das Missbrauchspotenzial (und das ist ja das Problem bei Drogen) gering bzw. wird durch einen speziellen Wirkmechanismus (Elvanse) minimiert.

Für mich ist das Stammtischgeschwafel aus dem Café Holunder. :wink:

Richtige Fachleute würden so einen Unsinn nämlich von sich geben…

Ich sehe auch Betroffene in Youtube Videos, die keine Medikamente mehr nehmen und ohne gut leben.

Hängt das vielleicht von der Ausprägung ab oder verwächst sich das doch ? Vor allem, wenn man schon als Kind mit Medikamenten behandelt wird und das Gehirn quasi „normalisiert“ wird, da es ja erst im 25.Lebensjahr ausgereift ist.

Dann fällt mir noch der Politiker Christopher Lauer ein, der spät diagnostiziert wurde, kurze Zeit Ritalin nahm und dann es wieder abgesetzt hat. ( Interview bei Markus Lanz ).

Vielleicht könnte man ja für eine Dauer einen Selbsttest machen und schauen ob man ohne klarkommt.

Natürlich hängt es von der Ausprägung ab, aber z.B. auch von der Lebenssituation. Da sollte jeder selbst entscheiden, ob er es braucht oder nicht.

Von mir selbst kann ich sagen, dass ich ohne in meiner jetzigen Lebenssituation nicht klarkomme. Aber ich hoffe, dass irgendwann so viel Ruhe in meinem Leben einkehrt, dass ich keine Medis mehr brauche.

Definitiv richtig ist, dass die Gabe von Medis in Kindheit und Jugend die Entwicklung positiv beeinflussen können, so dass sie vielleicht später nicht mehr nötig sind.

Aber dass sich irgendetwas „auswächst“, wie man früher glaubte, ich definitiv widerlegt. Die Hyperaktivität, also das, was man sieht, nimmt zwar mit steigendem Alter ab, aber die anderen Probleme bleiben in der Regel bestehen, wenn die Medikation ausbleibt.

Es ist übrigens so, dass viele ihre Medis irgendwann absetzen, weil sie meinen, ohne klarzukommen - um später festzustellen, dass dem doch nicht so ist. Sie wirken eben nicht nur auf die Entwicklung, sondern auch auf die aktiven Hirnfunktionen.

Ja sicher, aber das sind Leute (jedenfalls was Lauer betrifft), die sich und die Wirkung der Medikamente kennen, abwägen und für sich die Entscheidung treffen, lieber ohne zu leben, warum auch immer.

Aber es ist nicht so, dass sie Medikamente abgesetzt und dann gemerkt haben, oh, jetzt geht es ohne genau so gut wie mit.

Das soll wenn überhaupt dann für welche zutreffen, die als Kind oder Jugendliche/r Medis nahmen, und im Erwachsenenalter ist es besser.

Auch die kenne ich nur vom Hörensagen, im Forum oder im richtigen Leben weiß ich nur von Leuten, die als Erwachsene genau so betroffen sind. Oder schlimmer. :wink:

Wenn die Betroffenen junge Erwachsenen sind, dann haben Die auch oft noch laufend Stellschrauben wo sie dran Drehen können. Bei spätdiagnostizierten war/ist die eine oder andere Stellschraube vielleicht auch schon eingerostet oder abgenudelt. Vieles hat sich suboptimal eingeschlichen und das über Jahre hinweg.
hormonell und körperlich läuft ja auch einiges anders ab. Vieles was wir im Rückblick nicht wussten haben die schon als Rüstzeug erkannt.

Es ist ja nicht So, dass wir das alles nicht verstanden haben was an ADHS-Selbstmanagement möglich ist , aber selbst mit Medikation gelingt es ja auch nicht alles umzusetzen. Wie soll das dann ohne gehen. ??

Ich glaube es ist wichtig nicht pauschal zu sagen , dass es ein Leben bei ADHS ohne Medikamente möglich ist oder das es Alternativen gibt.
Wir mit später Diagnose haben ja hochkompensiert auch vieles Zunächst ohne hinbekommen .
Auch hier müssten man ja abwarten was dann so um die +/- 40 ist .
Vielleicht war der ein oder andere ja auch nur ein neurptypischer Zappelfillip mit zu voreiliger Diagnose ?

Ich bewundere die Leute die es ohne können und wenn die dann beschreiben wie die ihr Leben managen, dann bekomme ich eine Klos im Hals.
denn vieles wo ich von meinem ADHS noch nicht wusste hört man auch in „typischen“ Selbstmanagmentratgebern und es nagte damals so an meinem <Selbstwert weil ich diese so einfach erscheinenden Tools und Tips einfach nicht umsetzten kann/konnte , oder weil sie nicht greifen.

Aber ich finde es trotzdem wesentlich hilfreicher wenn jemand mit ADHS erklärt wie er versucht die Dinge geregelt zu kriegen.

Und zu allerletzt … Es gibt ja auch Ärzte/Therapeuten die Medikamente wegen ihres ADHS nehmen weil ihnen vieles So besser gelingt.

ADHS darf und sollte nie zu pauschalisiert werden !!
Denn Wenn z.B Ein mangelndes Zeitgefühl sehr ausgeprägt ist, scheitert es ja auch trotz Medikation oft daran das man selbst mit den besten Tools nicht wirklich effizient planen kann.

ein abwägen und es immer mal wieder ohne versuchen , ja das ist es immer mal wieder Wert .
Doch eines bleibt klar ob mit oder ohne Medis , ADHS ist und bleibt In irgendeiner Form nun mal da


Sehr wichtiger Satz. :smiley:

Leider behaupten Experten wie Barkley das Gegenteil - es sei kein qualitatives, sondern ein quantitatives Problem, eine Entwicklungsverzögerung, die man aufholen könne, ein Problem der Performance, nicht des Könnens. Ergo könne mit Medikamenten alles behoben werden.

Wer’s glaubt… :x

Im Gegenteil: Diese Haltung ist mE kontraproduktiv für die eigene seelische Gesundheit, wenn man sie sich als ADHSler zu eigen macht. Ich denke, es ist viel wichtiger zu akzeptieren, dass man doch anders ist und es eben keinen Sinn macht, dem hinterherzuhecheln, was Neurotypische machen.

Zum Thema Rat von Selbstbetroffenen kann ich immer nur wieder „Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin“ von Passig/Lobo empfehlen - nicht nur aufgrund der Tipps, sondern auch für die Psychohygiene. :smiley:

Ich kann mir auch vorstellen wenn es einem gelingt, ich vermute Barkley selbst auch oder von ihm dann auch einige Klienten, dass man dann so glücklich über diese Erfolg und seine Selbsterkenntnis ist und dann denkt es wäre somit auch auf jedes ADHS adaptierbar.

Lass mal nur ein paar Leute mit Geld darunter sein, die sich Gärtner , Raumpflegerin oder jemanden für den Papierkram leisten können. Gar in einer Position sind, wo sie deligieren können. Dann ist das eine hilfreich umgesetzte Selbsterkenntnis, die sich aber nicht jeder leisten kann. Aber genau diese Hilfe hätte eine emenz positive Auswirkung auf das ADHS.


Ja die gesunde Waage zwischen dem „was ist“ und „was noch geht“ zu finden, dass ist ja der schwierige Spagat.

Mir kam der Titel so bekannt vor, war mir sicher den gar zu haben, aber irgendwie war in meiner Audiblebiliothek zig Zeugs was so ähnlich klang :lol:
unter anderem „Wie man sein Leben ändert indem man absolut nichts tut“ Autor: Karen Salmansohn. Na da kann man mal durcheinander kommen. :lol:

Werde es mir mal runterladen, danke für den Tip. Habe eh noch einiges an Gutahben :wink:

Habe letzte Tage noch

Schluss mit dem ewigen Aufschieben
Wie Sie umsetzen, was Sie sich vornehmen
Autor: Hans-Werner Rückert
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gehört , stammt noch aus meiner Zeit vor der Diagnose.

Jetzt mit Abstand und meine Wissen. Ist das ein Buch was total herunterzieht. Aus meinem empfinden begründet er alles Diagnostisch eher so in freudianische Verknüpfung zur Kindheit und welche ehr mit einer sehr negativen Sichtweise welche Dynamik hinter jedem Aufschieben steht.

Also übertrieben gesagt, wenn ADHSler ist und viele Dinge hat die man nicht kann ist man aus der Sicht eine arme Wurst in der Kindheit gewesen und nun ein Looser der sich selbst fertig macht.
Hätte ich dieses Buch aktuell neu gekauft, dann hätte ich vom Rückgaberecht gerbrauch gemacht.

Wer mag kann ja mal reinhören , würde mich interssieren ob ich da nur so empfindliche bin oder man es ADHSlern nicht empfehlen oder gar von abraten sollte. !!!??

Der Herr ist ja Psychoanalytiker, da kann man aus ADHS-Sicht Vorbehalte haben, ohne es gelesen zu haben…

Dann doch lieber „Vom Aufschieber zum Lernprofi“ vom selbst betroffenen Hernn Grolimund.

Vielleicht sollte man mal beides lesen und eine Synopse machen um zu sehen, worin die Unterschiede bestehen…

Ich schau mal was meine Synapsen mit dem von Rückert machen wenn ich das von Passig/Lobo nun höre :roll: :lol:

Im Bezug zu "er ist ja Psychoananlytiker ", ja hast du wohl recht :wink:

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Psychoanalyse und Tiefenpsychologie, aber es ist Fakt, dass aus dieser Ecke die meisten ADHS-Kritiker bzw. -Leugner kommen, daher gehe ich immer erstmal in Deckung. :wink:

Alles auf Kindheitstraumen zurückführen zu wollen ist aus meiner Sicht ebenso wenig zielführend wie nur die Genetik verantwortlich zu machen. Die Dinge beeinflussen sich gegenseitig.

Hab schon ein wenig reingehört und es ist wahrlich genau das Gegenteil Von dem anderem und tut gut es auch aus dieser Sichtweise zu erfassen :lol:
Letztendlich muss man eh dafür sorgen dass man sich nicht nur über eine Diagnose definiert, denn es gibt ja auchnoch so was wie Persönlichkeit und Charakter.

Natürlich hat Psychoanalyse und Tiefenpsychologie ihren Sinn und auch diese Ansätze haben ja was sehr hilfreiches, worüber man lernt sich besser zu verstehen .
Jedoch kann das auch erheblichen Schaden anrichten, weil gerade wir mit ADHS bieten so viel was nicht neurotypisch funktioniert und da kannst dich dum und dusselig dran analysieren.
Man haftet in der Vergangenheit an und bekommt kein Rüstzeug für das hier und jetzt geliefert.

Aber so wie ich die Leute in den Foren erlebe nutzt auch kaum einer die ADHS-Diagnose um vor seinen Traumen wegzulaufen , oder das Tiefenpsychologsiche nicht zu sehen , sondern versucht das Gesamtbild zu erfassen.

Und mit einem Adhsler in die Kindheit zurück kann ja auch bedeuten das dieser Anteil sich in voller ADHSmanier äußert weil man hatte es ja damals auch schon und dass gibt ne ordentliche Ladung Überinput welche ja auch aufgefangen werden muss. :o :wink:

Oh man sprenge ich schon wieder einen Thread thematisch ?

Ich benötige ein neues Medikament … Outoftopica Retard :wink:

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Ach was, ADHS und off-topic sind doch zwei Seiten derselben Medaille. Muss man denn immerzu on-topic bleiben? Gähn!