Der MPU mit Adhs-Thread

Ich empfehle einen Artikel von Jakob Manthey im Alternativen Drogen- und Suchtbericht 2018 ab Seite 114
<LINK_TEXT text=„https://alternativer-drogenbericht.de/w … 018web.pdf“>https://alternativer-drogenbericht.de/wp-content/uploads/2018/06/akzeptADSB2018web.pdf</LINK_TEXT>

Dieser und andere Artikel sagen: Ja, Deutschland ist, wie Manthey es ausdrückt, ein Hochtrinkland.

Erstaunlich ist insbesondere, dass einige andere Länder den Alkoholkonsum in den letzten Jahrzehnten stark senken konnten und sich in Deutschland fast nichts geändert hat.

Insbesondere wenn man es vergleicht mit Tabak: Der Tabakkonsum konnte durch verschiedene Maßnahmen eindrucksvoll gesenkt werden. Es gibt viel weniger Raucher, vor Allem unter Jugendlichen, als noch Ende der 90-er Jahre.

Offensichtlich gibt es in Deutschland eine starke Alkohollobby.

Es ist einfach gesellschaftlich akzeptiert, ja wird besonders von Männern erwartet, dass sie nicht nur viel trinken, sondern auch viel vertragen. Und das muss man ja üben, trainieren.

Leider ist oft der Sport nicht nur bei Männern, sondern - etwas weniger heftig - auch unter Frauen mit Alkoholgenuss verbunden.

Zum Glück ist es heute aber heute schon eher akzeptiert, wenn man keinen Alkohol mit trinkt, wenn andere miteinander „anstoßen“.

Oder zu viele Osteuropär, die in Deutschland leben :rotwerd Nein, Spaß :mrgreen:

Es sind die Gründe warum man regelmäßig zur Flasche greift. Viele Menschen versuchen damit ihre Nerven zu massieren, wie der große Herbert singt.

Ich würde mir eher wünschen, dass immer weniger Jugendliche und auch Ältere ein Verlangen danach haben, weil es ihnen psychisch gut geht. Es ist aber leider utopisch :?

Ich habe in meiner Jugend sehr viel Party gemacht und viel getrunken. Der eine Grund war, dass ich sonst in einer großen Gruppe mich absolut unwohl und angespannt fühlte. Ich musste trinken, einerseits, um locker zu werden, andererseits den Mist in meinem Leben für kurze Zeit zu vergessen.


Naja, das ist aber längst nicht mehr überall so.

Ergänzung: Ich habe hier
<LINK_TEXT text=„http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/do … seiten.pdf“>http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/sonstVeroeffentlichungen/Alkoholatlas-Deutschland-2017_Doppelseiten.pdf</LINK_TEXT>
auf der Seite 58 eine erschreckende Grafik gefunden:

42,4 % aller Männer über 18 (und 24,1 % aller Frauen) trinken mindestens einmal im Monat bei einer Gelegenheit mehr als 60 g Alkohol! :shock:

Ja und wenn man partout keinen Alkohol trinken will, ist man die Spaßbremse, soll sich nicht so anstellen oder nicht so verklemmt sein. Frau wird dann noch für schwanger gehalten. Wer nicht trinkt ist schnell komisch/ unnormal.
In solchen Situationen merke ich wie tief das Gleichnis Alkohol trinken = Normal = Spaß haben in den Köpfen vieler Menschen steckt. Ich finde es erschreckend wie wenig so etwas hinterfragt wird.

Genau! Ich habe immer wieder phasenweise einfach irgendwelche allergischen Reaktionen auf alkoholische Getränke gehabt und sowieso war Alkohol trinken für mich geschmacklich uninteressant. Was ich mir schon alles anhören musste!! Und wenn nix gesagt wurde, merkte man doch, dass es die anderen teilweise verunsicherte. Erst recht blöd ist es, wenn alternativ nur Sprudel zur Wahl ist oder, urgs, O-Saft aus dem Tetrapack…

Hallo zusammen,
vielen Dank für eure Beiträge!

Also: Ich hatte 2 Promille mit dem Fahrrad, also Trunkenheit im Straßenverkehr. Den Führerschein kann man, anders als beim Auto, erstmal behalten. Sobald die Führerscheinstelle aber von dem Verfahren Wind bekommt, fordern die einen zur MPU auf, mit 3 Monaten Frist. Erst wenn diese Frist nicht reicht für ein positives Gutachten (der Normalfall), dann ist der Schein weg. Ob man nun 6 Monate oder 12 Monate „veränderung nachweisen“ muss, und wie diese aussieht („kontrolliertes Trinken“ oder Abstinenz) hängt von mehreren Faktoren ab (insbesondere von der Promille Höhe).

Ob dieses System nun Willkürlich ist und Geldmacherei, darüber lässt sich streiten. Jedoch hatten für mich die langsamen Mühlen der Behörden erhebliche Vorteile. Durch einen Einspruch, Gerichtsverfahren (überraschend Billig!), usw (natürlich im eigentlichen Sinne „erfolglos“) hat sich das Verfahren „etwas“ gezogen und ich habe meinen Führerschein, 16 Monate später, immer noch und werde ihn, sofern ich bis Dezember ein positives Gutachten erhalte, vorraussichtlich auch gar nicht abgeben müssen.

Ich habe nun schon von mehreren gehört, das am Tag der MPU der Arzt sowohl Blut als auch Urin abnimmt. Das wird/kann dann auch auf alle möglichen Substanzen/Drogen getestet werden, ob es gemacht wird kann ich im Vorfeld wohl nicht sicher feststellen. Ich erwarte also das, wenn ich Elvanse zu diesem Zeitpunkt nehme, das auch irgendwo „auftaucht“, als Amphetamin erstmal. Da es bei dem ganzen Gutachten in erster Linie auch um die glaubwürdigkeit der Geschichte die ich erzähle geht, wäre es fatal wenn dann plötzlich Amphetamine im Blut/Urin auftauchen, ohne das ich das vorher erwähnt hätte. Soviel hierzu.

Ob es jetzt Klug ist das Medikament zu erwähnen oder nicht, da bin ich mir noch nicht 100% sicher. Ich könnte es notfalls ein paar Tage vor der MPU Absetzen, kann man nicht allzulange nachweisen.
Insbesondere wollen die bei der MPU dann eventuell auch nachweise das man die Medikamente zuverlässig nimmt, was sich schwierig gestaltet (Insbesondere da ich das „nach Bedarf“ auch mal weglassen kann…)

Ich muss dazu noch ein bisschen nachdenken und das auch nochmal mit meinem Psychiater besprechen, ich halte euch auf dem laufenden.

Viele Grüße!

Ich musste nur Urin abgeben. Aber ich weiß auch nicht wie das mit Alkohol geregelt ist.

ICH würde das medikament 2 wochen vorher absetzen, aber ich würde dir raten das zu machen womit du dich wohlfühlst. Die bei der mpu wollen ja hören was jetzt besser läuft als vorher.
Meine Erfahrung jetzt nach der mpu ist auch, dass man schon kleine notlügen einbauen darf. Nur darf die notlüge nicht im Widerspruch zu deinen Aussagen stehen.

Das es Existenzen zerstört… Jaa… Aber irgendwie ist man daran selber beteiligt.
Als Geldmacherei würde ich es auch nicht sehen. Ausser den mpu Termin an sich, die 5 Std die ich da gesessen habe haben rund 900€ gekostet. Die mpu vorbereitung die bei mir 1 Jahr ging war sogesehen seht günstig mit ebenfalls 900€.
Und die Maßnahme an sich bewerte ich auch eher positiv. Hätte ich meinen Führerschein nicht verloren, würde ich wahrscheinlich immernoch Drogen nehmen.

Wow @Rocco wenn die MPU dich drogenfrei gemacht hat, Hut ab, das ist klasse!!!

Es gibt natürlich noch andere Gründe, aber das war mit ein Auslöser. Ich hab dadurch mein Job verloren. Dadurch hat sich so eine Perspektivlosigkeit eingespielt. Dann wird man von den Ämtern noch wie ein Stück scheiße behandelt.
Aber wenn sich eine Tür schließt, geht auch eine andere auf. Und natürlich mit verdammt viel Glück…
Ich hab dann nach einem halben Jahr arbeitslos zu sein einen Anruf bekommen, 2 Tage später ein Vorstellungsgespräch gehabt und genau den Job bekommen, wofür ich damals meine Fortbildung gemacht habe.

Hätte ich meinen Führerschein nicht verloren wäre ich jetzt in einem Job, mit dem ich auf lange Sicht nicht zurecht gekommen wäre. Wahrscheinlich würde ich jetzt mehr Geld verdienen, aber die Unternehmens Philosophie war nicht kompatibel mit meiner Weltanschauung.

Hi zusammen,
kurzes Update von meiner Seite: Ich habe mittlerweile die MPU bestanden! Ich habe das Elvanse ca. eine Woche vorher abgesetzt. Mir wurde Blut abgenommen, auf was da alles getestet wurde weiß ich nicht. Gefunden wurde aber scheinbar nichts. Das ich Adhs habe hab ich auch nicht angegeben. Mir war die ganze Gaudi zu unsicher, niemand wusste was konkretes…

Weil ich nur Fahrrad gefahren bin musste ich den Schein nicht sofort abgeben. Durch einen Einspruch, Gerichtsverhandlung, usw. konnte ich das ganze Verfahren so in die Länge ziehen, das ich den Führerschein gar nicht erst abgeben musste.

Insgesamt bin ich inzwischen eigentlich ganz froh das ich angehalten wurde. Die Fahrerlaubnissbehörde geht davon aus das jemand der mit 2 Promille noch Fahrrad fahren kann ein Alkohol Problem hat, und damit hat sie recht! Ich selbst habe das natürlich erstmal nicht so gesehen…

Wenn man sich aber dann auf die MPU Vorbereitet gibts in meinen Augen 2 Möglichkeiten: Entweder man bleibt bei seiner Meinung das man kein Problem hat und die Fahrerlaubnissbehörde einen Vogel, tut Zähneknirschend was verlangt wird und lügt was vor, bzw beschäftigt sich nicht näher/erlich insbesondere mit den Trinkmotiven. Das geht wohl in einigen Fällen auch „gut“, im Sinne von erstmal positives Gutachten.

Oder man lässt sich darauf ein und sieht nach ob man nicht doch tatsächlich ein Problem hat. Als erstmal der regelmäßige Vollrausch wegfiel, war ich recht bald „unzufrieden“. Herauszufinden warum das so ist war da schon weit schwieriger. Hierbei kann einem der Verkehrspsychologe helfen. Das find ich aber Quatsch. Wenn Alkoholsucht eine psychische Krankheit ist, vielleicht bedingt durch andere Psychische Krankheiten, dann ist da auch der „normale“ Psychiater/Psychologe der richtige Ansprechpartner. Das man besoffen gefahren ist ist ja nur eine Auswirkung. Hinzu kommt das hier eine Behandlung von den Krankenkassen bezahlt wird. Ich war in der Zeit zudem recht depressiv. Somit hab ich mich intensiv mit mir auseinandergesetzt, hab mich um einen Platz zur Verhaltenstherapie umgeschaut und um einen Psychiater. Hier kahm auch die ADHS Diagnose wieder zum Vorschein, was ich zwar als Kind diagnostiziert bekommen habe, aber aufgrund der äußeren Umstände lange nicht mehr behandlungsbedürftig war. Das Thema Alkohol wurde aber eigenltich dort nicht wirklich besprochen, ich konnte die Ursachen für den Alkoholkonsum selbst finden.

Mittlerweile bin ich auch ohne Alkohol ganz zufrieden und halte auch nüchtern das Leben aus. Ich habe sehr viel über mich gelernt und fühle mich viel reifer und besser ausgerüstet. Mir fehlt nichts, man kann alle Aktivitäten auch nüchtern warnehmen (Außer die, die es wirklich nicht Wert sind!). Auch das Soziale Umfeld hat sich recht schnell daran gewöhnt. Erstmal kann man die MPU als Grund vorschieben, das ist allgemein Akzeptiert. Später dann sollte man das aber auch so durchbringen das man nichts trinkt. (Während der vorgeschriebenen Abstinenzzeit also am besten überall mitfeiern! Da kann man das gut lernen).

Hätte mich die Polizei nicht angehalten, hätte ich nicht 1 Jahr Abstinenz machen müssen. Ich hätte das ohne diesen äußeren Druck nie gemacht! Ich habe mir schon oft selbst vorgenommen weniger zu trinken, das reicht aber als Motivation nicht aus! Ich hätte vermutlich weiter gesoffen bis irgendwann etwas weit schlimmeres passiert wäre! 1 Jahr ist auch ein guter Zeitraum, ein paar Monate kann man immer noch irgendwie hintricksen… (Anders/Unangenehmer ist das natürlich wenn der Schein in der Zeit weg ist!) Zu den Kosten: Auch wenns erstmal viel Geld ist für die ganze MPU usw., aber wenn mann gegenrechnet was man sonst versäuft, hat sich das schnell armortisiert (Ok, aktuell dauerts länger, weil das Bier Zuhause günstiger ist als beim Wirt…)

Ich kann also insgesamt nur raten die MPU als Chance zu sehen! Ich behaupte mal jeder der eingeladen wird hat schon gescheiterte Versuche hinter sich!

Danke für deine Ehrlichkeit! Super! :anfeuer

Das freut mich total, dass du das geschafft hast!!

Ich habe großen Respekt!!

Mein Bruder hat als Schüler heimlich morgens getrunken, weil er so besser lernen konnte… und auch sonst den Alltag besser aushielt… tja das war vor vierzig Jahren und da gab es diese Diagnose ADHS praktisch noch gar nicht… selbstverständlich war er ständig auf dem „Fußballplatz“ und so…

Er ist dann leider nach und nach in die richtige Sucht geraten und bis heute nicht davon losgekommen…

Insofern kenne ich die Alkoholthematik aus der Angehörigenperspektive und das reicht mir schon. Wie schlimm muss es sein, wenn man selber betroffen ist.