Diagnose mit 57 Jahren erhalten

Hallo zusammen,
ich bin 57 Jahre alt und wurde erst vor Kurzem mit ADHS diagnostiziert. Den Weg dorthin habe ich mir ehrlich gesagt leichter vorgestellt: Über Monate habe ich versucht, überhaupt Termine zu bekommen, selbst mit Unterstützung des medizinischen Dienstes und einem Notfallcode hat es zunächst nicht funktioniert. Am Ende habe ich mich an das Bayerische Staatsministerium gewandt, die Gesundheitsministerin hat meinen Notfallcode nochmals an den medizinischen Dienst weitergeleitet – und plötzlich hatte ich innerhalb weniger Tage einen Termin.
Ich freue mich, jetzt hier dabei zu sein, mich auszutauschen und dazuzulernen, und wünsche euch allen schon jetzt ein möglichst reizarmes Rutschen ins Jahr 2026.

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Herzlich willkommen, liebe/r @Stille.Farben.Bunt :adxs_friends:

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Willkommen! Ich habe meine Diagnose auch erst vor ein paar Monaten bekommen, mit 53 Jahren.

Die Diagnose zu bekommen war unverschämt teuer. Der Markt regelt ja auch bei der Gesundheit die Preise.

Mir wird jetzt erst nach und nach klar, welche meinen Schwierigkeiten ADHS-Klassiker sind. Und wie das Masking über Jahrzehnte zu meinen Erschöpfungszuständen beigetragen haben kann.

es gibt viel zu entdecken und zu lernen.

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Wobei die ADHS Diagnostik eine Kassenleistung ist

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Richtig. Und die Kasse hat sie auch bezahlt. Ich habe 6 Monate versucht im Umkreis von 50 Kilometer bei einem Facharzt einen Termin zu bekommen. Das war erst mit dieser unnötigen Aktion möglich.
Schade, aber Realität in meinen Wohnumfeld.

Danke für die Willkommensgrüße

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Interessant. Geht mir genauso. Inzwischen habe ich oft tagelang Erschöpfungszustände nach vielen Reizen.

Nimmst du Medikamente?

Ich werde das Anfang Januar mit der Psychologin besprechen.

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Hi @Stille.Farben.Bunt :adxs_wink:

Schön, dass Du hierhergefunden hast. :smiling_face:

Dass Du niemanden gefunden hast, der eine Diagnostik „auf Kasse“ macht, liegt nicht an Deinem Wohnumfeld. Das ist in ganz Deutschland ein Desaster (und nicht nur da, soweit ich das mitbekommen habe). Genau deswegen zahlen inzwischen so viele die Diagnostik selbst - weil sie sonst gar keine bekommen oder Jahre(!) warten müssten.

Die meisten hier nehmen Medikamente. Es ist durchaus sinnvoll, es wenigstens auszuprobieren. Allerdings können Psychologen keine Medikamente verschreiben. Bei manchen reichen die Medikamente, um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Andere brauchen zusätzlich therapeutische Begleitung. Viele werden durch die Medikamente überhaupt erst therapiefähig. Was Dein Weg sein wird, musst Du selbst probieren.

Ich wünsche Dir viel Erfolg dabei und alle Gute fürs Neue Jahr!

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Es war und ist ein langer Weg. Seit fast 20 Jahren (!) habe ich etwa zweimal am Tag Erschöpfungszustände. Schwere Beine, starker Brainfog, imperativer Schlafdrang. Die Ärzte konnten keine Ursache finden und haben es auf die Depressionen geschoben. Das war aber unlogisch, da die Erschöpfung unabhängig von den Depressionen auftrat und auch schon vor diesen begann. Entsprechend hatten Antidepressiva auch nichts gebracht.

Seit einem Vierteljahr nehme ich Ritalin (aktuell 30mg). Die erste Erschopfungsphase entfällt seitdem vollständig. Die zweite kommt weiterhin recht zuverlässig am Nachmittag. Medikinet vertrage ich nicht (unangenehme, unregelmäßige Wirkung, ich fühlte mich überaktiviert und auch der Puls ging in Overdrive).

Interessanterweise hilft das Ritalin bei mir auch gegen die Depressionen besser als alle Antidepressiva. Es geht also aufwärts. Die Dosiseinstellung hat aber einiges an Kraft gekostet, da man mit jedem Medikament mit niedriger Dosis anfängt und schrittweise steigert. Und bei Unterdosierung kann die Wirkung auch recht anstrengend sein (man ist evtl. noch zerstreuter, reizbarer etc). Aber die Wirkung ist individuell sehr unterschiedlich.

Ich hatte auch nie gedacht, dass ich ADHS habe. Ich hatte immer gesagt, ich sei das genaue Gegenteil, weil ich immer sehr planvoll und konzentriert arbeite. Bis mein Hausarzt mich gefragt hat „schonmal darüber nachgedacht, warum Du immer so extrem planvoll und konzentriert arbeitest?“ und mir was übers „Masking“ erzählt hat, und wieviel Energie das frisst.

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Dein Hausarzt kennt sich ja besser aus als mancher Psychiater :flushed_face::clap:

Nimmst du Ritalin nur 1x täglich? Ev. würde dir eine zweite (kleinere) Dosis am Mittag helfen.

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Ja, im Prinzip ist das eine Kassenleistung. Allerdings heißt es dann oft: „Rufen Sie in einem halben Jahr nochmal an, vielleicht können wir sie dann auf die Warteliste setzen“. Es mag da regional Unterschiede geben, aber da hat sich aus Angebot und Nachfrage ein recht einträgliches Geschäft für viele Praxen entwickelt. Entweder man hat ein paar Jahre Geduld, oder man muss tief in die Tasche greifen. Die Preise haben sich in den letzten Jahren ins absurde gesteigert.

Ja, der ist echt verdammt gut. :wink:

Ich bin jetzt erstmal, nach dem gescheiterten Versuch mit Medikinet, auf einmal täglich 30mg Ritalin zurück, um etwas Ruhe einkehren zu lassen.

Zweimal Ritalin täglich hängt ja immer von der Kooperationsbereitschaft der Psychiaterin ab. In D ist es ja eigentlich nur für eine Dosis täglich zugelassen. Allerdings gibt es da Workarounds, darüber muss ich nochmal mit ihr sprechen.

Manchmal frage ich mich auch, ob mein System diese Ruhephase vielleicht braucht. Bei mir ist das ADHS mit einer autonomen Dysregulation verbunden (also das vegetative Nervensystem reagiert recht „unkonventionell“ auf Außenreize, Blutdruck und Puls reagieren zeitversetzt und dann zu stark bevor sie sich einpendeln oder auch nicht…

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Ich bin ehrlich gespannt. Man hat mir schon mit Mitte 20 Depressionen diagnostiziert und ich habe mich dann gemeinsam mit Ärzten durch eine ganze Latte an verschiedenen AntiDepressivas in verschiedenen Kombinationen und Stärken durchprobiert. In einer Tagespsychiatrie habe ich dann mal gefragt, warum die bei mir nicht wirken. Egal was ich nahm, das war immer mit schweren Suizidgedanken geprägt.

Dabei habe ich erfahren, das die Medis für Depression nur bei einem Teil wirken. Ich musste sie aber weiternehmen, obwohl sie nicht gewirkt haben. Ich habe mich dann nach 3 oder 4 Wochen selbst aus der Tagespsychiatrie genommen.

Über mehrere Jahre und viele Versuche mit solchen Medis habe ich es gelassen.

Umso mehr bin ich auf die ADHS Medikation gespannt. Wir fangen mit 2 Dosen am Tag an. Nächste Woche weiß ich mehr.

Berücksichtigt werden muss:

  • ich frühstücke nicht
  • ich habe einen Schlauchmagen
  • ich habe eine Essstörung dahingehend, das ich alles mit Essen kompensieren möchte
  • ich habe mittelschwere bis schwere rezedivierende Depression

Schön, das man inzwischen die Fachbegriffe so locker aus dem Ärmel schüttelt :wink:

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Willkommen im Forum @Stille.Farben.Bunt @AlexanderK

Das ist ein Klassiker: Depression diagnostiziert bekommen, dann (nicht ursachengerechte) Antipressiva. Sehr oft sind Depris lediglich Sekundärfolgen eines unbehandelten ADHS. Ging mir auch so. 3 Jahre 2 Antidepressiva bekommen, dann hab ich auf ADHS Test bestanden.

Seit ich das Antidepressivum abgesetzt habe und ADHS Medikamente nehme, sind die Depris zu 99, 9% verschwunden. Je nach Medikament (ich habe unterschiedliche durch) habe ich zwei-, dreimal am Tag und an langen anspruchsvollen Tagen sogar viermal etwas genommen, denn auf die theoretisch behauptete Wirkungsdauer bin ich bei keinem Medikament gekommen. Kommt aber drauf an, wie schnell man den Wirkstoff verstoffwechselt.

Sieht so aus, als hättet ihr gute ärztliche Betreuung. Glückwunsch.

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Darf ich fragen, bei welchem Medikament Du zur Zeit bist? Ritalin hat ja eine offizielle Wirkungsdauer von 8 Stunden, bei mir sind es real eher 4 bis 6 Stunden. Ich habe auch noch von niemandem gehört, der die 8 Stunden erreicht. (Gibt bestimmt auch solche Fälle, die Wirkung ist ja sehr unterschiedlich, aber 5-6 Stunden scheint mir normal.)

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Ich war zu lange bei einem Psychiater, der auf meine Bemerkung, dass die Antidepressiva bei mir nichts bringen mit „dann erhöhen wir mal die Dosis“ reagiert hat. Und wenn ich von meiner Erschöpfung erzählt habe, sagte er „müde werden wir alle mal“. Ich bin meiner neuen Psychiaterin und vor allem meinem Hausarzt sehr dankbar, dass sie mich davon überzeugt haben, ADHS überhaupt als Möglichkeit zu erwägen.

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Hast Du da Erfahrung mit 2x Ritalin am Tag? Unter 30mg hatte ich ja eher unangenehme Wirkung, erst bei 30 wird sie gut. Meine Sorge wäre: wenn ich eine kleinere Dosis am Nachmittag nachlege, dass dann auch nur die unangenehme Wirkung käme…

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Nur mit redardiertem Medikinet, aber das funktioniert grundsätzlich gleich.

Die zweite Dosis ist grundsätzlich ca. 1/3 bis 2/3 der ersten, da noch ein Rest der ersten im Blut ist. Du hast also am Nachmittag keine geringere Wirkung.

Mit 30mg am Morgen wäre also ca. 10-20mg am Mittag vermutlich richtig. Was besser ist, müsstest du testen.

Einnahme der 2. Dosis ca. 30min vor Wirkende der ersten.

Hallo @AlexanderK

Ich nehme zur Zeit Kinecteen morgens 54mg oder 36mg und wenn die Wirkung nachlässt mittags 36mg oder 27mg. Ich suche noch die optimale Eins

Ritalin wirkte bei mir nur 4 - 5 Stunden. Drum habe ich dreimal 20mg genommen. Stimmungsmäßig hat es mich runtergezogen. Deswegen bin ich vor drei Wochen auf Kinecteen umgestiegen. Da hält die Wirkung 1 - 2 Stunden länger.

Manchmal habe ich den Eindruck dass die Wirkungsdauerangaben der Hersteller mehr mit Reklame als mit Realität zu tun haben.

Ja ich habe die Diagnose schon jetzt mit 56 Jahren bekommen. Ich hab mich mit Tabletten eingestellt mit Ritalin ret und Medikinet ret

Ich hab mich stufenweise hoch dosiert und nehme morgens 30 Ritalin ret und 10 Medikinet ret . Am Nachmittag nehme ich so um 12:30 Uhr 30 Ritalin ret und später eventuell um 16:00 Uhr bis 16:30 Uhr noch mal 10 mg Medikinet ret

Ich empfinde die Wirkung als positiv. Ich war vorher nur müde schlapp und alles war ziemlich schwer häufig auch mit viel grübeln und über die Welt nachdenken. Ich denke mal eine leichte Depression. Die Medikation hat eine aufhellen Effekt bei mir und zusätzlich ein positiven Antrieb und Interesse an Dingen, die sonst nicht so interessant waren und habe mehr Freude an Dingen dran zu bleiben. Was man allerdings sagen muss, ist, dass die Wirkung der Medikamente, wenn sie nachlässt und man nicht regelmäßig sie einnimmt, schon gewisse Einbrüche und Schwankungen haben können, die nicht so angenehm sind, wenn man aber bei einer Regelmäßigkeit bleibt, finde ich es besser. In meinem Fall kann ich auch abends dann gut schlafen. Man darf nur die letzte Tablette nicht zu spät nehmen.

Medikinet, Tat und Ritalin Tat sind die gleichen Wirkstoffe aber werden unterschiedlich freigesetzt, so dass die Wirkkurven sich durchaus meiner Meinung nach ergänzen.

Hallo Pulsuhr und herzlich willkommen!

Du nimmst morgens gleichzeitig eine 30-er Kapsel Ritalin und eine 10-er Kapsel Medikinet? Welchen Sinn hat das?

Was meinst du mit „Tat“? Eventuell den Markennamen Tad? Also unretardiertes MPH?

Ich nehme auch verschiedene Methylphenidat-Produkte: Morgens Medikinet Adult 40 mg, mittags Ritalin Adult 30 mg und am frühen Abend 5 mg unretardiertes Methylphenidat (meist 1a).

Aber nicht zwei Kapseln gleichzeitig wie gesagt.