diese Woche habe ich nun endlich meine bereits zu erwartende Diagnose erhalten. Ich falle unter die Kategorie maskierende ADHS. Mein ganzes Leben empfand ich das Chaos in meinem Kopf als ganz normal. Ich bin sehr spontan, kreativ, kann mich aber sehr gut zusamnenreißen… Ich habe einen kaufmännischen Beruf in der Lohnbuchhaltung. Ich habe mich aber immer wie getrieben gefühlt. Hatte immer das Gefühl, es allen immer recht machen zu müssen. Zu Hause dann falle ich regelrecht in mich zusammen.
In unserer Familie gibt es eine Häufung von ADHS Diagnosen. Mein Vater bestimmt, mit cholerischen Anfällen (war ganz schlimm mit ihm, mit Gewalt). Meine Brüder, mein Neffe.. Dann mein Sohn, schon als Kind diagnostiziert, meine Töchter…(wahrscheinlich). Dann jetzt auch meine Enkeltöchter. Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe gestern meine erste Elvanse 30 mg genommen. Das Gefühl ist kaum zu beschreiben. Ich fühlte mich auf einmal total entspannt, konnte meine Arbeit in aller Ruhe, nacheinander abarbeiten. Ich bin einfach froh, auch noch in meinem Alter etwas ändern zu können.
Wie ist es bei euch, hat von euch auch jemand so eine Erfahrung gemacht?
Ja stimmt, ich wollte es immer nicht wahr haben. Aber da ich auch noch Venlafaxin für meine generalisierte Angststörung nehme, hoffe ich auch hier etwas reduzieren zu können, weil ja auch solche Störungen bei ADHS auftreten können. Bin jetzt mal gespannt, wie sich alles weiter entwickelt.
Ich bin auch spätdiagnostiziert (mit 52). Habe ein Jahr gebraucht um mich emotional mit der Diagnose anzufreunden. Habe lange damit gehadert, ob ich wohl mit Methylphenidat beginnen soll (ich habe Suchtvergangenheit). Habe dann vergangenes Jahr stattdessen mit hochdosiertem CBD begonnen und erlebte damit genau wie Du totale Entspannung - gefolgt von Tags darauf ungewohnte Fokussiertheit und Konzentrationsfähigkeit.
Ehrlich gesagt, bin ich jetzt total erleichtert. Es ist so, als ob jetzt die Puzzleteile ineinander fallen. Ich gehe auch im Familien- und Freundeskreis offen damit um. Und dann wird einem dann gesagt “ hm, das wundert mich jetzt gar nicht”. Was sagte meine Therapeutin.. “wir haben einfach ein anderes Betriebssystem”.
Wenn ich doch nur damals bei meinen Kindern auch so damit umgegangen wäre.. Unser Junge hat so darunter gelitten, ADHS zu haben. Was mussten die Eltern sich nur alles anhören..Immer das schlechte Gewissen, versagt zu haben in der Erziehung, dann das Mobbing in der Schule bei unserem Sohn und die Aussage, sogar von meinem Vater, das aus ihm sowieso nichts wird…Dann die Rechtfertigung für die Medikation zu Hause und in der Schule. Was für Mut und Kraft braucht es für so ein Kind, trotzdem seinen Weg zu gehen und jetzt sein Leben zu meistern. Ich bin unglaublich stolz auf ihn, das er jetzt sein Potenzial voll ausschöpft, seit 9 Jahren verheiratet ist und 2 wundervolle Töchter hat. Wahrscheinlich haben auch meine Enkeltöchter ADHS, auch wenn das noch nicht bestätigt ist. Aber sie sind so phantasievoll, frei, kreativ und emotional, das es eine Freude ist, ihnen beim Spiel zuzusehen. Es ist einfach toll, das es heute normal ist, nicht immer die Norm zu passen.
Hallo liebe Oma62, dieses Maskieren kenne ich. Ich bin nun 60 Jahre alt und wurde im Sommer 2024 diagnostiziert. Selbst die Psychologin in der LWL Klinik meinte, dass es “nicht so schlimm sei”, da ich eine funktionierende Ehe, einen gut geratenen Sohn und seit Ende meiner Ausbildung den gleichen Arbeitgeber habe. Das hat mich echt zurückgeworfen. Das alles stimmt, aber mein Leidensdruck ist immer schlimmer geworden. Deshalb die Diagnostik, nach fast 2 Jahren Warteliste. Dann habe ich keinen Psychater oder Neurologen gefunden, nicht einmal auf eine Warteliste bin ich gekommen.
In meinem Frust habe ich alles aufgegeben. Keine (Hilfs-) Medikamente mehr, keine Psychotherapie mehr und ich habe meine Arbeitszeit so weit reduziert, wie ich es mir leisten konnte. Das hat schon einiges gebracht, aber jetzt- ca 1 1/2 Jahre später - bin ich (mal wieder) in eine Depression gerutscht Weil es zusätzlich an Schlaf mangelte, meine Hausärztin aber keine BTM Rezepte ausstellt, war es wieder richtig schlimm. Jetzt hat sie mir Pipamperon verschrieben, was hilft zu schlafen, was hilft aus der Depression zu kommen.
Hallo Miraimona, es tut mir sehr leid, dass Du in Deiner Therapie nicht so richtig weiter kommst. Aber wenn ich es richtig verstanden habe, wurdest Du ja diagnostiziert. Es ist wirklich traurig, dass es nicht möglich ist, einen Psychater oder Neurologen zu finden. Wenn Du Depressionen hast, müsste Dich doch Deine Hausärztin überweisen können… Gibt es da nicht eine Notfallnummer? Ich wünsche Dir ganz viel Glück bei Deiner Suche.
Hallo @Miraimona ich hab dir mal ne Privatnachricht geschrieben mit den Kontaktdaten von meinem Psychiater, da konnte ich einfach ohne Termin hin und hab sofort Medikamente bekommen.
Wer sonst noch dringend aus der “LWL Region” einen Psychiater sucht kann sich gerne bei mir melden.
Ich glaub der ist neu, er meinte jedenfalls ich soll gerne Werbung machen, nachdem ich angesprochen hatte wie unkompliziert und schnell das ging.
Ich wurde im Zuge eines beruflichen Kontaktes mit einer Psychiaterin darauf aufmerksam gemacht, dass ich ADHS haben könnte.
Zuerst habe ich es nicht ernst genommen, dann bin doch zur Diagnostik gegangen. Mit 57 wurde bei mir tatsächlich ADHS diagnostiziert. Um genau zu sein AD(H)S.
Dieses zufällige Gespräch mit der Ärztin ist nun ein knappes Jahr her. Mittlerweile nehme ich in der Früh Methylphenidat Stada (entspricht Methylphenidat ratiopharm bzw Ritalin LA) und am frühen Nachmittag Ritalin unretardiert. Wenn es mal länger wird (zB Bereitschaftsdienst) noch ein Ritalin um 18 Uhr.
Was hat sich durch die Diagnose geändert?
Ich verstehe mich selbst jetzt viel besser.
Was haben die Medikamente bewirkt?
Es geht mir psychisch besser. Sonst merke ich subjektiv keinen Unterschied. Ich führe weiterhin pausenlos innere Monologe und Aufräumen macht weiterhin keinen Spaß. Was sich aber geändert hat, ist, dass ich Sachen erledige. Das schmutzige Geschirr kommt gleich in den Geschirrspüler und nicht erst in drei Tagen. Das gewaschene Gewand kommt zeitnah in den Schrank. Ich sehe mir die Sachen an, denke mir, ”freut mich nicht” und erledige es trotzdem, damit es aus dem Kopf ist und der Kopf frei ist, für Sachen, die mir Spaß machen.
Ich bin der gleiche Mensch wie vorher. (Nur ein einziger Freund hat eine Veränderung an mir gesehen. Er meinte, ich sei deutlich fokussierter.) Mein Leben hat allerdings deutlich an Qualität gewonnen.
Das merke ich bei mir auch. Ich kann jetzt länger an einer Sache dran bleiben. Es ist ein schönes Gefühl, etwas fertig zu bekommen und es macht auch noch Spaß. Und ich schlafe tatsächlich auch besser (meistens jedenfalls)
Ich 58 habe bis zu einem Urlaub letztes Jahr, nur MHD genommen. Ich wollte mir den Zirkus Zoll /Gesundheitsamt sparen und habe meinen Psychiater gesagt, dass ich im Urlaub ausprobieren werde ohne Medikamente (Ausslassphase) auszukommen . Er hatte ein bisschen Sorge und hat mir für den Notfall Bupropion mit gegeben. Und was soll ich sagen, das ist für mich genau richtig. Obwohl ich keine Depression habe . Ich nehme jetzt Bupropion und MHD. Nun zu dir dieses Medikament kann auch ein Hausarzt verschreiben. Vielleicht ist es eine Alternative für den Übergang, bis du einen Psychiater gefunden hast.
Vielen Dank für Deine Erfahrung Ich habe nun bald einen Termin bei dem von KaterKnofi genannten Psychiater. Ein wenig Angst habe ich aber vor einer Medikation. Ich und auch mein Mann möchten nicht, dass mein Wesen sich verändert.
Deshalb ist Deine Erfahrung viel wert
Vielen Dank für Deine Nachricht. Tatsächlich habe ich, dank des Tipps von KaterKnofi, noch im April einen Termin bei einem Psychiater Daher brauche ich nicht mehr mit meiner Hausärztin diskutieren. Sollte es erforderlich werden, ist das aber ein guter Tipp.
Meine Psychiaterin hat mir erzählt, dass einige ihrer Patienten und Patientinnen sogar enttäuscht waren, dass sich subjektiv kaum was verändert hat.
Ich bin sehr froh, dass ich ich selbst geblieben bin. Allerdings fällt es mir jetzt unter anderem leichter, Grenzen zu setzen. Aber in einem Ausmaß, das für alle Beteiligten sehr akzeptabel ist.
Das Wesen soll sich doch bitte ändern. Zum Positiven natürlich. Meine Frau sagt, ich sei nicht mehr so grummelig wie früher. Meine Grundstimmung ist weniger gereizt.
Deine Angst geht vielleicht eher in die Richtung, dass du dich nicht mehr wie du selbst fühlst. Die Gefahr ist bei Stimulanzien gering, denke ich. Ich fühle mich durch mein Medikament mehr „ich selbst“.
Danke für Deine Antwort! Tatsächlich ist es die Angst nicht mehr man selbst zu sein. Bisher habe ich Medikamente wie Lorazepam, Tavor oder Opipramol bekommen. Die sind aber auf ‘Ruhigstellen’ ausgelegt. Das führt dazu, dass ich nicht mehr ich bin. Ich habe halt auch gar keine Erfahrung mit speziellen ADHS Medikamenten. Deshalb meine Angst Hoffentlich werde ich bald eine entsprechend positive Erfahrung machen