Diagnostik lässt mich an meiner Wahrnehmung zweifeln

Hallo zusammen,

nach sehr langer Zeit melde ich mich hier im Forum wieder zu Wort. Aktuell befinde ich mich in der Autismus Diagnostik. Und das lässt mich an „allem“ zweifeln. (Zugegeben, das ist auch leider nicht besonders schwer)

Ein großes Problem von mir ist, auch abgesehen von Diagnostik, dass mein Gehirn irgendwie komisch mit Erinnerungen umgeht. Es ist als läge darüber ein Vorhang, der immer blickdichter wird, je weiter die Zeit weg ist. Und als ob es generell funktioniert wie ein Sieb.

An meine Kindheit kann ich mich praktisch gar nicht erinnern. Die Erinnerungen die ich glaube zu haben, sind eher nur eine Momentaufnahme, wie ein Bild, und auch alle in Verbindung mit Fotos die ich oft genug gesehen, oder Geschichten die ich oft genug erlebt habe, weshalb es wohl eher konstruierte Erinnerungen sein werden als echte.

Bei meiner Jugend ist es sehr ähnlich. Da gibt es aber manchmal Momente, in denen unter den richtigen Umständen („oh, das habe ich auch erlebt“, allerdings muss es oftmals spezifisch genug sein) plötzlich etwas aufploppt, was sich allerdings auch mehr nach einer Information anfühlt als nach einer Erinnerung.

Und so wird es je näher es an „heute“ kommt, eben immer etwas mehr, auf dass ich Zugriff habe. Trotzdem aber eben auch nicht durch willentliches Erinnern. Und auch da ist es wieder so, dass nur das was oft genug von mir oder anderen wiedergegeben wurde, willentlich abgerufen werden kann, aber auch eher als bloße Information.

So in etwa ist es auch mit Informationen, die ich so im Laufe meines Lebens aufgesaugt habe. Ich kann sie wenn überhaupt nur wiedergegeben, wenn genug Wiederholungen da waren oder sie durch die richtigen Trigger aufploppen. Ansonsten bleibt nur das Fazit hängen.

Auch habe ich dadurch kein wirkliches Gefühl für meine Autobiografie, erlebe immer wieder wie viel ich durcheinander bringe. Und ich kann mich nicht mit früheren Versionen von mir identifizieren, weil ich mich durch diese nicht kohärent anfühlende Vergangenheit nicht damit verbunden fühle, oder nur sehr selten.

Das hilft mir natürlich weder im Alltag, noch im diagnostischen Prozess.

Zumal ich mich auch schon sehr lange mit „Menschen“ im Sinne von „wie funktionieren Menschen“ auseinander setze. Also Psychologie, Muster, Nervensystem, Philosophie etc. Und mir daher auch bewusst bin wie das Gehirn uns austricksen kann, um uns im wahrsten Sinne des Wortes nicht an innerer Dissonanz verrückt werden zu lassen.

Um zum Punkt zu kommen, ich weiß weder ob ich meinen Erinnerungen und meiner Wahrnehmung überhaupt trauen kann. Oder von anderen.

Mein Leben ist irgendwie schon früh aus den Fugen geraten, und ich habe diverse Themen von denen ich denke dass sie eine Rolle spielen könnten.

Und eigentlich halte ich mich auch für einen Menschen, der sich selbst hinterfragt. Selbstverständlich habe ich wie jeder Mensch „blinde Flecken“, die mir nicht auffallen solange es mir niemand spiegelt.

Doch jetzt zweifle ich an „allem“. Wenn ich mir über etwa 3 Jahre schon so sicher war dass ich autistisch sein könnte, dass ich mich zur Diagnostik angemeldet habe, und das sich als falsch herausstellt… Nach all der Zeit die ich in Recherche gesteckt habe, bevor ich mir überhaupt selbst erlaubt habe es in Betracht zu ziehen, geschweige denn anderen davon zu erzählen.

Denn ich habe das Gefühl dass es darauf hinauslaufen wird. Und ich weiß nicht ob ich dann noch irgendwas als Teil von mir akzeptieren kann, was nicht absolut sicher ist. Trotz Diagnose würde dazu auch das ADHS zählen. Vielleicht laufe ich die ganze Zeit nur vor der Wahrheit weg?

Mir wurde immer wieder gesagt, dass ich Psychotherapie machen soll, seit meiner Jugend. Und das habe ich auch. Im Laufe der Zeit wurde es weniger und ich hatte auch nicht das Gefühl dass es je einen großen Effekt hatte. Aber egal wohin ich mich wende, in der Hoffnung auf Hilfe, ich bekomme immer diese Antwort. Meine chronischen gesundheitlichen Beschwerden, meine Schwierigkeiten im Alltag klar zu kommen, im „Erwachsen Sein“, egal weshalb. Es ist immer „machen Sie Psychotherapie“. Und was, wenn sie einfach Recht haben und ich mich bloß verrenne?

Ich meine, ich bin mir bewusst darüber dass es durchaus Themen gibt die ich aufzuarbeiten habe. Und dass ich mich davor auch manchmal drücke, weil ich nicht das Gefühl habe dass ich damit „die Wurzel allen Übels“ angehe. Was nicht bedeuten soll dass es nicht auf allen Ebenen Effekte auf mich haben würde. Aber ich habe das Gefühl dass ich ein strukturelleres Problem habe. Ach keine Ahnung. Ehrlich. Ich bin so durcheinander und müde vom Kämpfen.

Es ist alles viel komplexer als es mir überhaupt möglich wäre zu erklären, und ich glaube dass ich einfach immer mehr müde davon werde mich ständig erklären und rechtfertigen zu müssen.

Gleichzeitig ist es aber so, dass ich wirklich dringend Unterstützung bräuchte.

Die erste Einschätzung nach dem Termin bei der Diagnostik hat mich so erschüttert, dass ich zwei Reaktionen gleichzeitig hatte:

  • „Ich werde WIEDER nicht richtig gesehen. Man sieht wieder nicht das ganze Bild. Wie immer läuft es darauf hinaus dass ich einfach noch nicht genug an mir gearbeitet habe.“ Und wie ich noch weiter an mir arbeiten und verbessern soll, wenn ich ja schon mit basic tasks kämpfe, keine Ahnung.
  • (Getriggert von der ersten Reaktion) „Okay. Wenn das nicht stimmt, dann kann ich überhaupt nichts mehr trauen. Back to basics. Ich schmeiße alles über Bord. Die Suche nach Hilfe, in welcher Art auch immer, kostet mich nur Kraft die ich nicht habe und treibt mich nur weiter rein. Weg damit. Alles auf Null“

Jetzt kann ich natürlich auch wieder etwas differenzierter darüber nachdenken. Und trotzdem ist da gerade das Bedürfnis, einfach aufzugeben, in der Hoffnung irgendwie „zu mir finden zu können“.

Um ehrlich zu sein weiß ich auch nicht so richtig was ich mit diesem Post hier überhaupt erreichen will. Vermutlich einfach mal loswerden.

Dieses Bedürfnis alles zu analysieren plagt mich weiterhin, aber jedes Mal komme ich dahin zurück dass es ohnehin keinen Sinn hat, weil ich nicht weiß was echt ist und was nicht.

Auf der einen Seite fühlt es sich ein bisschen befreiend an, auf der anderen Seite braucht es nunmal „Label“, um Unterstützung zu bekommen und um sich nicht ständig erklären zu müssen, wo mein Gehirn ja dann auch jedes Mal auf blank geht.

Hallo @Tagträumerle diese Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, während du gleichzeitig gestochen scharf und selbstkritisch über dich schreibst… Hast du dich schon näher mit kPTBS beschäftigt? Also die Variante der Posttraumatischen Belastungsstörung, bei der es keinen großen als Problem identifizierbaren negativen Einfluss gab, sondern wo schleichend über Jahre z.B. die Eltern z.B. keine echte Zuneigung gegeben haben. Weil sich das Kind zum Überleben daran anpasst und keinen Kompass entwickeln kann, weiß das erwachsene Kind später nicht, was echt ist, nicht einmal an eigenen Erlebnissen und Gefühlen.

Hallo @Dosierungshilfe, ja damit habe ich mich auseinander gesetzt, und deshalb auch geschrieben dass es sicherlich ein paar Dinge gab mit denen ich mich beschäftigen müsste.

Ob daraus tatsächlich eine kptbs entstanden ist bezweifle ich allerdings, sondern wäre das wohl auch mal diagnostisch angeschaut worden.

Diese Zweifel hängen denke ich zum großen Teil damit zusammen dass ich eben nicht sicher sagen kann, wie meine Vergangenheit war. Wie ich mich verhalten habe, was in mir vorging etc.

Im Übrigen gab es auch durchaus Dinge die sich klar als Problem identifizieren lassen, aber eben vor allem „schleichende“ Ereignisse, anstatt einem großen Knall.

Was ich allerdings auffällig finde, ist wie es sich durch mein Leben zieht dass ich besser „funktioniert“ habe wenn die Anforderungen nicht so hoch waren.

Ich war auch viele Monate arbeitsunfähig und in der Zeit ging es mir nach und nach besser, auch wenn sich nicht alles gebessert hat. Aber ich konnte meine Erlebnisse verarbeiten und „durch fühlen“, und vor allem wieder etwas Kraft tanken.

Seit mehr als 6 Jahren arbeite ich jetzt wieder, in Teilzeit. Je mehr dort die Anforderungen an mich gestiegen sind, Anforderungen von außen dazu kamen, sich Umstände geändert haben, desto mehr bin ich ausgebrannt.

Und ich verstehe nicht warum meine Kapazitäten so gering sind. Klar, jetzt bin ich im ständigen Kampf mich über Wasser halten zu können. Aber das zieht sich ja durch mein Leben.

Hey!

Ganz gerade heraus: was genau ist daran nicht zu verstehen, wenn eine Person mit mindestens einer Behinderung (ich nehme an, deine ADHS-Diagnose ist fix?) geringe Kapazitäten hat? Die Frage ist etwas provokant gestellt, aber wenn ich von außen auf das gucke, was du schreibst, zwingend logisch.

Würdest du von einem Menschen im Rollstuhl konstant ewarten, Treppen zu überwinden? Zig mal am Tag? Vielleicht kann der Menschen sehr kurze Strecken gehen in unserem Beispiel, und könnte eine Weile die Treppenstufen gehen. Aber er wäre mit Sicherheit sehr schnell erschöpft und könnte es nicht mehr. Tja, und das verlangst du von dir scheinbar: ständig und immer über deine physischen und psychischen Grenzen zu gehen.

ADHS ist genauso eine Entwicklungsstörung wie Autismus, eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Behinderung. Sollte sich der Autismus-Verdacht bestätigen, kommt das bei dir noch dazu. Wer willst du sein? Superman? Eine Fantasiefigur, die Unmenschliches kann?

Es tut mir Leid, wenn ich den Beitrag provokant formuliere. Ich möchte dir damit klarmachen, dass deine Kapazitäten schon richtig sind wie sie sind. Das ist eine ziemlich bittere Wahrheit, die sehr viele, wenn nicht alle, Menschen mit Behinderungen einsehen müssen. Und alle anderen auch, sofern sie das zulassen für sich.

Ich weiß, dass man sehr oft zu Perfektionismus und Leistungswillen neigt, ständig NOCH mehr will, weil alle andere scheinbar alles hinkriegen. Aber dieser Anspruch macht einen krank auf Dauer. Wenn du am besten zurechtkommst, wenn die Anforderungen „nicht so hoch“ (wer definiert das überhaupt…) sind, dann sind das in dem Moment eben deine Kapazitäten, die du hast. Du bist deshalb kein schlechterer Mensch.

Das mal zu meinen Gedanken.

@KiwiSam Danke für den Beitrag. Und du hast Recht.

Sicherlich erwarte ich oft zu viel von mir. Gleichzeitig würde ich allerdings auch behaupten dass ich mein Leben schon so viel angepasst habe um dem gerecht zu werden, dass ich manchmal nicht mehr weiß was überhaupt noch übrig geblieben ist.

Es ist ja nunmal auch ein Fakt, dass sich sich die Welt kaum an Menschen mit Beeinträchtigungen, in welcher Form auch immer, anpasst. Es ist immer anders herum.

Die ADHS Diagnose ist gesichert, Endometriose auch. Abgesehen davon gab es im Laufe meines Lebens viele körperliche und psychische Diagnosen die ich im Verdacht hatte, und auch Diagnosen die ich als nicht oder nicht mehr zutreffend empfinde. Weil mir das Ausmaß von meinen fehlenden Ressourcen und den Symptomen einfach nicht ausreichend erklärbar ist.

Ca 2019, kurz nachdem ich bei Mama ausgezogen war, bin ich chronisch krank und erstmal arbeitsunfähig geworden. Es war glaube ich noch nie „gut“ mit mir, aber das war der Zeitpunkt an dem alles gekippt ist. Ich habe alles mögliche ausprobiert um meine körperliche und psychische Verfassung zu verbessern, teils auch mit Erfolg. Aber sobald ich eine Anpassung machte, geriet etwas anderes aus den Fugen. Und mit der Zeit hat sich das alles so sehr summiert, dass ich immer mehr Abstriche machen musste. Hobbys? Keine Energie. Soziale Kontakte? Bitte nicht. Einkaufen? Zu anstrengend.

Es wurde so schlimm, dass ich mich überhaupt nicht mehr getraut habe irgendwas zu machen, weil gefühlt alles dafür sorgt dass es mir in irgendeiner Form schlimmer geht. Es wurde wirklich sehr schlimm. Wie oft habe ich geweint, weil ich nicht wusste was ich noch aus meinem Leben streichen soll, um endlich wieder ein bisschen Kraft tanken zu können. Wie oft habe ich ernsthaft überlegt meine Katzen abzugeben zu müssen.

Es schaukelte sich teilweise so heftig hoch, dass ich mich gefragt habe wie lange es noch dauern würde bis einfach nichts mehr geht. Ich war über Monate so fertig, dass ich Angst hatte einfach vor ein Auto zu laufen oder ähnliches, weil so heftigen Schlafmangel hatte.

Aber es hilft einem ja auch niemand. Ich werde einfach nicht ernst genommen. Auch nicht mit den körperlichen Symptomen. Also muss ich mir irgendwie selbst helfen. Ich weiß nicht wohin das sonst führen soll. Ich will mich nicht aufgeben müssen.

Das ist bei ADHS und oder ASS nicht ganz so einfach auseinander zu klamüsern, weil sich da viel gegenseitig überschneidet. Du beschreibst ja selber deine fehlenden Erinnerungen, das macht es nicht einfacher.

Ich muss nur Sterben lieber KiwiSam aber ja du hast recht, damit das man Herausforderungen hat und versuchen sollte mehr Selbstfürsorge zu betreiben.

Und dennoch reicht es nicht aus.

Nach Jahren um Hilfe bitten, fühlte sich letztendlich nur ambulant betreutes Wohnen zuständig.

Es ist noch nicht gestartet, bisher nur das Kennenlerne, Hilfeplanerstellung etc.

Das Problem: die reden ständig von motivieren. Sie wissen nicht wie sie mir helfen sollen, bei der Problemlage die ich beschreibe.

Und ich fürchte, dass ich letztlich nur wieder versucht werde passend gemacht zu werden, dass ich „motiviert“ werde um im Endeffekt dann noch weiter über meine Grenzen zu gehen.

Aber ich nehme bei diesen Aussichten die vielen anstrengenden Termine, das Besorgen von Unterlagen etc auf mich, in der Hoffnung dass es irgendwie doch Entlastung bieten kann.

Ein Experiment, dass mich bisher wieder nur extrem viel Energie kostet.

Und das ist eben auch, warum ich das Bedürfnis habe alles zu canceln. Bisher packt alles nur weiter Anforderungen auf ohnehin schon für den Alltag nicht ausreichende Kapazitäten.

Da gebe ich dir Recht. Allerdings wurde bei mir ja auch in vielen Jahren ambulanter Therapie und zwei stationären Aufenthalten, seitdem ich 14 war, nie eine solcher Diagnosen gestellt.

Die ADHS Diagnose habe ich selbst angestoßen, mich selbst informiert, mir einen Termin zur Diagnostik besorgt etc.

Damals hieß es bloß immer Depressionen und Verdacht auf beginnendes Borderline. Sowas halt.

Dass sich das alles so überschneidet macht es mir wirklich schwer. Zumal es sich auch teils mit meinen körperlichen Problemen überschneidet oder vermischt.

Diesen Teufelskreis kenne ich sehr gut. Bei mir halfen letzten Endes Medikamente, um das zu durchbrechen. Klar, natürlich auch Therapie und die Erkenntnis mich annehmen zu wollen wie ich bin, die Aufarbeitung von Perfektionismus und so weiter.

Aber mehr Energie habe ich dank Elvanse. Nimmst du ADHS-Medikamente? Sie sind kein Wundermittel, aber sie können den Alltag massiv erleichtern.

@schlingelprinz Da hast du natürlich Recht. Müssen tun wir hier gar nichts. XD Es ist sowieso einigermaßen sinnlose jemandem mit ADHS zu erzählen, was er oder sie muss. Wir tun meistens das Gegenteil.

Nochmal zu @Tagträumerle

Jemand sagte mal zu mir, dass ich nie werde ändern können wie die Umwelt auf mich reagiert, aber ich kann in mir selbst eine Stimme finden, die mir mit Mitgefühl statt Hass begegnet. Du bist schon passend. Für mich ist es zielführender gewesen zu begreifen, dass ich für meine Anpassungen streiten kann statt mich selbst anzupassen.

Ja, ich nehme Elvanse. Aber ich habe nicht das Gefühl dass es mir so hilft wie es helfen sollte. Die seltsamen Effekte waren auch ein Punkt weshalb ich Autismus in Betracht gezogen habe.

Ich habe das Gefühl du missverstehst mich hier vielleicht. Natürlich kann ich mich davon frei sprechen, dass ich nicht auch mal fiese Gedanken mir gegenüber habe. Ich begegne mir seit der ADHS Diagnose mit sehr viel mehr Mitgefühl.

Nur leider hat das einfach seine Grenzen, in denen das einen positiven Effekt haben kann. Ich habe keinen Puffer. Und deshalb wird jedes bisschen „zu viel“ Mitgefühl zu einem Risiko. Dass der Berg an Aufgaben weiter wächst oder Kettenreaktionen auslöst.

Im letzten Sommer hatte ich zum Beispiel hunderte Fliegen in meiner Wohnung, weil ich es nicht geschafft habe das unter Kontrolle zu bekommen. Da hilft es nicht, Mitgefühl mit sich selbst zu haben. Da hilft nur noch mit dem Kopf durch die Wand und irgendwie hoffen dass man die Umstände dadurch nicht noch mehr verschlimmert.

Wenn man immer für alles alleine die Verantwortung trägt, ohne Puffer, mit mehr Aufgaben als Kapazität, wird es irgendwann immer mehr zur Gefahr Mitgefühl mit sich selbst zu haben. Dann muss man abwägen wann man es sich leisten kann und wann nicht.

@KiwiSam eigentlich zeigt das hier auch sehr gut, wie meine Erfahrungen ständig sind. Das ist jetzt nichts persönliches, bitte nicht falsch verstehen.

Aber das ist genau der Grund, warum ich einfach endlich „Label“ haben möchte, um zu beschreiben was ich erlebe.

Weil ich mich jedes Mal, bei jedem neuen Menschen, erstmal gefühlt unendlich lange erklären muss, in der Hoffnung verstanden zu werden.

Und ich kann es auch niemandem vorwerfen, so funktionieren Menschen nunmal, und ich bin auch keine Ausnahme. Man sieht immer erstmal nur das offensichtlichste oder Dinge die man selbst irgendwie verstehen kann, zb weil man sie selbst erlebt hat.

In meinen Gedanken sieht es aber immer aus wie eine Mindmap. Dinge die sich gegenseitig beeinflussen, die Folgen haben, ganz viele Verknüpfungen.

Und so sehe ich das auch mit meinen Beeinträchtigungen. Ich kann bloß nicht jedes Mal die ganze Mindmap öffnen. Und wenn ich nur Teile davon preisgebe, werde ich halt so gut wie immer missverstanden.

Die körperlichen Symptome spielen bei mir auch eine große Rolle für die Erschöpfung. Um nur mal einen von den vielen Punkten zu nennen, auch oberflächlich: wenn ich nicht vorsorglich Schmerzmittel nehme, muss ich mit Migräne ähnlichen Kopfschmerzen rechnen. Meine Vermutung ist, dass ich eine orthostatische Intoleranz habe, und diese Schmerzen in Verbindung mit der orthostatischen Belastung stehen.

Dadurch nehme ich beinahe täglich Schmerzmittel ein.

Aber wie gesagt, das ist eben sehr grob gefasst, und auch nur ein sehr kleiner Teil der Mindmap.

Bei durchschnittlich 7 Minuten Zeit die sich Ärzte nehmen, komme ich da nicht weit. Zumal ich eben auch total Schwierigkeiten habe auf alle relevanten Informationen in meinem Gehirn Zugriff zu bekommen wenn ich ihn brauche.

Und so ist es eben auch mit dem Thema Autismus. Ich sitze dann da wie in einer Prüfung und habe sowas wie ein Blackout. Mein Gehirn gibt dann einfach nichts frei. Und das hat auch nichts mit der Situation an sich zu tun, das passiert mir auch wenn meine Mama mich etwas fragt, was in der Mindmap ist. Was manchmal hilft ist wenn man mir keine offenen Fragen stellt.

Und ich bin auch ziemlich gut darin, Dinge zu analysieren etc. Und Lösungen zu erarbeiten.

Bloß geht mir diese Fähigkeit verloren, wenn ich mich nicht komplett darauf einlassen „darf“, weil ich zu viele andere Dinge im Blick behalten muss.

Wenn ich die Möglichkeit hätte mich auf ein Problem nach dem anderen zu konzentrieren, ohne ständig alles andere mit bedenken zu müssen, dann könnte ich meine Probleme bei der Wurzel packen.

Aber so muss ich immer von einer Sache zur anderen springen, damit dann hoffentlich nichts eskaliert, nur damit von Außen auch noch ständig unerwartet mehr dazu kommt. Das raubt mir mental total Energie, weil sich nie etwas fertig anfühlt, und ich so viele unbearbeitete Tabs offen habe. Und dann bekomme ich immer nur an den Kopf geworfen was ich denn nicht alles noch tun sollte.

Ich weiß was ich tun müsste. Ich weiß auch wie.

Aber ich kann nicht mal ansatzweise alles gleichzeitig.

Hallo Tagträumerle und :sparkling_heart: Willkommen zurück

Zuerst mal möchte ich Dir mein tiefstes Mitgefühl darüber aussprechen wie hart es eigentlich in Deinem Leben für Dich sein muss das Du Dich immer wieder bei Menschen dafür erklären musst wenn es Dir nicht gut geht.

Und der Umstand davon das Du selbst anscheinend keine Erinnerungen an Deine eigene Kindheit, oder an eigene Gefühle aus dieser Zeit hast, sondern Deine Erinnungen nur aus den Schilderungen von anderen Menschen in Deinem Leben bestehen, heisst höchstwahrscheinlich den Erinnerungen Deiner Eltern, Geschwister, und/oder anderen Familienangehörigen, oder vielleicht auch Lehrer:innen, zeigt aber zumindest jedenfalls „meiner Vermutung nach“, irgendwie schon auf, dass Dir selbst „Dein Gespür zu Dir selbst“ irgendwie echt zu fehlen scheint.

Jedenfalls, dieser Umstand, heisst der des fehlens „sich selbst spüren zu können“, und dadurch wahrscheinlich auch andere „nicht spüren zu können“, lässt zumindest mich persönlich in Deinem Fall „vermuten“, dass es jedenfalls keineswegs von Grund auf falsch ist, wenn Du mal gründlich untersuchen lässt ob bei Dir „eventuell“, oder vielleicht eben absolut tatsächlich, eine nicht diagnostizierte Autismus Spektrum Störung „möglich wäre“, was ich persönlich, wie gesagt, absolut nicht für abwägig halten würde.

Und deshalb finde ich persönlich es auch gut wenn Du Dich auf eine Autismus Spektrum Störung abklären lässt, und Dich währenddessen dann auch nicht von anderen „verunsichern“ lässt.

Aber das Du Dich verunsichert fühlst, dass kann zumindest ich persönlich absolut nachempfinden, doch wie gesagt, und obwohl ich Dir leider nur meine Einschätzung als totaler Laie abgeben kann, glaube ich persönlich, dass Du auf der richtigen Spur bist wenn Du Dich selbst z.B. im Autismus Spektrum verortest. :white_heart: :four_leaf_clover:

Ich glaube, da habe ich mich auch sehr missverständlich ausgedrückt. Sorry dafür.

Was ich meinte war: dass man sich selbst mit Mitgefühl und vielleicht auch Selbstbewusstsein (irgendwann jedenfalls will ich persönlich das können) seine Anpassungen und Unterstützungen für den Alltag und wo immer sonst noch nötig erlauben darf. Keine innere Stimme mehr, die das niedermacht und einen selbst permanent für Unterstützungsbedarfe abwertet. Das tut die Außenwelt schon zur Genüge (schlimm genug, leider).

Und klar, bei der konkreten Lösung vorhandener Probleme im Alltag, hilft Mitgefühl natürlich nicht. Wie gesagt, das war doof ausgedrückt von mir, das tut mir Leid. Da hilft nur Unterstützung in der jeweils individuell benötigten Form, wie auch immer die aussieht (Pflegegrad etc.).

Das Mitgefühl hilft mir persönlich halt mit dem Schritt davor: die Hilfe erst mal zuzlassen und eben nicht in ein Perfektionismus-Alles-Allein-Können-Denken zu verfallen.

Jedenfalls drücke ich dir alle Daumen für deine Diagnostik!

Vielleicht hilft es deiner inneren Mindmap ja, wenn du sie schriftlich fixierst, sodass du sie im Zweifel wenigstens in den wichtigsten Punkten vor dir hast? Natürlich schwer, wenn man keine/wenige Erinnerungen an früher hat, aber eventuell wenigstens die heutigen Probleme? Ist nur eine Idee.

Ich weiß wie das ist, wenn einem die eigenen Probleme nicht geglaubt werden. Ich hab die ADHS-Diagnostik deshalb ewig vor mir hergeschoben. So sollte mein Post auf keinen Fall rüberkommen oben.

Hallo Abrissbirne, schön wieder von dir zu lesen. :sun:

Was es für mich noch schlimmer macht, ist dass ich mich eigentlich tatsächlich ausschließlich auf die Aussagen meiner Mama und Berichte von Therapeuten/Psychologen verlassen muss.

Also bis zum Alter von 14/15 gibt es ausschließlich die Aussagen von meiner Mama, das U-Heft und ein Zeugnis aus der Grundschule.

Ich wurde schon immer als sehr empathisch wahrgenommen. Arbeite auch mit Kindern, und schaffe es gut auf die Kinder individuell einzugehen etc.

Dass ich das kann, und nicht „nach Schema F“ vorgehe, und weil ich im Gespräch nicht gewirkt habe als ob ich autistisch bin, wurde mir von der Dame von der Diagnostik gesagt dass „es jetzt erstmal nicht so unbedingt danach aussieht, dass ich im Spektrum bin.“

Plus eben dass ich ja viele Dinge aus meiner Vergangenheit habe, die ich aufarbeiten müsste, und auch die Schwierigkeiten im sozialen davon kommen können dass ich keine sozialen Kontakte mehr habe.

Ich finde diese ganzen Diagnosen schwer auseinander zu halten.

Idealerweise kann das ein guter Diagnostiker trennen. Ehrlicherweise zweifle ich dennoch daran, dass das jemand mit paar Fragebögen und 2-3 Terminen reden, echt auseinander trennt. Es sei denn der/diejenige ist echt super gut und/oder der Fall recht eindeutig.

Nach allerlei Überlegungen bin ich bei mir zum Fazit gekommen, dass:
Ich keine ADHS habe (und auch ehrlich nicht haben möchte) - da hatte ich ohnehin nur etwas Zweifel. Bin übrigens hier wegen meinem betroffenen Sohn.
Kein ASS

Ich habe eine (oder evt. sogar mehrere :zany_face: ) Persönlichkeitsstörung (nebenbei noch einen Schuss Anhedonie bis Depression :smiling_face_with_sunglasses: ).
Das Wort ist so beschissen sorry für den Ausdruck, dass mich nicht wundert, dass Leute lieber neurodivergent sind oder „im Spektrum“ (klingt echt soooo viel besser) liegen.

Aber ja, ich bin einfach nur gestört - und das ist gut so. :grin:

Übrigens ich kann auch nicht so gut Mimik lesen und auch das gebe ich auf meine PS.
Was ich aber kann: Ich weiß z.B. in einer laaaangen Schlange an der Kasse im Supermarkt hinter mir, dass ich nicht unbedingt anfange mit der Kassierin das Bonusprogramm eine Viertelstunde zu besprechen, weil ich WEISS dann, dass die hinter mir wohl sauer sein werden. Also kein ASS, da ich mich in andere reinversetzen kann. :wink:

Was dir das hilft, weiß ich nicht. Aber ich will insgesamt nur sagen: Nur weil das niemand richtig rausdiagnostiziert hat bei dir heißt das gar nichts. Denn meistens haben Diagnostiker doch gewisse Scheuklappen auf…
Und wenn ich das richtig gelesen habe, dann kommt die Diagnose doch erst. Also lass das mal auf dich zukommen. :wink:

Und Persönlichkeitsstörung ist gar nicht sooo schlimm. :wink:

Übrigens würde ich mich nicht als empathisch beschreiben… Ich zerdenke andere Menschen gerne. Aber einfühlend, empfinde ich mich echt nicht. Auch wenn ich schon Mitgefühl habe. Also wenn echt etwas passiert ob gut oder schlecht. Aber so reinfühlen…

Naja, ich halte eh lieber Abstand zu den allermeisten Menschen. :wink:

Hach, Siebenarm. Dich muss man einfach mögen. Falls du doch eine ADHS hast, hättest du vielleicht sogar 8 Arme, mit ASS hat man leider nur sieben und die Hälfte davon Funktioniert gar nicht und sind nur Schein, kann auch andersrum sein.