Diagnostik lässt mich an meiner Wahrnehmung zweifeln

Ja, da gebe ich dir absolut Recht! Ohne wird es definitiv schwer.

Wenn es dann nicht so schwer gemacht werden würde tatsächlich Hilfe zu erhalten…

Das möchte ich auch eigentlich. Ich komme bloß nie dazu, weil es ständig irgendwas wichtigeres gibt, um das ich mich akut kümmern muss. Aber es steht schon seit Jahren auf meiner to do Liste.

Das ist auch mein Eindruck. Total schwer.

Ich kann auch verstehen warum sich das besser anfühlen könnte. Allerdings glaube ich nicht dass das bei mir der Fall ist. In meiner Jugend war ich definitiv depressiv. Jetzt sehe ich das aber nicht mehr bei mir. Und ich konnte mich da ja auch damals raus kämpfen. Ich würde also tatsächlich lieber kämpfen in dem Wissen dass es besser werden kann. Daher trifft das auf mich nicht zu, denke ich, aber ich kann mich natürlich auch irren und eigentlich belüge ich mich nur.

Wenn’s so schwarz-weiß ist, dann bin ich definitiv auch nicht im Spektrum.

Bei Oktopoden wachsen ja die Arme nach. :wink:
Das sind übrigens sowieso seeehr faszinierende Tiere.

Und ansonsten passt hier vielleicht auch noch eine Weisheit aus einem Märchen, das mich als Kind schon besonders angesprochen hat und das leider selten gelesen wird, kommt mir vor:

»Was in der Jugend einen Sprung kriegt und geht nicht gleich entzwei, das hält nachher oft gerade noch recht lange.«

Aber wenn ich diese Prinzessin bin, muss ich sagen, dass ich selber einen Glaser mit Samtpatschen gesucht habe und nicht alles meiner Schwester überlassen habe. :sweat_smile:

Das sage ich auch überhaupt nicht. Mir wurde aber bestätigt dass das bei mir nicht zutrifft und eine Falschdiagnose war. Nach einer Langzeit-Therapie.

Ich habe mich auch sehr viel damit auseinander gesetzt, und mich auch damit identifiziert. Ich ging ja damals davon aus, dass das schon so stimmen wird.

Aber es hat eben nie so richtig gepasst. Ich denke dass man einfach SVV gesehen, und davon direkt auf Borderline geschlossen hat.

@Tagträumerle
Eine Depression hat man ja gern auch zusätzlich.
Daneben kann man noch Zwänge, Ängste und alles mögliche andere an Special effects haben.

Im übrigen gibt’s auch Vermutungen inzwischen, dass auch Persönlichkeisstörungen erblich bedingt sein können - und das nicht nur erzieherisch sondern auch genetisch.
Was dazu führt, dass es eventuell Persönlichkeitsstrukturen oder
-besonderheiten sein sollten, statt -störungen.

Ganz ehrlich auch die Persönlichkeit ist spektral… mal sehen, wann da jemand drauf kommt. :smiling_face_with_sunglasses:

Das mache ich auch. Ich verstehe aber nicht wo der Unterschied ist. Ich kann mich ja in Menschen hineinversetzen, weil ich viele Zusammenhänge sehen kann, die dafür gesorgt haben wie es Menschen geht.

Wenn es eine „Wunde“ von mir berührt, dann kann ich auch richtig „mitfühlen“, wobei ich eher meinen Schmerz fühle.

Aber wenn mir ne Arbeitskollegin, mit der ich eh kaum zu tun habe, erzählt dass sie im Urlaub war und wie schön das alles war, fühle ich mich komplett fehl am Platz. Was soll ich denn mit der Info anfangen?

Ja richtig, das ist mir bewusst. Trotzdem sehe ich das bei mir einfach nicht. Auch wenn es vielleicht so scheinen mag dass bei mir immer „alles doof“ ist.

Aber wer gerade alleine total viel zu managen hat oder krank im Bett liegt würde auch nicht rüber kommen wie die Leichtigkeit in Person.

Aber nur weil das so offensichtlich scheint bedeutet das nicht dass ich an nichts mehr Freude empfinde etc.

Ängste hingegen, die habe ich zu Genüge.

Vielleicht magst du mal da reinlesen - es ist zwar echt lang, aber ich finde da ist viel drin:

Da habe ich auch einiges zu mir geschrieben.

Meine Diagnose geht aus heutiger Sicht in Richtung kPTBS, aber ich fand die frühere Diagnose SPS (schizoide PS) viel besser…
Und die SPS hat in der Erscheinung einige Überlappungen mit ASS. Ich denke, darum kann ich z.B. sehr gut mit Leuten im Spektrum. Ich finde da den Kontakt oft richtig gut - wobei ich ehrlich sehr wenige kenne (oder zumindest, wo ich die Diagnose sicher weiß).

Ich hatte dort schon ein bisschen gelesen. Werd noch mal rein schauen. Danke.

Ohja, der Kampf um Unterstützung kann wirklich schwer sein. Eine Diagnose ist da bloß der allererste Schritt.

Es gibt übrigens einen Diagnostik-Begleiter, ein Arbeitsbuch zum Reinschreiben, für die Autismus-Diagnostik. Falls es dir dann eventuell leichter fällt, Dinge aufzuschreiben, wenn durch ein Buch eine Struktur da ist. Das Buch heißt „Mein Diagnostik-Begleiter Thema Autismus“ von Christian Kißler. Ich habe es selbst nicht gelesen bzw. benutzt, sondern in erster Linie von dem Creator über Instagram darüber gelesen. Ich kann aber natürlich keine eigenen Erfahrungen dazu teilen.

Da du ja schon mitten in der Diagnostik steckst, ist es vielleicht zu spät für ein Arbeitsbuch dazu, aber es fiel mir ein und ich wollte es teilen, falls es doch hilfreich ist. Man kann dort wohl detailiert anhand der Diagnosekriterien von ASS seine Merkmale notieren über das ganze bisherige Leben hinweg.

Falls die Idee gar nichts für dich ist, ist es natürlich kein Problem.

Oh das klingt richtig gut!

Werde ich mir auf jeden Fall mal ansehen. Ich denke das könnte mir auch nach der Diagnostik helfen, unabhängig vom Ergebnis. Einfach um für mich die Dinge zu ordnen (und wenn ich sie vergesse nicht jedes Mal neu rekonstruieren zu müssen).

Danke für’s teilen!

@KiwiSam weißt du zufällig wodurch sich das Buch und die Onlineversion „Infos zur Selbstdiagnostik“ unterscheiden?

Da ich ja schon in der Diagnostik bin, würde ich aus Zeitgründen die online Version vorziehen, wenn die sich auch gut zum reflektieren eignet.

Nein, leider habe ich keine Ahnung. Ich kenne nur von dem Autor einige Videos, in denen er über das Buch spricht und dabei redet er immer nur über das gedruckte Buch, welches man über Amazon erhalten kann. Amazon bietet auch kein E-Book an, wie es scheint.

Bei mir steht als Lieferdatum der 5. Juni. Also eine knappe Woche.

Okay danke, ich werde mal schauen was ich mache.

Danke, mega wichtiger Gedanke und tut auch mir gerade richtig gut, zu lesen!! Habe 1,5 Jahre in einem Teilzeit Job auch über meine Grenzen hinaus gelebt, mich mit KollegInnen verglichen und ständig gewundert, warum ich langsam immer mehr ausbrenne und nichts anderes neben dem Job mehr geht

@LM.90 hast du an der Situation etwas verändert?

Es klingt so als ob es in der Vergangenheit liegt, aber vielleicht ist es nur, weil das für dich gerade eine Realisation war? Falls ja, ignorier meine Frage. :sweat_smile:

Hey, dein Post hat mich angesprochen und ich möchte dir mitteilen, dass ich mitfühle und das so auch kenne. Manchmal hilft das schon, "dann kann ich gar nicht so falsch sein/ bin nicht alleine ".

Erinnerungen oder Gefühle an Kindheit und Jugend habe ich auch nicht, manchmal ploppt ein Bild auf wie ein Stillleben, auf dem ich meist alleine bin. Wenn ich Fotos von früher sehe kann ich das auch nicht fühlen, es wirkt als wäre es nicht echt. Hinzukommt leider, dass ein Elternteil mir immer wieder meine Wahrnehmung abspricht, ich habe also auch nichts, auf das ich mich verlassen kann. Weiter ist die Folge daraus, dass der Verdacht auf traumatisierung besteht. Ob es bei dir so sein könnte, weiß ich nicht, möchte aber diese Perspektive erwähnen. Das verrückte ist, seit die vielen Anzeichen der ASS für mich logisch sind und ich in meinem spezialinteressenfeld arbeite, dass mir meine abartige Merkfähigkeit auffällt. Im beruflichen Kontext habe ich alle Daten im Kopf und kann mich an Gespräche von vor Jahren erinnern.

Leider macht man sein Leben lang die Erfahrung beim Arzt nicht geholfen zu bekommen, nicht ernstgenommen zu werden und schlimmer noch verkannt zu werden, was viel Leid mit sich bringt. Wenn du aber das Gefühl hast, dass da was ist und dass das ganze nicht für dich stimmig ist, geh auf die Suche. Es lohnt sich mit sich auseinanderzusetzen und manchmal trifft man eine Fachkraft, die der Schlüsselmoment sein kann.

Auch das ständige ananlysieren, verstehen wollen, einordnen müssen und sich unverstanden fühlen sowie alles immer wieder durchzukauen und zu übererklären, kenne ich und scheint eine Sache des Spektrums zu sein. Vielleicht war ja was hilfreiches für dich dabei oder zumindest eine Ermutigung.

Je mehr ich mich mit mir beschäftige und mich unter dem Label, das ich brauche, verstehe, umso weniger weiß ich derzeit, wer ich bin. Aber wie denn auch, wenn man sich zum überleben seit kleinauf hat unterdrücken müssen, um überleben zu können (krass ausgedrückt). Zeitgleich ist es zutiefst logisch und ich kann mich damit identifizieren.

Es heißt, dass oft die Menschen in einer Familie die Symptomträger sind und die meisten Probleme machen, die die Fehler aufzeigen. Ausgesucht und selbstverursacht haben sich die meisten das nicht. Deswegen geht man zur Therapie, weil Eltern nicht zur Therapie gegangen sind und nicht bereit sind Verantwortung für ihr handeln zu übernehmen :blossom:

Hallo,

verzeih bitte wenn ich auf Verständnisfloskeln verzichte, ich schreibe einfach ein paar Dinge die mir in den Kopf kamen beim Lesen dieses Threads in der Hoffnung damit Anstöße zu geben.

  1. Labels

Dachte auch, dass ich damit mehr Verständnis für meine Eigenheiten kriege. War falsch. Bringt wenig, da die Menschen irgendwie alle was anderes unter diesen Labels verstehen. Meistens extrem willkürlich. Also halte ich jetzt lieber die Klappe.

Aber klar, zumindest die Medis gibt’s auf diese Weise und Psychotherapie sowie besseres Selbstverständnis.

  1. Erinnerungen

Vielleicht ist das so ein ADHS Ding, aber im Diagnose Prozess konnte ich kaum auf meine Erinnerungen zugreifen und war schon fast depressiv, dass sich mein Leben selbst cancelt und ich nur im Jetzt lebe und selbst das eher unbewusst.

So eine Art Wortfindungsstörung vielleicht, also wenn man soll kann man nicht.

Seit der Diagnose und der Einstellung liegt mir meine Vergangenheit wieder offen.

  1. Endometriose

Es scheint mir so, dass vielen ADHSler entzündliche Erkrankungen haben. Ich ebenfalls. Bei Schüben wirkt Elvanse bei mir auch kaum noch. Vielleicht wäre das eine wichtige Stellschraube auch für dich. Denn wenn der Körper gestresst ist dann geht einfach nichts mehr. Auch im Kopf nicht.

Ich habe extreme Verbesserung durch eine strenge Diät erreicht. Ich habe mich dabei an der SIGHI Liste orientiert, bin aber noch einen Schritt weiter gegangen und habe weitere Mastzellmediatoren ins Visier genommen.

  1. Selbstbild

Alles was ich von dir lese deutet auf eine starke defizitorientierte Sichweise hin. Das ist natürlich relativ normal wenn man Diagnosen anstrebt, aber es kann einen wirklich fertig machen. Irgendwann in dem Prozess sollte man anfangen, das los zu lassen und sich auf die guten Seiten fokussieren.

Leider wird das auch oft in Therapien missachtet.

  1. Autismus

Hab mich auch testen lassen, allerdings nur in einer einzelnen Sitzung, weil ich Rückmeldungen diesbezüglich von anderen bekam. Stellte sich heraus, dass es bei mir nur die Symptomkomplexe sind, die auch der ADHS zugerechnet werden. Wie auch immer ich hätte auch gar nicht gewusst, was mir so eine zusätzliche Diagnose bringt.

Mit der ADHS Diagnose kriegt man ja theoretisch alle Unterstützung die man benötigt. Bei Autismus kann man ja letztendlich nichts machen. Du musst so oder so individuelle Lösungen für Problemsituationen erarbeiten und viele Probleme teilen ADHSler und Autisten. Z.b. zu offener Reizfilter.

  1. Depression

Vermutlich hast du nicht wirklich eine Depression, aber dass was bei dir am Ende übrig bleibt unterscheidet sich nicht sonderlich davon.

Im der Medizin wird meistens nicht ursächlich gearbeitet, für bestimmte Symptom-Komplexe gibt’s dann Diagnosen und Behandlungen. Ebenso bei ADHS. Aber auch wenn Deine Depression oder dein ADHS ganz andere Ursachen hat als „normal“ kann es trotzdem sinnvoll sein, die Standardbehandlungen dafür auszurüsten.

Es gibt sogar ein paar Antidepressiva, die Entzündungsprozesse verbessern können.

  1. Keiner will helfen

Ich glaube der springende Punkt ist, dass die Leute schon helfen wollen, aber sie wollen keine Verantwortung übernehmen. Das muss der kranke Mensch leider selbst tun. Auch wenn das oft sehr viel verlangt ist.

Du scheinst mir aber auf jeden Fall sehr kohärent und logisch zu denken. Du hast da eine Ressource, die sehr wertvoll ist. Du bist einfach nur extrem verunsichert.

Manchmal sind das auch Muster, die man in der Kindheit angeeignet bekommt.

Ist aber egal, Schluss mit dem Graben in der Psyche und Vergangenheit. Versuche Dich zu akzeptieren und deine Probleme mit kühlem Kopf anzugehen. Wenn du einen Wiederstand spürst dann versuche nicht da durchzubrechen. Das wird nicht funktionieren. Passiert von selbst wenn das Wollen weg ist.

Vielleicht kannst du dich ja mal auf die körperlichen Aspekte konzentrieren und die Psyche ruhen lassen. Wenn du Endometriose hast dann reicht das alleine schon für eine riesen Portion auch psychischer Symptome.

Dennoch könnte es sinnvoll sein, noch ein paar Medikamente auszuprobieren, die ganz konkret helfen könnten zum Beispiel für mehr Antrieb oder Gelassenheit.

Bei so was helfen die Weißkittel gerne, dafür sind die ausgebildet.

Bei dem, was du schreibst, beschleicht mich eher der Eindruck, dass dir ein „Selbstgefühl“ nicht greifbar ist. Es sich schwammig, konturenlos anfühlt. Aus diesem Empfinden heraus, fühlt man sich da sozusagen „bodenlos“, ohne Anker, ohne inneren Kompass/Orientierung.

Und dann geht die Spirale des Suchens los. Einfach, um sich zu fühlen. Diagnosen werden gesucht im Sinne von „irgendwo/was/wie muss ich ja sein“. Man gründelt, sucht im Außen Halt und Kontrolle.

Wenn ich da richtig liegen sollte, würde ich dir ebenfalls zur Therapie raten. Vielleicht etwas aus dem Traumabereich. Oder in besser in Richtung Schematherapie. Reine behaviorale Verhaltenstherapie greift da häufig zu kurz.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Liebe. Ich kenne deine Beschreibungen sehr gut. Liebe Grüße

Ich hoffe, das nicht überlesen zu haben, also sorry falls ich etwas schon gesagtes wiederhole!

Wollte nur einbringen, dass solche fehlenden Erinnerungen auch ‚nicht pathologisch‘ (also z.b. unabhängig von cptbs oder Hirnschäden) in Form von SDAM (‚Severely deficient autobiographical memory‘ - kenne das nur unter der englischen Bezeichnung) auftreten können. Besonders häufig bei Menschen mit schwacher oder inexistenter bildlicher Vorstellungskraft (->Aphantasie, um noch ein Label reinzuwerfen).

Auch hier können wohl nur Diagnostiker sagen, was vorliegt, ev auch in Kombination oder als Ursache/Folge..