Hallo,
verzeih bitte wenn ich auf Verständnisfloskeln verzichte, ich schreibe einfach ein paar Dinge die mir in den Kopf kamen beim Lesen dieses Threads in der Hoffnung damit Anstöße zu geben.
- Labels
Dachte auch, dass ich damit mehr Verständnis für meine Eigenheiten kriege. War falsch. Bringt wenig, da die Menschen irgendwie alle was anderes unter diesen Labels verstehen. Meistens extrem willkürlich. Also halte ich jetzt lieber die Klappe.
Aber klar, zumindest die Medis gibt’s auf diese Weise und Psychotherapie sowie besseres Selbstverständnis.
- Erinnerungen
Vielleicht ist das so ein ADHS Ding, aber im Diagnose Prozess konnte ich kaum auf meine Erinnerungen zugreifen und war schon fast depressiv, dass sich mein Leben selbst cancelt und ich nur im Jetzt lebe und selbst das eher unbewusst.
So eine Art Wortfindungsstörung vielleicht, also wenn man soll kann man nicht.
Seit der Diagnose und der Einstellung liegt mir meine Vergangenheit wieder offen.
- Endometriose
Es scheint mir so, dass vielen ADHSler entzündliche Erkrankungen haben. Ich ebenfalls. Bei Schüben wirkt Elvanse bei mir auch kaum noch. Vielleicht wäre das eine wichtige Stellschraube auch für dich. Denn wenn der Körper gestresst ist dann geht einfach nichts mehr. Auch im Kopf nicht.
Ich habe extreme Verbesserung durch eine strenge Diät erreicht. Ich habe mich dabei an der SIGHI Liste orientiert, bin aber noch einen Schritt weiter gegangen und habe weitere Mastzellmediatoren ins Visier genommen.
- Selbstbild
Alles was ich von dir lese deutet auf eine starke defizitorientierte Sichweise hin. Das ist natürlich relativ normal wenn man Diagnosen anstrebt, aber es kann einen wirklich fertig machen. Irgendwann in dem Prozess sollte man anfangen, das los zu lassen und sich auf die guten Seiten fokussieren.
Leider wird das auch oft in Therapien missachtet.
- Autismus
Hab mich auch testen lassen, allerdings nur in einer einzelnen Sitzung, weil ich Rückmeldungen diesbezüglich von anderen bekam. Stellte sich heraus, dass es bei mir nur die Symptomkomplexe sind, die auch der ADHS zugerechnet werden. Wie auch immer ich hätte auch gar nicht gewusst, was mir so eine zusätzliche Diagnose bringt.
Mit der ADHS Diagnose kriegt man ja theoretisch alle Unterstützung die man benötigt. Bei Autismus kann man ja letztendlich nichts machen. Du musst so oder so individuelle Lösungen für Problemsituationen erarbeiten und viele Probleme teilen ADHSler und Autisten. Z.b. zu offener Reizfilter.
- Depression
Vermutlich hast du nicht wirklich eine Depression, aber dass was bei dir am Ende übrig bleibt unterscheidet sich nicht sonderlich davon.
Im der Medizin wird meistens nicht ursächlich gearbeitet, für bestimmte Symptom-Komplexe gibt’s dann Diagnosen und Behandlungen. Ebenso bei ADHS. Aber auch wenn Deine Depression oder dein ADHS ganz andere Ursachen hat als „normal“ kann es trotzdem sinnvoll sein, die Standardbehandlungen dafür auszurüsten.
Es gibt sogar ein paar Antidepressiva, die Entzündungsprozesse verbessern können.
- Keiner will helfen
Ich glaube der springende Punkt ist, dass die Leute schon helfen wollen, aber sie wollen keine Verantwortung übernehmen. Das muss der kranke Mensch leider selbst tun. Auch wenn das oft sehr viel verlangt ist.
Du scheinst mir aber auf jeden Fall sehr kohärent und logisch zu denken. Du hast da eine Ressource, die sehr wertvoll ist. Du bist einfach nur extrem verunsichert.
Manchmal sind das auch Muster, die man in der Kindheit angeeignet bekommt.
Ist aber egal, Schluss mit dem Graben in der Psyche und Vergangenheit. Versuche Dich zu akzeptieren und deine Probleme mit kühlem Kopf anzugehen. Wenn du einen Wiederstand spürst dann versuche nicht da durchzubrechen. Das wird nicht funktionieren. Passiert von selbst wenn das Wollen weg ist.
Vielleicht kannst du dich ja mal auf die körperlichen Aspekte konzentrieren und die Psyche ruhen lassen. Wenn du Endometriose hast dann reicht das alleine schon für eine riesen Portion auch psychischer Symptome.
Dennoch könnte es sinnvoll sein, noch ein paar Medikamente auszuprobieren, die ganz konkret helfen könnten zum Beispiel für mehr Antrieb oder Gelassenheit.
Bei so was helfen die Weißkittel gerne, dafür sind die ausgebildet.