Die Löffeltheorie

Guten Abend zusammen,

Kennt ihr schon die Löffeltheorie?

Hier der Link dazu

Ich finde, das beschreibt ganz gut, warum manches an manchen Tagen gut klappt und das selbe an anderen Tagen weniger gut bis überhaupt nicht:
Wenn die Löffel für den Tag schon am Vortag gebraucht wurden, hat man für den Tag weniger übrig. Wenn dann was Unvorhergesehenes passiert ist es vorbei …

Wie seht ihr das?

Ziemlich gute Umschreibung. Kann ich zustimmen.
Wird allerdings für Aussenstehende, nicht Betroffene, in vielen Fällen trotz der Analogie unverständlich bleiben.
Einfach weil sie es sich schlicht nicht vorstellen können wie es ist.

Allein bei ADXS die häufige Kopfkirmes, oder das Switchen von A zu B zu X ist ja schon für uns anstrengend, und eigentlich schwer erklärbar (+ den damit passierenden Energieverlust).
Wenn man anderen die eigene Wahrnehmung, Welt uswusf. auch nur ansatzweise versucht zu umschreiben, kommt in 90% der Fälle (meiner Erfahrung nach) seltsame Blicke und eben Unverständnis.
Egal wieviele Metaphern, Bilder, Analogien man auch verwendet um es zu verdeutlichen.
Da muss man schon großes Glück und ein gutes Umfeld haben.

1 „Gefällt mir“

Da finde ich mich sehr drin wieder. Danke für den Artikel.

Dachte zuerst, dass es sich um eine Theorie handelt, die an der Szene aus „Matrix“ angelehnt ist. Die Szene in der ein Junge im Wartezimmer vom Orakel sitzt und mit einem Löffel spielt, den er mit seinen bloßen Gedanken verbiegen kann. Als Neo es versucht nachzumachen, erklärt der Junge, dass Neo nicht versuchen sollte den Löffel zu verbiegen, sondern nur die Wahrheit zu erkennen. Dann würde er sehen, dass es nicht der Löffel ist, der sich verbiegt, sondern er selbst. Über diese Metapher habe ich lange nachgedacht!

Und irgendwie macht mich diese Aussage sehr traurig, weil sie so wahr ist. Man kann nichts und niemand anderen verbiegen. Man muss sich selbst immer wieder verbiegen und anpassen, wenn man irgendwie in diese Welt hinein passen möchte. So interpretiere ich jedenfalls diese Szene.

@Daydreamer
Danke für den Link!

Ob es nun für Nichtbetroffene verständlicher wird oder nicht; für mich selber ist dieser Vergleich sehr hilfreich. Und ich werde mir überlegen, wie ich das mit dem Reservelöffel hinkriegen kann. Ich bewege mich quasi dauernd am Limit, und meine wüsten Wutanfälle sind dann das Resultat bei unvorhergesehenen Herausforderungen.

Mir wird klar, dass ich dauernd Löffel vom nächsten, wenn nicht sogar vom übernächsten Tag leihe. Läuft ein Tag meiner Meinung nach super, bin ich optimistisch, dass ich etwas an mir verbessern konnte. Das Tief am Tag danach relativiert das dann wieder.
Mich sehen die Leute oft als pessimistisch an, die vielen optimistischen Momente tagtäglich fallen nicht auf. Diese aber sind der Grund, dass ich nicht schon lange aufgegeben habe. Und auch jeder dieser Momente verbraucht einen Löffel… Oh mann, ich hoffe, das mit den 12 Löffeln ist nur zur vereinfachten Veranschaulichung gedacht; weil bei mir wohl kaum 50 reichen würden
:rotwerd :nothere

@Prokrastine ich glaube, jeder muss für sich selbst herausfinden, wie viele Löffel er oder sie am Tag zur Verfügung hat und welche Tätigkeiten wie viele Löffel verbrauchen. Denn jeder ist anders. Wenn ich beispielsweise schon mit Schmerzen aufstehe, habe ich allein durch diese Tatsache schon einen Löffel weniger. Und Tätigkeiten, die mich sonst einen Löffel kosten würden, brenötigen dann zwei. Die Reserven sind also deutlich schneller leer. Und dann muss man abwägen, ob man arbeiten gehen kann oder nicht …


Wie meinst du das? 50 Löffel für einen Tag wären eine ganze Menge. So viele habe ich definitiv nicht.

@Daydreamer Ja, das ist wohl so. Das mit den 50 Löffeln war auch nur so halb ernst gemeint… Dennoch ist mein Löffelverbrauch wohl recht hoch;-)

Was würdest du denn sagen, wofür brauchst du wie viele Löffel jeden Tag? Bin neugierig wie das bei anderen ist :slight_smile:

Vielleicht rechne ich auch zu grosszügig; Motivieren zum Aufstehen: 1 Löffel, Kind motivieren: 1 Löffel, am Ball bleiben und nicht verzetteln: 1 Löffel, doch nicht am Ball geblieben und im Stress deswegen: 1 Löffel, Mittagessen kochen: 1 Löffel, etc., etc…Ok, auf 50 komme ich tatsächlich nicht:-P

Die Nachrichten haben sich gerade überschnitten;-)

Dann gibt es noch die vielen „Grübel“-Löffel, Persönliche Und eheliche Probleme-Löffel, Prokrastinieren-Löffel, Selbsthass und Versagens-Löffel und trotzem wieder den Leuten-in-die-Augen-sehen-Löffel (mehrfach täglich meist), zusätlich die restlichen Haushalt-erledigen-Löffel…oder habe ich das Ganze falsch verstanden? :wink:

Wie zählst du denn?

Ach ja, und viele Ausbügellöffel wegen dem warscheinlichen ADHS meines Mannes, der eben dieses bei sich nicht wahrhaben will

Najaaa, ich finde, alles wo man sich selbst zu irgendetwas motivieren muss, kostet Energie. Und Energie = Löffel. Da ist dann schon die Frage, wenn du sagst „vielleicht rechne ich zu großzügig“ - ist das tatsächlich so? Wie viel Energie braucht es, das Kind zu motivieren oder sich selbst zu motivieren oder über sich selbst zu ärgern?


Ich denke nicht, dass du das falsch verstanden hast. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Jeder hat etwas anderes, das ihm Energie raubt (also Löffel weg nimmt). Bei mir zum Beispiel: wenn ich einen Tag habe an dem ich einfach mies drauf bin, kostet es mich deutlich mehr Energie den Haushalt zu erledigen als an anderen Tagen. Oder wenn ich Schmerzen habe. Das merke ich dann schon, wenn ich am Ende des Tages bei der selben Tätigkeit erschöpfter bin als an einem anderen Tag - verstehst du was ich meine?
Oder auf der Arbeit: läuft alles rund, brauche ich für die 8h vielleicht 4-5 Löffel. Wenn aber etwas dazwischen kommt (beispielsweise die Kollegin die helfen will und „meine Reihenfolge“ damit durcheinander bringt, kann so eine Situation schon mal 3 Löffel auf einmal verschlingen… teilweise geht das so weit, dass ich ganz ADxS-mäßig erst mal runter kommen muss, um überhaupt wieder klar denken, bzw. arbeiten zu können.

Vielleicht wartest du mal auf meine Antwort? :wink: So schnell wie du 3 Beiträge schreibst, kann ich nicht tippen und muss dann jedes mal den Beitrag anpassen…

Wie ich zähle? Ich habe noch nicht ganz raus, wie viele Löffel ich am Tag zur Verfügung habe, aber wie oben beschrieben kommt es auch ein Stück weit auf die Tagesform an…

Ja, die Tagesform macht viel aus. An manchen Tagen schütte ich Morgens wohl alle Löffel in einem Schwung auf den Boden. Das werden dann meist die ganz moesen Tage.

Entschuldige, wegen den vielen kurzen Beiträgen:see_no_evil: Mir ist immer wieder was in den Sinn gekommen.

Für mich ist mir das größte Problem beim ADHS, mich übermäßig für Dinge motivieren zu müssen, die mir schwer fallen. Das ist sehr kraftraubend bzw. die negativen Folgen sind es, wenn es eben nicht klappt: auch negative Gedanken wegen unerledigter Dinge rauben wiederum viel Kraft.

Meiner Erfahrung nach sind Medikamente die halbe Miete - die andere Hälfte ist, sich auf Tätigkeiten zu fokussieren, die einem erfahrungsgemäß gut von der Hand gehen. Sorry, dass ich da immer so gebetsmühlenartig drauf herumreite, aber für mich ist das eine essenzielle Erkenntnis bei ADHS. Auch, wenn sich das nicht immer konsequent umsetzen lässt.

Jetzt, da ich das so schreibe, fällt mir auf, dass es da auch eine gesellschaftliche Komponente gibt: Es wäre uns sicher allen geholfen, wenn wir unser „Jeder gegen jeden“ überwinden und wieder mehr zu einem Zusammenleben kommen würden, in dem jeder entsprechend seinen Fähigkeiten das Seine zum Gelingen des Ganzen beitragen kann.

Zurzeit müssen stattdessen alle „Allrounder“ sein, wodurch etliche auf der Strecke bleiben, weil sie das eben nicht sind. Es ist eben nur ein Märchen, dass jeder/jede alles erreichen könne, wenn er/sie nur wolle. Und das betrifft nicht nur Menschen mit ADHS.

@Addy_Haller
Sehr schön und treffend geschrieben!
Ich schliesse mich all dem an.

Leider habe ich noch nicht das ganz passende Medi gefunden. Zur Zeit sind sie aber immerhin etwa die 1/8 Miete.


Das ist gut, muss ich mir merken. Also die Aussage, nicht die Tatsache :wink:


Du hast so recht! Manchmal gelingt es mir überhaupt nicht, mich für etwas zu motivieren. Allein der Versuch, die Motivation aufzubringen ist schon sehr kräftezehrend.

Ich will mal eine Rechnung versuchen:
nehmen wir an, ich wäre heute mit 20 Löffeln aufgestanden. Da heute ein guter Tag war: aufstehen, anziehen, frühstücken, richten -1 Löffel.
Die Fahrt zur Arbeit und das Ankommen dort (wo ich feststellen durfte, dass es recht viel wird, da Techniker kommen musste etc) -2 Löffel.
Die Zeit bis zur Kaffeepause um 9 Uhr -1 Löffel und die Kaffeepause, da ich negative Schwingungen wahrgenommen habe, nochmal -1 Löffel.
10:45 bis 11 Uhr - Kollegin kommt zum helfen, ich spüre sofort negative Schwingungen da sie sich ganz anders verhält als sonst und grüble darüber nach, gleichzeitig muss ich mich damit abfinden, dass sie schweigend die Arbeit macht und ich aus ihren Handlungen herauslesen muss, was sie als nächstes machen will, damit ich weiß, was ich als nächstes tun kann -3 Löffel weniger.
Während der Pause kaum Appetit gehabt und weiter gegrübelt (den Tränen nahe) und die Kollegen haben versucht mich zu überzeugen, dass ich nicht alles auf mich beziehen soll, dass da bestimmt etwas anderes dahinter steckt … war mir peinlich. Nochmal -1 Löffel
Nach der Pause die Kollegin darauf angesprochen -1 Löffel (für die Überwindung) und -1 Löffel für die Antwort die nicht böse gemeint war, mir aber trotzdem nicht gefiel. :rotwerd

Jetzt war 11:45 Uhr und ich hatte noch (rechne) 9 Löffel übrig.

Die Kopfschmerzen nahmen zu und die Arbeit wurde mehr/anstrengender. Aber es war nichts unvorhergesehenes oder ungewohntes dabei. Man könnte also sagen, bis 15:30 Uhr nochmal -2 Löffel.

Zum Feierabend hin geriet ich in ein Gespräch, das eine Kollegin mit einer anderen Kollegin führte, die seit einiger Zeit mit uns beiden ein Problem zu haben schien. Es war ein aufschlussreiches Gespräch (dass es gut war, kann ich nicht behaupten) und somit nochmal -2 Löffel

Autofahren im Berufsverkehr und einer Kollegin noch den Weg zeigen (also kleinen Umweg fahren). Bin immer sehr nervös, wenn mich jemand beim Auto fahren beobachtet und Berufsverkehr finde ich furchtbar. -2 Löffel

Dann noch Sushi kaufen und einen neuen Laden ansehen. Und nach Hause fahren. -1 Löffel

Jetzt, um 19:30 Uhr habe ich noch 2 Löffel übrig (ich glaube, die Rechnung geht sogar auf, wenn man beachtet wie ich mich im Moment fühle :wink: ).

Gerade genug, um noch zu duschen, meine Pflanzen zu gießen und ins Bett zu fallen. Eigentlich wollte ich heute endlich mal wieder mit Mama telefonieren, aber ich glaube das verschiebe ich doch lieber auf morgen… findet ihr, diese Rechnung klingt realistisch?

Wow. Ich glaube meine neue Metapher für einen Tag mit wenig Energie wird " ich habe heute nicht so viele Löffel zur Verfügung"… Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass beim „nichts tun“ mehr Löffel verloren gehen, als wenn ich etwas mache, das mir Spaß macht oder produktiv ist…

@KaliC freut mich, wenn dir das weiter helfen konnte. Heute kann ich nicht einmal sagen, was genau mir so viele Löffel geraubt hat. Vielleicht war es die Arbeit? Die Tatsache, dass ich - schon wieder - migräneähnliche Kopfschmerzen (diese Ausdrucksweise nur, weil ich meine Migräne kenne und eigentlich ist die anders) -hatte? oder die Tatsache, dass ich das Gefühl hatte, schon wieder alles allein machen zu müssen bei der Arbeit (Stichwort: sich für alles zuständig fühlen)? Oder aber die Tatsache, dass ich endlich den Mut gefasst habe, meiner Kollegin zu sagen wie doof ich das finde, dass ich immer alles allein machen muss?
Gibt noch mehr „vielleichts“, aber die erspare ich euch mal lieber :stuck_out_tongue:
Jedenfalls sind jetzt - um 17 Uhr - gefühlt nahezu alle Löffel verbraucht und ich könnte ins Bett gehen. Klappt aber nicht, weil nachher müssen wir hier noch aufräumen sobald mein Freund heim kommt, damit wir morgen endlich mal das Ergometer aufstellen können.


Ich bin ja der Meinung, dass es auch Tätigkeiten gibt, bei denen man Löffel zurückgewinnen kann. Nämlich eben diese Dinge, die produktiv sind und Spaß machen. Bei mir gestern zum Beispiel: meine Pflanzen. Zu sehen, wie schnell meine Nachzügler-Gurkenpflanzen wachsen und wie gesund die sind, macht mir wirklich freude. Ebenso die Tatsache, dass ich jeden Tag mehr Tomaten zählen kann :slight_smile:

Die Metapher an sich finde ich wirklich gut und die Theorie ist für mich auch stimmig. Nur: wie viele Löffel tatsächlich jeden Tag zur Verfügung stehen, das kann ich noch nicht so richtig in Worte fassen…

Mit Nachzügler-Gurkenpflanzen meinst Du jetzt aber nicht etwa die späte Aussaat nach dem Hagel, oder?

Sonst würde ich mir ja jetzt mit dem ganz großen Löffel einen „Ich habe es gleich gewusst!“-Gurkeneisbecher reinziehen… Zum Beweis:

Minze hatte doch auch jemand hier übrig, oder? <LINK_TEXT text=„Rezepte mit Lauch - 14 herzhafte Ideen von Suppe bis Quiche … mit-minze/“>Gurkeneis mit Minze, Limette und Honig - Sommer pur!</LINK_TEXT>

Oder auch: Wenn das Leben Dir Hagel gibt, mach Gurken-Ingwer-Limonade draus: <LINK_TEXT text=„Rezepte mit Lauch - 14 herzhafte Ideen von Suppe bis Quiche … -limonade/“>Gurken-Ingwer-Limonade mit frischer Minze und Honig</LINK_TEXT>