Mich würde mal interessieren, wie es anderen damit geht und ob es da auch ein bisschen Altersunterschiede gibt (oder Neuro-Unterschiede).
Wo ist die Grenze vom Sie zum Du für euch? Wie schnell fühlt es sich für euch richtig an, zum Du zu wechseln? Ich finde das gar nicht so einfach zu beschreiben.
Angeblich soll das Du im Deutschen ja immer populärer werden. Ehrlich gesagt kommt es mir aber eher so vor, als ob dieser Trend hauptsächlich von Nichtmuttersprachlern mit genug Marketingbudget und fehlendem Feingefühl vorangetrieben wird. Für mich hat sich das schon bei Ikea irgendwie falsch und unpassend angefühlt, dass alle ständig so merkwürdig angeduzt werden. Und da war ich noch Minderjährig. Also das wirkte damals auf mich wie ein Sprachfehler so nach dem Motto „Die armen Fremdsprachler können nicht richtig Deutsch. Warum erklärt denen das niemand?“ Viel später habe ich erst verstanden, dass das Marketing sein sollte um Nähe zu simulieren.
Ich persönlich bin schnell bereit, zum Du zu wechseln, aber nicht ungefragt und schon gar nicht ungefragt von Leuten, die mir was verkaufen wollen. In diesem Zusammenhang fühlt sich das für mich respektlos an und nicht wohlig-warm, weil unglaubwürdig. Diese ganzen autogenerierten Spamnachrichten machen mich richtig aggro mit ihrer kumpeligen Anduzerei.
Diese Regeln, wann es erlaubt ist, dieses Aushandeln gegenseitigen Einvernehmens, können ja ziemlich subtil sein. Es sei denn, einer macht den Schritt und bietet es explizit an. Selbst dieses explizite Angebot ist nicht jederzeit und überall angemessen. Das stelle ich mir mit ASS z.B. echt kompliziert vor. Sagt man dann sicherheitshalber einfach immer Sie? Oder würde man am Liebsten immer du sagen, weil unkomplizierter?
Aus irgendeinem grund fällt mir jetzt Fräulein Rottenmeier ein, die Heidi dafür tadelt, dass sie den Bediensteten duzt.
Naja, ich tue mir da auch schwer. Tendenziell duze ich aber alle. Arbeite in einem “Du-Unternehmen” und hier im Umfeld ist es auch üblich. Bin daher schon so sozialisiert.
Ich muss aber sagen, dass Respekt für mich nichts mit Du oder Sie zu tun hat. Ich rede teils mit hohem Management per du und glaube mir, da ist immer die “Rangordnung” klar. Weil viele das als arge respektlosigkeit empfinden. Und Vertreter: Da ist es für mich eh schon egal, ob die duzen oder nicht. Die nerven mich und werden entsprechend gleich abgeblockt.
Frech fand ich mal, als trotz mehrfacher Absage, jemand an der Tür war. Ich sagte ihm per Gegensprechanlage, dass ich nicht möchte, dass er kommt und dies auch mehrfach gesagt habe. Dann meinte der Typ, ob ich nicht mit einemm hübschen jungen Mann reden möchte - dann war aber erst recht wütend. Abgesehen davon, dass sich später rausstellte, das war ein alter Sack. Äh, ich schreibe lieber nicht, was ich mir zu dessen Ego generell gedacht habe… Selbst wenn mich der geduztt hätte, hätte es keinen Unterschied gemacht. Das Problem liegt für mich immer woanders.
Kommt sicher auch auf die Branche an. Zumindest klischeemäßig gibt’s Branchen, wo so etwas wie Siezen als der absolute Ausdruck von Respekt gesehen wird..
Ich sietze generell erstmal jeden. Und ich will auch von jedem Fremden gesietzt werden. Das ist bei mir schon so eingeschliffen.
Nur bei langjährigen Nachbarn wechsel ich ab und zu vom du zum sie, weil wir uns eigentlich schon seit Jahrzehnten kennen, aber mir das du noch nicht angeboten wurde, bin ich immer etwas irritiert. Meist wird das du auch akzeptiert. Ist heutzutage nicht mehr so streng.
Stimmt, die Regel ist schon weicher geworden als bei Fräulein Rottenmeier.
@Achtarm: Respekt sollte nicht verwechselt werden mit Hochachtung oder Unterordnung. Also es geht bei dem Begriff darum, die Grenzen des Gegenübers zu wahren, so wie du ja z.B. nicht einfach ungefragt angefasst werden willst.
Unter Nachbarn haben wir uns früher auch geduzt, weil man sich eh gut kannte und viel zusammen war. Heute in unserem Wohnhaus mit 120 Mietparteien würde ich die Leute immer siezen.
Privat mache ich es irgendwie automatisch vom äußeren Alter abhängig.
Jüngere oder Gleichaltrige würde ich in der Regel duzen, aber in Geschäften oder so doch wieder siezen.
Sind die aber sichtlich älter als ich (und Senioren sowieso), dann sieze ich die immer zunächst bis das Du angeboten wird.
Also irgendwie hat‘s System, andererseits auch wieder nicht so wirklich.
Gott, ist das kompliziert
In der Kindheit wurde ich aber auf Höflichkeit getrimmt.
Man musste auch immer brav die Tageszeit sagen.
Mache ich heute noch so - bekomme aber oft gar keine Reaktion zurück. Ich beobachte entgegenkommende Fußgänger irgendwie schon weit im Voraus. Geht der Kopf hoch, wird die Tageszeit gesagt. Sonst spare ich mir das immer öfter auch mal.
Ich bin da eher noch alte Schule und finde Siezen immer noch passend.
Jedoch bin ich manchmal auch verunsichert ob Sie oder Du.
Manchmal auch wegen ADHS schon aus Versehen geduzt.
Manchmal hüpfe ich auch hin und her .
Aber lieber zu viel gesiezt statt im falschen Moment geduzt .
Duzt mich jemand aus Versehen oder unbekümmert finde ich das nicht so schlimm Weise aber sehr junge Menschen auch schon mal aufs Sie hin.
Was ich nicht mag wenn ich das Gefühl habe jemand duzt mich um mich zu manipulieren, da kann ich auch mal aller Rottenmeier auf ein Sie hinweisen . Einfach nur um es meinen Gegenüber etwas unangenehm zu machen
Schräg fand ich als mein Partner nach einem neuen Job gesucht hat , dass Firmen im Vorfeld sich schon als „wir duzen uns alle“ hervorheben wollen oder er noch vor dem Vorstellungsgespräch schon mit du in der Mail angeredet wurde.
Ich möchte schon noch selbst mit eintscheiden ob ich geduzt oder gesiezt werden möchte .
Ob der Respekt beim du oder sie unterschiedlich ist finde ich schwer zu sagen . Jemand der gesiezt wird , der aber kein Respekt „verdient“ hat es bei mir nicht andersrum sagt man glaube ich schneller „Du Arsch!“ anstatt „Sie Arsch!“
Ich finde Sietzen nach wie vor gut, zumal ja ein Du immer möglich bleibt .
Im Therapiekontext habe ich in Beidem schon Vor- und Nachteile erlebt.
Ich werde z.B an der Tankstelle regelmäßig geduzt. Und ich bin schon 60 Jahre alt. Und viel jüngeren Menschen. Da duze ich natürlich frech zurück. Also früher war anders.
Nein, im öffentlichen Raum ist das sitzen einfach eine Respektbekundung.
Glaub da ticken wir ziemlich ähnlich. Und stimmt, vom Du zurück zum Sie ist irgendwie schwieriger als andersrum, also von daher eher gemächlich ins Du.
Genau.
Hm, spannend … Das hatte ich noch nicht auf dem Schirm, dass das ja in beide Richtungen geht. Also du kannst sowohl anderen durch übergriffiges Duzen auf die Pelle rücken als auch durch betontes Hinweisen ein Gefälle und Distanz aufbauen, einfach nur um ein bisschen Kontrolle und Macht auszuüben. Die blöde Rottenmeier wurde ja nicht mal selber geduzt, das war echt nur reines Machtspielchen.
Geil, vergiss nicht die Kickertische und die Snacks in der küche. Ist mir speziell unter Jüngeren auch schon aufgefallen, gleichzeitig sind sie aber irgendwie schlechter darin, klar Kritik zu äußern. Da hat jeder Angst, die schöne Du-Harmonie kaputtzumachen.
Mann, dass man zehn Jahre Unterschied so sehr merkt …
Ja. Ach das ist einfach so dermaßen cringe, wenn so Business-Mailschreiber meinen, dieses Anbiedern käme gut an, dabei löst es eher Reaktanz bei mir aus.
Ist vermutlich wirklich mehr Distanz/Nähe, weniger soziale Rangordnung. Und bei mehr Distanz greife ich womöglich etwas weniger schnell zum „Arschloch.“
Glaub ich bleibe sogar eher dann beim Sie, wenn ich die Person nicht sonderlich schätze. Also ich würde nicht ins Du rutschen, um ihr meine Missbilligung auszudrücken.
Ah, auch interessant. Ich hatte bisher ausschließlich Sie-Therapien.
Merkwürdiges Umfeld … Einen ü60 würde ich definitiv nicht einfach ungefragt duzen, auch wenn er nett ist.
Hm, ich fürchte, dein „frech zurückduzen“ könnte eher sogar als Ermutigung und Bestätigung aufgefasst werden. Ich würde da stur weitersiezen, viele merken dann schon, wo der Hammer hängt.
Das Thema ist jetzt etwas pikant, aber ich habe schon von Dunkelhäutigen (Erwachsene, Akademiker) gehört, sie würden häufiger ungefragt öffentlich geduzt. Zumindest nehmen sie es so wahr, dass es ihnen häufiger passiert als anderen.
Hmm, bei uns in der Firma ist das Du auch sehr weit verbreitet, auf Arbeitsebene absolut Standard. Kicker gibt’s auch ein paar. Trotzdem wird hart diskutiert, wo es nötig ist.
In einem Projekt saß ich mal mit vielen Leuten in regelmäßigen Runden, wo das mit dem Du und dem Sie sehr unterschiedlich war. Da waren auch viele Leute aus höheren Hierarchieebenen. Viele haben sich geduzt, ich war fremd in der Gruppe und wurde gesiezt und hab gesietzt. Das fand ich viel bekloppter, als wenn sich alle duzen. Kam mir bissl vor wie ein Außenseiter. Vor allem, da meine Rolle das Ausführen vieler “toller” Ideen gewisser Führungsebenen mitgebracht hat.
Für mich ist das Siezen eine Frage der Distanz. Möchte ich jemand nicht so nah an mich ran lassen, dann sieze ich, egal, ob der andere mich vielleicht duzt.
Oder so. Ich habe sogar schon mal zu jemandem gesagt, dass ich ihm hiermit das Sie anbiete.
Irgendwas dazwischen ist der Vorname und Sie. Der eine Geschäftsführer legte Wert darauf, alle beim Vornamen zu kennen und wollte auch beim Vornamen angesprochen werden… das Du ging mir aber nicht über die Lippen.
Im Moment habe ich es mit zwei Bauleitern zu tun. Beide seltsam. Die sind Herr H… und Herr S…, aber du… In der Baubranche wird allgemein geduzt…
Was total lustig ist… Die direkte Nachbarin in meinem Elternhaus war immer Frau M… und Sie, mein Sohn sagt sogar Traudel und du… Sie hat ihm das wohl angeboten.
Klasse. Das steht noch auf meiner Bucket List für rigoroses Verhalten.
Ui stimmt, das gibts ja auch noch. Bei einem meiner Klavierlehrer war das auch so ähnlich. Aber der Kerl war eh komisch, ich hab den als Kind standhaft weitergesiezt, ob Walter oder Herr U.
Bizarr. Da lohnt sich der Herr doch eigentlich nicht mehr.
Mein Eindruck ist, dass das Kindern eher mal angeboten wird, wenn man sich mag.
Ja, diese Übergänge , wenn es gemischt angewendet wird und wenn man dann auch noch neu ist , da wird es komplizierter.
Und im Bezug zu Kicker, Du , Obstschale und weitere Benefits , dass sind alles für mich zweitrangige Dinge, damit kann man mich nicht locken.
Ich brauche ein Arbeitsplatz mit gesunden Arbeitsstrukturen rund um die eigentliche Arbeit und einen Chef, der hinter den Mitarbeitern steht.
Was bringt mir ein kack Arbeitsplatz mit den tollsten Benefits . Das hat für mich immer auch ein bischen sich als Arbeitgeber „freikaufen“
Es muss sich nicht ausschließen. Aber wenn ein AG das so betont als Incentive raushängen lässt, wirkt das schon verdächtig, als gäbe es keine wichtigeren Qualitäten.
Und ich wär ja schon froh, wenn die Ausschreibungen und Aufgaben mal etwas konkreter beschrieben wären. Ist mir leider schon eher häufig passiert, dass Leute irgendwie meinen, sie bräuchten noch eine Person, aber dann das Maul nicht aufkriegen, wenn es ums Konkrete geht, wo die Probleme und Bedarfe liegen usw.
Und ich hatte noch keinen AG, der hinter mir stand, aber schon einen, dem ich komplett egal war, als ich eigentlich Beistand gebraucht hätte. Geduzt wurde da übrigens auch und versucht, sich mit gespielter Vertraulichkeit freizukaufen.
Ne sorry, mit dem thema „Arbeit“ hab ich leider abgeschlossen.