Elvanse aggressives Verhalten

Hallo ihr Lieben
Bei mir wurde jetzt mit 36 Jahren ADHS diagnostiziert.
Mein Arzt hat mir Elvanse verordnet.
Angefangen haben ich vor 3 Wochen mit 20 mg morgens und dann nach einer Woche weitere 20 mg mittags nach 6 Stunden der ersten Einnahme.
Ab dieser Woche morgens und mittags 30 mg.
Ich bin ziemlich verunsichert derzeit. Einerseits hilft es mir mich gut zu organisieren und leistungsfähig zu sein. Auch meine Essanfälle habe ich damit gut im Griff, was mir sehr gut gefällt.
Aber was ich derzeit als echt schlimm empfinde ist meine Stimmung. Ich bin oft sehr gereizt und hab ne starke Aggression in mir.
Sollte das nicht eigentlich dagegen wirken?
Ich bin kurz davor hinzuschmeißen und das Medikament nicht mehr zu nehmen.

Hat auch jemand die Erfahrung bei dem
Medikament mit Aggressivität gemacht? Legt sich das wenn man sich dran gewöhnt hat oder ist das ne bleibende Nebenwirkung? Oder schlimmsten Fall eine Wesensveränderung?
Weil noch launiger zu sein, kann ich echt nicht gebrauchen.

Hoffe über Erfahrungen von euch zu lesen.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

Willkömmchen :adxs_wink:

Elvanse ist eigentlich zur Einnahme 1x / Tag gedacht.
Während der Eindosierung wäre eine Erhöhung von 10mg in wöchentlichen Schritten gängige Praxis.

Experimente mit mehrfachen Tageseinnahmen und raschen Dosissprüngen ist etwas für speziellere Fälle und führt schlimmstenfalls genau da hin, wo du nun bist.

Während der Eindosierung möchte man herausfinden

  • Wie viel Wirkstoff benötigt wird, um die Symptomatik bestmöglich zu lindern

  • Wie lange diese Dosis dann wirkt

Das dokumentiert man dann in einem Eindosierungstagebuch und schaut rückwirkend, was am besten funktioniert hat.

  • Ziel: So viel wie nötig. So wenig wie möglich.

Nach 20 kommt erstmal 30… dann 40… dann 50…

Wenn man von 1 x 20 aber gleich auf 2 x 20 und anschließend sogar auf 2 x 30 springt, weiß man am Ende gar nicht mehr, was nun woher kommt.

Nicht nur wurde die Dosis erhöht, die als Einmaldosis gar nicht beobachtet und dokumentiert wurde, sondern durch die zweifache Gabe beinahe verdoppelt - jetzt spielen sich im Körper 2 Wirkverläufe ab, die man als unerfahrener Patient erst recht nicht mehr einschätzen kann.

Dann landet man im Internet und sucht verzweifelt Rat.
Danke, Doktor :adxs_zunge:

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Vielen Dank für deine rasche Antwort.

Also hat mich mein Gefühl nicht getäuscht, dass das irgendwie alles zu schnell und unkontrolliert hochdosiert wurde.
Ich versuche jetzt mal mit der einen Dosis morgens von 30 mg.

Auch meine Schlafstörungen hatten sich seit der Einnahme verschlimmert, teilweise die ganze Nacht schlaflos gewesen.

Ich bin echt angefressen.
Ich wurde 10 Jahre auf Angststörung und Depression behandelt. Nix hat geholfen. 2 mal mehrere Monate Tagesklinik, 1 mal 3 Wochen stationär. Mehrere Jahre Therapie und etliche Antidepressiva.
Bis jetzt mein neuer Arzt mal mehr hinter die Fassade geschaut hat und dann die Vermutung ADHS angesprochen hat.
Daraufhin war ich zur Diagnostik und hatte in allen Belangen hohe Werte.

Dachte super, dann weiß ich ja jetzt woher der ganze Mist kommt und es ist Besserung in Sicht.
Seit ich aber so unausstehlich wurde durch Elvanse, ist meine Hoffnung momentan echt im Keller.

Er hatte mir zur zweiten Dosis mittags geraten nachdenklich ihn geschildert hatte, dass nach ca ±5 Stunden meine Stimmung in den Keller geht und ich nicht mehr schlafen kann.

Aber irgendwie wird’s halt schlimmer.
Ich beschränke mich dann jetzt mal auf eine Dosis morgens und schaue mal wie’s ist.

Ansonsten wenn’s nicht besser wird, ist dieses Medikament keine Option für mich.

Hast du selbst auch Elvanse?

Liebe Grüße

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Elvanse / Lisdexamfetamin war mein erstes Medikament.
Habs 6-7 Monate ausgiebig in allen Stärken durchgetestet und für mich protokolliert und mit dem Doc abgesprochen.

Zwischendurch habe ich dann mal einige Monate zu Ritalin Adult gewechselt, um auch Methylphenidat kennenzulernen und es da auch wieder so gemacht.

Beide Wirkstoffe haben ihre Vor- und Nachteile, die von Patient zu Patient individuell unterschiedlich ausfallen können. Ein strukturierter Eindosierungsplan ist da leider unumgänglich, finde ich :confused:

Mittlerweile nehme ich seit Monaten wieder Lisdexamfetamin.


Lisdexamfetamin (LDX) bzw. nach der Umwandlung in Dexamfetamin (DEX, oder D-AMP wirst du hier oft lesen) wirkt weitestgehend sehr ähnlich wie Methylphenidat (MPH), aber doch eben auch anders.

Die Umwandlung von LDX in den aktiven Wirkstoff DEX dauert (je nach Mageninhalt) zwischen 3,5-4,5h. Dann wäre die maximale Wirkstoffkonzentration von DEX im Blutserum erreicht. Anschließend wird es langsam über viele Stunden hinweg abgebaut → wirkt also lange.

DEX hat eine Halbwertszeit von 11h.
Nach 11h ist also noch in etwa die Hälfte im Blut und wirkt aktiv aufs Zentrale Nervensystem (ZNS).

DEX sorgt auch (anders als MPH) nicht nur dafür, dass Dopamin (DA) und Noradrenalin (NA) länger im synaptischen Spalt verfügbar bleiben, sondern kurbelt auch die Ausschüttung dieser Neurotransmitter / Botenstoffe an.


Um wie viel Uhr nimmst du denn die erste und um wie viel Uhr die zweite Dosis?

Dann bastel ich dir was zur Erklärung zusammen, oder suche paar Links von Themen hier zusammen, wo Lisdexamfetamin gut erklärt wurde :slight_smile:


Und - nimmst du noch andere Medikamente?
Bestimmte Antidepressiva und andere Typen von Medikamenten können z.B. die Aufnahme, oder auch den Abbau von DEX beeinflussen.

Da ich momentan noch in Elternzeit bin und zum Glück eine gut schlafende Tochter habe, nehme ich es relativ spät zwischen 9-10 Uhr morgens vor meinem Frühstück ein. Und die zweite Dosis 6
Stunden später.

Ich trinke nur noch koffeinfreien Kaffee.
Was ich aber eh schon länger durch die Schwangerschaft etc. so mache.

Weiß net ob das auch relevant ist, aber zurzeit rauche ich sehr viel.
Ich war vorher ein Genuss und Gelegenheitsraucher. Momentan könnte ich mir gefühlt 10 gleichzeitig anstecken.

Ne hatte vor Elvanse Sertralin. Das hab ich aber ausgeschlichen und dann mit Elvanse gestartet.

Wenn ich abends garnet zur Ruhe komme und nicht schlafen kann, soll ich Promethazin nehmen.

Das mit dem koffeinfreien Kaffee ist supi :+1:t2: DEX + Koffein sind beides Stimulanzien, die kreuzwirken können.

Das mit dem erhöhten Rauchverlangen kann durchs Medikament ausgelöst worden sein, kann sich bei optimaler Tagesdosis aber auch wieder bessern.


Ich würde den verschreibenden Arzt natürlich informieren, aber dann wirklich mit 1 x 30mg mindestens eine Woche durchziehen.

Allein schon wegen dem Steady State, der sich nach (Faustregel: ~5 Halbwertszeiten) ~3 Tagen einstellen sollte.
Bei täglich zeitgleicher Einnahme wäre das Spiel zwischen Wirkstoffaufnahme und Wirkstoffabbau im Fließgleichgewicht und läuft runder.


Knackpunkte, auf die man meiner Meinung nach besonders achten sollte:

  1. Wie wirkt es innerhalb der ersten 4h nach der Einnahme, da in diesem Zeitraum die Umwandlung in den aktiven Wirkstoff bis hin zur maximalen Wirkstoffkonzentration stattfindet und man hier manchmal schon abschätzen könnte, ob man im Peak drüber oder drunter ist.

  2. Wie verändert es sich in den Stunden danach, was auch wieder Aufschluss darüber geben kann, ob die Dosis zu hoch, oder zu niedrig ist.

  3. Tagebuch führen (in den Foren Kategorien gibts im Downloadbereich auch eine Eindosierungstabelle)

    • Stimmung
    • Konzentration
    • Nebenwirkungen
    • Empfundener Wirkbeginn / empfundenes Wirkende
    • Ess- / Trinkverhalten
    • Schlafdauer und Qualität
    • Puls- / Blutdruck Messungen 2-3x täglich zur gleichen Zeit (falls Gerät vorhanden)
    • Sonstiges

Bildchen zur besseren Vorstellung des Umwandlungsprozesses, Peak des aktiven Wirkstoffs und der recht langen Halbwertszeit:

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Vielen Dank für deine Mühe.
Ich probiere es mal aus und rufe Montag beim Arzt an.
Ich dokumentiere mir dann jetzt auch mal mehr. Hatte damit schon angefangen. Aber immer mal wieder vergessen.

Ist ja auch bissl nervig / ungewohnt.
Und dann hört man irgendwo in der Ferne ganz leise das ADHS kichern :adxs_grins:

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Echt nervig :face_with_open_eyes_and_hand_over_mouth:

Ging es dir von der Stimmung her aus so beim eindosieren?
Wie geht es dir jetzt mit dem Medikament ?

Ich bin aber mit Absprache mit dem Arzt durch Magenbypass mit 2 Einnahmen gestartet, was bedeutet, daß ich die 20 mg Dosis auf 2 mal aufgeteilt habe, ca. 1,5 Wochen später erst auf 15 und 15 mg (30 mg) und bekam die Anweisung höchstens 10 mg wöchentlich. Das war mit ab ich glaube 15 zu 15 zu krass und ich gibg dann um 5 mg Schritte hoch. Durch den Magenbypass landen Flüssigkeiten, Pulver mit Flüssigkeiten quasi direkt im Dünndarm und wird dadurch auch viel schneller und stärker resorbiert.

Wenn du meinst es reicht von der Länge nicht würde ich zurück auf 20 oder mg und die gleich teilen 1 Woche min auf der Dosis bleiben. Du brauchst ca. 5 Tage für einen verlässlichen Steady-state um zu beurteilen ob es passt. Meiner Erfahrung nach können 1. Tag super 2. Tag blöd 3.Super sein aber auch Tag 1 Blöde und Tag 2 Blöde Tag 3 wird besser etc.

und so 4 bis 5 std Zeit zwischen den Einnahmen, also entscheiden wieviel std und dann 1 Woche diesen Abstand beibehalten damit man wirklich beurteilen kann, ob sich der Zeitabstand als gut erhaustellen/ einpendeln kann.

Meine Erfahrung ist, daß man sehr viel Geduld braucht und war ich unsicher hab ich zu der Woche auch noch 1 bis 2 Wochen die Dosis mit Abstand gehalten.

Vielleicht hielft es dir etwas

Vielen Dank für deine Nachricht.
Ich habe jetzt heute nur einmal die 30 mg genommen und es ist deutlich besser als gestern. LG

Es gab paar kleine auf- und abs ganz am Anfang, was die Wirkdauer anging, aber das war peanuts :slight_smile:

Bin gespannt, wie‘s die nächsten Tage weitergeht bei dir und wie du es nach einer Woche rückblickend einschätzen wirst :four_leaf_clover:

Ich auch :grimacing:
Ich werde berichten :blush:

Moin! Hab gerade deine Meldungen gelesen und möchte dir auch nahelegen, nur einmal am Tag das Elvanse einzunehmen. Es verursacht oft Schlafstörungen, die wir als ADHS-Betroffene häufig auch schon ohne die Medis haben. Nachmittags Elvanse nehmen - Schlafprobleme sind vorprogrammiert!
Ich bin 64, habe erst vor gut einem Jahr die Diagnose bekommen und bin für Elvanse sehr dankbar. Es ist wirklich ein langes Geduldspiel, bis man / frau die Dosis gefunden hat, die am besten wirkt und dabei die wenigsten Nebenwirkungen verursacht. Manche Ärzte unterschätzen, wie feinfühlig und wie individuell ein Körper auf diese Medis reagiert.
Ich drücke dir die Daumen!

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Vielen lieben Dank für deine Rückmeldung.
Hattest du anfangs bei der Dosisfindung auch solche Probleme mit der Stimmung?

LG

Möchte mich @Libby anschließen.
Es scheint fast so, als würde der Arzt nicht verstehen, dass Elvanse einen ganz anderen Wirkstoff-Freisetzungs-Mechanismus hat, als z.B. Medikinet.
Medikinet muss man mehrfach am Tag nehmen, weil es nur so kurz wirkt, aber Elvanse ist so gebaut, dass es über den Tag verteilt den Wirkstoff nach und nach freisetzt - dadurch wirkt es länger.
Und ja, auch ich hatte schon schlaflose Nächte, wenn ich die Tablette morgens vergessen und so zu spät genommen hatte…

Hier wird ganz anschaulich erklärt, was die Unterschiede zwischen den verschiednen Medikamenten sind und wie sie funktionieren: https://adhs-erwachsene.net/medikamente/

Viel Erfolg!

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Vielen Dank für deine Nachricht.

Kleiner Fun-Fact:
Der Arzt nimmt selbst Elvanse :sweat_smile:

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PS: Die Stimmung kann auch vom Zyklus abhängen - je nach Zyklusphase braucht Frau unter Umständen eine andere Dosierung - ich bin ein großer Fan der Eindosierungshilfetabelle hier aus dem Forum - sie berücksichtigt den Zyklus und man kann gut festhalten, wann unter welcher Dosis welche Stimmungsveränderungen aufgetreten sind…

Vielleicht hilft es…

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