Elvanse Eindosierung und ADHS Diagnose

Hi,

Ich fühle mich etwas verunsichert bezüglich der Eindosierung mit Elvanse. Ich habe zuerst mit 10mg Medikenet mein glück versucht und tatsächlich fühlte ich mich die ersten Tage einfach nur entspannt. Leider schwankte meine Stimmung im Tagesverlauf aber sehr stark und ich hatte vermehrt Kopfschmerzen und übelkeit. Nach 1 Woche sollte ich dann auf 20mg gehen, allerdings habe ich gerade nicht das stabilste Nervensystem und eine Vergangenheit mit Panik und Angst. Leider haben die 20mg dann intensive Angst und Panik ausgelöst und ich bin bei 10mg geblieben.

Da ich mich mit 10mg aber auch nicht richtig stabil gefühlt habe, soll ich nun Elvanse ausprobieren. Meine Psychiaterin wollte mir direkt 30mg verschreiben, was mir zu viel vorkam. Nach langem hin und her habe ich nun 20mg bekommen. Ich habe hier gelesen, das auch häufig mit 10mg angefangen wird, meine Psychiaterin lehnt das aber strikt ab. Elvanse sei nicht teilbar wegen Retadierung, was glaube ich falsch ist? Sie hat meine bedenken zur Eindosierung abschätzig als “Dr. Google” abgetan und sagte, wenn ich so niedrige Dosen bräuchte müsste man meine Diagnose in Frage stellen. Es ist natürlich gut möglich, das ich kein AD(H)S habe, ich suche nur etwas was mir hilft.

Warum denke ich an ADS?

-Obwohl ich schlau bin, bin ich immer hinter den Erwartungen zurück geblieben.

-Mein Alltag und meine Arbeit überfordern mich konstant, obwohl ich keine großen stressoren haben. Ich muss immer sehr viel Druck und Stress aufwenden um überhaupt zu “funktionieren”.

- Das hat dazu geführt das ich irgendwann durch Stressbelastung Panikattacken hatte und Angst. Zudem bin ich öfter schon gecrashed und musste mich länger(teilweise 1-2 Monate lang erholen).

-Ich bin chaotisch und unstrukturiert, das würde auch öfters auf meiner Arbeit bemängelt.

-Ich hab schon seit immer ohne medizinische Ursache mit Erschöpfung, Müdigkeit, Antriebslosigkeit kämpfen.

-Ich muss ständig gegen innere Wiederstände kämpfen.

-Ich komme schwer in die Gänge, bin selten Begeisterungsfähig.

-Ich fange ständig neue Sachen an, bleibe aber bei nichts und springe ständig. Ich kann Dinge nicht zu Ende bringen etc.

Ich bin dankbar für jeden Input :slight_smile: .

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Hast du du nur 1 Einnahme mit 1 Kapsel Medikinet gehabt? In wie fern war das nicht stabil? man muß vorher eine reichhaltige Mahlzeit zu sich nehmen. Medikinet wirkt mit 1 Kapsel 3 bis 5 std hier bei den meisten. Kopfschmerzen können Rebound oder Unterzuckerung sein. Im Rebound bei Medikinet können Adhs Symptome auch verstärkt bzw schlimmer wiederkommen für eine Zeit

Dagegen hilft meist meist eine weitere Einnahme mit 50% der Erstdosis ca. 30 min vor Wirkende um nicht in den Rebound zu kommen und manchmal braucht man als Zweitdosis die Stärke der Erstdosis ca. 30 min vor Wirkende um keinen Rebound zu erleben. Es ist bei Medikinet nicht ungewöhnlich mehrere Einnahmen zu brauchen um eine Tagesabdeckung zu erreichen

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Hi, danke für deine Antwort. Ich habe vor der Einnahme immer gefrühstückt und ich hab aufgehört Kaffee zu trinken. Zudem habe ich immer zwischendurch gegessen um meinen Blutzucker stabil zu halten. Während der Medikinet Einnahme habe ich eigentlich fast den ganzen Tag Kopfschmerzen gehabt. Genau 1 Tablette morgens.

Es hat bei mir einfach jeden Tag anders gewirkt und auch unterschiedlich über die Wirkungsdauer. Meisten in den Peaks entspannter aber hier und da mehr Angst oder nervöser. Und mit den Rebounds war es einfach viel auf und ab, das war teilweise sehr anstrengend für mich. An machen Tagen war ich auch einfach nur matschig im Kopf. Nachdem 20-0-0 nicht so toll war, hab ich mich nicht getraut 10-10-0 zu nehmen.

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Die eine Kapsel gell. Wichtig immer in Kapsel oder wirklicher Tablette zu unterscheiden. Kapsel mit Kügelchen und retardiert Tablette gepresst und nur sofort freisetzend. Entsprechend sind das deutlich andere Wirkfenster und die Stärken sehr verschieden zu bewerten 10 mg sofort freisetzende Tablette ist deutlich stärker als eine 10 mg retard Kapsel weil Retard Kapsel 5mg sofort freisetzend und 5 mg verzögert freisetzenden Wirkstoff beinhaltet.

Ggf. wäre der Umstieg auf Ritalin sinnvoller gewesen weil Ritalin und Generika essensunabhänig wie Elvanse eingenommen werden können. Medikinets wirkung ist auch schon stark davon abhängig was du ißt wie schnell verstoffwechselte Kohlenhydrate, Obst, Protein, viel Protein mit Fett und Vollkornprodukten etc. Bei Medikinet ist auch die Nahrungsmenge für die gleichmäßig Wirkung auch noch wichtig. Etwas gewöhnungsbedürftig und wird wahrscheinlich auch nie groß vom Arzt erklärt

Hast du Elvanse schon genommen? Möglichst immer in der Eindosierung zur gleichen Zeit und Elvanse hat einen Steady-state von 5 Tagen so lange kann man verschieden Wirkungen wahrnehmen

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Ja sry, es war eine Kapsel mit 10mg Medikinet adult, also retadiert. Ich habe noch nicht mit Elvanse begonnen, ich denke ich mache ersteinmal ein paar Tage Pause. Danke für die ganzen Infos.

Hi und willkommen :slight_smile:

Also, es sind ja einige Themen hier, darum teile ich mir das kurz auf:

Eindosierung nach Diagnose: Ich war auch nicht direkt auf Elvanse - bei mir starteten wir mit Concerta (ich hatte alle erdenklichen Symptome, es war fürchterlich) und wechselte dann auf Elvanse mit meiner Psychiaterin. LEIDER kann ich gerade nicht sagen, wie hoch ich gestartet habe, aber es war nichts, was ich teilen musste, darum nehme ich an 20mg oder 30mg. Mittlerweile bin ich bei täglich 60mg und bis auf den schnelleren Puls, ist keine Nebenwirkung langfristig geblieben.

Eindosierung Tempo: Ich finde es richtig, dass Du es in deinem Tempo angehst. Du merkst am besten, wie Du und dein Körper reagieren. Und, wenn Du ohnehin schon Themen mit Panik/Angst hast, bringt Druck herzlich wenig Positives ans Licht.

Deine Psychiaterin: klingt ein wenig… bescheuert, sorry. Eine Diagnose bedeutet nicht, dass Du zwingend ein Medikament nehmen musst. Wer sich dafür entscheidet, hat auch keine Mindestanforderung von mg Einahmen zu erfüllen, damit die Diagnose stimmen kann. Es gibt unterschiedliche Gewöhnungszeiten und unterschiedliche Bedürfnisse - das sollte ihr klar sein, auch ohne ADHS-Spezialisierung.

ADHS vs. ADS: Vieles, was Du beschreibst, zeichnet sich auch in meinem Leben ab. Ich war davon überzeugt, dass ich ADS habe, es wurde bei der Abklärung dann aber sehr deutlich, dass es ADHS ist. Fast die ganze Hyperaktivität habe ich verinnerlicht, statt sie nach aussen zu zeigen. D.h. Ein KONSTANTER Strom an Gedanken, der innere Unruhe, Schlafstörungen, etc. verursacht. Ich bin mir sicher, dass Du hier ein paar bessere Rückmeldungen dazu bekommst, welche Dir helfen.

Liebe Grüsse

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@Neva Hallo Neva,

Willkommen hier. Das, was du in den Spiegelstrichen geschrieben hast, ist typische Symptomatik und Folgeerscheinung von unbehandeltem(!!) AD(H)S.
Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Mit einer guten Medikation wird das viel besser. Angst vor den Medikamenten brauchst du nicht haben, denn die Wirkstoffe sind binnen Stunden abgebaut. Das Schlimmste, was dir beim Ausprobieren passieren kann, ist ein besch…… blöder Tag. Wenn du nix ausprobierst, ändert sich nix an den Spiegelstrichen

Du wirst vermutlich Geduld brauchen. Was für dich eine gute passende Medikation ist, kannst nur du selbst herausfinden. Weder ein Arzt noch sonst jemand kann genau vorhersehen, wie welches Medikament in welcher Dosierung bei dir wirkt. Jeder Körper reagiert anders. Nur du selbst kannst fühlen, was dir gut tut.

Ich hatte auch mal eine einmalige Anfangsdosierung mit Medikinet adult. Das wirkt aber nur wenige Stunden (zwischen 3 und 6 Stunden). Danach hängst wahrscheinlich wieder in den Seilen. Also solltest rechtzeitig vorher eine zweite (und ggf. dritte) Kapsel nehmen. An langen Tagen hatte ich sogar 20-20-20-20. Elvanse wirkt ein paar Stunden länger; da musste ich, als ich es ausprobierte, nur eine zweite Dosis nehmen um den ganzen Tag abzudecken.

Tipp: Keine Nebenwirkungen in den Beipackzetteln lesen. Ganz wichtig: neugierig und zuversichtlich bleiben. Ängste und Befürchtungen produzieren sonst genau das, was du befürchtest.

Hier noch ein Link zu einem Vortrag einer auf Erwachsenen-ADHS spezialisierten Fachärztin, Vorstandsmitglied bei ADHS Deutschland, selbst ADHS-betroffen, beim ADHS 20-Kongress in der Schweiz 2024; absolut sehenswerter Überblick über über unsere Thematik. https://youtu.be/sStuFdQBDxU?is=0Ai3XR5IHVmAv25b

Nur Mut, es kann - mit Tagesschwankungen - nur besser werden. Toi toi toi​:+1::grinning_face:

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Danke für die ganzen tollen Worte! Das macht mir Mut :slight_smile: . Ich würde jetzt mal schauen, ob ich mit Elvanse klar komme, würde aber mit 10 mg starten wollen. Meint ihr ich kann das einfach mit Wasser mischen und nur die Hälfte trinken? Oder ist davon abzuraten? Sogar im Beipackzettel ist ja angegeben das man es mischen darf, nur eben nicht teilen.

So machen es die meisten hier :slight_smile:

Hallo Neva,

Du möchtest mit einer möglichst niedrigen Dosis Elvanse erreichen, dass möglichst wenig Nebenwirkungen auftreten und vor allem Deine Angststörung nicht befeuert wird - habe ich das richtig verstanden?

Dazu folgende Hinweise:

  • Bei Elvanse benötigt man i.d.R. höhere Konzentrationen als von MPH - Produkten (wie Medikinet eines ist).
  • Elvanse benötigt 4-5 Tage, bis ein Gleichgewicht zwischen aufgenommenem und abgebautem Wirkstoff in deinem Körper erreicht ist (Stichwort Steady - State). Die Wirkstoffkonzentration steigt also von Tag 1 bis 4/5 in deinem Körper an. In den ersten 2-3 Tagen wirst du auch eine Veränderung wahrnehmen können.
  • Für eine verlässliche Aussage, ob eine Dosis für dich die richtige oder falsche ist (egal ob zuviel oder zu wenig), müssen daher mindesten 5 Tage abgewartet werden.
  • Elvanse kann, wie jedes andere ADHS Medikament, in der Unterdosierung unangenehme Nebenwirkungen erzeugen. Habe ich selbst erlebt, ist nicht so schön.
  • Die Überlegung „Ich starte erstmal möglichst niedrig und taste mich dann vorwärts“ kann einen längeren Leidensweg bedeuten.
  • Als Startdosis für Elvanse werden vom Hersteller/ den Fachinformationen 30mg empfohlen. Daran hat sich deine Psychiaterin gehalten.
  • Bei nicht aushaltbaren Nebenwirkungen kannst du Elvanse natürlich sofort abgesetzten.
  • Und dass ist die Krux: Nebenwirkungen sind immer doof! Man hat Herzstolpern, Kopfschmerzen, ein seltsames Gefühl im Kopf oder Körper, Stimmungseinbrüche oder vermehrte Angstzustände oder 20 andere Auswirkungen und denkt sich: Oh man, geht das weg oder bleibt das so?! Genau da brechen viele ab (wie ich auch beim ersten Mal). Leider ist es wie mit der Brandung am Strand: Um mit einem Boot vom Strand weg aufs offene Wasser zu kommen, muss man durch die Wellen durch, weil es keinen anderen Weg gibt.
  • Nebenwirkungen sind in aller Regel vorübergehend! Und werden mit jeder Dosissteigerung Richtung Zieldosis besser. Das gilt es sich immer wieder zu sagen.
  • Eindosierung braucht Zeit. Einige hier sind schon nach 4 Wochen symptomfrei, andere erst nach 3-4 Monaten.
  • Es gib hier einen sehr guten thread, der die Symptome für Unter- und Überdosierung bei Elvanse sammelt. Sind alles Erfahrungswerte und sehr hilfreich. Elvanse: Symptome bei Über- oder Unterdosierung - sortiert und strukturiert :pill:
  • Kein wirksames Medikament ist gänzlich ohne Nebenwirkungen. Es geht darum, aushaltbare Nachteile bei möglichst viel guter Wirkung zu erreichen.
  • Mir hat im Umgang mit den Nebenwirkungen geholfen mit ihnen zu rechnen und wenn sie da waren sie möglichst wenig zu beachten.
  • Ein kleiner Mutmacher zum Schluss: Eine Freundin von mir hat bei 10mg Medikinet retard wieder Panikattacken bekommen und ist mit dem Wechsel auf Elvanse mit 40mg zufrieden. Sie hat zwar höheren Puls und manchmal Herzstolpern, aber keine Befeuerung der Angst.

Ich wünsche Dir Gelassenheit, Durchhaltevermögen und die Zuversicht, dass Dir Medikamente bei deinen oben erwähnten Problemen eine echte Erleichterung verschaffen können. :four_leaf_clover:
Berichte gerne, wie es für Dich weitergeht.

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Hier noch ein paar Ratschläge: https://drive.google.com/file/d/1q9htV7FPnYBnsW0xQKAbaAudNGJw2fNo/view?usp=drivesdk

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Mega, vielen Dank für die ganzen Infos und Erfahrungswerte!

Da ich eher Hypoaktiv bin, könnte es sein das bei mir niedrigere Dosen besser anschlagen und ich schnell überdosiert bin. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen mit 10mg anzufangen und dies in 5mg Schritten aufzudosieren. Mir geht es zum einem um die Angst, aber auch darum, das mein Körper sich an den Wirkstoff gewöhnen kann. Auch im Bezug auf Puls/Blutdruck.

Ich merke Elvanse nach etwa 2 Stunden und es hält etwas 8-10 Stunden. Bisher ist es für mich viel stabiler und nebenwirkungsärmer als Medikinet. Nochmal vielen Dank fürs Mut machen, wünscht mir Glück :slight_smile: .

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