Elvanse + Escitalopram Sorgen wegen Wechselwirkung & Euphorie nach Einnahme von Elvanse

Hallo Zusammen,

ich bin ganz neu im Forum und habe mich vor allem aufgrund meines Anliegens angemeldet.
Kurz zu mir: Ich habe meine ADHS (und Autismus) Diagnose jetzt seit Mai, also noch überhaupt nicht lange. Ich bin 28 Jahre alt und seit ich 18 bin habe ich eine Depression diagnostiziert und da auch schon mehrere Medikamente bekommen, letztlich nehme ich seit einigen Jahren Escitalopram, da 25mg obwohl das eigentlich über der empfohlenen Höchstdosis ist. Ich wurde damals in einer Klinik extra eingestellt und in meinem Blut konnte gesehen werden, dass das Medikament nicht ausreichend in meinem Blutspiegel ankommt, also zu schnell abgebaut wird. Dennoch haben mir all diese Medikamente und Therapien nie bei meinem Hauptproblem geholfen: Kein Antrieb, keine Motivation, kaum Energie, plötzlicher Energie Crash mitten in einer Aufgabe, all solche ADHS Sachen halt, aber das wusste ich damals nicht.
Jetzt nehme ich seit einer Woche Elvanse 30mg. Mein Psychiater hat mir das komischerweise direkt verschrieben obwohl ich immer wieder höre und lese, dass man eigentlich zunächst Ritalin o.ä. bekommt. Ich hatte das in dem Moment aber nicht hinterfragt weil ich noch so neu in der ganzen Materie bin und einfach dem Arzt Vertrauen schenken wollte. Ich habe Zuhause dann auch gelesen dass man Elvanse und SSRI’s eigentlich gar nicht kombinieren soll, mir wurde da so eine Warnung angezeigt beim Wechselwirkungscheck im Internet. Nach langer Recherche habe ich da aber gesehen, dass es sich da darum handelt, dass eventuell und nur in Ausnahmefällen ein Serotoninsyndrom auftreten könnte. In einem anderen Erfahrungsbericht habe ich jedoch gelesen, dass jemand durch die Kombi beider Medikamente super aggressiv und wie fremdgesteuert wurde.

Alles in allem würde ich sagen ich vertrage alles ganz gut. Nur bekomme ich so ca 2 bis 3 Stunden nach Einnahme immernoch ein intensives euphorisches Gefühl. Ich bin dann wie aufgeregt und fühle so eine Aufregung in der Brust. Ich finde es nicht unangenehm und ich bin auch nicht fremdgesteuert dadurch, ich fühle mich auch nicht „high“ oder so. Aber dennoch soll das ja eigentlich nicht die Wirkung sein. (Hier wollte ich kurz noch erwähnen, dass ich das Medikament nehme und danach frühstücke, vielleicht ist das der Fehler). Dieses Gefühl hält dann ein wenig an und danach fühle ich mich langsam wieder normal. Ich schaffe es mehr Dinge zu erledigen, aber vielleicht auch nur wegen diesem Euphoriegefühl, da bin ich mir nicht sicher. Ich habe das Gefühl abends besser schlafen zu können und ich mag es dass ich gezwungenermaßen einen normalen Tag und Nachtrhythmus habe, da ich zuvor richtig viel tagsüber geschlafen habe und nachts dann kaum schlafen konnte. Jetzt ist das richtig geregelt und ich bin voll dankbar dafür.

Jetzt nach langem Gerede nochmal konkret zu meiner Frage: Kennt das jemand mit diesem euphorischen, aufgeregten Gefühl in der Brust (wie so ein Energiekick) und kann mir sagen ob das nach ner Zeit wieder weggeht? Auch ob der Antrieb dann trotzdem bleibt?
Oder würdet ihr sagen ich muss das jetzt sofort nochmal ärztlich abklären lassen? Mein Psychiater ist halt leider im Urlaub und ich müsste dafür jetzt extra auf die Suche nach einer Vertretung gehen aber dazu würde ich gerne die Dringlichkeit abschätzen. Meinen nächsten Termin bei meinem Psychiater habe ich Anfang August.
Und würdet ihr sagen dass die Kombi aus SSRI und Elvanse doch gefährlicher ist? Oder ist es okay das zusammen zu nehmen, wenn ich da nichts ungewöhnliches bemerke? Ich habe bisher auch ständig meinen Blutdruck überwacht und bin auch ansonsten sehr aufmerksam was Symptome angeht die mir komisch vorkommen.

Danke schonmal für die Hilfe und sorry dass gleich der erste Eintrag von mir hier so super lang geworden ist!

LG Jennidorina :slight_smile:

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Hey,

In den aktuellsten Leitlinien wird lediglich die Behandlung mit Stimulanzien als erste Wahl empfohlen. Das können Methylphenidat (Ritalin, Medikinet etc.) oder Lisdexamfetamin (Elvanse) sein. Dass du zuerst Elvanse verschrieben bekommen hast ist also nicht falsch oder ungewöhnlich.

Ärzte haben Wechselwirkungen oft nicht auf dem Schirm, aber wie du schon herausgefunden hast, ist das Risiko eines Serotoninsyndroms gering. Wenn es auftritt sollte man sich in ärtztliche Behandlung begeben und die verursachendne Medikamente absetzen, dann ist das auch gut behandelbar.
Du scheinst dich ja gut zu beobachten und keine entsprechenden Symptome zu haben, daher würde ich mir da keine Sorgen machen.

Solange die Euphorie dich nicht stört würde ich mir da auch keine Sorgen machen. Ich würde einfach abwarten, wie es sich entwickelt.

LG RandomRocket

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Das mit dem Serotoninsyndrom habt ihr ja schon durch.
Da würde ich mich nicht bekloppt machen.

Wegen der Euphorie:

Vielleicht ist es bloß dem sogenannten Honeymoon-Effekt geschuldet und der könnte sich bald wieder legen.

Sollte es unangenehm sein und so bleiben, wäre vielleicht auch eine Reduktion der Dosis vom Escitalopram möglich, weil das indirekt auch (geringfügig) andere Neurotransmitter-Spiegel modulieren kann, die Elvanse schon direkt moduliert.

Aber das nur für den Hinterkopf und natürlich auch nur in Absprache mit dem Doc :slight_smile:

Wirkung von Escitalopram auf Antrieb und Motivation
  • Escitalopram blockiert den Serotonin-Reuptake-Transporter (SERT) und erhöht so die serotonerge Aktivität im synaptischen Spalt.

  • Eine erhöhte Grundstimmung und reduzierte Angstsymptome fördern indirekt Motivation und Handlungsbereitschaft.

  • Durch Desensitivierung von 5-HT₁A-Autorezeptoren stabilisiert sich die serotonerge Transmission langfristig und verstärkt den Aktivierungseffekt.

  • Sekundär wird über 5-HT₂C-Rezeptoren die Freisetzung von Noradrenalin und Dopamin im Präfrontalcortex gesteigert, was antriebssteigernd wirkt.

Effekte wichtiger Neurotransmitter

Noradrenalin

  • Steigert Arousal & Wachheit durch Projektionen des Locus coeruleus in den Cortex.

  • Vermittelt die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion und beeinflusst Stress- und Angstlevel.

  • Verbessert das Signal-Rausch-Verhältnis in aufgabenrelevanten Netzwerken, fördert Konzentration & Lernen.


Dopamin

  • Kontrolliert das Belohnungssystem (mesolimbischer Pfad: VTA → Nucleus accumbens) und steuert Motivation.

  • Reguliert exekutive Funktionen im mesocorticalen Pfad (VTA → präfrontaler Cortex): Planung, Arbeitsgedächtnis, Impulskontrolle.

  • Steuert Motorik über den nigrostriatalen Pfad (Substantia nigra → Striatum) und Feinabstimmung der Bewegung.


Serotonin

  • Modulation von Stimmung & Affekt durch Raphe-Kerne → diverse limbische Areale.

  • Beeinflusst Impulskontrolle & kognitive Flexibilität im präfrontalen Cortex.

  • Reguliert Schlaf, Appetit & Schmerzempfinden über Hypothalamus und Rückenmark.


Wirkung von D-Amphetamin auf Neurotransmitter
  • Lisdexamfetamin ist ein Prodrug von Dextroamphetamin, das erst nach der oralen Einnahme im Körper zu aktivem D-Amphetamin umgewandelt wird.

  • Amphetamin fördert die Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin aus den Vesikeln in den synaptischen Spalt und hemmt zugleich deren Wiederaufnahme.

  • Indirekt kann es auch geringe Effekte auf das Serotoninsystem haben, vor allem über Interaktionen in höheren Dosen.

  • Die gesteigerte Dopamin- und Noradrenalinausschüttung führt zu erhöhter Aufmerksamkeit, Wachheit und Motivationssteigerung.

  • Im Gegensatz zu SSRIs wirkt Lisdexamfetamin nicht primär am Serotonin-Reuptake-Transporter, sondern über Monoaminfreisetzung und Reuptake-Hemmung v. a. von DA/NA (Dopamin / Noradrenalin).


Potenzial zur Reduktion von Escitalopram
  • Durch verbesserte Antriebskraft, Konzentration und Stimmung bei komorbider Depression kann D-Amphetamin ebenfalls depressive Symptome lindern (beeinflusst vor allem in hohen Dosen auch das limbische System).

  • Eine reduzierte Dosis von Escitalopram könnte theoretisch möglich sein, wenn die antidepressive Wirkung insgesamt stabil bleibt.

  • Eine Dosisanpassung sollte jedoch schrittweise und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen, um das Risiko eines Rückfalls zu minimieren.

  • Kombinierte Behandlung kann synergistisch wirken, da SSRI hauptsächlich das Serotoninsystem stabilisiert und D-Amphetamin Dopamin/Noradrenalin adressiert.

  • Entscheidungen zur Dosisreduktion orientieren sich an Symptomskala, Therapieansprechen und Nebenwirkungsprofil beider Substanzen.

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Hi @jennidorina und herzlich willkommen! :adxs_wink:

Escitalopram kann die Wirkung von Elvanse verstärken.

Ich nehme die Kombi auch, bei mir lief es aber andersrum. Hatte erst ne Weile Elvanse 30 mg und dann Escitalopram eindosiert, weil depressive Stimmung und Antrieb auch mit Elvanse nicht besser geworden sind.

Ich hatte am Anfang das Gefühl, dass Elvanse mit Escitalopram etwas „kickt“ und überlegt, Elvanse zu reduzieren. Das ist nach ein paar Wochen aber nicht mehr so. allerdings nehme ich nur 10 mg Escitalopram.

Ich würde das beim Arzt ansprechen, ob eine Reduzierung von Escitalopram sinnvoll wäre. Vielleicht brauchst Du es ja irgendwann auch gar nicht mehr, weil die Depressionen eine Folge von unbehandeltem ADHS sind und wenn Du mit ADHS-Medis gut eingestellt bist, das AD gar nicht mehr nötig ist. Wäre kein Einzelfall. Aber wenn Du es schon jahrelang nimmst - bitte wirklich nur mit ärztlicher Absprache und sehr langsam runterdosieren! Das kann bei der hohen Dosis Monate dauern, bis Du völlig „runter“ bist.

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Hey, danke für deine Rückmeldung, es ist schön von jemandem zu lesen, der die gleiche Kombi nimmt. Ich werde das mal bei meinem nächsten Psychiatertermin ansprechen, ich hatte sowieso überlegt ob man mal versuchen könnte das Escitalopram zu reduzieren bzw. eventuell sogar ganz abzusetzen. Meine depressive Symptomatik ist glaube ich wirklich größtenteils aufgrund des unbehandelten ADHS da gewesen. Ist in der Kombi, die du jetzt nimmst dein Antrieb dauerhaft verbessert?

Hey danke für die Antwort! Ich bin ja in der ganzen Marterie noch völlig neu daher kannte ich auch den Begriff des Honeymoon Effektes nicht. Habe mich da mal ein bisschen eingelesen und vielleicht ist es ja wirklich zum Teil auch genau das. Danke für die Infos!

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Ahhh achso ich dachte immer man würde regulär zunächst Methylphenidat geben. Wieder was gelernt… :smiley:
Bin mal gespannt wie sich das mit der Wirkung noch weiterentwickelt bei mir. Ich hoffe die Euphorie geht etwas zurück und der Antrieb bleibt.

Ja.

Bei mir lief es aber alles „andersrum“. Da kam die Depression erst ein paar Wochen/Monate nach ADHS-Diagnose und Beginn der ADHS-Behandlung. Also mir ging es zuerst total gut und dann wurde es wieder schlechter, weil die Depression reinkickte. Zudem bestand der Verdacht auf PTBS.

Ich habe dann eine Therapie angefangen, aber es wurde eher schlimmer als besser. Deswegen dann der Entschluss, es mit einem AD zu versuchen, was in Absprache mit meinen Ärzten (aus verschiedenen Gründen) Escitalopram wurde.

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