Ich bin neu hier im Forum, bin M27 und seit gut 3 Jahren in Behandlung - mit 2 Jahren Pause dazwischen, also eher ein Jahr haha. Naja ich komm gleich auf auf den Punkt mit meinem Problem:
Ich nehme seit geraumer Zeit Escitalopram 10mg (Fehldiagnose) und seit einigen Monaten auch die maximal Dosis Elvanse also meinst 70/80mg, da weniger nicht funktioniert.
Mein Problem, ich bekomm das Escitalopram momentan nicht weg, da zu viele Nebenwirkungen ohne SSRI und auch nur leichtes absetzen kann ich mir gerade beruflich nicht leisten.
Mein ZNS ist mit escitalopram (paradox!) zu empfindlich und lässt mein elvanse morgens nicht durchkommen und schlägt eher in Stresswellen um, welche sich meist 3 Stunden nach der Einnahme normalisiert. Also ich weiß es ist das Escitalopram, dass mit hier reinpfuscht…
Jetzt meine Frage:
Hat hier wer ähnliche Erfahrungen?
Machen SSRIs dein ZNS auch so empfindlich?
Kommt bei dir das Dopamin auch nicht so richtig durch wegen dem SSRI?
Und zu allerletzt, hat hier jemand Erfahrung mit ABEND-Einnahme von Escitalopram(10mg)?
Da am Abend die sedierende Wirkung vom Escitalopram nicht aufs elvanse kommt und in der Früh das elvanse frei wirken kann. Habe nur Angst wegen dem Schlaf?
Vielen lieben Dank im Voraus! Ich bin so dankbar, dass es Foren zu diesen Themen gibt. XXX
Lg Juli
Hallo Juli,
das hört sich ja nach einer ziemlich komplizierten Geschichte an…
Escitalopram wird eigentlich morgends genommen, weil es ja auch eine antriebssteigernde Wirkung hat und sonst Schlafprobleme auftreten können.
Wenn du das Escitalopram garnicht brauchst, weil es gesichert wegen einer Fehldiagnose verordnet wurde, solltest du irgendeinen Weg finden, es auszuschleichen, da es mit Elvanse auch gefährliche Wechselwirkungen geben kann, v.a. in diesen hohen Dosierungen.
Was sagt denn dein Arzt dazu? Hat der nicht irgendwelche Tipps?
Wenn du sagst "Stresswellen " in den ersten 3 Stunden nach Einnahme, könnte das nicht ein Zeichen von Überdosierung sein?
Oder schon die ersten Anzeichen eines Serotoninsyndroms?
Dass du ohne Escitalopram eher weniger Elvanse brauchst?
Oder stattdessen das Elvanse auf mehrere Tagesdosen verteilen, wie manche das hier machen.
Klar, wenn man beruflich voll da sein muss, ist es schwierig herumzuexperimentieren.
Vielleicht mal im Urlaub oder an den langen Wochenenden, die noch kommen?
Die meisten Nebenwirkungen/Absetzerscheinungen etc bessern sich ja nach einigen Tagen.
Aber auf jeden Fall nur nach ärztlicher Beratung!!!
vielen Dank für deine ausführliche und empathische Antwort – hat mich echt gefreut!
Ja, das Escitalopram muss langfristig weg… Ich hab’s auch schon mal versucht, aber selbst kleinste Reduktionsschritte waren bei mir nicht machbar – nicht wegen unerträglicher Symptome, sondern weil der berufliche Druck einfach konstant volle Aufmerksamkeit erfordert.
Es läuft privat und beruflich eigentlich sehr gut – aber genau in dieser sensiblen „Feintuning“-Phase kippt mir dann alles, wenn ich am Medikament drehe. Mein Arzt sieht das ähnlich: Lieber langsam ausschleichen als gar nicht. Aber selbst das ist aktuell schwierig – ich bin froh, wenn ich’s überhaupt schaffe, alle Medikamente pünktlich zu nehmen.
Ein kompletter, kontrollierter Entzug über 1–2 Monate wäre eigentlich ideal – aber dafür fehlt mir gerade schlicht die Zeit und der Freiraum.
Was die „Stresswellen“ betrifft: Ich glaube nicht, dass es ein Serotoninsyndrom ist – die sind mit höherer Elvanse-Dosis sogar weniger geworden. Keine typischen Symptome, eher so kurze innere Anspannungen nach Einnahme von Escitalopram – vermutlich durch die Serotonin-Dopamin-Verschaltung?
Daher schwanke ich zwischen zwei Optionen:
Escitalopram auf abends verschieben, in der Hoffnung, dass der Schlaf nicht zu sehr leidet.
Radikal ausschleichen innerhalb eines Monats, parallel kurzzeitig Elvanse + Attentin zur Abfederung, danach zurück auf nur Elvanse.
Beide Varianten bespreche ich natürlich mit meinem Arzt.
Freue mich sehr über deine/eure Meinungen oder Erfahrungen dazu!
Escitalopram hat eigentlich keine sedierende Wirkung, sondern eine antriebssteigernde, weshalb man es morgens nehmen soll. Wenn es bei Dir sedierende Wirkung hat, dann ist das eher eine paradoxe Wirkung. Ich kenne jemanden, der es genau deswegen abends nimmt und das funktioniert gut. Wirst Du halt ausprobieren müssen.
Escitalopram gibt es auch als Tropfen (1 Tropfen = 1 mg). Du könntest also tröpfchenweise über sehr lange Zeit ausschleichen. Kannst ja auch kombinieren. 5 mg Tablette und 4 Tropfen dazu (macht dann 9 mg). Wenn die Absetzwirkungen weg sind, 5 mg Tablette + 3 Tropfen usw.
Ich habe keine Erfahrung mit dem Absetzen von Escitalopram, ich habs vor ein paar Monaten auf die Weise eindosiert, weil ich auf viele Medikamente sehr empfindlich reagiere. Mir gehts mit 30 mg Elvanse + 10 mg Escitalopram deutlich besser als nur mit Elvanse (habe aber auch passende Diagnosen für Escitalopram + Elvanse).
Also ja es ist die paradoxe Wirkung, habe gestern das Escitalopram am Abend genommen und heute konnte das Elvanse super greifen, allerdings musste ich 10mg nachlegen da mein Körper die Abendeinnahme noch nicht gewohnt ist.
Ja das mit den Tropfen hab ich meinem Psychiater auch schon vorgeschlagen… die gibts aber leider nicht in Österreich… so ein Mist
Kleinste Pillengröße sind unteilbare 5mg Escitalopram. Wirklich ungut…
Werde es jetzt bei der Abendeinnahme eine Zeit belassen und gegebenenfalls ein Update geben! Bin auf jedenfall zumindest heute guter Dinge